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Die Mikros mausern sich zu Personal Business Systemen

Mit Unternehmensberater Eike Praetorius sprach Dieter Eckbauer

25.07.1980

- Auf Mikrocomputern sind bereits Datenbanken realisiert. Ist die Mittlere Datentechnik tot?

Eine Datenbank-Realisierung auf Mikrocomputer ist mir zwar persönlich nicht bekannt, aber es ist tatsächlich erstaunlich, was diese kleinen Computer heute leisten. Wenn man die Entwicklung in den letzten 20 Jahren verfolgt hat und einen solchen Zwerg mit seiner Riesenleistung vor sich auf dem Schreibtisch stehen hat, ist man überrascht.

Man muß sich vor Augen halten, daß die Leistungsfähigkeit der Commodore, Apple, Tandy, Philips, Siemens, Texas Instruments, Triumph/ Adler und so weiter durchaus mit einer IBM 1401 der frühen 60er Jahre verglichen werden kann, die jedoch einen ganzen Raum samt Klimaanlage benötigte. Sie hatte 16 000 Speicherstellen, auf der 1311-Magnetplatte ein Fassungsvermögen von 2 Millionen Zeichen und Rechengeschwindigkeiten, die von den heutigen Mikrocomputern überboten werden. Der Clou ist jedoch, daß Kauf oder Miete damals aus Kostengründen eine Entscheidung des Vorstands eines Großunternehmens war und heute die Investition für einen Mikrocomputer so niedrig liegt, daß sich ein Handwerksbetrieb einen Computer leisten kann.

- Die Frage zielte dahin, daß immer noch Rechner mit einer vorgestrigen Technologie angeboten werden - zu Preisen, die mit denen der Personal Computer nicht vergleichbar sind. Wie kann sich da noch das Angebot der klassischen MDT gegen die Personal Computer behaupten?

Das könnte in der Tat für die Mittlere Datentechnik schwierig werden. Die Mikrocomputer sind mit modernster Technologie ausgestattet und darin tatsächlich manchem Rechner der Mittleren Datentechnik überlegen. Die Mikrocomputer werden in Computershops angeboten, die auf den teuren Vertriebsbeauftragten verzichten können, weil der Käufer selbst in das Geschäft kommt.

Demgegenüber hat die klassische Software der Nixdorf, Kienzle, Philips, CTM und so weiter einen großen Reifegrad erreicht und dient damit als Verkaufsargument. Eine Gefahr für die Mittlere Datentechnik besteht jedoch durch die branchengebunden arbeitenden Softwarehäuser, deren Know-how an das Branchen-Know-how der klassischen MDT-Hersteller heranreicht. Im übrigen benutzen auch die MDT-Hersteller Softwarehäuser für branchengebundene Installationen. Es wird sicher nicht lange dauern, bis diese Softwarehäuser einen Schwenk machen, um ihre Kunden mit einer billigen und dabei leistungsfähigen Hardware aus den Computershops besser und billiger bedienen zu können.

- Das Ergebnis wird auch in diesem Falle eine schlüsselfertige Lösung sein - und das war das Konzept der Mittleren Datentechnik.

Könnte der Benutzer nicht über einfachere Programmiersprachen mehr in die Software-Erstellung einbezogen werden?

Momentan dürfte der typische Anwender nicht in der Lage und auch nicht willens sein, selbst zu programmieren. Andererseits kommt aber eine Generation auf uns zu, die in weit engerem Kontakt zur Datenverarbeitung groß geworden ist. Ein derart aufgeschlossener Anwender kann durchaus mit dem Einsatz eines modern konzipierten Datenbanksystems und der darin enthaltenen wirkungsvollen Abfragesprache alle gewünschten Informationen in einem Frage- und Antwortspiel abfragen und sich auch wiederaufrufbare Programmoduln abspeichern. Meines Erachtens geht die Entwicklung für die kaufmännische Anwendung jedoch dahin, kompakte Branchenlösungen anzubieten und im übrigen die übliche Standardanwendung im Computershop anzubieten, so etwa wie man einen Anzug im Kaufhaus von der Stange kauft.

