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03.01.1986 - 

Rationalisierung sticht nicht als einzige Trumpfkarte:

Mitarbeiter brauchen QS-Feeling

03.01.1986

In den letzten Jahren hat das Bewußtsein für Software-Qualitätssicherung deutlich zugenommen. Allerdings entsteht inzwischen leicht der Eindruck, es gäbe schon heute für alle Probleme im SW-Erstellungsprozeß ein Werkzeug, das Abhilfe schafft. Qualitätssicherung wird dabei oft etwas einseitig betrachtet, kritisiert im folgenden Andreas Haase.*

Qualitätsmerkmale, Quantifizierbarkeit von Qualität und Software-Werkzeugen zur Qualitätssicherung sind in diesem Zusammenhang häufig genannte Begriffe. Eine Komponente bleibt allerdings leider meist unerwähnt: Dabei handelt es sich um den Faktor "Mensch" bei der Qualitätssicherung. Da erfreulicher- und glücklicherweise der Mensch bei der Planung und Durchführung von Software-Projekten immer noch eine entscheidende Rolle spielt, soll an dieser Stelle dem Faktor "Mensch" im Rahmen der, Qualitätssicherung besondere Beachtung geschenkt werden. Sicherlich muß im Bereich softwaregestützter Werkzeuge nach Lösungen zur Verbesserung der Software-Qualität gesucht werden. Dieses darf aber keinesfalls dazu führen, die Rolle des Menschen im Software-Entstehungsprozeß zu unterschätzen.

Bei der Erstellung von Softwareprodukten, die bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen, sollte man sich eine Grundregel zunutze machen: Die beteiligten Projektmitarbeiter haben großes eigenes Interesse daran, qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln und zu realisieren. Diese menschliche Eigenschaft wird aber vielfach wenig beachtet. Abbildung 1 zeigt, wie Qualitätssicherung für Produkte und Zwischenprodukte oftmals eingesetzt wird.

Qualitätssicherung, die entsprechend Abbildung 1 in Projekten oder Unternehmen vertreten ist, verführt den Mitarbeiter leicht dazu, weniger sorgfältig zu arbeiten: Die Qualitätssicherung prüft ja hinterher sowieso das Arbeitsergebnis auf das Vorhandensein bestimmter Qualitätsmerkmale.

Hat allerdings der Mitarbeiter, wie in Abbildung 2 dargestellt, die Möglichkeit, auch selbst etwas zur Sicherung der Qualität beizutragen, so ergeben sich sowohl für die Angestellten als auch für das Unternehmen erhebliche Vorteile. Die geringe Rückgaberate von der Qualitätssicherung erhöht außerdem sehr stark die Motivation und erzielt unter Umständen auch Zeitgewinne.

Menschen, die sich dauernd mit DV-Systemen und deren Entwicklung beschäftigen, neigen dazu, maschinenähnlich zu denken, anstatt die Mitmenschen in ihrer Gesamtpersönlichkeit zu begreifen.

Durch verstärkte Berücksichtigung menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten können qualitativ hochwertige Produkte (im Sinne der Qualitätsmerkmale) einfacher und kostengünstiger erstellt werden, als durch den ausschließlichen Einsatz von Methoden und Werkzeugen. Die im folgenden aufgeführten Punkte sollen keineswegs dazu führen, bestehende Verfahren zur Qualitätssicherung vollständig zu verwerten. Vielmehr sind sie als Anregung zu verstehen, Maßnahmen zur Qualitätssicherung geschickter und damit zugleich menschengerechter einzusetzen.

- Einsicht in Notwendigkeit

Der erfolgreiche Einsatz von Qualitätssicherungs-Maßnahmen erfordert immer die Einsicht aller direkt und indirekt Beteiligten und Betroffenen in die unbedingte Notwendigkeit der Qualitätssicherung.

