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08.10.1993

Mit Wabi veritable PC-Alternative IBM lockt fuer Power-PC-System mit rund 50000 Anwendungen

08.10.1993

NEW YORK (jm) - Voellig neues Gefuehl fuer die IBM: Auf der Unix-Expo gehoerte ihr Stand zu den begehrtesten Anlaufpunkten. Grund hierfuer waren zum einen die in New York offiziell vorgestellten Power-PC- Systeme, zum anderen begeisterte sich das Fachpublikum fuer die auf diesen Rechnern laufende Wabi-Demonstration. In einem halben Jahr will Big Blue das "Windows Application Binary Interface" von der Sun-Division Sunselect mit AIX anbieten.

Es war schon erstaunlich: Als schleppe der blaue Riese keine jahrzehntelange Tradition hermetischer Systemgeschlossenheit hinter sich her, schaffte es das in modische Power-Poloshirts gewandete Standpersonal, dem Betrachter ein wenig vom Gefuehl der "neuen IBM" zu vermitteln.

Zumindest die Workstation-Legionaere von Big Blue haben offensichtlich keine Identifikationsprobleme mit ihren Produkten. Die Leistungsfaehigkeit von Wabi auf einer Power-PC-Workstation demonstrierte Big Blue anhand eines Videos, in dem ein 486-Intel- System (66 Megahertz Taktrate) mit einem Powerstation-Modell (601- RISC-CPU mit 66 Megahertz Taktrate) verglichen wurde. Zur Referenzmaschine erklaerte man einen 386-PC (20 Megahertz). Als Benchmarksuite lief "Overall Wintach RPM", ein Windows- Applikationen-Mix aus Textverarbeitung, CAD-Anwendung, Tabellenkalkulation sowie einem Zeichenprogramm.

In Relation zu der 386-Maschine erzielte das 486-Modell ein um den Faktor 19,7 besseres Ergebnis. Die Power-PC-Workstation war schneller: Je nach Groesse des Monitors und dessen Aufloesung ergab sich ein Faktor von knapp 39 bzw. 33,65 in Relation zum Referenzsystem.

Windows-Anwendungen auch in X-Umgebungen

Die IBM hat, erklaerte Phil Hester, Vice-President Systems & Technology von IBMs Advanced Workstations and Systems Division (AWSD), mit Bezug auf Wabi, die Instruktionensatz- Simulation und die Grafikunterstuetzung so weit vollendet, dass Macintosh- und PC- Software auf der Power-PC-CPU 601 ablauffaehig seien.

Hester unterstrich, dass die blauen Entwickler aus den Somerset- Labors in Austin, Texas, keinen Mikrocode von Intel genutzt, sondern vielmehr den X-Grafik-Instruktionenset erweitert haetten. Wabi unter AIX soll, so IBM-interne Informationen, ab dem ersten Quartal 1994 verfuegbar sein.

Da Wabi die Windows-Calls von Microsoft in X-Window-Calls uebertraegt, bietet Sunselects Software zudem den Vorteil, dass Windows-Anwendungen auch in X-Umgebungen gefahren werden koennen. Dies ist von Bedeutung gerade im Zuge verteilter Datenhaltung, bei der unterschiedliche Clients (X-Terminals, Workstations und PCs mit X-Emulationen wie etwa der von der Hummingbird Communica- tions Ltd. aus Kanada) in einen Unix-basierten unternehmensweiten DV-Verbund eingebunden werden sollen.

Folgerichtig praesentierte IBM auf der Unix-Expo X-Terminals, auf denen unter anderem Microsofts Windows-Textverarbeitung Word auf Wabi lief. Zumindest waehrend der Demonstration war es problemlos moeglich, zwischen X-Window-Anwendungen und Windows-Applikationen Daten im Cut-and-Paste-Verfahren von Fenster zu Fenster auszutauschen.

Ebenfalls auf den Power-PC-Systemen demonstrierte die IBM eine fruehe Version des CDE-File-Managers (Common Desktop Environment). Big Blue aeusserte zudem anlaesslich der Power-PC-Vorstellung, dass man mit diesen Systemen weniger darauf abziele, die schnellsten Tischrechner des Marktes anzubieten. Vielmehr wolle man Anwendern eine Technologiebasis zur Verfuegung stellen, auf der sie Applikationen aus unterschiedlichen Hardwareumgebungen so nutzen koennten, als wuerden diese auf ihrer angestammten Plattform laufen.

Sobald die Windows- und Macintosh-Simulatoren allgemein verfuegbar seien, koennten Anwender, so das Versprechen von Big Blue, aus 30 000 DOS-, 10 000 AIX-, 5000 Mac- und aus einer ebenso grossen Anzahl von Windows-Anwendungen waehlen. Kommendes Jahr koenne man ferner entweder ein Win-32s- oder Win-32c-Interface erwarten.

Interessanterweise leitete die Microsoft Corp. wegen Wabi bislang keine gerichtlichen Schritte gegen Sunselect ein. Bekanntlich behauptet die Sun-Tochter, dass man bei Verwendung von Wabi Windows nicht brauche, um Windows-Applikationen zu nutzen. Gleichwohl verlangt Microsoft von Sun Lizenzgebuehren fuer jede ausgelieferte Wabi-Version. Die McNealy-Company allerdings ist auf diesem Ohr voellig taub. Deswegen drohte Microsoft auch schon mit der Option, Windows nach Belieben so oft zu modifizieren, dass unter Wabi laufende Anwendungen garantiert Probleme bekommen wuerden. Die Sunsoft Inc. hatte uebrigens auf der Unix-Expo Version 2.3 von Solaris fuer Oktober 1993 angekuendigt und mitgeteilt, dass jeder Kaeufer dieser Version unentgeltlich auch den Windows-Emulator erhaelt. Allerdings muss er ihn eigens anfordern. Da Sunsoft an Sunselect Lizenzgebuehren zahlen muss, integriert Suns Softwaredivision Wabi noch nicht in die neueste Solaris-Version. Man will abwarten, wie hoch die Nachfrage sein wird.

Unix-Adepten, die auf Win- dows-Anwendungen nicht verzichten, aber auch nicht auf Wabi setzen wollen, bietet seit neuestem die Insignia Solutions Ltd. aus Chalfont St. Giles in England den Emulator "Softwindows". Er biete hundertprozentige DOS- und Windows-Applikationen-, Utilities- sowie Netzwerkunterstuetzung.

PC-Peripherie wie CD-ROM- und Disketten-Laufwerke, Speicher und Displays sowie COM- und LPT-Ports wuerden ebenfalls problemlos angesprochen. Insignia besitzt eine Source-Code- und Distributions-Lizenz fuer Windows. Lizenzierte Kopien von Windows und DOS gehoeren zum Lieferumfang von Softwindows.

Wie Sunsofts Wabi-Angebot soll auch die Insignia-Software ab Dezember verfuegbar sein. Eine Ein-Platz-Lizenz kostet rund 550 Dollar. Geplant sind Softwindows-Varianten fuer die Hardware- Plattformen von HP, IBM, DEC, Sun, Next und Apples Macintosh.