- Nun ist für die Mittlere Datentechnik eine Vielzahl von Standardprogrammen verfügbar. Warum also das Rad noch einmal erfinden?

Das ist eine Frage der Vermarktung. Gerade die von Ihnen angesprochene Menge der vorhandenen Standardsoftware macht diese auch unüberschaubar. Selbst der Softwarekenner, der Branchensoftware zu prüfen und auszuwählen hat, wird durch die Vielfalt der Angebote und deren große Qualitätsunterschiede überfordert. Es bleibt jedoch die Frage nach dem typischen Mikrocomputer-Anwender, der im Augenblick bei den Kleinbetrieben und Freiberuflern zu suchen ist. Die Mittlere Datentechnik wandte sich infolge der für den Kauf oder die Miete solcher Geräte hohen Aufwendungen an den mittleren und natürlich auch an den Großbetrieb. Hier finden wir aber im Vergleich zum kleinen Betrieb bereits eine Aufteilung der kaufmännischen Tätigkeiten vor, die jeweils durch Fachleute ausgeübt werden. Es gibt den Finanzbuchhalter, den Lagerbuchhalter, den Lohn- und Gehalts-Sachbearbeiter, um nur einige zu nennen. Hieraus entwickelte sich die ausgefeilte, mehrschichtige Softwarelösung, die nur durch den routinierten Fachmann vollständig genutzt werden konnte. Der Bediener des Mikrocomputers ist dagegen zunächst ein Allround-Bediener, der alle Programme für seinen Betrieb selbst oder durch einen sehr begrenzten Mitarbeiterkreis bedienen läßt. Er ist deshalb in erster Linie an einer einfachen, bedienerfreundlichen und knappen Softwarelösung interessiert.

- Bedienerfreundliche Systeme und einfache Software hat auch der mittlere und große Anwender immer haben wollen. Man muß doch sehen, daß diese einfache Software nicht kam, daß die Systeme nicht bedienungsfreundlich waren. Warum sollte dies jetzt gerade bei den Personal Computern anders sein?

Wie ich schon sagte, hat die in der Mittleren Datentechnik angebotene Standardsoftware häufig ein komplexes, sehr hohes Niveau erreicht und gestattet Anwendungen, an denen der kleine Betrieb gar kein Interesse haben kann und soll, weil er allzuleicht überfordert wird.

- Den Anwender interessiert die Verarbeitungstechnik nicht. Er will mehr Leistung zu einem niedrigeren Preis. Ist denn, wenn man vom Gesamtsystem ausgeht, die Mikrolösung heute bereits billiger als die Lösung der Mittleren Datentechnik?

Ich sagte eingangs, daß die Mikrocomputer erstaunlich billig geworden sind. Im Zusammenhang mit der Standardsoftware, die ebenfalls preiswert angeboten wird, bleibt die Gesamtanwendung auch insgesamt attraktiv. Eine Finanzbuchhaltung kostet beispielsweise auf dem Apple II 2500 Mark. Erst die Branchenlösung für den einzelnen Betrieb macht jedoch den Computer für den Anwender interessant. Hier fehlt im Augenblick tatsächlich noch das Angebot.

- Je kleiner ein Betrieb, so könnte man Ihre Aussage interpretieren, um so geringer die Anforderungen an die Software, um so simpler dann auch die Lösung, die das Problem erschlägt?

Im kleinen Betrieb, der im Büro mit zwei und drei Leuten auskommen muß, wird die Computeranwendung auch von diesem einen oder den zwei Leuten bedient werden müssen. Deshalb muß der Umfang und die Handhabung der Software so angepaßt und praxisnah gestaltet sein, daß diese eine oder diese beiden Personen nicht überfordert werden und damit den Computer als echte Unterstützung und nicht als Zusatzbelastung empfinden.

