Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.09.1985 - 

DV-Führungskräften mangelt es noch an persönlicher Erfahrung:

Mit Schulung Mikro-Skeptiker überzeugen

13.09.1985

MÜNCHEN (CW) - Die Kritik an Leistungen und Kenntnissen der zentralen Org./DV nimmt derzeit eine neue Dimension an. Führungskräfte aus der Fachabteilung bringen Kollegen aus der Informationsversorgung immer häufiger mit Fragen über den

"Mikro-Einsatz" in Argumentationsnot. Die Diebold Deutschland GmbH in Frankfurt/M. macht besonders die mangelnde persönliche Erfahrung dafür verantwortlich.

Die Mikro-Ausbildungswelle rollt. Ob Textverarbeitung, Tabellenkalkulationen oder Grafikprogramme: Führungskräfte und Mitarbeiter aus den Fachbereichen versuchen zusehends, ihre Aufgaben durch Nutzung von Angeboten des Mikrocomputermarktes effizienter zu bewältigen. Die Nutzungseffizienz der dezentralen Arbeitsplatzrechner gegenüber einer "optimal gestylten Großrechner-Lösung", so der O-Ton eines DV-Chefs, wird an der Führungsspitze so mancher Org./DV-Leitung noch immer bestritten.

Während früher zeitweilige Uninformiertheiten und Inkompetenzen in der Abgeschiedenheit des DV-"Elfenbeinturms" weitgehend unentdeckt blieben, sieht sich so mancher professionelle Informationsversorger immer öfter mit einer völlig neuen Situation konfrontiert: Von Anbietern des Mikromarktes sowie zahllosen Fach- und Branchenmagazinen, -Kongressen und -Seminaren mit entsprechenden Informationen geimpft, gelingt es den "DV-Greenhorns" aus den Fachbereichen inzwischen, die vermeintlichen Profis auf ihrem ureigensten Betätigungsfeld in Argumentationsnotstand zu bringen und ihnen fachliche Inkompetenz bei Mikro-Anwendungslösungen nachzuweisen. Zur peinlichen Angelegenheit gerät die Situation gar, wenn auch noch Mitglieder der Geschäftsleitung in Gesprächen auf "Mikro"-Informationslücken bei ihren DV-Managern stoßen. Ob man die Rechnerzwerge nun will oder nicht - die Fachbereiche werden so lange weiternörgeln und ihre hinlänglich bekannten Anschuldigungen gegen eine aus ihrer Sicht "schwerfällige, unfähige und arrogante" Zentral-DV auf oberster Geschäftsleitungsebene vorbringen, bis sie die von ihnen gewünschte Rechnerleistung am Arbeitsplatz durchgesetzt haben. Und sie werden dann selbst leidvoll erfahren müssen, daß auch beim Mikro nicht alles so reibungslos funktioniert, wie dies etwa perfekt "durchgezogene" Hersteller-Demos vorspiegeln.

Aus- und Weiterbildung hat ihren Preis

In einer Position wird sich künftig nur behaupten können, wer die immer leistungsfähiger werdenden und in den heutigen Mini- und Bürocomputerbereich vorstoßenden Mikros (siehe hierzu die Grafik) zieladäquat in ein Informations-Ressource-Konzept einzubinden versteht. Neben Struktur-organisatorischen Kenntnissen ist hier aber auch detailliertes Mikro-Know-how unerläßlich, und zwar weniger angelesenes als vielmehr selbst erfahrenes.

Zunächst kann jemandem nur Vorsicht empfohlen werden, der in verantwortlichen Positionen sich und führende Mitarbeiter seiner Organisation an den Mikrocomputer heranführen will.

