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15.06.1984

Mittlere und kleine Systeme geraten ins Schußfeld der Mikros

Der Mikrocomputer bietet heute in vielen Bereichen bereits ein besseres Leistungsvermögen als Systeme der IBM-Serien/34 und /36.Für den Benutzer stellt sich folglich die Frage, ob sein traditioneller"Hobel" noch wirtschaftlich ist. Nach Ansicht von Jürgen Groß, Geschäftsbereichsleiter bei ArthurD.Little, werden mittlere Systeme auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Der Marktforscher vergleicht den Mikro-Vormarsch mit dem Entree der Minis vor ungefährzehn Jahren. Den unteren Midrange-Rechnern bescheinigt auch Wolfgang Eckert von der Jungheinrich Unternehmensverwaltung KG ihre Daseinsberechtigung: In zahlreichen Anwendungen seien sie immer noch ihren "kleineren Brüdern" überlegen. Jürgen Müller, Projektleiter bei der Still GmbH, rät allen Anwendern, beieinerRechnerentscheidung die unternehmensspezifischen Probleme in den Vordergrund zu stellen und nicht die Frage MDT oder Mikro.

Wolfgang Eckert, Lelter Org/DV, Jungheinrich Unternehmensverwaltung KG, Hamburg

Fest steht, daß mit Eindringen der Mikrocomputer in den geschäftlichen Bereich ein neues DV-Zeitalter eingeläutet wurde. Ebenso ist es eine nicht zu übersehende und unverrückbareTatsache, daß zukünftige Ankündigungen von neuen Maschinen im Preis/Leistungs-Verhältnis der Mikros gemessen werden und der Erfolg von dem positiven oder negativen Ausgang dieses Vergleichs mit abhängig ist.

Ebenso eindeutig wie diese Tatsachen ist jedoch auch der Eindruck, daß heute noch die Mikros als Wunderwaffe oftmals überschätzt werden. Das Urteil hierzu steht selbstverständlich nur denjenigen zu,die diese Erfahrungen in der Praxis gemacht haben, und nicht etwa denen, die auf diese Art und Weise versuchen, die Großrechner-Ära unverrückbar heilig zu sprechen und damit dieses innovative Thema unter den Tisch zu kehren.

Selbstverständlich haben die kleineren und mittleren DV-Systeme heute noch ihre Daseinsberechtigung und sind auch immer noch in zahlreiche Anwendungen ihren"kleineren Brüdern" überlegen. Die Bedienung von mehreren Arbeitsplätzen aus zentralen Datenbeständen, die viele Millionen Zeichen umfassen, sind ebenso wie eine große Anzahl verfügbarer komfortabler und fehlerfreier Softwarepakete nur einige Beispiele hierfür.

Es ist jedoch unverkennbar daß die Aufholjagd der Mikros eine rasante Geschwindigkeit erreicht hat, so daß jeder Verantwortliche gut daran tut, in bezug auf diese Entwicklungen am Ball zu bleiben, indem er sie direkt praktiziert und Know-how ansammelt.

Des weiteren sollten bereits heute die ersten konzeptionellen Gedanken gefaßt werden wie die Lösungen der verteilten Informationsverarbeitung unter intensivem Einsatz der Kleinrechner in drei bis vier Jahren aussehen könnten.Heutige Konzepte auf der Basis der bekannten Systeme /34, /36 oder ähnlichen liegen gut im Rennen, wenn sie-gerechnet ab heute-noch maximal zwei bis drei Jahre festgeschrieben sind. Die Systembereinigung wird also speziell im mittleren Bereich stattfinden. Erste konkrete Beispiele stellen wohl noch in diesem Jahr an. Wie so oft,dauern jedoch auch hier Wunder immer etwas länger.

Jürgen Groß, Geschäftsbereichsleiter für Management-lnformationsSysteme bei ArthurD.Little, Wiesbaden

Ist von den Zukunftschancen der Systeme /34 und/36 gegenüber Mikrocomputern die Rede,so heißt die korrekte Formulierung eigentlich: Gibt es einen Verdrängungswettbewerb zwischen "Bürosystermen"oder" small business systems"und Mikrocomputer oder Supermikro?Allein die Unsicherheit der Wortwahl schon, daß wir es hier keineswegs mit abgegrenzten Märkten zu tun haben sondern daß die Problematik berelts bei der Definition anfängt. Die Diskussion erinnert ein wenig daran, wie vor etlichen Jahren die Frage gestellt wurde,ob Minicomputer wie etwa die von DEC oder Data General kommerziellen Systeme verdrängen würden.Die Antwort damals hieß"nein"-wie der heutige Markt zeigt haben sie sich ergänzt. Nun soll man zwar aus der Vergangenheit lernen; die Frage ist jedoch, ob die Situationen unbedingt vergleichbar sind.Die vielleicht wesentlichste Abweichung der Sshlage ist darin zu suchen,daß der Wettbewerb weniger auf der Hardware-Leistungsseite ausgetragen wird (mit Preis/Leistungs-Relation) sondern sehr viel stärker im Software-Bereich und im bezug auf Anwendungsgebiete stättfindet. Dies ist zu-nächst einmal aus Anwendersicht höchst erfreulich Bei der Frage der Zukunftschancen müssen Anwendergruppen desalb auseinandergehalten werden:Der Entscheidungsprozeß eines Klein- oder Mittelbetriebes der in die Informationsverarbeitung einsteigt ,ist anders als der beim Einsatz von Systemen in dezentralen Organisationseinheiten bei vorhandener DV-Infrastruktur. Zu berücksichtigen ist dabei auch, daß bei der zweiten Einsatzgruppe eine zusätzliche"Konkurrenz"-Komponente ins Spiel kommt, mit den multifunktionalen Arbeitsstationen.

