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England künftig Sitz der europäischen Tochter sowie Standort für Entwicklung und Fertigung:


03.05.1985 - 

Mit Rolm Europe betont IBM Telecom-Ambition

SANTA CLARA/STUTTGART - Ein gutes halbes Jahr nach der Umwandlung in eine 100prozentige IBM-Tochter setzt die Rolm Corp., Santa Clara, jetzt zum Sprung über den großen Teich in die Alte Welt an: Am 23. April wurde die Gründung der Rolm Europe Limited mit Sitz in England bekanntgegeben.

Darüber hinaus will der Spezialist für digitale Nebenstellenanlagen - Typenbezeichnung CBX II - aus Santa Clara künftig auch auf der Insel entwickeln und fertigen. Zu diesem Zweck wurde in Wootton Bassett, 130 Kilometer westlich von London, bereits ein mehr als 60 Hektar großes Grundstück erworben. Baubeginn soll Anfang Januar des nächsten Jahres sein und innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren ist beabsichtigt, zwischen 200 und 300 Leute dort zu beschäftigen.

Besonders interessant dürfte die Unordnung der Rolm Europe Ltd. in die europäische Organisationsstruktur und die Telekommunikationsaktivitäten von Big Blue sein, wobei offenbar noch einiges im Unklaren ist: So heißt es von Rolm selber die europäische Tochter werde Teiekommunikationsprodukte nach europäischen Spezifikationen entwickeln und einen wesentlichen Anteil an Bauelementen und sonstigen Teilen von hiesigen Unternehmen ordern. Die Vermarktung der von Rolm Europe entwickelten Produkte liege in den Händen der IBM Telecommunications Systems Business Units, die schon jetzt wie auch weiterhin für die Vermarktung aller nachrichtentechnischen Systeme des Marktführers wie zum Beispiel der analogen Nebenstellenanlagen 1750 und 3750 N verantwortlich zeichneten.

Dagegen erklärte ein Sprecher der IBM Deutschland auf Anfrage, daß vom südfranzösischen La Gaude aus - wo die IBM ihr "Switching Systems Marketing Center" und ihr "Network Products Marketing Center" betreibt - die in diese Sektoren fallenden Produkte nicht nur weiterhin unterstützt, sondern daß dort auch "bestimmte Aktionen, die länderweit notwendig sind, hinzuentwickelt oder hinzugefügt werden".

Unscharf ist zudem auch die Produktpalette, mit der die IBM-Enkelin Rolm Europe hierzulande und in den übrigen EG-Staaten antreten will. Rolm selber spricht hier lediglich von eigenen Entwicklungen, die "den europäischen Standards entsprechen" sollen. Die deutsche IBM läßt die Frage, ob es sich bei den Rolm-Produkten nur um digitale PBX-Anlagen und/oder auch um die öffentliche Vermittlungstechnik handelt, offen, verweist aber auf die rund 17000 digitalen Nebenstellenanlagen vom Typ "CBX II", die Rolm in den USA installiert hat, und bestätigt, daß auf diesem Sektor in Europa einiges geplant sei. Dies bedeute jedoch nicht, daß mit einer Ablösung der bisherigen IBM-eigenen PBX-Systeme zu rechnen sei, weil zum einen "Rolm noch gar nicht so weit ist und wir zweitens durchaus vorhaben, bei der 1750 noch einiges auszubauen".

Marktbeobachter in den USA wie auch in Europa gehen aber davon aus, daß Rolm mit Hochdruck daran arbeitet, eine Anpassung zwischen dem eigenen CBX-II-System und den IBM-Nebenstellenanlagen zu entwickeln, um auf diese Weise mit Hilfe des Namens und der installierten Basis von IBM leichter in den europäischen Unternehmen Fuß fassen zu können. Eine weitere Voraussetzung für ein erfolgreiches Agieren in Europa sei der Nachweis, die für den US-Markt entwickelte vielfältige CBX-II-Software den unterschiedlichen Erfordernissen der Alten Welt und hier vor allem in Richtung ISDN anzupassen.

Ein Indiz für die künftige Strategie, die IBM mit Hilfe von Rolm ganz generell auf dem Feld der Telekommunikation einschlagen wird, ist möglicherweise das jüngste Announcement der beiden Unternehmen, auch wenn es - bisher jedenfalls - nur für den US-Markt gilt: Danach stellt Big Blue sein selbstentwickeltes Sprachspeichersystem zugunsten des entsprechenden Rolm-Produkts völlig ein, vermarktet aber dieses System dann unter IBM-Label. Für den PBX-Sektor könnte dies auch ein Modell sein.