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19.05.2000 - 

IPOs: QS Communications AG

Mit Volldampf Speed auf die letzte Meile bringen

KÖLN - Mit "Speedway-Dsl" bietet die QS Communications (QSC) AG eine neue breitbandige Internet-Zugangstechnologie an, die das Nadelöhr der letzten Meile zwischen Vermittlungsstelle und Endanwender öffnen soll. Dabei setzt der Börsenneuling vor allem darauf, dass der Markt in Deutschland reif für solche Anwendungen ist.Von Nicole Winkler*

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Diese Binsenweisheit hat sich bislang in fast allen Bereichen des deregulierten TK-Markts als zutreffend erwiesen. Aus diesem Grund hat es Bernd Schlobohm, Gründer und Vorstandsvorsitzender der 1997 gegründeten Kölner QSC, eilig: "Für uns geht es heute im Wesentlichen darum, mit unserem Angebot sehr schnell in den 40 größten Städten präsent zu sein." Mit SDSL (Symmetric Digital Subscriber Line), einer in den USA bereits erfolgreich eingesetzten Zugangstechnologie, soll "Speedway-Dsl", so der Name der neuen Produktfamilie, den Datenverkehr über die Telefonleitung um ein Vielfaches beschleunigen. Dadurch sei es, so QSC, möglich, auf der Basis einer herkömmlichen Kupfer-Doppelader Daten bis zu 35-mal (Konkret: 144 Kbit/s bis 2,3 Mbit/s) schneller als über ISDN-Leitungen zu übertragen.

Die Vorteile gegenüber anderen DSL-Technologien wie beispielsweise ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) beruhen demnach auf gleich hohen Up- und Downstream-Raten - das heißt, sowohl der Empfang als auch der Versand von Daten wird gleich schnell abgewickelt. Diese Eigenschaft gewinnt vor allem vor dem Hintergrund neuer Internet-Anwendungen wie Videoconferencing, Streaming Media oder Video-on-Demand an Bedeutung, die den Bedarf an Bandbreite enorm anwachsen lässt.

Das Internet ist künftig "standby"Außerdem hat die Verbindung den Charakter einer Standleitung. Der Kunde ist "always-on", damit jederzeit mit dem Internet verbunden und kann in der Zeit, in der er die Leitung nicht nutzt, Backups zu einem entfernten Rechenzentrum im Netz ausführen oder sich umfangreiche Daten wie Business-TV aus dem Netz laden.

Erklärte Strategie der Kölner ist es, Firmen und Privatkunden eine leistungsfähige Internet-Anbindung zu bieten, dabei vom deregulierten TK-Markt zu profitieren - und rasant zu wachsen, sogar weltweit. Dafür sind in den nächsten Jahren gewaltige Investitionen nötig. So hat sich die Gesellschaft bereits 1999 Eigenkapital in Höhe von 272 Millionen Mark durch Ausgabe von Aktien im Rahmen einer Privatplatzierung verschafft. Weiter ist mit dem US-amerikanischen Telco-Giganten Lucent Technologies ein Finanzierungspaket in dreistelliger Millionenhöhe geschnürt worden.

Allein in den Aufbau der Netzinfrastruktur will das junge Unternehmen etwa eine halbe Milliarde Mark investieren. Zusätzliches Kapital sollte jetzt über den Börsengang am 19. April 2000 am Neuen Markt und an der Nasdaq in die Kassen fließen. Ein, wie sich herausstellte, nicht gerade günstiger Zeitpunkt. Vor dem Hintergrund einer global schwachen Verfassung der Aktienmärkte brachte das Going Public QSC nur 260 statt der zuvor erhofften 370 bis 430 Millionen Euro ein. Nach dem IPO halten die Vorstände Schlobohm und Gerd Eickers jeweils knapp 17 Prozent der Anteile, während die US-amerikanische Fondsgesellschaft Baker Capital mit 46,3 Prozent beteiligt ist. Der Rest entfällt auf in- und ausländische Investoren.

Derzeit haben die Kölner bundesweit 400 Verteilzentren von der Deutschen Telekom angemietet und sind dabei, diese aufzurüsten. QSC übernimmt dabei in den so genannten Kollokationsräumen, in denen die Leitungen der Telekom "entbündelt" werden, auf Basis der von Lucent entwickelten DSL- Zugangskonzentratoren "Stinger" die Kupferdoppelader der Kunden und macht sie SDSL-fähig. Für jeden angeschlossenen Kunden entrichtet QSC monatlich 25,40 Mark Miete an die Telekom. Bis zum Jahresende sollen rund 1000 solcher Verteilzentren aufgebaut und das Netz auf 40 deutsche Großstädte ausgeweitet sein.

