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21.11.2003 - 

Integrationsplattform der Bosch Siemens Hausgeräte

Mit Web-Services wird alles anders

Gemeinsam mit anderen Hausgeräteherstellern hat die Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) einen branchenspezifischen Web-Services-Standard für den Austausch von Geschäftsdaten geschaffen. Auf diesem implementierte BSH eine zentrale Kommunikationsplattform.Von Jan Schulze*

Web-Services und die zugrunde liegenden Technik bieten sich überall dort an, wo über Systemgrenzen hinweg ein reibungsloser, automatisierter Datenaustausch notwendig ist. So zum Beispiel bei Geschäftsprozessen, die in Echtzeit ablaufen sollen.

Um die Zahl der Schnittstellen zu reduzieren, betreibt die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH eine Plattform, über die die Kommunikation zu den Kunden auf Basis von Web-Services abgewickelt wird. Das Projekt hat seine Wurzeln im vor einiger Zeit gegründeten Tradeplace.com, dem Marktplatz für die europäische Hausgeräte- und Elektrogerätebranche. "Tradeplace.com repräsentiert rund 80 bis 90 Prozent des europäischen Markts, erläutert Gérard Ingrassia, bei BSH verantwortlich für den elektronischen Datenaustausch. Das Ziel dieser Kooperation der Wettbewerber ist es, den Händlern und Einkaufsverbänden eine zentrale, einheitliche Geschäftsplattform zu bieten. Es lag für die Unternehmen nahe, auch bei der betriebswirtschaftlichen Konzeption eines Web-Service-Standards für die Branche zusammenzuarbeiten.

BSH hat als Zielgruppe vor allem die Einkaufsverbände des Einzelhandels im Auge, erläutert Ingrassia. Da das Unternehmen nicht direkt an Verbraucher verkauft, ist der Einzelhandel ein sehr wichtiger Vertriebskanal. Den Händlern sollten durch die Web-Services neue Funktionen wie Bestandsabfragen während des Verkaufsgesprächs angeboten werden. Über die bisherigen Kommunikationsstandards war das nicht möglich. Ein zweiter wichtiger Kundenkreis - die großen Küchenstudios - sollten über Schnittstellen die Produktdaten direkt in ihre Planungssoftware einbinden können.

Als Basis der Integrationsplattform entschied sich BSH für den "Business Integration Server" (BIS) der Seeburger AG. Ein wichtiger Punkt war dabei, dass diese Lösung sowohl Web-Services als auch das klassische Elektronic Data Interchange (EDI) beherrscht. "Es ist kaum möglich, alle unsere Kunden über Web-Services anzuschließen, erklärt Ingrassia. "Für die großen Handelsketten wie Metro oder Wal-Mart bringt die neue Technologie wenig Vorteile. Diese Kunden interessierten sich nicht für Verfügbarkeiten, sondern setzten ihre umfangreichen Bestellungen ohne weitere Nachfrage ab. Da hier vor allem bei Kleingeräten meist mehrere hundert Stück geordert würden, sei EDI dafür das probate Medium.

Zur Anbindung der Händler dient bei BSH das Protokoll HTTPS, also eine sichere Variante des Internet-Standards HTTP. Die Requests gehen allerdings nicht direkt an den Hersteller. Das Tradeplace-Ziel, eine gemeinsame Plattform bereitzustellen, hat auch in der Web-Services-Welt Bestand. Deshalb landen die Anfragen, Bestellungen und andere Vorgänge zunächst im zentralen "Tradeplace Message Hub. Diesen entwickelte das Konsortium in Eigenregie. Die Verteilung der Messages übernimmt ein neutraler Dienstleister, der dazu den Envelope (Umschlag) ausliest. Aus diesem geht unter anderem hervor, welcher Hausgerätehersteller die Nachricht empfangen soll. Zudem validiert der Dienstleister vor dem Weiterleiten die Fehlerfreiheit jeder Nachricht.

Statt Soap ein eigenes Protokoll

Bevor ein weitergeleiteter Request in den Systemen der BSH verarbeitet wird, erfolgt eine Prüfung in der "demilitarisierten Zone (DMZ) vor der Firewall. Der eingehende HTTPS-Request wird hier von einem Web-Shield auf seine "Unbedenklichkeit geprüft und dann nach HTTP konvertiert. Erst dann gelangen die Daten auf die zentrale Integrationsplattform von Seeburger. Der Business Integration Server wiederum prüft, ob es sich bei dem Request um eine Vertriebs- oder Serviceanfrage handelt. "Wir haben dafür jeweils einen anderen Workflow, erläutert Ingrassia.

Für den gemeinsamen Web-Service-Standard mussten die Hausgerätehersteller einigen Entwicklungsaufwand betreiben. So war laut Ingrassia zum Beispiel das bei Web-Services übliche Simple Object Access Protocol (Soap) für die Anforderungen des Konsortiums noch nicht ausgereift genug. Bei Soap-Envelopes seien einige Funktionen wie etwa die interne Verteilung der Nachrichten nach Ländern nicht möglich gewesen. Deswegen definierten die Hersteller gemeinsam ein an Soap angelehntes eigenes Protokoll.

Zur konkreten Umsetzung der Web-Services auf der Seeburger-Plattform war bei BSH aufgrund der komplexen Anforderungen zusätzlicher Entwicklungsaufwand erforderlich. "Bei der Standard-Workflow-Engine des Business Integration Servers musste eine Erweiterung vorgenommen werden, um unsere Arbeitsabläufe damit komplett modellieren zu können, so Ingrassia.

Direkte Kopplung mit SAP-System

Eine andere Schwierigkeit stellte die strikte Nutzung von Unicode-Daten dar. Unicode ermöglicht es, Sonderzeichen aus allen Sprachen zu verarbeiten. Hier lag die Hauptarbeit darin, Unicode unter XML auf allen SAP-Systemen in den verschiedenen Release-Ständen richtig aufzusetzen.

Zur Anbindung der SAP-Systeme an die Web-Services nutzt BSH die Möglichkeit, den Business Integration Server über eine direkte RFC-Kopplung mit der SAP-Welt kommunizieren zu lassen. Mittels der Remote Function Calls bleibt der Business Integration Server ständig mit dem SAP-System verbunden. Das hat den Vorteil, dass beide Server nicht immer wieder aufs Neue die Anmeldedaten austauschen und verifizieren müssen. Durch die so gesparte Zeit werden die Requests schneller an das operative System weitergereicht.

Trotz des Aufwands, den die gemeinsame Entwicklung eines branchenspezifischen Web-Service-Standards für alle Konsortiumsmitglieder bedeutete, ist Ingrassia überzeugt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist: "Wir wollten damit rechtzeitig einen Branchenstandard setzen, bevor ein akuter Leidensdruck entsteht.

Vorteile für alle Beteiligten

Vom Schulterschluss mit den Mitbewerbern profitieren alle Mitglieder in der Verkaufskette: Die Händler können schneller auf wichtige Informationen zugreifen und so auch im Verkaufsgespräch ihre Kunden besser beraten. Zudem müssen die Einkaufsverbände nicht für jeden Hausgerätehersteller eigene Systeme implementieren.

Für die Hersteller reduziert sich damit die Zahl der Schnittstellen, die gepflegt werden müssen, erheblich. "Wir haben alleine in Deutschland 20000 Kunden, gibt Ingrassia zu bedenken. "Die vielen unterschiedlichen, in der Branche gebräuchlichen EDI-Schnittstellen sind uns schon länger ein Dorn im Auge. (ue)

*Jan Schulze ist freier Journalist in Erding bei München.