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Novell-Division steht vor dem Verkauf


02.02.1996 - 

Mit Wordperfect koennte Corel seine Produktpalette ausbauen

Die Grafikspezialisten, deren Name erst sehr spaet in der Runde der potentiellen Wordperfect-Kaeufer auftauchte, gelten mittlerweile als die heissesten Kaufkandidaten. Fuer die Akquisition wird Corel, wie aus Kreisen der Verhandlungsteilnehmer verlautet, rund 250 Millionen Dollar aufwenden muessen. Novell hatte dagegen ueber 850 Millionen Dollar fuer den Erwerb von Wordperfect gezahlt. Bei Vertragsabschluss geht Corel als Sieger aus einem mehr als drei Monate dauernden Rennen hervor, bei dem so prominente Konkurrenten wie IBM, Computer Associates oder die Apple-Tochter Claris ebenfalls angetreten waren.

Erhaelt Corel den Zuschlag, duerfte nach Meinung der Analysten die Reputation des Unternehmens ausschlaggebend gewesen sein. So ist aus Novell-Kreisen zu hoeren, dass der Verkauf an den Grafikspezialisten fuer die grosse Wordperfect-Anwendergemeinde - laut Novell hat Wordperfect bisher 25 Millionen Programmpakete verkauft - einen sanfteren Uebergang bedeutet. Darueber hinaus, so vermuten Branchenkenner, duerfte sich die Erfahrung des Unternehmens in der weltweiten Distribution und dem Support komplexer Anwendungspakete ebenfalls positiv auswirken. Deswegen haben wohl auch Interessenten wie die Investorengruppe Bain Capital Inc. nicht den Zuschlag bekommen, da diese fuer die Anwender eher unbekannte Firmen ohne Renommee sind.

Waehrend die Netzwerker den Wordperfect-Verkauf mit der Konzentration auf das Kerngeschaeft begruenden, sind die Motive fuer Corels Interesse an der Novell-Division unklar. Skeptiker bemaengeln fehlende Synergieeffekte und weisen auf die hoechst unterschiedlichen Kulturen der beiden Unternehmen hin. Damit sei fraglich, ob sich eine 250-Millionen-Investition in einen neuen Distributionskanal rentiere.

Andere Marktbeobachter wiederum bewerten den Deal als lebensnotwendig, wenn Corel endlich die Grafiknische verlassen will. Zudem brauche das Unternehmen ein moeglichst breitgestreutes Produkt-Portfolio, um mit Microsoft wirklich konkurrieren zu koennen. Moeglicherweise hat aber auch nur die installierte Wordperfect-Basis Corel bei seiner Kaufentscheidung beeinflusst. So rechnen Branchenkenner damit, dass in den naechsten drei bis fuenf Jahren allein mit dem Ergaenzungsverkauf der bisherigen Versionen eine Menge Geld zu verdienen ist.

Bis Redaktionsschluss war Corel zu keiner definitiven Stellungnahme in Sachen Wordperfect bereit. Ein Pressesprecher erklaerte lediglich, Wordperfect sei als etablierte Textverarbeitung fuer den Grafikspezialisten sehr interessant. Corel sehe fuer das Produkt weiterhin einen grossen Markt. An Spekulationen ueber ein moegliches Bundling der Office-Suite mit Corel Draw oder dem Ventura Publisher wollte sich der Corel-Mitarbeiter ebenfalls nicht beteiligen. Dies seien Fragen, so hiess es in Ottawa, die man erst diskutiere, wenn ein entsprechender Vertrag unterschrieben sei.

Trennung von einer ungeliebten Braut

Mit der Veraeusserung der Business Application Division - unter diesem Namen fuehrt Novell Wordperfect und die dazugehoerigen Produkte Wordperfect, Prensentations, Info Central, die Suite Perfect Office sowie das von Borland erworbene Quattro Pro weiter - zieht der Netzwerkprimus einen endgueltigen Schlussstrich unter die Aera Ray Noorda. Unter der Aegide des Grandseigneurs des Networkings hatte das Unternehmen die Fachwelt waehrend der CeBIT 1994 mit der Ankuendigung ueberrascht, Wordperfect zu kaufen. Klare Stossrichtung des Kaufes - zuvor hatte Novell bereits Unix uebernommen - war, Microsoft in allen Bereichen unter Druck zu sezten. So sollte der Neuling, der gerade mit Windows NT zum Sprung ins Netzwerk-Business ansetzte, auf seinem ureigenen Territorium, dem Applikationsgeschaeft, mit netzfaehigen Anwendungen geschlagen werden. Der alte Herr liess sich sich den Feldzug gegen seinen Erzfeind Bill Gates rund eine Milliarde Dollar kosten. Finanziert wurde das Ganze mit der Emission von 59 Millionen Aktien.

Doch mit der Uebergabe des Steuers an den Noorda-Nachfolger Bob Frankenberg begann der Schlingerkurs fuer die einst stolze Textverarbeitungs-Company. Mal steuerte Frankenberg den Softwareriesen, der zur Nummer zwei hinter Microsoft avanciert war, auf Schmusekurs zu der Gates-Company, mal blies er zum Sturm auf den Suite-Markt.

Allerdings wurden die Netzwerker mit ihrem Neuerwerb auch finanziell nicht gluecklich. Verkauften sich Wordperfect-Produkte 1994 noch gut und konnten in den ersten beiden Monaten des Jahres 1995 in den USA einen erklecklichen Marktanteil erobern, so geriet der Applikationsbereich in den letzten Monaten ins Schleudern. Die Netzwerker schafften es nicht, ihre Suite rechtzeitig in einer 32- Bit-Version fuer Windows 95 auf den Markt zu bringen. So sank der Umsatz der Application Division von 134 Millionen Dollar im vierten Quartal 1994 auf 59 Millionen im vierten Quartal 1995. Damit trug das Applikationsgeschaeft nur noch mit 16 Prozent zum Umsatz bei, im Vorjahr waren es noch 28 Prozent.

Eine andere Erklaerung fuer das Scheitern ist aus Wordperfect- Kreisen zu hoeren: Novell-Mitarbeiter haetten sich wie Besatzer aufgefuehrt und die Besiegten nicht in den Unternehmensverbund integriert.