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09.05.1997 - 

IT in der Touristik/JAL startet und landet auch auf dem Surfplatz

Mitglieder können Inlandsflüge via Internet buchen

Weltweit gehören Flugreisen zu den dynamischsten Segmenten der Tourismusindustrie. Dieser Geschäftszweig ist in hohem Maße konjunkturabhängig und gleichzeitig aufgrund zunehmender Privatisierung und der Politik des "offenen Himmels" von scharfem Wettbewerb umgeben. Das Angebot ist reichlich; so sucht der Kunde "seine" Fluggesellschaft nicht mehr nur regional, sondern zunehmend überregional entsprechend dem Service - von der ersten Anfrage bis zum Flug - aus. Erschwerend kommt hinzu, daß es sich bei Flügen naturgemäß um eine besonders "verderbliche Ware" handelt. Wird ein Sitzplatz bis zum Abfertigungsschluß nicht verkauft, dann ist der erzielbare Gewinn endgültig verloren, die Flugkosten aber bleiben.

So steht jede Fluggesellschaft vor der Herausforderung, zu möglichst gleichen oder besser noch sinkenden Preisen, ihren Service und damit ihren Auslastungsgrad zu verbessern.

Japan Airlines ist die größte Fluggesellschaft Japans und dem Umsatz nach die zweitgrößte der Welt. Auf dem heimischen Markt konkurrieren insbesondere zwei Wettbewerber um die führende Position: All Nippon Airways (ANA) und Japan Air Systems (JAS). Um ihre Stellung auszubauen, entschied sich JAL, einen zusätzlichen 24-Stunden-Kundenservice über das Internet anzubieten. Diese Entscheidung lag nahe, da bereits schon vorher Interessenten über das Telefon Tag und Nacht Flugbuchungen vornehmen konnten. Doch dem Telefonservice sind Grenzen gesetzt, die sich via Internet überwinden lassen.

Voraussetzung für das Projekt war die Internet-Anbindung an das Axess-Reservierungssystem. Dieses läuft bei JAL - wie bei den meisten Fluggesellschaften auch - auf einem Großrechner mit der TPF-Spezialsoftware von IBM, die das anfallende Transaktionsvolumen bewältigt. Hunderte von Transaktionen in der Sekunde sind dabei keine Seltenheit, und die größten Reservierungssysteme bringen es sogar auf ein Maximalvolumen von 5000 Transaktionen pro Sekunde.

Ein solches System nun an das Internet anzubinden, war mit beträchtlichen technischen Problemen und Herausforderungen an das Anwendungsdesign verbunden.

Das gemeinsam von JAL und IBM entwickelte Design arbeitet mit einem RS/6000-Zwillingssystem. Einer der Rechner dient als standardisierter Gateway zum Reservierungssystem, während der zweite Rechner die Schnittstelle zwischen dem Web und dem Gateway bildet. Da das Buchungssystem den Verlauf einer Transaktion strikt überwachen muß, das Internet selbst jedoch keine Daten im Echtzeitstatus liefert, wird der "Status" durch einen Anwendungscode im Web-Server abgebildet. Für eine sichere Message-Lieferung zwischen dem Web-Server und der Host-Schnittstelle sorgt dabei die Software MQ-Series. Hierbei handelt es sich um eine Schnittstelle auf Message-Basis anstelle einer simulierten Bedienungskraft mit Terminal. Dieses Design hat sich als robust und flexibel bewährt und bringt den zusätzlichen Vorteil mit sich, daß es auch höhere Transaktionsvolumina "verkraften" kann, als es auf PC-Basis möglich wäre.

Da die Benutzung von Reservierungssystemen eigentlich nicht für den Reisenden selber konzipiert wurde, ist eine zusätzliche Anwendungssoftware erforderlich, bevor sich das Angebot im Internet präsentiert. Hier kommt eine DB2-Datenbank auf einem RS/6000-Server zum Einsatz. Die Software kontrolliert die Anzahl der Sitze, die ein Benutzer auf einmal reservieren kann, und wie oft hintereinander ein bestimmter Benutzer eine Reservierung vornehmen kann.

