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21.08.1998 - 

Möglichkeiten der Teamarbeit werden noch zuwenig genutzt

Mitarbeiter erkennen die gemeinsamen Stärken

Teamarbeit hat sich hierzulande noch nicht durchgesetzt. Lediglich acht Prozent der deutschen Unternehmen haben ihre Arbeitsorganisation entsprechend umgestellt. Dies dokumentiert das Ergebnis einer EU-Studie, an der sich 5800 Unternehmen beteiligten. Im internationalen Vergleich ein eher dürftiges Ergebnis. In den USA, Japan, Schweden, Dänemark und den Niederlanden sind laut Studie Gruppenarbeit und regelmäßige Mitarbeitergespräche fester Bestandteil der Unternehmenspolitik. Dies zu Recht, denn die EU-Umfrage zeigte, daß 90 Prozent der Firmen mit Teamarbeit die Qualität ihrer Produkte verbessern, 60 Prozent ihre Kosten senken und mehr als 50 Prozent die Produktivität steigern konnten.

In vielen amerikanischen Unternehmen wie zum Beispiel der Xerox Corp. in New York arbeitet ein Großteil der Mitarbeiter auf Basis teamorientierter Bezahlung, weil "diejenigen, die unmittelbar am Arbeitsprozeß beteiligt sind, besser wissen als der Manager, wer richtig zupackt", sagt Personalchef Bob Monastero. Computerbauer Compaq senkte die Kosten, indem die PCs nicht mehr in Fließbandarbeit, sondern von Gruppen aus jeweils vier Mitarbeitern produziert wurden. Chiphersteller Intel konnte mit einer bestimmten Form von Gruppenarbeit die "design to sample time" trotz gleichzeitiger Verdoppelung des Ausstoßes auf die Hälfte reduzieren.

Bei Hewlett-Packard ist Arbeit im Team "Teil unserer Unternehmenskultur", wie Volker Hardt, Management-Trainer bei HP Deutschland, erklärt. Gearbeitet wird in Projektteams, abteilungsübergreifenden Teams und multikulturellen Gruppen; schließlich "ist das Geschäft grenzüberschreitend".

Wie wichtig eine lebendige und effektive Kommunikation im Unternehmen ist, bestätigen Analysen der Bertelsmann-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung in großen und mittelständischen Unternehmen. Demnach bringen lediglich zehn Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens Spitzenleistungen, 40 Prozent erzielen durchschnittliche Leistungen mit einer freien Kapazität von 50 Prozent und 50 Prozent unterdurchschnittliche Leistungen mit einer extrem hohen freien Kapazität.

Wenn aber unterschiedliche Fähigkeiten im Team gebündelt werden, sagt HP-Management-Trainer Hardt, "kommen Ergebnisse heraus, die man als einzelner gar nicht erreichen kann". Wichtig sei, ein gemeinsames Ziel zu haben und sich gegenseitig zu akzeptieren.

Teamarbeit auf Basis des "Fünfer-Dialoges" (siehe Kasten auf Seite 56) hilft nach Meinung des Hagener Unternehmensberaters Ewald Kock dabei, Verhalten von Spitzenkräften auf junge, weniger starke oder schwach motivierte Mitarbeiter zu übertragen.

Wie Gruppenarbeit in der Praxis aussehen kann, führte beispielhaft der Siemens-Konzern vor. Im Rahmen des Projektes "Top" schafften es die 500 Mitarbeiter des Relais-Werks in Berlin-Mariendorf, durch Teamarbeit die Entwicklung neuer Relais von 60 auf 22 Monate zu verkürzen. Dabei waren die Entwicklungsingenieure kurzerhand in die Werkhallen umgezogen und arbeiteten dort direkt mit den Meistern und Facharbeitern zusammen. Kleingruppen von etwa zehn Leuten - Ingenieure, Physiker, Kaufleute und Arbeiter - koordinieren täglich in direktem Kontakt mit den jeweiligen Kunden die Entwicklung, Fertigung, Logistik und Kalkulation.

