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15.10.1999 - 

E-Commerce/Deutsche Eishockey Liga geht online

Mit schnellen Informationen viele Punkte machen

15.10.1999
Auch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat sich zu einem Online-Auftritt entschlossen. Das sogenannte Scoring-System informiert über Tore und Strafzeiten nahezu in Echtzeit. Irina Hesselink* schildert den Internet-Service der Liga und weitere Ausbaupläne.

Die Kooperation der Profiliga mit dem Deutschen Eishockey Bund hat sich zu einer soliden Partnerschaft entwickelt, und die Fans würdigen neue Hallenkonzepte wie die multifunktionale Arena in Köln mit kontinuierlich wachsenden Zuschauerzahlen. Im Mai 1997 gegründet, ist die DEL zu Beginn ihrer vierten Spielzeit eine feste Größe im kommerziellen deutschen Sport. Jüngste Umfrage-Ergebnisse von "Sport und Markt" attestieren der relativ jungen "Marke" eine Bekanntheit von 51 Prozent - Zeit für den Schritt ins Internet.

Ralph Fürther, bei der Deutschen Eishockey Liga verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, freut sich: "Rund 13000 Eishockey-Begeisterte haben im Schnitt den Weg nach Köln gefunden - und das in der ersten Spielzeit bei einer eher durchschnittlichen Saison der Kölner Haie. Mit der Eröffnung der Kölnarena, die insgesamt 18500 Fans Platz bietet, zeichnet sich eine neue Tendenz im Profi-Eishockey ab. Großzügige Multifunktionshallen mit einem breiten Freizeitangebot lassen Sport und Entertainment künftig näher zusammenrücken. Aus Feierabendvereinen sind Vollzeitakteure in Proficlubs geworden, für die neben dem sportlichen Erfolg auch die wirtschaftliche Effizienz im Vordergrund steht. "Es findet eine Professionalisierung statt, wie wir sie aus amerikanischen Ligen kennen. Vor diesem Hintergrund geht es der DEL vor allem darum, die wirtschaftliche Stabilität der deutschen Profiliga weiter zu stärken." Derzeit haben sich der Organisation 15 Clubs angeschlossen. Neben den Kölner Haien gehören dazu unter anderem die Frankfurt Lions, die München Barons, die Moskitos Essen sowie die beiden Berliner Clubs Eisbären Berlin und Berlin Capitals. Sie greifen bei Managementfragen, aber auch bei der Förderung von weiteren Hallenprojekten auf Beratung und Unterstützung des Kölner DEL-Büros zurück. Hier kümmern sich sechs hauptamtliche Mitarbeiter um einen reibungslosen Spielbetrieb, die Verwaltung von Vermarktungs- und TV-Rechten, die ligaweite Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie um sämtliche Zukunftsprojekte der Organisation.

Jüngstes Beispiel: der DEL-Internet-Auftritt. Unter www.del.org lassen sich seit Beginn der neuen Saison im September rund um die Uhr aktuelle Liga-News abrufen. Ein Scoring-System stellt Kerndaten wie Tore und Strafzeiten nahezu in Echtzeit online zur Verfügung. Unmittelbar nach einem Spiel besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sich über zusätzliche statistische Auswertungen zu informieren - sogenannte Scouter beobachten den Verlauf eines Spiels, ermitteln Bully-Statistiken oder Fangeffizienz und geben die Daten direkt per Notebook weiter.

Bislang basierte die gesamte Statistik-Erfassung auf einem Handzettel-System, wobei die Analyse der Ergebnisse den Fans frühestens am Mittwoch der Folgewoche vorlag, das heißt drei Tage nach Abschluß eines Spieltages beziehungsweise zwei Tage vor Beginn des nächsten. Eine allgemein zugängliche Datenbank mit Informationen zu einzelnen Spielern oder Mannschaften fehlte völlig.

"So etwas ist einfach nicht mehr zeitgemäß, zumal in einer Sportart, deren Fans sich durch ein besonders großes Interesse an Statistik auszeichnen. Sie müssen parallel zu den Spielen eine Datenbank anbieten. Sie brauchen die Transparenz ihrer Daten: Wie oft haben die Haie in Schwenningen gewonnen? Das wievielte Spiel bestreitet Didi Hegen heute? Diese Fragen müssen sie schnell und zuverlässig beantworten können. Ohne eine elektronische Lösung ist dies bei 60 Spieltagen mit jeweils sieben Spielen kaum zu leisten", betont Fürther, der die jetzt eingeschlagene Richtung durch jüngste Fan-Stimmen bestätigt sieht. Zwei Drittel der Anfang des Jahres in Berlin, Köln und Augsburg Befragten vermißten eine Homepage der Deutschen Eishockey Liga.

