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13.08.1976

Mitarbeiter-Ausbildung muß das Betriebsergebnis verbessern

Peter Pfeifer

Leiter der System- und Anwendungsprogrammierung bei der Landeszentralbank in Bayern

Der Erfolg beim Einsatz einer DVA steht und fällt mit dem Menschen, der dieses Werkzeug bedient. Mitarbeiter-Ausbildung in der EDV muß zweierlei anstreben: die Erhöhung der Leistungsfähigkeit und die Förderung des Leistungswillens.

Grundbedingung für den Erfolg der Mitarbeiter-Ausbildung ist die eindeutige-Definition der Lernziele und die richtige Zusammenstellung der Ausbildungszielgruppen. Erfolgreiche Zusammenarbeit und optimale Ausnutzung der Anlagen setzen Gesprächspartner mit gleichgeartetem Fachwissen voraus, und diese Forderung kann nur durch eine systematische Ausbildung aller direkt oder indirekt mit der EDV befaßten Mitarbeiter erfüllt werden. Das Problem liegt also darin, jedem Mitarbeiter das für ihn richtige Maß an Ausbildung zu geben. Der Ausbildungsbedarf eines Mitarbeiters wird u. a. bestimmt durch die ihm übertragenen Funktionen sowie aus seinen Führungs- und Fachaufgaben.

Die Frage, ob interne oder externe Mitarbeiter-Ausbildung (Hersteller, Lehrinstitute) wirksamer und wirtschaftlicher sind, kann nicht generell beantwortet werden. Fremdschulung hat den Vorteil, daß der Teilnehmer aus der gewohnten Betriebssphäre heraustritt, die Grenzen der betrieblichen "Selbstverständlichkeiten" erkennt und Erfahrungen mit anderen Teilnehmern austauscht. Demgegenüber ist die Berücksichtigung der "eigenen" Bedürfnisse bei internen Ausbildungsmaßnahmen sicher leichter möglich als bei externer Ausbildung. Wenn man überlegt, daß sich Probleme nur durch Verarbeitung von Informationen und Sammeln von Erfahrungen lösen lassen und damit auch ein Lernvorgang verbunden ist, dann scheint es geradezu grotesk, daß man in einem Kurs künstlich konstruierte Aufgaben bespricht, daran seine Kenntnisse erprobt und vielleicht schon am nächsten Tag ein aktuelles Problem nach altem Muster löst, "weil die Erkenntnisse im Kurs doch zu theoretisch sind". Ein wesentlicher Vorteil betriebsbezogener Ausbildungskurse ist es, daß sie den häufigen, meist falschen Einwand ausräumen können, "bei unseren Anwendungen geht das nicht".

Da es für die angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten keine objektiven Testberichte gibt, muß man sich auf Aussagen von Kursteilnehmern verlassen; ich meine, ein unsicheres Zeugnis. Hat nämlich der Teilnehmer in bezug auf einen Lehrstoff ein zu hohes oder zu niedriges Bildungs- und Wissensniveau, dann ist der Lernerfolg gering, ohne daß der Referent oder das Programm schuld daran sind. Die Qualifikation des Referenten ist ohnehin ein heißes Eisen. Zumindest der nicht-zahlende Anwender, läßt er beim Hersteller ausbilden, kann sich vor schwachen Kursleitern kaum schützen, denn nur "wer zahlt, schafft an" - auch wenn er letztlich durch gebündelte Anlagepreise dafür mitbezahlt. Die herstellerunabhängige Schulung verursacht sichtbar höhere Kosten, während man bei Hersteller-Kursen in der Illusion leben kann, die Schulung sei "gratis".

Eine Kombination aus Eigen- und Fremdausbildung ist m. E. die richtige Mischung. In der Praxis geht man hier oft denselben Weg, den der modebewußte Mittelverdiener in seiner Kleidung zu gehen gewohnt ist: Man nimmt Konfektion, was paßt (vom Hersteller, Institut), und läßt daneben das Fehlende maßschneidern oder schneidert selbst, sofern man dafür Kapazitäten frei hat.

Für den Erfolg eines jeden Lernvorgangs ist es entscheidend, ob das Erlernte bald nach Kursende praktisch eingesetzt werden kann.

Das Absolvieren einer längeren Ausbildungsmaßnahme "en bloc" ist deshalb nicht empfehlenswert. Eine so durchgezogene Ausbildung kann das verlangte Sicherheitsgefühl den neuen Aufgaben gegenüber kaum vermitteln. Die Repetition des gelernten Teilstücks ist sehr wichtig und die Grundlage für einen bleibenden Lernerfolg. .

Ein systematischer Ausbildungsplan muß eine Art Stufenkonzept darstellen, das eine sinnvolle Kombination zwischen Theorie und Praxis erlaubt und ein optimales Timing dieser Faktoren für den Schüler zuläßt. Jeder Lernvorgang muß in der Folge Motivation, Aktivierung und Kontrolle eingebettet sein. Denn wer lernen soll, muß zuallererst dazu motiviert werden, und das heißt wiederum Interesse am Mitmenschen wecken. Interesse aufrechtzuerhalten bedeutet auch eine abwechslungsreiche Ausbildung vermitteln. Erreicht werden kann dies durch gut abgestimmte interne und externe Ausbildung, bestehend aus Kurzvorträgen, Gruppen- und Einzelübungen an Fallbeispielen, Diskussionen und dazwischen immer wieder das Training am Arbeitsplatz - in der Praxis. Hinzu kommt die Selbsthilfe durch Selbststadium sowie die gezielte Unterstützung durch andere Mitarbeiter und Vorgesetz.

Ähnlich wie im Falle von EDV-Projekten sind in der Ausbildung die Kosten zahlenmäßig berechenbar, während ihr Nutzen sich zunächst weniger leicht ermitteln läßt, zumal sie sich teilweise erst längerfristig. auswirkt.

Sorgfältige Planung bietet deshalb bei jedem Projekt, so auch in der Mitarbeiter-Ausbildung, die erste Gewähr dafür, daß, des Projekt einen Nutzen bringt. Mitarbeiter-Ausbildung ist nicht als "soziales Bonbon" zu betrachten, sondern eine Maßnahme, die auf verbesserte Betriebsergebnisse zielt' Daraus folgt, daß Mitarbeiter-Ausbildung ein organisatorischer Teil des Betriebsgeschehens sein und, systematisch durchgeführt werden muß.