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15 Prozent können jährlich 500 000 Mark sein:


11.07.1975 - 

Mixed Hardware hinter der Leitung

MÜNCHEN - Rund 15 Prozent der Kosten für DFÜ-Peripherie hofft Ministerialrat Joachim Stöckel, Referent für Datenverarbeitung im Innenministerium Rheinland-Pfalz, einsparen zu können: zur Zeit laufen im Landesrechenzentrum in Mainz Testinstallationen von Bildschirm-Terminals der Hersteller GTE, Raytheon und SEL, mit dem Ziel, Vorteile gegenüber den vorhandenen 120 Datensichtstationen IBM 3270 nachzuweisen. IBM's Display-Systeme sind Stöckel nicht flexibel genug: "Als Mehrzweck-Rechenzentrum legen wir großen Wert darauf, unsere Bewegungsfreiheit nicht durch Spezialgeräte einzuschränken."

Unter dem Zwang zur Rationalisierung machen kostenbewußte EDV-Leiter auch vor der Hardware "hinter der Leitung" nicht mehr Halt. Bis Ende 1976 wird das DFÜ-Equipment bei der Deutscher Ring Lebensversicherungs Aktiengesellschaft, Hamburg, unter anderem aus rund 200 zu IBM 3270 steckerkompatiblen Display-Systemen ITT/SEL 3280 bestehen. EDV-Leiter Egon Friese erklärte gegenüber der Computerwoche: "Bei Erweiterungen und Neuanschaffungen steht der Preis im Vordergrund. Nachdem wir erkannt haben, daß bei unseren wachsenden TP-Anwendungen die Kosten ganz schön in die Breite gehen, haben wir uns nach billigeren Geräten umgesehen." Bei einer Preisdifferenz der neuen Bildschirme gegenüber IBM's 3270 von 200 Mark pro Terminal und Monat ergibt das immerhin eine Mieteinsparung von fast einer halben Million Mark pro Jahr: "Das ist nicht zu verachten", meint Friese. Dennoch wurde der Austausch von Peripherie bei der Hamburger Lebensversicherung nicht mit allerletzter Konsequenz betrieben. Die SEL-Displays sollen nur lokal eingesetzt werden, während der Remote-Betrieb bei IBM verbleibt. Auf die SE-Unterstützung des Marktführers möchte Friese nicht ganz verzichten.

Mehr und mehr Firmen machen von der Möglichkeit Gebrauch, preiswerte und leistungsfähige Bildschirmgeräte fremder Hersteller anstelle reinrassiger Peripherie einzusetzen, nachdem die DFÜ-Systeme "stabil" wurden.

Datensichtgeräte der Firma Transsac setzen unter anderem die Berliner Elektrizitätswerke AG (Bewag) und die Uni Frankfurt ein. Bei der Quelle in Fürth und bei Krupp in Essen, um nur zwei Firmen zu nennen, sind Sanders-Terminals an IBM-Großrechner angeschlossen. Eine Partnerschaft mit GTE sind unter anderem die Firmen ICI, Östringen, Chemische Werke Hüls in Marl und die DAG, Hamburg eingegangen. Salamander, Kornwestheim, die Robert Bosch AG in Stuttgart und das Continental-Gummiwerk, Hannover sind zum Beispiel SEL-Kunden. Platzbuchungen bei der Deutschen Lufthansa (Univac-Reservierungssysteme) erfolgen zum Teil per Hazeltine-Bildschirmgeräten. Auch der Hersteller Raytheon zählt große internationale Fluggesellschaften wie Air France, Alitalia, Swissair und KLM zu seinen Kunden.

Unproblematisch ist der Einsatz von Mixed Hardware bei TP-Geräten dennoch nicht. So rät Manfred Achenbach, Leiter der Systemberatung bei Krupp, Neulingen auf dem Gebiet der Online-Verarbeitung, "die Finger vom Mixen zu lassen." Weil TP-Fehler nur schwer zu lokalisieren sind, sollten - so Achenbach - nur Firmen, die bereits über eingefahrene, stabile Anwendungen verfügen, Fremdgeräte hinter der Leitung einsetzen. Achenbach selbst hat zusätzlich zu Fremdterminals aus Kostengründen eine Ferndatensteuereinheit 1270 von Memorex angemietet, - um flexibler zu sein und weil mit den Herstellern von Mixed Hardware günstigere Verträge ausgehandelt werden können. "Beim Marktführer geht das nicht," bestätigt Achenbach eine Erfahrung, die jeder IBM-Kunde kennt.

Aber nicht nur IBM-VB's leiden darunter, daß Kunden fremdgehen. Die Bewag hat zu Uniscope 100-Bildschirmen, die an eine 1108 angeschlossen sind, 50 kostengünstigere Transac-Geräte dazugekauft. "Trotz größeren Schirms sind die Transac-Datensichtgeräte kleiner und handlicher," begründet EDV-Leiter Horst Raasch seine Entscheidung.

Dennoch tun sich die auf Terminals spezialisierten Hersteller auf dem Markt noch sehr schwer. Die meisten Kunden wollen es sich mit ihrem Hersteller nicht verderben und würden erst umstellen, wenn sie nicht nur die Kostensondern auch die Technik-Vorteile nutzen können.

Jörg E. Globisch, Raytheon-Geschäftsführer, bevorzugt deshalb die Offensive: "Strategie unseres Hauses ist nicht nur, IBM's 3270-Datensichtstationen eins zu eins auszutauschen, sondern bessere, intelligente Terminals anzubieten, die programmierbar als Universalstationen eingesetzt werden können."

Es lohnt sich, die Alternative zu prüfen.