Den Vertrieb will QSC über entsprechende Vereinbarungen mit Internet-Service-Provider (ISPs) organisieren, von denen es in Deutschland, so Schlobohm, mehr als 1000 gibt. 29 davon habe man bereits unter Vertrag, darunter etwa den Videokonferenz-Spezialisten MVC in Frankfurt oder die in München ansässige Computer Consultant Network, die neben Web-Hosting alle Facetten des Internet-basierten Informations- und Wissens-Managements anbietet. Weiter ist geplant, gemeinsam mit Talkline noch bestehende Hindernisse auf der letzten Sprachmeile, also im Ortsnetz, zu überwinden sowie Sprachdienste auf SDSL-Basis zu entwickeln und anzubieten.

Der rasante Internet-Zugang ist bislang allerdings nicht ganz billig. So liegen die Endkundenpreise zwischen 210 Mark pro Monat für einen Zugang mit 144 Kbit/s beziehungsweise 890 Mark für einen mit 2,3-Mbit/s-Anschluss. Außerdem ist ein Bereitstellungspreis zu zahlen, der sich nach der vereinbarten Laufzeit staffelt und die Installation sowie Anschlussaktivierung umfasst. Da der deutsche Mittelstand im Umgang mit neuen Technologien auch erst am Anfang steht, bietet QSC seinen Highspeed-Zugang ins Internet vorläufig vor allem Zweigniederlassungen großer Gesellschaften, sogenannten Early Adopters, innerhalb der KMU (kleinen und mittleren Unternehmen) oder Internet-affinen Unternehmen wie Web-Agenturen an, die sich nicht mehr einwählen wollen, sondern besagte Always-on-Verbindung bevorzugen.

Privatkunden möchten die Kölner erst ein gutes Jahr später akquirieren - dieser Markt müsse sich erst noch entwickeln, heißt es. Das Potenzial für SDSL beziffert QSC-Chef Schlobohm auf vier Millionen Kunden in drei Jahren. Dann werde es in Deutschland Marktstudien zufolge rund 25 Millionen Internet-Nutzer geben. Analysten stehen der SDSL-Offensive des Newcomers allerdings etwas reservierter gegenüber. Nicht nur, dass die Geschäftsaktivitäten des Neulings erst anlaufen, vor allem der Preisdruck dürfte sich noch intensivieren. Dabei haben die Kölner bereits bis zum Jahresende einen kumulativen Preisverfall von rund 40 Prozent einkalkuliert. Aber auch das Nachfragepotenzial von Privatkunden nach einschlägigen Breitbandlösungen sei weitgehend unbekannt, meinen Fachleute.

Zudem ist noch nicht geklärt, wie sich alternative Teilnehmeranschlüsse entwickeln, die ebenfalls auf vorhandener Infrastruktur aufsetzen. In Deutschland beschäftigen sich vor allem die Telekom, Mobilcom, Viag Interkom und Colt Telecom mit der DSL-Technologie. Neben der Telefonleitung sind beispielsweise auch TV-Kabelanschlüsse, Stromleitungen und drahtlose Verfahren wie GSM, Richtfunk und Satellitenverbindungen für die schnelle Überbrückung der letzten Meile geeignet und demzufolge im Gespräch.

Je mehr Zeit jedoch ins Land geht, ohne dass sich Powerline, Satellitensysteme und Kabelnetz als Alternativen zum Ortsnetz durchsetzen können, umso mehr dürften die Chancen von Marktführer Telekom, seinen "T-DSL" getauften ADSL-Dienst zu etablieren, steigen; aber auch von QSC, den eigenen Highspeed-Internet-Zugang durchzusetzen. Die am Going Public beteiligten Kreditinstitute zeigen sich jedenfalls zuversichtlich. Sie gehen davon aus, dass QSC im Jahr 2003 erstmals Gewinne einfahren kann. 2004 soll der Umsatz bereits bei 1,4 Milliarden Euro, der Gewinn bei 140 Millionen Euro liegen.

*Nicole Winkler ist freie Journalistin in München.