Bei Betrachtung der verschiedenen Wettbewerbskomponenten (Mikro, intelligente Textverarbeitung/Bürosysteme,multifunktionale Arbeitsplätze, mitlere und kleine Bürosysteme) als Produktkomponenten einerseits und der-Anwender andererseits (Unternehmen mit zentraler DV, kleine und mittlere Unternehmen, die in die Informationsverarbeitung einsteigen, Techniker und Ingenieure, die "computing power"brauchen, Fachabteilungen, die sich selbständig machen wollen) läßt sich meiner Meinung nach fürdie Systeme der Art /36 als Aussage feststellen:

Diese Rechner werden auch in Zukunft eine große Rolle auf dem Markt spielen, sicherlich für die nächsten Jahre noch zunehmend. Begrenzte Substitutionsprozesse finden statt, jedoch in einem wachsenden Markt.

Diese Aussage gründet sich vor allen Dingen auf zwei Aspekten:

Die heute bereits zur Verfügung stehende kommerzielle Anwendungssoftware und -erfahrung bildet neuen Einsteigern gegenüber eine echte Eintrittsbarriere. Eine Aufholjagd auf dem Anwendungssoftware- beziehungsweise Servicemarkt ist nicht zu erwarten. Eine der ersten Fragen eines mittleren oder kleinen Unternehmens ist immer die nach Referenzen und Erfahrung.

Für kleine und mittlere Unernehmen ist Wachstumsscherheit - selbst eine, die nie in Anspruch genommen wird oft enorm wichtig. Die Tatsache, daß absehbarerweise ein System nicht zu klein ist, weil Wachstumspfade vorhanden sind, ist von großer Bedeutung. Für solche Unternehmen hängt dies damit zusammen, daß eine Fehlentscheidung die Lebensfähigkeit in Frage stellen kann.

Im Gegensatz zu Mikros wird mit den Supermikros kein neuer Absatzbereich erschlossen. Es wird vielmehr in Grenzen ein Markt ergänzt oder verjüngt, so daß sich Anbieter hier stärker auf eine Nischenpolitik konzentrieren müssen. Ein frontales Marktetobern ist hier de facto reicht möglich. Es ist eher anzunehmen, daß der Anstoß, der durch die Supermikros gegeben wurde, dazu führt, daß sich die Grenze zu klassischen kommerziellen DV-Systemen des Typs 43XX weiter verschiebt und verwischt.

Jürgen Müller, Projektleiter, Still GmbH Hamburg

Auf der einen Seite gibt es heute die Mikros. Sie emöglichen , es kleine Anwendungen im echten Dialog zwischen Mensch und Maschine schnell zu realisieren sowie Analysen, Vorausschauen oder Grafiken zu erstellen. Und das alles zu einem Preis/Leistungs-Verhältnis, das noch vor kurzer Zeit als undenkbar erschien

Auf der anderen Seite steht die MDT, die vor einigen Jahren ihren Siegeszug als Dialogcomputer antrat. Als Vorteile sehe ich hier:

- sichere, anwendungsfreundliche Betriebssysteme,

- gewachsene, bewährte Anwendungen,

- echte gestaffelte Peripherie und

- hohe Speicherkapazität.

Aber schon hört und liest man: Mikro als Mehrplatzsystem, hohe Plattenkapazität, schnelle Druckerm. Die vor kurzem noch gültigen Grenzen verwischen sich also.

Aber nun konkret zur Praxis: Wir setzen derzeit im In- und Ausland 21 Systeme IBM 34/36 als Filialsysteme ein. Als in sich verzahnte Anwendungen laufen dort Bestandsfortschreibung, Fakturierung, Fibu, Verkaufsförderung, Kundendienststeuerung, um nur die wichtigsten Anwendungen zu nennen.

Diese Anwendungen - mit ihrem hohen Datenvolumen auf Mikros laufen zu lassen, erscheint mir zum heutigen Zeitpunkt nicht sinnvoll zu sein. Wir werden allerdings in naher Zukunft Mikros nüt unseren Systemen 34/36 als intelligente Terminals verbinden, um einerseits die Vorteile der "Kleinen" und andererseits die Datenbestände der 34/36er für die Arbeit auf den Mikros zu nutzen. Es ließe sich jetzt einwenden: In spätestens drei Jahren können die Mikkros das, was heute /36er können! Das mag sogar stimmen. Was können dann aber die Systeme der mittleren Datentechnik in drei Jahren? Schließlich sind beide Systeme aus dem gleichen Stoff gemacht - und Fortichritt ist überall.

Was ich damit sagen will: Den Anwender sollte nicht so sehr interessieren, ob es in drei Jahren einen Mikro gibt, der dann möglicherweise PCIBM/36 heißt. Im Vordergrund sollten vielmehr die Probleme, die wir zu lösen haben, und das Preis/Leistungs-Verhältnis stehen! Fazit: Eine in sich begrenzte Aufgabe (Einplatzsystem, kein allzu hohes Datenvolumen), beispielsweise Kommunikation mit dem Host ist aus meiner Sicht eine gute Einsatzmöglichkeit für einen Mikro.

Eine etwas komplexere Anwendung (Mehrplatzsystem, in sich verzahnte Anwendungen) würde ich (noch) nicht über einen solchen Rechner realisieren.