Unabhängig von Branche und Größe benötigen Unternehmen einen bereichs- und abteilungsübergreifenden Informationsaustausch, um Geschäftsprozesse zu beschleunigen und zu verbessern. Statt weiter in isolierten Abteilungen und Hierarchien zu denken und zu arbeiten, ist es ein wesentliches inhaltliches Ziel der Arbeit im Team, das sogenannte Schnittstellen-Management zu forcieren. Nur wenn innerhalb und zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen ein gegenseitiges Verständnis für die Aufgaben des anderen sowie seine besonderen Stärken und Schwierigkeiten besteht, ist ein sinnvolles und effizientes Arbeiten möglich.

Rund 80 Prozent aller Manager, die Teamarbeit eingeführt haben, halten vorbereitende Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter für notwendig, so das Ergebnis der EU-Studie. Allerdings bleibt oft alles beim alten: Befördert wird nach wie vor meist der Einzelkämpfer und derjenige, der sich durchsetzt, weniger aber derjenige, der auf Teamarbeit Wert legt.

In jungen Branchen wie der Multimedia-Industrie findet solches Denken von vornherein keinen Platz. "Teamarbeit ist gefragt", weiß Andrea Stein vom Kölner Koordinationszentrum für Ausbildung in Medien (aim). Einzelkämpfer könne man genausowenig brauchen wie Fachidioten. Die Multimedia-Branche führe deutlich vor Augen, daß es nicht genügt, reines Fachwissen zu vermitteln. Entscheidend bei einer Qualifizierungsmaßnahme ist für Stein die Verzahnung mit tatsächlichen Arbeitsaufgaben im Training vor Ort.

Der besondere Trainingserfolg bei Teamarbeitern beruht darauf, daß die Mitarbeiter gegenseitig dafür sorgen, daß Trainingsinhalte langfristig lebendig bleiben und weiterentwickelt werden. "Wenn die Beschäftigten merken, daß sie miteinander eine ungeheure Power entwickeln", sagt HP- Management-Trainer Hardt, "dann kommt der Erfolg." Davon profitieren alle Beteiligten, weiß Unternehmensberater Kock, denn die kontinuierliche Kommunikation im Rahmen der täglichen Kollegengespräche fördere die Motivation, die eigenen Ziele mit denen des Unternehmens zu vereinbaren.

Voneinander lernen im Fünfer-Dialog

Der sogenannte Fünfer-Dialog ist ein von der Hagener Unternehmensberatung Ewald Kock entwickeltes Regelkommunikations-Instrument, das die Zusammenarbeit im Unternehmen verbessern soll. Ziel ist es, einen bedarfs- und zielgerichteten Informationsaustausch zu gestalten und damit bisher ungenutzte Leistungspotentiale bei Mitarbeitern und Führungskräften zu erschließen.

Mitarbeiter werden im Training vor Ort oder in Workshops zu Moderatoren ausgebildet. Der aktuelle Moderator wechselt im vierwöchigen Takt mit einem der anderen fünf Kollegen die Moderatorenrolle. So nehmen sämtliche Teammitglieder des Fünfer-Dialogs der Reihe nach die Rolle des Moderators wahr.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, daß sich Spitzenmitarbeiter, Spitzenverkäufer und eher durchschnittliche Mitarbeiter in der Moderatorenrolle ablösen und so gegenseitig voneinander lernen können. Das Interesse und ganzheitliche Verständnis für absatz- und kundenorientierte Unternehmensprozesse wird zusätzlich gefördert.

Folgende Spielregeln sind unbedingt einzuhalten:

-Nicht länger als zehn Minuten miteinander sprechen,

-täglich neu feste Zeiten absprechen,

-nicht mehr als fünf Teilnehmer,

-nicht mehr als fünf Themen,

-spätestens nach einem Monat Moderatorenwechsel,

-Führungskräfte täglich informieren,

-kurze Vorbereitung und Nachbereitung, gegebenenfalls wesentliche Informationen schriftlich festhalten und weiterleiten.

Arbeit im Team

Teamarbeit ist Kommunikation in Teilgruppen, die sich täglich verständigen und nach Möglichkeit gemeinsam arbeiten. Das führt aber nicht von selbst zum Erfolg, denn 70 Prozent aller Probleme liegen im kommunikativen Bereich. Geregelte Kommunikation - und zwar täglich - ist die Antwort auf die Forderung nach mehr Flexibilität im Unternehmen, nach Abbau überflüssiger Führungsebenen und stärkerer Nutzung des kreativen Potentials aller Mitarbeiter.

Franz Fuchs ist freier Journalist in Augsburg.