Entworfen und umgesetzt wurde die Lösung zusammen mit IBM. Fürther: "Wir wußten, daß die Stuttgarter ein ähnliches System bereits für die National Hockey League konzipiert hatten und auch betreiben. Außerdem ist das Engagement des Herstellers im Sportbereich bekannt, vor allem bei Erfassung und Verwaltung von statistischen Daten - seit 1960 als Partner des IOC, seit den Olympischen Spielen in Atlanta auch auf Basis von Internet-Technologie. Das hat uns letztendlich überzeugt."

"Für das Scoring haben wir ganz bewußt auf eine proprietäre Lösung verzichtet. Das jetzige System wird bei der schwedischen und auch der europäischen Liga bereits eingesetzt. Es ist also erprobt und wird kontinuierlich von unserem Partner FOG-Data weiterentwickelt", so Marcel Klotz, der das Projekt in Stuttgart betreut. Mit im Boot ist außerdem die Firma Nexum. Sie gestaltet und vermarktet das Web-Angebot der DEL. Hier bietet sie nicht nur die neuesten Daten an, sondern auch Zugriff auf sogenannte Altstatistiken sowie Links zu allen Sites der DEL-Clubs. Klotz erklärt: "Uns geht es bei all diesen Sportanwendungen primär darum, zu überlegen, wie sich durch Informationstechnologie sinnvolle Produktivitätssteigerungen erzielen lassen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, daß im Sportsektor bisher nur wenige diesen Ansatz verstanden haben. Wir sehen uns nicht als Sponsor, sondern als Technologiepartner. Im Vordergrund steht immer eine Gesamtlösung, die dazu beitragen soll, durch das Internet Mehrwert für unseren Kunden zu generieren."

Nächste Schritte zielen weiter in diese Richtung: Denkbar wäre beispielsweise die Einrichtung eines Merchandising-Shops. Klotz gibt zu bedenken: "Merchandising ist momentan insgesamt ein schwieriges Thema. Das Internet kann hier helfen, stellt aber per se noch keine Erfolgsgarantie dar. Wir werden sehr genau zusammen mit der DEL überlegen, wie in diesem Bereich eine nutzbringende Lösung aussehen könnte." Fürther fügt hinzu: "Bettwäsche wird es mit Sicherheit nicht geben. Wir denken in erster Linie an Basisartikel wie Trikots, Pins, Kappen, T-Shirts und Pucks. Ansonsten sind Eishockey-Fans vor allem Fan eines Clubs und rufen die entsprechenden Produkte direkt über ihren Club ab. Was wir aber auf jeden Fall anbieten wollen, sind All-Star-Artikel."

Ein ligaweites Ticketingsystem oder Broadcasting via Internet gehören ebenso zu den Zukunftsplänen wie die Einrichtung von Live-Chats. Erste positive Erfahrungen liegen bereits mit einem "Testdurchlauf" der Kölner Haie vor. "Das Internet hilft uns auch dabei, der Liga ein Gesicht zu geben, einzelne Köpfe aufzubauen. Was wir langfristig brauchen, sind ein Jan Ullrich oder ein Martin Schmitt der DEL. Worum es letztendlich geht ist die noch stärkere Bindung der Fans an die Liga", erläutert Fürther. Ein erster Schritt ist getan, Fürther hat jedoch noch ehrgeizigere Ziele: Nach dem Volkssport Fußball und der Formel 1 soll Eishockey in Deutschland die klare Nummer drei werden - vor Tennis, dem Radsport oder der Leichtathletik. "Die nächste Weltmeisterschaft findet 2001 in Deutschland statt. Hier liegen ungeahnte Chancen für unsere heimischen Clubs und die gesamte Sportart..

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Die Internet-Lösung der Deutschen Eishockey Liga besteht im wesentlichen aus drei Serversystemen und entsprechenden Erfassungsgeräten vor Ort: Während ein Server sämtliche Spielerdaten verwaltet, die im Kölner Ligabüro zentral geführt werden, erfaßt ein zweiter die Statistikdaten. Hinzu kommt ein weiteres Gerät für die Website. Einmal wöchentlich vor Spielbeginn werden die Daten des "Spieler-Servers" an den "Statistik-Server" und alle in den Stadien angeschlossenen "Thinkpads" übertragen. Sie leiten nach dem Spiel die Ergebnisse per Telefon an den "Statistik-Server" zurück. Von dort gelangen die durch den Schiedsrichter freigegebenen Daten direkt ins Internet.

*Irina Hesselink ist freie Autorin in Bornholt.