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15.01.1988

Mitarbeiter rechtzeitig auf RZ-Metamorphose vorbereiten

Professor Dr. Werner Dirlewanger Gesamthochschule Kassel

Zu Beginn der 80er Jahre war nur in wenigen Rechenzentren ein Jobsteuersystem bekannt. Rund fünf Jahre später hatten inzwischen vier Prozent von den zirka 7000 größeren Rechenzentren der Bundesrepublik ein Jobsteuerungs- und RZ-Ablaufsteuersystem in Betrieb. Auch 1985 wurde also die Produktion im Rechenzentrum typischerweise noch von Hand gesteuert. Die ebenfalls von Hand betriebene Arbeitsvorbereitung bediente sich höchstens einiger naheliegender simpler Hilfen (zum Beispiel bei der Generierung von Job-Control-Files). Als sonstige Automatisierungshilfen waren nur Band- und Plattenverwaltungsprogramme allgemein bekannt und in Verwendung. Daneben gab es in einigen Rechenzentren noch die eine oder andere oft selbst entwickelte Lösung für Spezialprobleme. Sprach man schließlich mit dem DV/ Org.- oder RZ-Leiter über operatorarmen oder gar operatorlosen Betrieb, dann war die Standard-Antwort, daß dies nicht machbar wäre.

Konnte sich die Leitungsebene tatsächlich nicht vorstellen, welches Automatisierungspotential in der klassischen Form der RZ-Betriebsorganisation steckt, oder verdrängte man den Gedanken lieber noch? Befürchtete man, die Kontrolle aus der Hand zu geben? Inzwischen setzen doppelt so viele Rechenzentren nämlich acht Prozent - RZ-Ablauf- und Jobsteuersysteme ein. Es gibt kaum mehr einen RZ-Leiter, der nicht wenigstens ein solches System kennt und oder sich schon über dessen Möglichkeiten erkundigt hat. Und wie ist es mit dem operatorlosen Betrieb? Die Forderung nach wenigstens einer Geisterschicht für das Wochenende oder gar einer unbesetzten Nachtschicht taucht in vielen Rechenzentren von selbst auf.

Nachdem sich der RZ-Produktionsbetrieb - im Gegensatz zur industriellen Fertigung - erstaunlich lange gegen eine Automatisierung gewehrt hat, ist nun der eigentlich überfällige Wandel voll in Gang gekommen. Auch der Softwaremarkt spiegelt dies wider. Benötigte Software-Tools wurden zunächst von wenigen avantgardistischen Softwarefirmen angebotene, dann kamen allmählich immer mehr Systeme auf den Markt, und jetzt setzt bereits eine Bereinigung ein. Übrig bleibt eine kleinere Zahl von sich etablierenden Systemen. Der Übergang vom handgesteuerten Rechenzentrum zur automatisierten RZ-Produktion zieht entsprechende Änderungen in der Aufbaustruktur und im Tätigkeitsprofil der Mitarbeiter nach sich und wirkt auch in die Fachabteilungen hinein. Ein Beispiel für die auffallende Tätigkeitsänderung bildet das Konsol-Operating. Im konventionellen Betrieb ist es die Hauptaufgabe des Operators, die Jobs einzeln zu starten, den Zeitplan für die Produktion einzuhalten. Ohne die fortlaufende Ausübung von Bedienungshandgriffen stünde die Produktion still.

Nach Einführung einer umfassenden Automatisierung entfällt das Handstarten der Jobs. Es wird durch das automatische Job-Submitting-System ersetzt. Ferner fällt das Bandauflegen zum Großteil fort, denn ein vollautomatisches Bandarchiv kann fast alle Zugriffe auf Massendaten ohne persönliches Zutun erledigen. Was hat sich also geändert? Aus der Operatorkonsole ist eine Überwachungsstation geworden, und statt der klassischen Operatortätigkeit gibt es nun viel anspruchsvolle Überwachungsarbeit zu leisten. Hierbei ist es wichtig, darauf zu achten, daß die Produktion richtig abläuft. Nur im Störungsfall darf eingegriffen werden. Aus dem Bedienerstand ist ein Leitstand geworden. In einigen fortgeschrittenen Rechenzentren wurde dieser Schritt bereits vollzogen, das heißt, die Hauptkonsole hat nichts mehr mit der klassischen Operatorkonsole im Maschinensaal gemein. Sie steht räumlich entfernt von CPU, Platten, automatischem Archiv und ähnelt dem Leitstand eines Walz- oder Kraftwerkes.

Die Konsequenzen sind grundlegende Änderungen in der Aufbauorganisation des RZ und in den Tätigkeitsstrukturen (zum Beispiel "Systemüberwacher" statt Operator oder Wegfall des klassischen Arbeitsvorbereiters). Teilaufgaben der Arbeitsvorbereitung sowie der Output-Verwaltung verlagern sich in die Fachabteilungen und bewirken dort Organisations- und Tätigkeitsänderungen. Wie tiefgreifend sich der Wandel anbahnt, zeigt nicht zuletzt, daß große DV-Hersteller den Markt entdeckt haben. Sie bieten inzwischen selbst RZ-Steuerungssysteme moderner Bauart an. Was für die Hardware das Betriebssystem, ist für den RZ-Betrieb das Automatisierungs-Tool-Paket oder das Hyperbetriebssystem für die Produktion. Jedes RZ sollte mit Blick auf Automatisierungs-Tools sehr genau abwägen, ob es sich an seinen Hardware-Lieferanten bindet oder lieber Produkte eines unabhängigen Softwarehauses für das wichtigste Steuerungselement des gesamten DV-Einsatzes verwendet.

Nicht nur die Umstellung und Umorganisation muß vom RZ und den Fachabteilungen verkraftet werden. Wichtig ist auch, daß die Mitarbeiter auf die Umstellung vorbereitet werden, daß vorher - nicht nachher - das geplante Vorhaben erläutert wird. Außerdem müssen die Betroffenen Zeit haben, sich innerlich einzurichten und sich fachlich schlau zu machen.

Jedes RZ, das Schritte in Richtung Automatisierung unternimmt, sollte rechtzeitig schulen und nach der Automatisierung einen analogen Schritt tun: Wer hat oder hatte welche Probleme, wie wird jeder mit der neuen Tätigkeit fertig, wo gilt es nachzuschulen, wo wird jemand mit Aufgaben betraut, die ihm überhaupt nicht liegen? Auf keinen Fall dürfen die Mitarbeiter ohne Betreuung einfach mit der Umstellung und deren Folgen konfrontiert werden.

Das Leitstands-RZ ist in besonderem Maße vom Fachwissen und von der Motivation der Mitarbeiter abhängig. Es gibt weniger routinemäßigere Arbeiten zu tun, aber die selteneren Eingriffe verlangen einen tiefen Einblick in die organisatorischen Abläufe der Produktion und in das Funktionieren des sie steuernden Systems.