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04.03.1983

Mittelstands-Olympiade

"Nicht nur Schritt halten, sondern immer einen voraus sein", kokettierte die Hannover-Messe-Gesellschaft angesichts der Gefahr, daß Aussteller und Besucher heuer wenig erwarten könnten vom CeBIT-Spektakel (CW Nr. 6 vom 4. Februar 1983, Seite 1).

Die gleichsam "geduckte Haltung" der Hannoveraner hat nur zum Teil damit zu tun, daß die Bundesrepublik in einer wirtschaftlichen Krise steckt. Denn nach wie vor gehört die Büro- und Informationstechnik zu den wenigen Wachstumsbranchen. Aber viele Messe- und Kongreßgänger - "Online '83" war ein Beweis dafür - fühlen sich offenbar durch die vollmundigen Versprechungen der Veranstalter angeödet. Übereinstimmung herrscht inzwischen darüber, daß das Konzept einer "Globalschau der DV-Industrie" veraltet ist. "Ich bedauere all diejenigen", kommentiert etwa CW-Leser Josef Fromme den "obligatorischen CeBIT-Rundgang", "die nach einem geeigneten Computersystem Ausschau halten" (CW Nr. 7 vom 11. Februar 1983, Thema der Woche). Kein Wunder: Neben den arrivierten Mainframe- und Bürocomputer-Anbietern präsentieren sich unzählige Newcomer im CeBIT. Selbst Messe-Insider geben zu, daß sie nicht mehr durchblicken. Denn anders als vor zehn Jahren sind die Aussteller heute nicht mehr bereit, echte Produktpremieren eigens für die Hannover-Messe aufzusparen. Ankündigungskampagnen finden in schöner Regelmäßigkeit jeweils im Vorfeld der Messe statt.

Für DV-Spezialisten wäre diese Innovationsarmut ja noch zu verschmerzen. Doch ihre eigenen Kunden wollen die Aussteller im CeBIT gar nicht sehen. Was käme da schon heraus? Beispiel: "Wie will man ein komplexes Datenbanksystem demonstrieren?" Vergebliche Liebesmüh. Überhaupt entzieht sich Software einer Beurteilung auf Messen.

Die kleine Gruppe der Softwareproduzenten macht den Messemanagern freilich die geringsten Sorgen, wenn sie an einen Strukturwandel denken. Kern der Überlegungen, den CeBIT-Bereich neu zu gliedern, ist ein Konzept, an den Noch-nicht-Anwender heranzukommen. Es hat sich herausgestellt, daß ein Laienprogramm, was das Ausstellungsangebot betrifft, bei den meisten DV-Herstellern derzeit am besten ankommt. Als Abnehmer für "professionelle Mikrocomputer" hat die Branche den Mittelstand auf dem Kieker.

Ob die Mittelstandsunternehmer, im CeBIT hochwillkommen, allerdings mitspielen, ist mehr als fraglich: Im CeBIT-Getümmel waren sie dem Technik-Blabla der Standbesatzungen hilflos ausgeliefert. Die Crux ist doch, daß sich die Hersteller nicht abgewöhnen können, in Hauptspeicher-Inkrementen und Pagingraten zu denken.

Daß die Aussteller den richtigen Ton finden, kann die Messeleitung nicht beeinflussen. Doch sollte man nicht so tun, als gäbe es keinen Zielgruppenkonflikt. Der mittelständische Unternehmer ist schwer zu überzeugen, fühlt sich durch die CeBIT-Werbung nicht angesprochen. Vor diesem Hintergrund wäre es konsequent, sich an DV-Berater zu wenden. Als "Transmissionsriemen" könnten sie die Messe-Message zum Interessenten befördern. Es gibt Messeplaner, auch im CeBIT-Gremium, die sich mit diesem Gedanken durchaus anfreunden könnten. Selbsttäuschung verhindert, daß er weiterverfolgt wird: Die Veranstalter messen den Erfolg der CeBIT-Messe an der Zahl der Aussteller, die Aussteller haben nur die Zahl der Besucher im Auge. Quantität geht vor Qualität. Daran wird sich wohl nichts ändern, solange Hannover ausverkauft ist.