Die erste Stufe des Projekts erforderte eine dreimonatige Entwicklungszeit, der Anschluß ans Netz erfolgte im Juli vergangenen Jahres. Sie umfaßt für Inlands- flüge mit JAL und der Tochtergesellschaft JTA folgende Funktionen:

-Abruf von Verfügbarkeitsdaten,

-Abruf von Flugpreisen,

-aktueller Flugplan,

-Online-Buchungen,

-Abruf des bisherigen Buchungsverlaufs sowie

-Stornierung von Buchungen.

Für Auslandsflüge steht ein aktueller Flugplan von JAL und der Tochtergesellschaft Japan Asia Airways zur Verfügung.

Erste Erfolge stellten sich bald ein: So wurden in den ersten drei Monaten nach Inbetriebnahme 12000 Reservierungen mit einem Gesamtvolumen von vier Millionen US-Dollar vorgenommen. Die Nutzung der Web-Sites wird detailliert protokolliert und mittels einer Data-Warehouse-Software auf einem IBM SP2 analysiert.

JAL verzichtet bislang aufgrund von Sicherheitsbedenken auf die Verwendung von Kreditkarten. Eine Online-Buchung sieht deshalb wie folgt aus: Der Benutzer gibt mit seinem Buchungswunsch eine Telefonnummer ein und erhält über das Internet eine Referenznummer für seine Reservierung. Vier Tage danach liegt das Ticket in einem Reisebüro oder an einem Schalter der JAL vor. Buchungen, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bezahlt sind, werden in Japan automatisch storniert.

Der Einsatz von Kreditkarten ist aber weiterhin geplant, sobald ausreichende Sicherheitsmechanismen auf dem Markt verfügbar sind. Eine Lösung bietet der von VISA und Master Card zusammen mit IBM und anderen Technologieunternehmen definierte SET(= Secure Electronic Transaction)-Standard. Momentan wird dieser erstmalig in einer Großimplementation bei der Fuji Bank in Japan eingesetzt und getestet.

Ohne Ticket und doch kein blinder Passagier

Vor kurzem wurde das Internet-Buchungssystem von JAL um weitere Einrichtungen erweitert. Ab Januar dieses Jahres können Mitglieder des Frequent Flyer Club von JAL Auslandsflüge buchen, und seit April sind "ticketlose" Inlandsflüge möglich. Treffen JAL's Prognosen zu, werden "ticketlose" Flüge das Buchen via Internet entscheidend beeinflussen. Auf das Internet-Buchungsgeschäft warten rosige Zeiten. Nach Bob Crandall, CEO von American Airlines, soll es in fünf bis zehn Jahren überhaupt keine Papiertickets mehr geben.

So füllt sich der Luftraum auf dem größten Surfplatz der Welt. Immerhin haben sich schon rund 500 Fluggesellschaften im Internet angesiedelt. Doch gehört JAL zu den zehn Gesellschaften, die auch Direktbuchungen anbieten.

Angeklickt

Direktbuchungen von Flügen via Internet bieten weltweit erst wenige Fluggesellschaften an. JAL, die größte Fluggesellschaft Japans, hat ein derartiges Projekt gestartet. Die "verderbliche Ware" Flüge soll in einem 24-Stunden-Service bis zur letzten Minute den Kunden erreichen. Das von JAL und IBM entwickelte Anwendungsdesign hat sich bisher als robust und flexibel erwiesen. In den ersten drei Monaten nach Inbetriebnahme wurden bereits 12000 Reservierungen mit einem Gesamtvolumen von vier Millionen Dollar vorgenommen.

*Shunji Uchida, Japan Airlines, Open Systems & Internetworking Systems Planing Department, Information Systems, Tokio. E-Mail: uchidaqjal.co.jp