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16.05.1986 - 

Locken bei Produktinformations- und Exportdatenbanken:

Mittelstand braucht vereinfachten DB-Zugriff

FRANKFURT (CW) - Der Anteil am weltweiten Datenbankangebot hat sich in der Bundesrepublik Deutschland seit Anfang 1985 von 4,5 Prozent auf heute sieben Prozent erhöht. Damit wurde die Bundesrepublik zum Vorreiter in Europa: der Alte Kontinent liegt jedoch noch weit hinter den USA und Kanada mit zusammen 75 Prozent des DB-Marktes.

Nach Angaben der GID Gesellschaft für Information und Dokumentation mbH, Frankfurt, kann die BRD jetzt nicht nur beim Angebot neuer, sondern auch bei der Nutzung bestehender Online-Datenbanken als zentralem Informationspool das Etikett "DB-Entwicklungsland" ablegen. So habe sich etwa die Anzahl der Auftragsrecherchen bei der Berliner Technologievermittlungsagentur innerhalb eines Jahres verdoppelt, und die Datenbankanfragen beim Fachinformationszentrum Technik, Frankfurt, seien um rund 30 Prozent gestiegen.

"Datenbanken sind nicht länger Abfallprodukt anderer Informationsverarbeitungsmethoden", konstatiert GID-Marketingleiter Hans Dietschmann. "Sie werden vielmehr zum zentralen Pool, aus dem der Input geschöpft werden kann für die Produktion so unterschiedlicher Medien wie etwa gedruckte Bibliographien, Register, Bücher, Fachzeitschriften und Zeitungen, aber auch optische Speicher wie CD-Platten."

Zu unterscheiden ist bei den Datenbanken zwischen den zentralen Informationspools als Basis für die Herstellung unterschiedlicher Textprodukte und den "online" zugänglichen Datenbanken, auf die aber Telefonleitungen oder andere Datenfernübertragungsleitungen der Deutschen Bundespost zugegriffen werden kann.

Lücken im Datenbankangebot sieht Dietschmann noch vornehmlich bei Produktinformationsdatenbanken: "Hier zögern viele Unternehmen, ihre Informationen publik zu machen, doch haben einige begriffen, daß weitgehend gesättigte Märkte ein stärkeres Eingehen auf potentielle Käufer notwendig machen. Mit sinkenden Wachstumsraten stirbt nämlich der Glaube, man kenne seinen Markt und könne von sich aus die wichtigen Kunden ansprechen."

Eine weitere Lücke im Datenbankangebot besteht nach Meinung des GID-Managers auch bei Export-Informationen: Gebündelte Informationen über Zoll- und Einfuhrbestimmungen, lokale Marktsituationen, mögliche Ansprechpartner und dergleichen hält er besonders für eine so exportabhängige Wirtschaft wie die deutsche für unverzichtbar.

Unzufrieden zeigt sich Dietschmann auch bei der Datenbanknutzung. Die Zugangsmöglichkeiten zu Datenbanken müßten stärker auf das Potential der Klein- und Mittelunternehmen ausgerichtet werden - "das sind in der Bundesrepublik 80 Prozent, die so simple Dinge wie branchenspezifische Wirtschaftsinformationen, Finanzierungsmöglichkeiten und Managementhinweise benötigen, aber von komplizierten Zugangsprozeduren und Recherchesprachen abgeschreckt werden."

Mit Optimismus sieht Dietschmann hier die Integration von Bildschirmtext (Btx) in das integrierte Digitaldienstnetz (ISDN), dessen Einführung durch die Post für das Ende der 80er Jahre vorgesehen ist. Der Datentransport und die Arbeitsgeschwindigkeit werden damit verbessert.

Parallel zur verstärkten Datenbanknutzung via Btx entwickelt sich der Zugang mit Hilfe eines Personalcomputers. Gegenwärtig betreut die GID einen vom Bundesministerium für Forschung und Technologie geförderten Modellversuch mit 200 als Datenbankterminal nutzbaren Personalcomputern bei Privatunternehmen und öffentlichen Institutionen. Der PC vereinfacht hier Einschaltprozeduren und übersetzt die noch immer unterschiedlichen Retrieval-Systeme (Recherchiersprachen) der verschiedenen Datenbankanbieter in eine einzige Sprache. Darüber hinaus kann der PC, soweit es seine Speicherkapazität zuläßt, ganze Informationsblöcke oder einzelne Informationseinheiten aus der Datenbank herausholen und für sich oder gemeinsam mit eigenen Daten weiterverarbeiten. Schließlich kann bei entsprechender Software der PC auch die Verarbeitung und Ausgabe der so erzeugten Texte übernehmen.

Mit der Informationsbeschaffung alleine ist es nach Ansicht des Marketingleiters allerdings nicht getan: "Jedes Unternehmen muß neue Wege finden, intern Informationen so zu organisieren, daß die Effektivität des Unternehmens verbessert wird. Das kann für bestimmte Stellen durchaus eine Informationsreduzierung bedeuten." Das Informationsmanagement dürfe allerdings keine alleinige Sache der DV-Abteilung sein, sondern gehöre ins Topmanagement. Dietschmann: "Dort findet augenblicklich ein entscheidender Umbruch statt, bei dem uns wie so oft die Amerikaner voraus sind. Informationsmanager sind in den USA schon auf Vorstandsebene zu finden".