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21.12.2004

Mittelstand: Erfolg mit klaren Zielen

Kontinuierliche und transparente Personalentwicklung sowie klare Zielvereinbarungen mit finanziellen Konsequenzen zeichnen erfolgreiche mittelständische Unternehmen aus.

Zum zweiten Mal ermittelte Christian Scholz, Professor für Personal-Management in Saarbrücken, das mittelständische Unternehmen mit der besten Personalarbeit. 19 Mittelständler wurden in der vergleichenden Studie auf Herz und Nieren geprüft, was sie in Sachen Personal-Management unternehmen (siehe Kasten "Best Pers Award 2004"). Nach folgenden Kriterien wurden die Betriebe beurteilt:

- Personalbeschaffung,

- Kommunikation,

- Vergütung,

- Vision und Strategie,

- Personalentwicklung,

- Computereinsatz,

- Personalführung,

- Personaleinsatz sowie

- Work-Life-Balance.

"Erfolgreiche Unternehmen arbeiten mit einer konsequenten Personalstrategie und formulieren ihre Personalvision", schreibt der Betriebswirtschaftler den Mittelständlern ins Stammbuch. Sie sollte ein "klares Bild" von der anzustrebenden Zukunft vermitteln und Aussagen darüber machen, "welche Rolle dem Mitarbeiter in dieser Arbeitswelt zukommt". Nur 47 Prozent der Befragten können auf eine Personalstrategie verweisen. Besser sieht es dagegen mit der Unternehmensvision aus. 74 Prozent der Studienbeteiligten gaben an, eine solche zu besitzen, und 63 Prozent eine Firmenstrategie.

In der Personalentwicklung haben die Kleinen von den Konzernen gelernt und greifen praktisch auf alle gängigen Lernmethoden und Inhalte zurück. 90 Prozent der Befragten bieten für ihre Manager Kurse zu den Themen Kommunikation, Führungsverhalten und Leistungsbeurteilung an. 80 Prozent haben Konfliktlösungstechniken und Teambildungsseminare im Programm. Ebenfalls zu den Standards gehören Trainings in Projekt- und Zeit-Management, in Fremdsprachen und in Qualitäts-Management. Am seltesten bucht der Mittelstand interkulturelles Training, Schulungen zur individuellen Stressbewältigung sowie Fitnessprogramme.

In seinem Vergleich kommt Scholz zum Schluss, dass solche Unternehmen am erfolgreichsten sind, die eine "kontinuierliche, systematische und transparente" Personalentwicklungsarbeit leisten. Nichts bringe den Mitarbeiter mehr auf die Palme als willkürlich angesetzte Weiterbildungskurse, bei denen unklar ist, nach welchen Kriterien die Teilnehmer ausgewählt wurden.

Wettbewerbsvorteile erzielen auch die Unternehmen, die mit einer klaren Personalführung arbeiten, "bei der jeder Mitarbeiter seinen Beitrag kennt", ist Scholz überzeugt. Er verweist auf seine Untersuchung, nach der 85 Prozent der erfolgreichen Mittelständler eine regelmäßige individuelle Leistungsbeurteilung vornehmen, zum Teil nicht nur einmal pro Jahr.

Bei 80 Prozent der sehr guten Arbeitgeber kennen Mitarbeiter ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg, sie wissen also, was sie zu tun haben, bei 59 Prozent existieren Zielvereinbarungen mit finanziellen Konsequenzen, und in 56 Prozent der Fälle gehören auch Gewinnbeteiligungs-Programme dazu. Vorbei seien die Zeiten, in denen Firmen einen "Schmusekurs gefahren haben", jetzt zählten "klare Zielvereinbarungen und Erfolgskontrollen". Darauf müssten sich die Trainingsanbieter einstellen und mehr Kurse zu Themen wie Konfliktlösung und Führung anbieten.

Was den Computereinsatz im Personalwesen angeht, haben die meisten Kleinen die wichtigsten Prozesse automatisiert. So geben 89 Prozent der Teilnehmer an, dass ihre Lohn- und Sozialverwaltung IT-gestützt läuft, fast 80 Prozent betreiben die Fehlzeitenkontrolle und rund 60 Prozent die Arbeitszeitverwaltung am Computer. Es fällt auf, so Scholz, dass im Vergleich zum Vorjahr in die elektronische Kontrolle der Fehlzeiten kräftig investiert wurde. "Die Zukunft der IT-Unterstützung liegt im Controlling", lautet seine Prognose. Verbesserungsfähig seien Funktionen wie elektronische Personalakte, Personaleinsatzplanung und Leistungsbeurteilung. Auch Skill-Datenbanken und elektronisches Wissens-Management sind noch die große Ausnahme.

