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14.02.2003 - 

Studie der Aberdeen Group

Mittelstand sorgt für Nachfrage nach PLM

MÜNCHEN (sp) - Product Lifecyle Management (PLM) liegt im Trend: Nach einer vorübergehenden krisenbedingten Marktflaute besinnen sich immer mehr Firmen auf Tools, mit denen sich der gesamte Lebenszyklus eines Produkts - vom ersten Entwurf bis zur Auslieferung und Wartung - abbilden lässt.

In vielen unternehmen arbeiten die Abteilungen noch mit unterschiedlichen Systemen und beschreibenden Daten. In der Entwicklung kommen beispielsweise CAD-Lösungen mit speziellen Stücklisten zum Einsatz, die Produktion arbeitet mit ERP-Systemen, die sie mit ihren eigenen Produktbezeichnungen füttert, und der Vertrieb verwendet wieder andere Daten und Programme. An diesem Problem setzt PDM (Product Data Management) und das daraus hervorgegangene PLM an: Ziel des Einsatzes ist es, die beschreibenden Informationen aus allen Abteilungen zu vereinheitlichen. Das gilt für Produkt-, Prozess- und Feedback-Daten sowie für Reklamationen und Garantiefälle. Unternehmen versprechen sich davon Rationalisierungseffekte, kürzere Reaktionszeiten und mehr Innovation.

Technikaffine Firmen prägen den Trend

Einer Studie der Aberdeen Group zufolge werden die weltweiten Ausgaben für PLM und PDM um durchschnittlich 10,9 Prozent pro Jahr - von 3,38 Milliarden Dollar 2001 auf 5,12 Milliarden Dollar in 2005 ansteigen. Noch beschränkt sich der Einsatz vorrangig auf Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern aus finanzstarken, technikaffinen Industriezweigen wie Automobil, Hightech, Industrieausrüstung und Luftfahrt: Rund 75 Prozent der gesamten PLM-Investitionen entfallen auf diese vier Branchen.

In Zukunft werden laut Aberdeen aber vor allem mittelständische Firmen die treibenden Kräfte im PLM-Markt sein. Nachdem mittlerweile so gut wie alle Betriebe mit CAD (Computer Aided Design), CAM (Computer Aided Manufacturing) oder CAE (Computer Aided Engineering) arbeiten und nahezu überall ERP-Systeme zum Einsatz kommen, ist die Zusammenführung der Daten via PLM eine logische Weiterentwicklung. Zudem fungieren viele Mittelständler als Zulieferer für die Großunternehmen und können sich der neuen Technik schon deshalb nicht länger verschließen. Mit stärker modular konzipierten Lösungen und günstiger Out-of-the-Box-Software versuchen die PLM-Hersteller, dem gerecht zu werden.

Zwar leiden auch die PLM-Anbieter unter der anhaltenden Investitionsflaute. Die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre sind längst nicht mehr zu erwarten. So legte der Markt 2002 nur um einen mageren Prozentpunkt zu. Und gerade der Mittelstand, von dem sich die Hersteller die größten Zuwachsraten erhoffen, ist für konjunkturelle Schwankungen besonders anfällig. Zudem führt die steigende Nachfrage seitens der mittleren Betriebe zwar zu mehr verkauften Einheiten, die Umsätze fallen hier angesichts der niedrigeren Lizenzgebühren jedoch verhältnismäßig gering aus.

Doch bereits in diesem Jahr soll sich der PLM-Markt wieder erholen und um 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,75 Millionen Dollar zulegen. Die Branche, die zunächst unter der Konjunkturkrise litt, soll jetzt von ihr profitieren, meint Jack Maynard, Research Director bei Aberdeen und Autor der Studie. In Anbetracht der zuletzt gesunkenen Nachfrage rückten die nachweislich durch PLM erzielbaren Rationalisierungseffekte sowie der Verbesserungen in Entwicklung und Produktion wieder in den Vordergrund.

Auch der Trend zur Fertigung nach kundenspezifischen Anforderungen wird die Nachfrage nach PLM weiter ankurbeln, erwartet der Experte. Zudem stellen immer mehr Unternehmen ihre Produkte nicht mehr selbst her, sondern lassen sie fertigen beziehungsweise assemblieren. Eine PLM-basierende Kommunikation kann die Zusammenarbeit dabei erheblich erleichtern und die Kosten senken.

Die wichtigsten PLM-Player nach Umsatz sind das Beratungshaus EDS mit seiner kombinierten CAD-PDM-PLM-Lösung "Teamcenter", die IBM-Dassault-Allianz mit ihrer CAD-Software "Catia 5" und den PLM-Integrationslösungen "Enovia" und "Smartteam" sowie PTC mit "Windshoe" und "Pro E".

