Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.05.1977 - 

Kosten-Nutzen-Analyse als Entscheidungshilfe:

Mit Stufenkonzept zum optimalen EDV-System Teil 1

KÖLN (ee) - Einführung und Ausbau der Datenverarbeitung sind meist mit erheblichen Ausgaben und Folgekosten belastet, so daß die Beachtung des Wirtschaftlichkeitsprinzips eine notwendige Voraussetzung ist. Die Kommunale Gemeinsehaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) in Köln hat nun das Modell einer Kosten-Nutzen-Analyse zur Auswahl von ADV-Systemen vorgestellt. Die KGSt hatte dabei immer die Verwaltung im Ziel: Das Ergebnis ist jedoch ohne Abstriche in den Unternehmen anwendbar. Das beschriebene Verfahren - das wir hier auszugsweise, mit dem 1. Teil, veröffentlichen - eignet sich nicht nur zur Entscheidungsvorbereitung bei der Auswahl umfassender ADV-Systeme, sondern gleichermaßen für die Beurteilung einzelner Systemkomponenten und alternativen Verfahrenskonzepte. Die Entscheidung wird nach einer gewichteten Rangstufenmethode gefällt - in sich zwar klar und konsequent aufgebaut ist dies jedoch insgesamt kein Stoff zum Überfliegen. Es ist der Stoff, von dem Archive leben.

Die Prüfung und abschließende Auswahl von ADV-Systemen vollzieht sich in einem hochkomplexen Entscheidungsprozeß. Als ADV-System wird die Summe aller hard- und softwaremäßigen sowie der organisatorischen Komponenten verstanden. Eine problemgerechte Berücksichtigung auch nur der wichtigsten Einflußfaktoren ist in einem summarischen Vergleich der kompletten Lösungsalternativen nicht zu leisten. Zur Strukturierung von Entscheidungsprozessen hat sich die Nutzwertanalyse (NWA) durchgesetzt. Die NWA bietet sich auch an, wenn Entscheidungen lediglich über einzelne wesentliche Systemkomponenten eines ADV-Systems (z. B. Auswahl eines Datenbanksystems) zu treffen sind. Bei der NWA sind die folgenden Arbeitsschritte zu vollziehen:

1. Schritt: Bestimmung der entscheidungsrelevanten Zielkriterien

2. Schritt: Festlegung der Zielgewichte

3. Schritt: Festlegung von Maßstäben zur Bewertung der gemessenen Zielerreichungsgrade

4. Schritt: Messung der Zielerreichungsgrade bei den untersuchten Alternativen

5. Schritt: Transformation der gemessenen Zielerreichungsgrade auf den jeweiligen Bewertungsmaßstab

6. Schritt: Zusammenfassung der gewichteten Zielbeiträge der untersuchten Alternativen (Wertsynthese)

7. Schritt: Ermittlung der Rangordnung.

Welche Ziele für die Auswahl zwischen ADV-Systemen maßgebend sind, läßt sich vorab nicht festlegen, sondern nur aus der konkreten Aufgabenstellung ableiten. Bezüglich ihrer Operationalität lassen sich zwei große Gruppen, nämlich Kosten- und Leistungsziele, unterscheiden.

Für Leistungsziele sind folgende Aspekte zu untersuchen:

- Herstellerunabhängigkeit: Durch Verminderung der Abhängigkeit von einem Hersteller kann eine breitere Palette von Anwenderlösungen bzw. Herstellersoftwarepaketen eingesetzt und so eine bessere Qualität der Aufgabenerledigung durch ADV erreicht werden. Zudem setzt sie den Anwender in die Lage, sich einer Herstellerpolitik, die für ihn unerwünschte Konsequenzen hat (Preispolitik, Softwarepolitik), leichter zu entziehen.

Dazu ist zu prüfen, in welchem Umfang der jeweilige Hersteller NORMEN und STANDARDS einhält, die eine spätere Umstiegsmöglichkeit auf einen anderen Hersteller leichter ermöglichen; der Hersteller bereit ist, Verträge abzuschließen, die eine Herstellerbindung für den Anwender in ihren Konsequenzen erleichtern (wie Anschlußmöglichkeit von MIXED Hardware; BVB-Verträge).

- Durchsatzziele: In welchem Umfang sind die konkret von verschiedenen Herstellern angebotenen Konfigurationen in der Lage, den Erfordernissen der vorgesehenen Produktionen (Laufzeiten, Einhaltung von Produktionsterminen) Rechnung zu tragen. Dabei sind definierte Leistungsreserven (z. B. für unvorhergesehene Produktionen bzw. Produktionswiederholungen und Testarbeiten) zu berücksichtigen.

- Hardware/Softwareflexibilität: Wie flexibel ist das Maschinensystem bezogen auf spätere Ausbaumöglichkeiten (z. B. Hauptspeichererweiterungen, CPU-Umrüstungen im Feld, Mixed-Hardware-Anschlußmöglichkeiten)?

