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27.07.1990

Mit Unix will Digital sein derzeitiges Tief überwinden

BOSTON - Auf ihrer Bostoner Hausmesse, der DEC-World versucht die Digital Equipment Inc. derzeit, sich und ihren Kunden eine möglichst rosige Zukunft auszumalen. Doch der Gewinneinbruch im dritten Quartal dieses Jahres hat gezeigt, daß tiefgreifende Änderungen nötig sind, um das Unternehmen auf Erfolgskurs zu halten. CW-Redakteur Hermann Gfaller sprach in Boston mit Bruno D'Avanzo, Sales Manager Europe.

CW: Digital Equipment hat starke Gewinneinbußen hinnehmen müssen. Hat das Unternehmen wichtige Entwicklungen verschlafen?

Bruno D'Avanzo: Nein, der ganzen Hardwarebranche geht es zur Zeit nicht besonders gut. Verglichen mit unserer Vergangenheit, sind die Ergebnisse wirklich nicht gut, im Vergleich zu unseren Mitbewerbern stehen wir allerdings gar nicht so schlecht da.

CW: Was haben Sie gegen ihre negativen Geschäftsergebnisse unternommen?

Bruno D'Avanzo: Das wichtigste ist, sich erst einen Marktanteil im Desktop-Geschäft zu sichern. Außerdem wissen wir, daß Unix das beliebteste Betriebssystem geworden ist.

CW: Hat Ken Olsen nicht eben erst auf der DEC-World dem Unix-Betriebssystem die Befähigung für

kommerzielle Datenverarbeitung abgesprochen?

Bruno D'Avanzo: Da hat er unrecht. Die Banken sind ganz gierig auf Unix.

Ken wollte mit dieser Aussage den Status quo beschreiben. Unix hat nämlich erst vor kurzem den Entwicklungsstand von proprietären Betriebssystemen erreicht. Es eignet sich noch nicht für alle Anwendungen in gleicher Weise. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Selbstläufer Unix überall durchsetzt.

Wer heute besondere Sicherheitsanforderungen oder riesige Backup-Möglichkeiten braucht, der sollte noch einige Zeit weiter mit proprietären Systemen arbeiten, bis Unix alle seine Anforderungen erfüllt.

CW: Außerdem hat Ken Olsen den Gedanken geäußert, daß Unix seine Attraktivität verlieren würde, wenn man es mit Features für die kommerzielle DV ausrüstete...

Bruno D'Avanzo: Eine Betrachtungsweise, für die einiges spricht. Eine der charakteristischen Eigenschaften von Unix ist seine freie und einfache Handhabung. Je mehr kommerzielle Features das Betriebssystem bekommt, desto strenger muß es strukturiert sein.

Wahrscheinlich spaltet sich Unix in eine technische und eine kommerzielle Variante. Außerdem muß es für mindestens fünf bis zehn Jahre mit proprietären Systemen koexistieren, um die dafür gemachten Investitionen zu erhalten.

CW: Sie setzen also bei der Behebung ihrer wirtschaftlichen Probleme vor allem auf Unix?

Bruno D'Avanzo: Ja. Wir haben für das eben gestartete neue Geschäftsjahr sogar unseren Verkauf zugunsten dieses Betriebssystems neu organisiert. 30 Prozent der europäischen Verkäufer werden total auf Unix eingeschworen - das sind rund tausend Mitarbeiter. Kurz: für DEC ist Unix zur Zeit der mit Abstand wichtigste Bereich.

CW: Woher kommen denn Ihre schlechten Geschäftsergebnisse?

Bruno D'Avanzo: Die Ursache liegt vor allem im Downsizing. Die Industrie muß immer mehr Leistung für immer weniger Geld verkaufen. Mit dem Ergebnis, daß Mainframes gar nicht mehr nachgefragt werden und Minis immer weniger. Nur bei den Desktop-Rechnern ist noch echtes Wachstum möglich. Konsequenterweise gibt es auf genau diesem Gebiet einen Preiskampf.

CW: Die Ergebnisse von Hewlett-Packard sind aber bei weitem nicht so schlecht wie die von DEC...

Bruno D'Avanzo: HP hat eine andere Geschichte als wir. Dort waren die Ergebnisse vor ein paar Jahren so schlecht, daß deren jetzige Zahlen damit verglichen sehr gut aussehen. Das bedeutet nicht, daß HP nicht diesselben Probleme hat wie wir.

CW: Sie wollen damit sagen, daß es keine DEC-spezifischen Probleme gibt?

Bruno D'Avanzo: Nein, je mehr sich ein Unternehmen im Mainframe-Bereich bewegt, desto mehr ist es von der schlechten Marktlage betroffen. Die allgemeine Lage trifft uns also mehr als andere, die sich vielleicht nur im PC-Bereich bewegen.

CW: Es gibt immer mehr Produkte von DEC, die direkt auf IBM-Kunden zielen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen gegenüber Big Blue ein?

Bruno D'Avanzo: Was sollen denn die Anwender tun? Deren Industrien sind auch nicht mehr so profitabel, wie sie es einmal waren. Immer mehr kaufen sich gegenseitig auf. In der Folge entsteht aus den Altbeständen eine rein IBM-orientierte Datenverarbeitung. Um nicht allzu abhängig zu werden, suchen diese Kunden eine Alternative - und wir sind eine.

CW: Bisher haben sich IBM und DEC den Markt häufig geteilt. Reicht es nicht, wenn IBM die Unternehmen mit Produkten für die kommerzielle und DEC sie mit solchen für die technische Datenverarbeitung beliefert?

Bruno D'Avanzo: Nein, DEC geht mit aller Kraft auf die traditionell von IBM beherrschten kommerziellen Märkte. Bei den Banken sind wir damit bereits erfolgreich - zum Beispiel bei der Commerzbank. Außerdem können wir uns ein saturiertes Zurücklehnen gar nicht leisten. Wer das tut, verliert wichtige Märkte.