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18.01.2002 - 

Kolumne

"Mit Transparenz zu mehr Vertrauen"

Christoph Witte, Chefredakteur CW

Irgendwie passt das nicht zusammen. Auf der einen Seite behauptet SAP, inzwischen über 70 Prozent ihres Lizenzumsatzes mit Mysap.com zu erzielen, auf der anderen Seite geben R/3-Anwender der Produktsammlung zum Teil sehr schlechte Noten. Einer Umfrage (CW1/2/02, Seite 1) der Unternehmensberatung Raad Consult zeigte, dass die Kunden ernsthaft daran zweifeln, für ihr Geld einen angemessenen Gegenwert zu erhalten. Daran sind die Walldorfer nicht schuldlos. Zwar drohen sie schon mal damit, R/3 in drei Jahren nicht mehr weiterentwickeln zu wollen, um so den Migrationseifer ihrer R/3-Klientel zu erhöhen. Andererseits versäumen sie es aber, den Anwendern genau zu sagen, warum sie diesen Schritt gehen sollen und was auf sie zukommt. Die Walldorfer tun sich vor allem schwer, den Unterschied zwischen den klassischen R/3-Modulen wie HR oder FI zu den gleichnamigen, aber teureren Mysap-Komponenten zu erklären. Offenbar ist das auch nicht nötig. Der Sog, den Mysap.com mit den neuen Komponenten CRM, BW oder SCM erzeugt, und die wiederholte Andeutung negativer Konsequenzen für Migrationsverweigerer reichen aus. Zunehmend sehen sich auch solche Anwender gedrängt umzusteigen, die mit den neuen Modulen nichts im Sinn haben und denen deshalb eine Migration auf Mysap kaum etwas bringt. Das riecht schwer nach Abzocke.

Es wäre aber ungerecht, SAP etwas vorzuwerfen, was in der Softwareindustrie gang und gäbe ist: Fast alle Softwarehäuser verkürzen die Zyklen, in denen sie neue Versionen auf den Markt werfen. Die Perfidie dabei: Mitunter werden bloße Updates, deren Kosten eigentlich in den Wartungsverträgen enthalten sind, mit viel Ballyhoo zu Major-Releases stilisiert, die gesondert in Lizenz genommen werden müssen. Diesen Herstellern ist der Lizenzumsatz wichtiger als das Wohl des Anwenders. Verstärkt wird dieses Verhalten durch Finanzanalysten, die Softwarehäuser mit stagnierenden Lizenzumsätzen kräftig abstrafen, auch wenn die Einnahmen aus Wartung und Service ordentlich zulegen.

Dabei wäre es gerade in Zeiten knapper Budgets und der damit einhergehenden Effizienzforderungen an die IT-Abteilungen für die Anwender eine große Hilfe, wenn Tacheles geredet würde und sie vor einer Migration einigermaßen die Kosten einschätzen könnten. Die Wahl, sich gegen die Migration auszusprechen, haben sie sowieso in den seltensten Fällen, weil sie in der Regel ihre IT-Landschaft stark nach den Ratschlägen ihrer wichtigsten Lieferanten gestaltet haben. Wenn Softwarehersteller also offen und verbindlich über Preise sprechen würden, hätten Anwender nicht bei jedem Release-Wechsel das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden. Durch solche vertrauensbildenden Maßnahmen könnten Unternehmen vielleicht sogar ihre derzeitige Investitionsunsicherheit abstreifen. Schließlich wüssten sie dann, auf was sie sich einlassen, wenn sie Software kaufen.