Web-Auftritt mangelhalft

Das Thema Personalbeschaffung hat im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung verloren. Verständlich, da die Firmen weniger Mitarbeiter einstellen. Nach wie vor suchen sie, wenn sie denn Personal benötigen, vor allem über die eigene Homepage oder hören sich nach Empfehlungen um. Der noch nie berauschende Auftritt im Netz habe sich allerdings gegenüber dem Vorjahr sogar noch verschlechtert, so Scholz. Weil die Firmen kaum Leute suchten, gäben sie sich auch keine große Mühe, im Netz attraktiv zu wirken. Der Professor hat die Seiten nach den Kriterien Content, Usability, Branding und Emotion (Cube) bewertet. Am wenigsten zufrieden ist er mit der Benutzerfreundlichkeit (Usability).

Klare Worte erwünscht

Hatte Scholz 2003 noch 60 Prozent der Firmen-Websites mit "schlecht" oder "sehr schlecht" taxiert, sind es 2004 fast 80 Prozent. Etwas besser schneiden der Inhalt (Content) und die emotionale Wirkung ab, also ob sich der Surfer von der Aufmachung des Online-Auftritts angesprochen fühlt. Am besten kommen die Mittelständler beim Branding weg: Immerhin etwa die Hälfte der Seiten bewertet der Professor unter diesem Aspekt mit "gut".

In puncto Kommunikation läuft in den mittelständischen Betrieben eine ganze Menge. Knapp über drei Viertel der Befragten gaben an, dass bei ihnen regelmäßige Besprechungen mit allen Mitarbeitern und persönliche Gespräche mit Führungskräften stattfinden. Per E-Mail kommunizieren 68 Prozent, und 63 Prozent haben ein Intranet eingerichtet. Scholz beobachtet, dass die elektronischen Instrumente der Kommunikation in vielen Betrieben eingeführt sind, dass aber kein Wachstum im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten sei. Isabell Krone, Director Human Resources bei Teleatlas in Hannover, einem Hersteller digitaler Landkarten und Spartensieger im Best Pers Award, bestätigt diese Entwicklung: "Heute ist die direkte Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern gefragt." In diesen schwierigen Zeiten seien klare Worte von Angesicht zu Angesicht erwünscht, und dafür bilde sie ihre Manager auch aus.

In der Vergütungspolitik agiert der Mittelstand konservativ. Fast 70 Prozent der Befragten gewähren eine zusätzliche Altersvorsorge, 54 Prozent eine Unfallversicherung. 42 Prozent zahlen die geleisteten Überstunden, was allerdings einem Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nur noch sechs Prozent haben Stock-Options-Programme, und fünf Prozent vergeben einen Kindergeldzuschuss. Bei "ausbaufähigen" 36 Prozent der Firmen sei die Vergütung teilweise variabel. Ausnahmebetriebe wie Teleatlas zahlen allen Mitarbeitern vom Auszubildenden bis zum Geschäftsführer einen variablen Gehaltsanteil, wie Personalfrau Krone versichert.

Variable Vergütung motiviert

Bei den Azubis sind dies zehn Prozent und bei den Chefs und den Vertrieblern 40 Prozent. Dieser variable Anteil errechne sich zum einen aus dem Erfüllungsgrad von drei bis vier individuellen Zielen, die 50 Prozent der höchstmöglichen leistungsbezogenen Vergütung ausmachte, zum anderen aus den Geschäftszahlen Umsatz und Gewinn. Thomas Geyer, Vorstand beim IT-Dienstleister Skytec in Oberhaching, der ebenfalls zu den von Scholz ausgezeichneten Betrieben gehört, versucht bei der Vergütung die Lebenssituation der Beschäftigten zu berücksichtigen. Zum Beispiel wollen junge Mitarbeiter mehr Geld ausbezahlt bekommen, Ältere denken eher an Rückstellungen, Sparpläne oder Versicherungen zur Ergänzung der Rente.

Mit den modernen Methoden der Arbeitsorganisation scheinen viele Mittelständler auf Kriegsfuß zu stehen. Immerhin gaben 63 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie flexible Arbeitszeiten eingeführt haben. Allerdings bieten nur 16 Prozent Teilzeitarbeit an, 14 Prozent setzen auf selbststeuernde Teams, acht Prozent besitzen virtuelle Büros, fünf Prozent Qualitätszirkel, und jeweils zwei Prozent haben es schon mit Jobsharing und Jobrotation probiert.

Scholz kritisierte im vorletzten Jahr die Unternehmen wegen ihrer Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Das bekommt keiner richtig hin", schalt er damals. Bei der Frage nach der Familienfreundlichkeit wurden 41 Prozent der Firmen als "sehr schlecht" und 45 Prozent als "schlecht" bewertet. Als Kriterien für ein familienfreundliches Unternehmen gelten Betreuungsmöglichkeiten, Kindergarten etc. 2004 sind diese Werte nur leicht besser geworden. Scholz führt das auf die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Mittelständler zurück.