Eine Aussage, welche Player die besten Marktchancen haben, trifft Maynard bewusst nicht, da der Markt extrem unübersichtlich und dadurch schwer in Zahlen zu fassen sei. So gibt es neben den drei Branchenriesen zahlreiche Nischenanbieter innerhalb der PLM-Branche, deren Lösungen von Modelling und 3D-Animation über Engineering-Process-Management bis hin zu Produktkonfiguratoren für den Vertrieb reichen. Was letztlich unter die Definition PLM fällt, variiert dabei von Anbieter zu Anbieter, wird auch von unabhängigen Experten unterschiedlich ausgelegt und erschwert somit die Vergleichbarkeit zusätzlich. Im Gegensatz zu anderen Marktforschern bezieht die Aberdeen-Studie etwa die reinen CAD-Anbieter nicht mit ein, weshalb Maynard seine Marktprognosen auch als eher "konservativ" bezeichnet.

Die derzeit größten PLM-Anbieter sind vor allem durch Übernahmen und Partnerschaften gewachsen. Auch EDS verschaffte sich zunächst durch den Kauf von UGS einen Einstieg in den CAD-Markt, dann schluckte der IT-Serviceriese die beiden PLM-Spezialisten SDRC und EAI. Laut Maynard wird der Markt auch in den kommenden Jahren von einer zunehmenden Konsolidierung geprägt sein: "Übrig bleiben höchstens drei große Player pro Untersegment - also drei CAD-Hersteller, drei PDM-Anbieter, große Collaboration-Software-Spezialisten, drei Visualisierungsanbieter etc."

Engineering bleibt wichtigste Domäne

Die Marktkonsolidierung sieht Maynard als Voraussetzung für die Schaffung von Standards, deren Fehlen momentan noch ein großes Markthindernis darstellt: "Gerade bei PLM, wo es um die abteilungs- und firmenübergreifende Zusammenarbeit geht, sind offene, einheitliche Systeme das A und O." Ein weiteres Problem liege darin, dass es beim Einsatz über die Abteilungsgrenzen hinweg schwer sei, die Verantwortlichkeiten festzulegen. Trotz der bevorstehenden Hürden bezeichnet der Experte PLM klar als Zukunftsmarkt: "Das wird in den kommenden Jahren zu einem zentralen Thema im Unternehmen werden."

Die PLM-"Arena"

Die wichtigsten Player im PLM-Markt sind Firmen, deren Produkte und Dienstleistungen auf den Engineering-Bereich abzielen. Anbieter, die sich vorrangig im Projekt-Management- beziehungsweise Projekt-Processing-Bereich engagieren, spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Die größte Bedeutung nach EDS, IBM/Dassault und PTC haben dem Experten zufolge Anbieter, die sich ausschließlich auf PLM-Lösungen und hier vorrangig auf den Engineering-Bereich konzentrieren - etwa Alventive, Matrix One, Framework Technologies, Agile Software, Cocreate, Centric Software, Autodesk oder Arena. Auch wenn andere Untersegmente des PLM-Markts wie Nachfrageanalyse, After-Market und Sourcing in den kommenden Jahren zulegen werden, machten den Löwenanteil der PLM-Einnahmen doch nach wie vor das Geschäft mit Engineering-Tools aus, einem Bereich, aus dem PLM entstanden ist.

Auch die ERP-Hersteller haben laut Aberdeen-Analyst Jack Maynard noch keine große Bedeutung im Markt erlangt. SAP konzentriere sich momentan vor allem auf Mitarbeiter- und Ressourcen-Management-Lösungen. Und bei Oracle und Peoplesoft sei außer der Ankündigung, ebenfalls im PLM-Markt mitmischen zu wollen, bislang noch nicht viel passiert. Einzige Ausnahme ist laut Maynard Baan: Die ERP-Software des niederländischen Herstellers verfügt laut Maynard über ausgezeichnete Manufacturing-Module. "Außerdem hat Baan Lösungen im Bereich Supply-Chain-Management im Portfolio - und das ist eine weitere wichtige Umgebung für PLM."

Abb: Weltweiter PLM-Markt 2001 bis 2005

Wachstumsprognose: Aus dem Geschäft mit dem Product Lifecycle Management (PLM) soll laut Aberdeen Group bis 2005 ein Fünf-Milliarden-Dollar-Markt werden. Quelle: Aberdeen Group