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23.07.1993

Mittelstaendische Unternehmen zoegern noch mit EDI-Einsatz Der postalische Austausch von Daten wird zum K. o.-Kriterium

Die europaeische Vertriebsgesellschaft des Elektronikkonzerns Samsung, die Samsung Semiconductor Europe GmbH (SSEG), stand 1989 vor der Entscheidung: EDI-Anwendung, ja oder nein? Die Antwort war mehr oder weniger klar, weil sich der Grosskunde IBM France fuer EDI-Verfahren stark machte. Ulrich Pabst* schildert die Migration vom postalischen zum elektronischen Dokumentenaustausch und weitere EDI-Plaene.

Systeme des elektronischen Datenaustauschs sind die Konsequenz zweier Entwicklungen. Zum einen waechst die Welt kommunikativ zusammen. Datennetze ueberziehen die Kontinente bis in die letzten Winkel. Verbindungen ueber Zehntausende von Kilometern schmelzen zu Millisekunden und werden bedeutungslos dank des Einsatzes der Elektronik. Das ist die technische Voraussetzung fuer EDI.

Zum anderen steht die Produktion zunehmend unter dem Zwang zur Rationalisierung. Dies trifft die Computerbranche genauso hart wie die Automobilindustrie. Just-in-time-Produktion ist die Wunderwaffe in diesem beinharten Konkurrenzkampf. Lean Production bestimmt die Lagerhaltung. Die Halden werden abgebaut. Das spart Lagerkosten und bindet weniger Kapital.

EDI-Systeme sind die geeignetsten Erfuellungsgehilfen fuer Just-in- time-Produktion. Hersteller wie zum Beispiel ICL in Grossbritannien machen die Existenz eines EDI-Systems beim Zulieferer zur Bedingung fuer die Vergabe des Lieferauftrags. Zehn von 100 Punkten in der Bewertungsskala vergibt IBM bei der Auswahl ihrer Zulieferer an einen Anbieter, der EDI als Kommunikationssystem im Einsatz hat.

Wer mit EDI arbeitet, hat also handfeste Wettbewerbsvorteile. In Deutschland hingegen ist der Nutzen elektronischer Datenaustauschsysteme noch wenig erkannt, waehrend sie in den USA, Grossbritannien und in den Niederlanden schon zum Business-Alltag gehoeren.

Die SSEG, die Vertriebsgesellschaft des koreanischen Elektronikkonzerns Samsung in Europa, stand 1989 vor der Entscheidung, EDI einzufuehren. Diese Initiative geht auf den Samsung-SSEG-Kunden IBM France zurueck, der von den Koreanern grosse Posten Chips ordert, weil bei dem bis 1989 praktizierten postalischen Verfahren die Briefe mehrere Tage unterwegs waren und sich in die Bestellformulare beim Handling immer wieder Fehler einschlichen.

In den USA sind EDI-Systeme seit Jahren Standard. Wer dort EDI nicht anbieten kann, steht auf verlorenem Posten. Also forderte IBM in Frankreich die Samsung Semiconductor Europe GmbH in Sulzbach/Taunus mit sanftem Druck dazu auf, zur rascheren Abwicklung der Chip-Order ein System dieser Art zu installieren. Samsung entschied sich nach einem Vergleich verschiedener Systeme fuer Perwill*

EDI.

Bei der Entscheidung wurde die zukuenftige strategische Entwicklung fuer den Samsung-Konzern beruecksichtigt. Beweggrund fuer den EDI-Einsatz war in erster Linie der Service-Gesichtspunkt und die hoehere Produktivitaet. Personaleinsparungen spielten bei den Ueberlegungen keine wesentliche Rolle.

Doch wie funktioniert EDI bei Samsung? Die Bestellungen der Kunden gehen in der Samsung-Mailbox ein. Durch den Jobstream, der taeglich zweimal laeuft, ruft Samsung die Bestellungen in den Mailboxen automatisch ab und aktualisiert das Anwendungssystem mit diesen Daten. 17 Prozent der Bestellungen im Monat werden durch EDI erledigt. Der Anteil ist noch nicht hoeher, da die meisten mittelgrossen Unternehmen noch ueberlegen, ob sie ein EDI-System einfuehren. Samsung plant, mit 90 bis 100 Prozent der Grosskunden EDI bis zum Jahresende zu implementieren.

Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand: Kein Zeitverlust, rasches Handeln und Aenderungen noch waehrend des Vorgangs sind moeglich. Andererseits ermoeglicht EDI Bestellungen auf die Schnelle in dringenden Faellen. Verwaltungskosten werden gesenkt, Reaktionszeiten erhoeht, die Geschaeftsbeziehungen verbessert.

Der komplette Vorgang vom Eingang der Bestellung in der Mailbox bis zur Auftragsbestaetigung vollzieht sich in elf Stufen nahezu vollautomatisch. Die Daten werden in das Datensystem von Samsung uebernommen, der Kunde erhaelt in 90 Prozent aller Faelle online eine automatische Bestaetigung ueber den Eingang seiner Bestellung. Nur zehn Prozent der Bestellungen, die als Ausnahmen oder durch Sonderwuensche aus dem Rahmen fallen, muessen von Hand bestaetigt werden.

Samsung entwickelt zur Zeit ein Despatch Advice System mit Barcode-Labels. Wenn dieses System bis Jahresende im Einsatz ist, wird das gesamte Verkaufssystem von der Auftragsabwicklung bis zur Warensendung mit Barcode-Label ohne Papier laufen.

Die Einfuehrung von EDI bei Samsung erfolgte mit Hilfe des Systemhauses Inteco GmbH, Filderstadt, sowie mit der Tangram Unternehmensdienste GmbH, Gaertingen, dem deutschen Distributor von Perwill*

EDI. In wenigen Tagen war die Software installiert und lauffaehig. Knapp zwei Monate vergingen bis zur Uebertragung der ersten Datensaetze. Wenn Samsung heute mit neuen Geschaeftspartnern ueber EDI Kontakt knuepft, dauert das Procedere von der Installation bis zur Einsatzreife noch zwei Tage.

Bisher laeuft das System einwandfrei. Uebertragungsfehler sind praktisch ausgeschlossen, denn nur bei der Dateneingabe hat die Fehlerquelle Mensch die Hand im Spiel. Alle weiteren Vorgaenge bis auf einen vollziehen sich automatisch. Bei den Anwendern bestand eine gewisse Unsicherheit, die jedoch nach ein, zwei Jahren der praktischen Nutzung in vollstes Vertrauen zu EDI umschlug.

1993 wird eine halbe Milliarde

Dollar umgesetzt, darunter 0,2 bis 0,3 Milliarden durch EDI. Technisch hat die Implementierung von EDI keine Probleme bereitet. Die Anschaffungs- und Betriebskosten sind unbedeutend. Worauf es bei dem Unternehmen, das dieses System einfuehren will, ankommt, sind die Organisationsstrukturen. Das Geschaeft aendert sich durch EDI voellig.

Das System bei Samsung ist mit seinen Moeglichkeiten noch laengst nicht am Ende. Naechster Schritt ist 1994 die Einbeziehung des Zahlungsverkehrs in das System durch elektronischen Datenaustausch mit der Hausbank, das heisst, der ganze Zahlungsverkehr wird transparent geordnet und effizient gestaltet.

Im Februar 1994 wird der Datenaustausch die Produktionsplanung der Chips in Korea einbeziehen. Die in Frankfurt eingehenden Bestellungen steuern dann direkt die Herstellung in den Werken Koreas.

Das bedeutet einen weiteren Schritt von Samsung in Richtung CIM. Bis 1997 will Samsung auch die Zollabwicklung ueber EDI regeln. Bis dahin sind jedoch noch eine Menge buerokratischer Hemmnisse, verursacht durch die EG, zu ueberwinden.

*Ulrich Pabst ist freier Journalist in Taufkirchen bei Muenchen.

Der Konsument kennt Samsung von Hifi-Geraeten, Videokameras und Farbfernsehern. Ausserdem beliefert der Mischkonzern auch Hardwareproduzenten wie Apple, Digital, IBM, HP, Sun etc. mit Halbleitern. 1992 war Samsung eigenen Angaben zufolge im Bereich fuer Speichermedien weltweit fuehrend und rangierte in Europa auf Platz zwei. Mit 13 000 Mitarbeitern wurden in diesem Sektor rund 1,9 Milliarden Dollar erwirtschaftet.