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25.05.1990 - 

Supercomputer-Leistung wird erschwinglicher

Mit Y-MP2E-Großrechner geht Cray Research auf Kundenfang

MÜNCHEN (jm) - Cray Research stellte sein Einstiegsmodell in die Supercomputer-Welt vor: Die Cray Y-MP2E soll die Leistungsmerkmale der Y-MP-Serie aufweisen, in der Grundversion aber schon ab 2,5 Millionen Dollar zu haben sein. Außerdem verdoppelten die Amerikaner für ihre Höchstleistungsrechner die Arbeitsspeicher-Kapazitäten.

John Rollwagen, Chairman und CEO der Cray Research Inc., legte Wert auf die Feststellung, daß dem Anwender aufgrund der Kompatibilität der neuen Modelle zur Y-MP-Reihe das gesamte Produktspektrum von etwa 300 Anwendungspaketen auch auf den Y-MP2E-Rechnern zur Verfügung stünde. "Wer steigenden Bedarf anmeldet, hat nun die Möglichkeit, vom Ein- und Zweiprozessor-Modell unserer neuen Lowlevel-Rechner innerhalb der Y-MP-Produktlinie bis zum leistungsfähigsten Supercomputer, der Cray Y-MP8/8256, aufzusteigen."

Y-MP-Modelle kosten je nach Anzahl der Prozessoren zwischen fünf Millionen Dollar (zwei CPUs) und 23 Millionen Dollar für einen Superrechner mit acht Zentraleinheiten (Vergleiche auch CW, Nr. 15 vom 13. April 1990, S. 21 "Cray bringt luftgekühlte ...").

Die Cray Research Inc. mit ihren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Chippewa Falls in Wisconsin hatte erst vor kurzem Pläne zur 100-prozentigen Übernahme der Supertec Computers Inc. - Hersteller von Minisuperrechnern - bekanntgegeben (Vergleiche CW Nr. 15 vom 13. April 1990, S. 47 "Cray legt sich ..."). Damit scheint die Cray Research unter Rollwagen erstmals von dem durch Seymour Cray immer verfochtenen Ziel abzurücken, jeweils den leistungsstärksten Supercomputer bauen zu wollen. Möglicherweise deshalb gründete Cray 1989 die Cray Computers Corp. und zog nach Colorado Springs um, wo er seinen jetzt schon sagenumwobenen Gallium-Arsenid-Supercomuter Cray-3 baut.)

Die S-1-Minisuperrechner von Supertec sollen bitkompatibel zu den X-MP-Zahlenfressern von Cray sein. Außerdem wird bis Ende 1990 das Unicos-Betriebssystem von Cray auf die S-1-Rechner portiert. Supertec selbst arbeitet an einem Y-MP-kompatiblen Nachfolgesystem.

Der Einsteiger in die Supercomputer-Welt der Crays muß mit der Y-MP2E auf die standardmäßigen Speicher- und Prozessormodule der Y-MP-Serie nicht verzichten und erzielt deshalb auch bei den Low-level-Rechnern die bei den "großen" Crays bekannten niedrige Taktzeit von sechs Nanosekunden.

Wasser- oder luftgekühlt an das 50 Hz-Stromnetz

Das Cray-Y-MP2E-System gibt es im Gegensatz zu seinen "großen Familienangehörigen" neben einer wasser- auch in einer luftgekühlten Version, die an das 50-Hz-Stromnetz angeschlossen werden kann. Eine Vektorleistung von 500 respektive 1000 Mflops und skalare Rechenpower von 166 bei einem und 333 MIPS bei zwei Prozessoren umreißen die Merkmale der ECL-Technologie (Emitter Coupled Logic).

In sechs verschiedenen Konfigurationen kann der Anwender sich die Rechner zusammenstellen: Entweder mit einem oder zwei Prozessoren und Arbeitsspeicher-Kapazitäten von 128, 256 oder 512 MB.

Ähnlich wie bei den Y-MP-Rechnern ist es möglich, den Speicher durch einen externen SSD-Erweiterungsspeicher (Solid State Storage device) von 1024 bis 8192 MB zu vergrößern.

Darüber hinaus laufen die neuen Einstiegs-Supercomputer auf Unicos, dem Unix-Derivat von Cray, weiches auf AT&Ts Unix System V basiert, Wegen des gleichen Betriebssystems kann der Rechner auch alle Standard-Compiler, Benutzerschnittstellen und Netzwerk. Software nutzen. Erste Auslieferungen soll es ab Herbst '90 geben.

Neben diesen Rechnern kann Cray Anwendern der leistungsfähigsten Systeme Y-MP jetzt doppelt so hohe Arbeitsspeicher-Kapazitäten anbieten als bisher.

Statt mit 1024 MB lassen sich die größten Cray-Rechner nun mit 2048 MB ausrüsten. Die Erweiterungen stehen ab dem ersten Quartal '91 zur Verfügung.

Ein guter Schachzug

Nein, Ziel und Impetus der Cray Research sei nach wie vor, den schnellsten Supercomputer der Welt zu bauen. Wer meint, mit der Übernahme von Supertec und der Vorstellung der Y-MP2E engagierte die Cray Research sich nun zuvörderst im Low-end-Bereich, der irrt.

Die Aussagen kommen von Siegfried Eckert, Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb bei Cray in München. Und Sinn machen sie auch: Supertec ist ein Hersteller, der mit seinen S-1-Maschinen nicht den eigentlichen Number-Cruncher-Bereich abdeckt, sondern das Minisuper-Marktsegment. Die "kleine Cray" hingegen - so betont auch Chef Rollwagen - ist ein echter Supercomputer. Für Einsteiger stellt die Y-MP2E eine preisgünstige Variante der leistungsfähigsten Zahlenfresser dar - der "Volks-Superrechner" sozusagen.

Tatsächlich wirft Cray damit einen Köder aus: Beim Essen kommt der Hunger, denken sich wohl die Amerikaner und hoffen, daß nun möglichst viele Anwender das Angebot einer 2,5-Millionen-Cray wahrnehmen werden. Sind sie erst mal auf den Geschmack gekommen, wird es ihnen gehen wie allen Anwendern: Die Bedarfsspirale wird sie in immer höhere Rechnerleistungs-Gefilde verführen. Und man darf wetten, wer dann das Geschäft macht. jm