Qualifizierte Aus- und Weiterbildung hat nämlich ihren Preis Ein ohnehin knappes Budget ist da schnell verpulvert. Man sollte daher zunächst einmal den Gesamtbedarf ermitteln und danach entscheiden, ob man intern oder extern schulen lassen will. Aber Vorsicht: Der Gesamtbedarf muß zielgruppenspezifisch ermittelt werden. Genausowenig wie man Äpfel mit Birnen vergleichen kann, lassen sich unterschiedliche Mikro-Ansprüche mit einer Schulung abdecken. Allen zusammen etwas bieten zu wollen, führt letzten Endes dann dazu, niemandem etwas gebracht zu haben.

Bei Tages-Seminar-Gebühren von rund 800 Mark pro Teilnehmer lohnen sich firmenintensive Veranstaltungen in der Regel, wenn mindestens fünf bis sechs Führungskräfte die gleiche speziell angepaßte Schulung erhalten sollen. Zu berücksichtigen ist bei der Kalkulation nämlich, daß der externe Schuler (Tagessatz rund 1800 Mark) ja nicht nur den Schulungstag in Rechnung stellt, sondern selbstverständlich auch den Aufwand für die - zum "Abklopfen des Schülerwissens" und die Ermittlung des Schulungsbedarfs - unerläßlichen Vorgespräche und die individuellen Anpassungen seines Standard-Lehrstoffs an diesen speziellen Bedarf beglichen haben möchte. Zudem muß der Auftraggeber im allgemeinen die benötigte Technik entweder selbst beschaffen oder, entsprechend honoriert, ausleihen. Auf der Haben-Seite ist demgegenüber zu verbuchen, daß interne Mikro-Schulungen, also das Lernen im Betrieb vor Ort, die firmenspezifische Umsetzung des Erlernten erleichtern.

Für externe Mikro-Workshops spricht hingegen, daß die Anzahl der schulungswilligen Führungskräfte - gerade in mittelgroßen Unternehmen - die Kosten einer internen Schulung wohl nur selten rechtfertigt. Zudem bieten externe Weiterbildungsmaßnahmen natürlich eine exzellente Möglichkeit, Kontakte zu Kollegen in ähnlicher Position auf- oder auszubauen und Erfahrungen auszutauschen. Aber auch in diesem Punkt ist Vorsicht geboten: Kollegen in ähnlicher Position wird man nur antreffen, wenn neben dem präsentierten Inhalt auch der Rahmen stimmt.

Workshop für DVer und Kollegen aus der FA

Bei der Auswahl des Workshop-Veranstalters sollte daher von vornherein darauf geachtet werden, daß das veranstaltende Unternehmen ein erstklassiges Renommee besitzt und auf Wunsch entsprechende Referenzen vorlegen kann. Der Veranstaltungsort muß schnell und bequem zu erreichen sein, das inhaltliche Konzept geht auf individuelle Problemlösungsansätze ein, und vor allem: Hersteller- und Produktneutralität und -unabhängigkeit bleiben gewahrt.

Gerade fachfremde Führungskräfte fühlen sich nämlich sehr leicht übervorteilt, wenn sie den Eindruck gewinnen, einseitig informiert oder trainiert zu werden. Die gutgemeinte Aktion schlägt dann schnell in Demotivation und Desinteresse um.

Äußerst erfolgreich verlaufen Mikro-Workshops in aller Regel, wenn der DV-Spezialist zusammen mit seinen Führungskollegen aus den Fachbereichen daran teilnimmt. Voraussetzung hierzu sind aber persönlich gute Beziehungen zu den Fachbereichskollegen. Der große Vorteil dieser Methode liegt vor allem darin, präsentierte Informationen sogleich auf die betriebliche Situation hin bewerten und eventuell aufkommende Euphorie auf ein realistisches Maß herunterdrücken zu können.

Für welche Form der Schulung man sich auch letzten Endes entscheidet - sicher ist, daß ein passives Abwarten auf die Ausbildungswünsche der Fachbereichsführungskräfte die denkbar schlechteste Lösung ist. Ein Problem durch "Aussitzen" zu lösen wird jedenfalls nur höchst selten gelingen.

*Quelle: Seminarunterlagen eines PC-Workshops für Führungskräfte, den das Informationszentrum der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt, zur Zeit durchführt.