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30.01.1981

MIT stattet Personal Computer mit Garbage-Collector und Chaosnet aus: LlSP-Forschungs- und Testrechner marktreif

Der lange erwartete LISP-Computer ist seit Anfang Januar 1981 auslieferbar, sagt uns Richard Greenblatt vom MIT Laboratorium für Künstliche Intelligenz, der Vater dieses Personal Computers für LISP, eine der ältesten "procedure-orientierten" Programmiersprachen. Diese LISP-Maschine wird verkauft von der LISP Machine, Inc. in Los Angeles, California, und zwar für 80 000 Dollar per Stück. Als weiterer Distributor im Gespräch ist auch die Symbolic Inc., Los Angeles.

Die Abnehmer (Universitäten, Forschungsinstitute und Laboratorien großer Firmen) in USA sollen direkt vom Vertreiber mit Service betreut werden, in "schlimmen Fällen" dann vom MIT. In Europa soll diese Aufgabe die Control Data übernehmen, aber die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, ergänzt Mr. Wyle, President der LISP Machine, Inc.; die ersten Kunden - Control Data und Texas Instruments - bekommen in diesen Tagen je zwei Rechner ausgeliefert. Weitere sechs bis acht LISP -Maschinen (LISPM) sollen anderen Kunden bis zum Sommer 1981 übergeben werden.

Einmalige Architektur

Der LISP-Rechner basiert auf einer ldee von Greenblatt, die er, ermutigt von seinen Kollegen aus dem "Labor for Artificial Intelligence" des hochangesehenen Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, und mit IBM-Unterstützung mit wechselnd starken Gruppen von vier bis fünf Leuten (zeitweilig zehn bis 15 Leuten) in den letzten zehn Jahren in mehreren jeweils verbesserten Versionen verwirklicht hat.

Er soll ein verbessertes Werkzeug für die Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz sein, dem Entwurf von VLSI-(Very large scale Integration-)Bauelementen dienen und als Testmaschine für neue Computerarchitekturen verwendbar sein. In vielen Fällen hat man während der Entwicklung die verschiedenen Teile und das Betriebssystem der LISP-Maschine (LISPM) an einem PDP-10 Rechner simuliert, bis man in vielerlei Hinsicht bessere Leistungsdaten bekommen hat (siehe Tabelle).

Greenblatt erklärt uns, daß der Erfolg des LISP-Rechners vor allem aus der einmaligen Architektur abzuleiten ist. Gefragt über Nachteile, hebt er seine sehr hohe Effizienz für "symbolische" Datenverarbeitung (Listen, Textverarbeitung), die jedoch im Kontrast zur sehr niedrigen Effizienz dieses Computers für numerische Berechnungen steht, hervor.

Die ganze Software ist in der Programmiersprache LISP geschrieben. Ein Editor unterstützt die Entwicklung von Programmen. Mit Hilfe eines "Message Passing" -Systems kann man eigene abstrakte Objekte, welche durch eigene Operationen definiert sind, im Computer implementieren.

Das sogenannte Fenster-System am Display bietet dem Benutzer die Bildung von einer Reihe von Bildschirm-Ausschnitten an, welche zu einem Zeitpunkt beispielsweise einen Editorteil, die Meldungen des Computers an den Bediener, die Programmteile im interaktiven LISP, ein Menü für Programm- und Operatingauswahl oder verschiedene graphische Darstellungen am Bildschirm festhalten können. Es ist möglich, die einzelnen Ausschnitte auszuwählen, am Bildschirm zu verschieben, überlappen, verschwinden, hervorholen oder umformen zu lassen. LISPM stellt drei bedeutende Neuerungen im Speichermanagement dar. Dazu gehören a) das sogenannte "CDR-Coding", das die typischen Zerlegungsfunktionen der Programmiersprache LISP automatisch bewerkstelligt b) der automatische Realtime-"Garbage-Collector", der die freien Speicherplätze nach jeder Befehlsausführung feststellt, c) die Speicherorganisation: Große Datenbereiche können in verschiedene physikalische Bereiche zerlegt werden, was die Arbeit des Garbage-Collectors wesentlich reduziert, da jeder dieser Speicherbereiche dadurch schneller von ihm behandelt werden kann, als es ansonsten möglich wäre. Die LISPM ist eine Zeichenmaschine, bestehend aus Prozessor (CADR), Speicher, Display, Bedienungspult, Disk und (nach Bedarf) Drucker.

Die LlSP-Datentypen sind mit Hilfe von fünf Bit großen Feldern dargestellt (Macro-Level).

Der CADR hat eine 32-Bit-Wort-Länge und 24-Bit-Adresse-Lange. Ein 16 K ß 48 Bit-Worte großer Mikrocode-Speicher unterstützt die Mächtigkeit der LISP-Sprache.

Ein Speicher (1K) mit "hardware push-down-pointer"- (pdl) dient als Pufferspeicher für einzelne : LISP-Stacks. Die Aufteilung der Daten für die LlSP-Programme auf einzeIne

Stacks bietet eine bessere Fehlerentdeckung und -behandlung. Bei Fehlerentstehung in Seinem aktiven Stack wird derselbe nicht mehr bearbeitet und von einem Fehlerroutinenmechanismus auf Fehler untersucht.

Ein MOS-Arbeitsspeicher mit 128 K ß 32 Bit-Worte ist bis zu einer Million Worten ausbaufähig. Ein Plattenspeicher mit bis zu 600 MB Kapazitat unterstüzt die Bildung eines virtuellen Speichers. An einen LISP-Rechner können sechs Platteneinheiten und übliche I/O- Geräte angeschlossen werden.

Die Vorteile des LISP-Rechners lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

þgroßer Adreßraum des Speichers,

þmächtiger Microcode der das Schreiben von gewünschten Subroutinen und die Anpassung

der LISP-Maschine auf kundenspezielle Probleme erlaubt,

- mächtiger Editor sowie Operating System in (LISP),

- Interface in Standardausführung (Kompatibilität beispielweise zu Hardware-Unibus der PDP-11)