Solche Software zu erstellen, ist wahrscheinlich ein noch größeres Problem, das gewiß nicht von den bisher fast ausschließlich frei arbeitenden Basic-Fans gelöst werden kann.

- Es sieht so aus, als ob mit Personal Computern dieses Akzeptanzproblem ganz gut gelöst würde. Könnte nicht von daher ein Druck entstehen, von den Datenverarbeitern in mittleren und großen Betrieben bedienungsfreundliche Systeme zu fordern?

Ich bin der Meinung, daß dieser Druck nicht nur entsteht, sondern seit dem Siegeszug der Bildschirme bereits da ist. Denn erst mit der Einführung des Bildschirmes wurde aus der vorher mittelbaren Tätigkeit des Ausfüllens von Ablochbelegen etc. eine unmittelbare. Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß diese Mikrocomputer das Akzeptanzproblem geschickt lösen. Jedoch kann der Mikrocomputer, der sich eben anschickt, in die kaufmännische Welt vorzudringen, noch keine großen Anwendungen aufnehmen. Deshalb ist auch zunächst keine unmittelbare Gefahr für den Bereich der Mittleren Datentechnik gegeben; denn die Mikrocomputer haben nur ein knappes Betriebssystem und noch keinen ausreichenden Großraumspeicher mit Datensicherungsmöglichkeiten, wenn man einmal von der Speicherungsmöglichkeit der Festplatte auf handelsüblichem Videorekorder absieht, der nicht in das System integriert ist. Die Mikrocomputer verfügen über nur einen Bildschirm und haben auch nicht die Möglichkeit des Multiprogrammings, das heißt, die Möglichkeit, mehrere Anwendungen gleichzeitig ablaufen zu lassen, etwa eine Bildschirmanwendung im Vordergrund und ein Verarbeitungs- oder Druckprogramm im Hintergrund. Sie entsprechen damit den Diskettenanlagen der Mittleren Datentechnik. Nachdem nun bereits 128 K zur Verfügung stehen, ist es meines Erachtens nur eine Frage der Zeit, daß diese Mikrocomputer zu einer echten Herausforderung für die Mittlere Datentechnik werden. Auf die Unterstützung der Softwarehäuser können sie dabei rechnen.

- Sie sagten gerade, daß die Mikros zur Zeit noch knappe Betriebssysteme haben und- daß lediglich ein Bildschirm verfügbar ist. Kann man dies eigentlich einem Computer vorwerfen, der ausdrücklich als eigener Computer, als Personal Computer, angeboten wird?

Nein, jedoch ist meines Erachtens der Begriff Personal Computer aus seiner geschichtlichen Entwicklung zu verstehen, die ihn vom reinen Hobbyrechner mit der wachsenden Leistungsfähigkeit nun neuen Aufgaben zuführt. Aus einer ursprünglich rein technischen Spielerei hat er sich einer Entwicklung geöffnet, die sich nicht aufhalten läßt und für die sich nunmehr auch der kommerzielle Bereich zu öffnen beginnt.

- Dies steht außer Frage. Aber zielt nicht das Marketing der Hersteller darauf ab, jedem seinen eigenen Computer zu geben?

Die Mikrocomputer sind durch ihren äußerst attraktiven Preis, der meines Erachtens noch sinken und insbesondere für die Peripherie noch sinken wird, zu attraktiven Systemen geworden, die sich jeder leisten kann. Die Marketing-Strategie der Hersteller richtete sich zunächst an die Käufergruppe der Hobbyisten. Durch die Weiterentwicklung seiner Leistungsfähigkeit ist der Mikrocomputer nun für einen Markt interessant geworden, den man als den der Personal-Business-Systeme bezeichnen könnte. Wie das Beispiel Commodore und Apple zeigt, wurden hier bereits neue Marketing-Strategien entwickelt. Wir haben jedenfalls mit einer großen Ausweitung dieses Computermarktes und einer äußerst vielseitigen Einsatzpalette zu rechnen.