Welche Nutzungsformen erschließt das Betriebssystem, welche Grenzen hat es, welche Unterstützungen bietet es für Datenschutz und Datensicherung etc.? In diesem Zusammenhang ist auch die Qualität der Dienst- und Hilfsprogramme zu bewerten (Bsp.: Utilities, Zugriffsmethoden, Compiler), und welche Programmsysteme von Softwarehäusern bzw. Anwendern sind für eine konkrete Konfigurationsentscheidung verfügbar? Diese Frage bezieht sich auf Datenbank-/Datenfernverarbeitungssoftware, Anwenderprogrammsysteme (auch in der öffentlichen Verwaltung sind bestimmte Programmsysteme ohne bzw. ohne großen Aufwand auf andere Verwaltungen zu übertragen) sowie sonstige Funktionsprogramme wie Entscheidungstabellenumsetzer, Bibliotheks-, Dokumentationsprogramme usw.).

- Sicherheit: Da zur Realisierung einer konkreten Konfigurationsentscheidung erhebliche Aufwendungen beim Anwender anfallen, müssen Aspekte der Sicherheit bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Diese können sich beziehen auf die Zukunftssicherheit der Entscheidung: Wie zukunftssicher ist die Entscheidung unter den Aspekten der absehbaren Entwicklung, des ausgewählten Modells, der Produktlinie, der das Modell angehört (Modernität der Technologie), des Geschäftszweiges der Firma und der Firma selbst.

- Sicherheit der Produktion: Wie sicher gewährleistet die Konfiguration die Erledigung der Aufgaben? Diese Frage hat die Aspekte

- Systemverfügbarkeit: Wie häufig sind Störungen zu erwarten, wie schnell ist mit einer Behebung zu rechnen?

- Möglichkeit zum Kapazitätsausgleich. In welcher Weise ermöglicht die Konfiguration einen Kapazitätsausgleich mit anderen Anlagen, innerhalb bzw. außerhalb der eigenen Organisation?

- Flexibilität: Es kann durchaus Ziel einer Konfigurationsentscheidung sein, sich - bezogen auf das gesamte in der Organisation befindliche Maschinen- und Programmsystem - noch Handlungsspielraum zu erhalten.

- Verträglichkeit mit der Organisation der Datenverarbeitung (z. B. Verbundlösungen):

Die konkrete Konfigurationsentscheidung soll in die Landschaft der jeweils getroffenen organisatorischen Grundentscheidung der Datenverarbeitung passen.

- Verträglichkeit mit dem Ziel der Verfahrensverknüpfungen: Trotz einer spürbaren Abnahme der "Integrationseuphorie" bleibt es Ziel der Datenverarbeitung in der öffentlichen Verwaltung (in der Wirtschaft, d. Red.) unbeschadet des jeweils zu gewährleistenden Datenschutzes, durch "Verknüpfungen" verschiedener Verfahren zu wirtschaftlichen und für den Bürger (das Unternehmen, d. Red.) entlastenden Verfahrensregelungen zu finden.

- Herstellerunterstützung: Für die Beurteilung verschiedener Handlungsalternativen werden das Ausmaß der Herstellerunterstützung sowie die "Benutzerfreundlichkeit" der jeweiligen Lösung von Bedeutung sein. "Benutzerfreundlichkeit" dokumentieren Aspekte wie etwa die Qualität der Schulung durch den Hersteller sowie der Herstellerliteratur, Installationsvoraussetzungen usw.

Kostenziele:

Hier kommt es vor allem auf Vollständigkeit der Erfassung, zweckmäßige Gliederung und darauf an, daß einmalige Investitionsaufwendungen und laufende Kosten gleichnamig und damit addierbar gemacht werden.

Untergliederung der Gesamtkosten:

A) Kosten der Hardware unterschieden nach einzelnen Systemkomponenten: a) Finanzierungskosten alternativ; aa) normale Monatsmiete; bb) längerfristiger Mietvertrag; cc) Leasing; dd) Kapitaldienst für Kaufpreis; b) Wartungskosten

B) Kosten der Software für Standardkonfiguration

C) Kapitaldienst für Einmalaufwand der Einrichtung a) Klima; b) Raumbedarf/Umbau; c) Transport; d) unabhängige Stromversorgung

D) Laufende Produktionskosten soweit nicht in A) oder B): a) Personal; b) ADV-Verbrauchsmaterial einschließlich Datenträger; c) Energie; d) Raum

E) Entwicklungskosten: a) Kosten der Umstellung; aa) Personal; ab) Maschinen; ac) sonstige Sachkosten; ad) durch Zeitverlust entgangener Nutzen;

b) Kosten der Neuentwicklung; ba) Personal; bb) Maschinen; bc) sonstige Sachkosten; bd) durch Zeitverlust entgangener Nutzen;

c) Kosten der Verfahrenspflege ca) Personal; cb) Maschinen; cc) sonstige Sachkosten

F) Schulungskosten: a) Personal; b) Literatur; c) Kursgebühren, Reisekosten.