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04.03.2008 - 

VDEB veröffentlicht Acht-Punkte-Papier

Mittelständler wehren sich gegen die IT-Monokultur

Mit einem Acht-Punkte-Plan "Pro IT-Mittelstand" will der mittelständische Verband der EDV-Software- und Beratungsunternehmen (VDEB) gegen die Monopolstellung weniger Großkonzerne vorgehen. Mehr nichtakademische Fachkräfte, eine bessere Außendarstellung, der Abbau von Bürokratie und eine arbeitgeberfreundliche Betriebspolitik sollen die Wirtschaft ankurbeln.

Auf der CeBIT stellte der Verbandsvorsitzende Oliver Grün das Positionspapier vor. "Nur 81 der über 67 000 IT-Unternehmen in Deutschland aus den Bereichen Software, Hardware und Services sind, gemessen an ihrem Umsatz, keine Mittelständler." Obwohl die mittlelgroßen Betriebe Motoren der deutschen Wirtschaft seien, würden sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sagte Grün. Die Abhängigkeit der Anwender von Großkonzernen wie SAP, Oracle und Microsoft sei zu groß und bremse das Wirtschaftswachstum. "Wenn die Politik über IT-Gipfeltreffen versucht, den Software-Mittelstand voranzubringen, das aber unter Regie eines großen IT-Konzerns geschehen soll, ist das das genaue Gegenteil von Mittelstandsförderung", warnt Grün.

Der VDEB stellt acht Forderungen an Politik und Industrie, um den mittelständischen IT-Anbietern auf die Sprünge zu helfen:

- Offene Standards und Schnittstellen: Die IT-Industrie müsse die Lizenzierungsgebühren im elektronischen Geschäftsverkehr abschaffen. Wenn Mittelständler Standards einsetzten, dürften die Lizenzen die Anwender nur so viel kosten wie die Anbieter. Der VDEB fordert dazu staatliche Förderung für mittelständische IT-Anbieter, die sich in Gremien einbringen und neue Standards mitentwickeln.

- Netzwerke und Kooperationen: Der IT-Mittelstand brauche regionale und themenbezogene Netzwerke, die von unabhängigen Agenturen unterstützt würden.

- Abbau des Fachkräftemangels: Der VDEB fordert, dass auch nichtakademische Fachkräfte wie Fachinformatiker und IT-Professionals über Weiterbildungsangebote Zugang zu akademischen Abschlüssen erhalten. IHKs und Fachhochschulen müssten zusammenarbeiten und unbürokratische Möglichkeiten schaffen, Beschäftigte mittelständischer Unternehmen mit erweiterten Kenntnissen auszustatten. Der Verband beteiligt sich ab Mitte 2008 an einem dreijährigen Forschungsprojekt, das den Praxiseinsatz von nichtakademisch ausgebildeten IT-Fachkräften untersucht.

- Eigene Forschungs- und Innovationsaktivitäten: Die Innovations-Cluster für den unabhängigen IT-Mittelstand ohne Konzernbeteiligung sollten gefördert werden. Hochschulen und Unternehmen müssten bereits während der Ausbildung von IT-Experten enger verzahnt werden. Die Politik sollte Forschungsprojekte mit steuerlichen Vergünstigungen attraktiver machen.

- Bürokratieabbau: "Unternehmen sind keine staatlichen Erfüllungsgehilfen" schreibt der Verband in sein Programm und verlangt, besonders Mittelständler vor Kosten und rechtlichen Unsicherheiten zu schützen, die sich aus staatlichen Auflagen ergeben. Als Beispiel nennt Grün das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, das Unternehmen ungefragt unverhältnismäßige Pflichten ohne Entschädigung aufbürde.

- Verbesserung des eigenen Marketings: Mit gemeinsamer Markenbildung und unternehmensübergreifenden Qualitätsstandards wie dem VDEB-Gütesiegel und dem VDEB-TÜV-Süd-Zertifikat sollen IT-Mittelständler mehr für sich werben. Auch durch Handlungsempfehlungen für Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen, möchten die Mitglieder des Verbands bekannter werden.

- Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen und des Marktzugangs: Unternehmen sollten nicht nur nach ihrem materiellem Vermögen, sondern auch nach eigenen Patenten sowie Anzahl und Fachwissen der Mitarbeiter bewertet werden. Zusätzliche finanzielle Anreize für Investoren und Venture Capitalists, in den deutschen IT-Mittelstand zu investieren, gehörten ebenfalls zur Marktwertsteigerung. Die Gründung von GmbHs müsse mit Hilfe des lange geplanten GmbH-Gesetzes endlich erleichtert werden, um Gründern schnelleren Zugang zum Markt zu erlauben.

- Modernisierung des Arbeitsrechts: Der VDEB fordert mehr befristete Arbeitsverhältnisse und einen gelockerten Kündigungsschutz. Die Mindestbetriebsgröße, von der an ein Betriebsrat eingerichtet werden dürfe, solle von fünf auf 50 Mitarbeiter erhöht werden. (Simon Hülsbömer)