- Schulung

Beginnend beim Informatikunterricht an den Schulen sollten Aspekte der Qualitätssicherung in allen Bereichen der DV-Aus- und Weiterbildung umfassend berücksichtigt werden. Maßnahmen zur Qualitätssicherung ohne Einpassung in ein Gesamtkonzept und ohne ausreichende Schulungen haben keine Aussicht auf durchschlagende Erfolge.

- Priorität

Qualität muß von Projektbeginn an durch alle Phasen hindurch hohe Priorität haben und darf auch bei Terminproblemen nicht vernachlässigt werden.

- Gemeinsame Planung von Qualitätssicherung

Qualitätsmerkmale und Maßnahmen zu deren Sicherung sollten von allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet werden.

- Laufende Unterstützung, weniger Kontrolle

Qualitätssicherung soll die gesamte Projektarbeit unterstützen und nicht auf eine reine Kontrollfunktion reduziert werden. Zwischen Freude und Spaß bei der Projektarbeit und hoher Qualität bei Softwareprodukten bestehen Abhängigkeiten, die zwar intuitiv bekannt sind, aber in der Praxis leider kaum beachtet werden.

- Werkzeugauswahl, -einsatz

Auswahl von Werkzeugen und dazugehörige gründliche Schulung sind unerläßlich. Übermäßig starke Gewichtung von Qualitätssicherungs-Werkzeugen und der Qualitätssicherung als Institution führen bei vielen Beteiligten leicht zu sorgloser Arbeit; das kann kaum der Sinn von Maßnahmen zur Qualitätssicherung sein. Es ist allerdings sinnvoll und erstrebenswert, zum Beispiel Programmiersprachen und Compiler einzusetzen, die dem Anwendungsentwickler den Kopf für das Wesentliche freihalten. So war bei der Konzeption der Programmiersprache Ada die Qualität unter dem Wartungsgesichtspunkt ein wichtiger Faktor. Mit Ada sollte es möglich sein, komplexe Programmsysteme zu erstellen, die sich relativ leicht warten lassen.

- Motivation

Die Wirkung von Motivation wird leicht unterschätzt. Durch den Nachweis der Reduzierung der allseits ungeliebten, teuren Wartungsaufwände läßt sich vieles bei den Mitarbeitern erreichen.

Eine solche mitarbeiterbezogene Betrachtungsweise bei der Projektplanung und Durchführung ist weder innovationshemmend, noch führt sie gar zu technologischen Rückschritten. Im Gegenteil, man erhält eine effiziente, vom Mitarbeiter akzeptierte Entwicklungsumgebung, die das Erstellen von Software-Produkten, die vorgegebenen Qualitätsmerkmalen genügen, vereinfacht.

Literaturangaben:

/Ammelburg 85/Die Unternehmens-Zukunft, G. Ammelburg, Rudolf Haufe Verlag, Freiburg 1985;

/DIN 55350/Deutscher Normenausschuß e. V., Begriffe der Qualitätssicherung und Statistik, Begriffe der Qualitätssicherung, Grundbegriffe; /Haase 84/Qualitätssicherung - (k)eine lästige Pflicht? in Compas 1984, Computer Anwendungen, Software und Systeme-Proceedings, VDE-Verlag GmbH, Berlin + Offenbach 1984; /Keutgen 83/Software-Qualitätssicherung in Informatik-Spektrum, Band 6, Heft 4, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, Tokio 1983;

/Pyle 81 /Die Programmiersprache Ada, 1. C. Pyle, Carl Hanser Verlag, München, Wien 1981; /Schmitz 82/Software-Qualitätssicherung - Testen im Software-Lebenszyklus, P. Schmitz, H. Bons, R. van Megen, Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1982;

/Sneed 82/Software-Qualitätssicherung, H. M. Sneed, H. R. Wiehle (Hrsg.), B. G. Teubner, Stuttgart 1982.

*Andreas Haase ist leitender Berater für DV-Projekte bei der PU-Partnerschaftlichen Unternehmensberatung GmbH, Hamburg.