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27.02.2004 - 

Für 340 Millionen Euro

Mit Triaton kauft HP Know-how und Kunden

MÜNCHEN (gh) - Hewlett-Packard (HP) ging überraschend als Sieger aus dem Bieterwettstreit um den zum Thyssen-Krupp-Konzern gehörenden IT-Dienstleister Triaton hervor. Der US-amerikanische Computerriese stärkt damit seine Position im deutschen IT-Services-Markt - und hofft auf einträgliche Geschäfte mit Thyssen-Krupp.

Entsprechende Spekulationen hatten sich bereits am vergangenen Wochenende verdichtet, dennoch kam die Nachricht selbst für Branchenkenner überraschend: HP übernimmt die Thyssen-Krupp-IT-Tochter Triaton. Viele namhafte Wettbewerber, die Insidern zufolge ebenfalls an Triaton interessiert waren, darunter T-Systems, CSC, IBM und Cap Gemini, haben das Nachsehen. Zuletzt galten Cap Gemini Ernst & Young sowie der US-amerikanische IT-Dienstleister Affiliated Computer Services (ACS) als heißeste Favoriten für den Zuschlag des Essener Mischkonzerns, der im Juni vergangenen Jahres aufgrund der geplanten stärkeren Fokussierung auf das Kerngeschäft angekündigt hatte, sich von seiner IT-Tochter zu trennen.

Nachdem über den Kaufpreis zunächst Stillschweigen vereinbart wurde, bestätigte ein Thyssen-Krupp-Sprecher wenig später jedoch die entsprechende Summe von 340 Millionen Euro in bar und Aktien, die zuvor schon gerüchteweise gehandelt worden war.

Jörg Menno Harms, Geschäftsführer der deutschen Hewlett-Packard GmbH, sprach gegenüber der COMPUTERWOCHE von einem Preis, der "die Marktsituation fair widerspiegelt". Der Merger soll bis Anfang April abgewickelt sein. Zuvor müssen noch die beiden Aufsichtsräte und die Kartellbehörden zustimmen. Harms zufolge wird Triaton mit seinen rund 2200 Mitarbeitern zunächst als selbständige organisatorische Einheit unter dem Dach der europäischen HP-Holding weitergeführt; mittelfristig sei jedoch geplant, die Akquisition voll in den HP-Konzern zu integrieren.

Triaton war 1999 als Spinoff des Essener Stahl- und Maschinenbau-Konzerns gestartet und hatte seine Wurzeln in einer noch früheren Ausgründung der IT-Abteilung der Thyssen Stahl AG, die bereits 1994 als Thyssen Informatik GmbH firmiert hatte. Im Jahr 2000 sorgte Triaton erstmals für Schlagzeilen, als mit Hiserv die IT-Tochter des Pharmariesen Aventis übernommen wurde. Mit zuletzt 370 Millionen Euro Umsatz, knapp 60 Prozent davon außerhalb des Thyssen-Krupp-Konzerns, und aufgrund seiner breiten Palette von Dienstleistungen galt Triaton als "Perle" unter den IT-Ausgründungen. Nur Siemens Business Services (SBS) und T-Systems waren in Deutschland bei der Akquise von Kunden außerhalb des Mutterkonzerns erfolgreicher.

HP-Deutschland-Chef Harms sprach in seiner Einschätzung des Deals von "zwei guten Seiten einer Medaille". Zum einen stärke die Akquisition von Triaton die "strategische Beziehung" zu Thyssen-Krupp - ein Faktor, der nicht hoch genug einzuschätzen sein dürfte. Denn mit deutlich über 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr waren und sind die Geschäfte von Triaton mit dem Mutterkonzern sowie anderen Thyssen-Krupp-Töchtern mehr als einträglich.

Siebenjähriger Rahmenvertrag garantiert Einnahmen

Zum anderen banden sich die Essener im Zuge des Mergers mit einem siebenjährigen Rahmenvertrag weiter an die künftige HP-Tochter. Neben den langfristig gesicherten Einnahmen bei Thyssen-Krupp profitiert HP laut Harms aber auch vom Know-how Triatons, etwa im Automotive-, Chemie- und Maschinenbau-Sektor. "Wir haben ganz bewusst Köpfe gekauft", betonte der Manager mit Blick auf die starke Position der bisherigen Thyssen-Krupp-Tochter in den Bereichen SAP-Integration und Outsourcing.

Gleichzeitig hofft HP, sein Standing im deutschen respektive europäischen Markt für IT-Dienstleistungen ausbauen zu können. Bis 2006 wolle man hierzulande von der Nummer vier zur Nummer drei aufsteigen, europaweit sich von Position drei auf den zweiten Platz verbessern, erklärte Harms. Mit insgesamt 6000 Mitarbeitern habe die Servicesparte von HP Deutschland jetzt "genug Power", um auch das "Adaptive-Enterprise"-Konzept entsprechend vermarkten zu können. Grundsätzlich bleibe es bei der Strategie seines Konzerns, über große Outsourcing-Projekte wie zuletzt bei Procter & Gamble oder Ericsson im Services-Markt zu wachsen. Die eine oder andere weitere Übernahme à la Triaton könne er jedoch nicht ausschließen.

Nach Ansicht von Karsten Leclerque, Analyst des Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC), dürfte HP zusammen mit Triaton bei den so genannten nicht kaptiven Umsätzen, also Einnahmen außerhalb des jeweiligen Mutterkonzerns, SBS und EDS in Deutschland bereits 2003 überrundet haben und damit zur Nummer drei im Markt aufgestiegen sein. Leclerque zufolge war es trotz des zuletzt "ganz ordentlichen Wachstums" von HP in Geschäftsbereichen wie Managed Services schon lange klar, dass "HP auf die Übernahmeschiene wechseln muss, um wirklich zu den führenden Anbietern im Projekt- und Outsourcing-Geschäft zu gehören".