Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.11.1975 - 

Anwender-Bericht: Infodat GmbH, Hamburg

Mixed Hardware plus Leasing-Wahn und Wirklichkeit

Vor Jahren gab es unter den DV-Verantwortlichen eine kleine Gilde von "Selbstmördern", die, des Preisdiktats der allmächtigen IBM überdrüssig, eigene Wege der Kostensenkung gingen. Mit ihrer Hilfe entstand eine Art EDV-Underground, die Plug Compatible Manufacturers, kurz PCM. Steckerkompatible Peripherie an IBM-Zentraleinheiten wurde zu Preisen angeboten, die Einsparungen zwischen 15 und 30 Prozent bei gleicher oder sogar besserer Leistung boten. Das Angebot reichte von Magnetbändern über Magnetplatten und Schnelldrucker hin zu - IBM-Fans gruselt es heute noch - Hauptspeichererweiterungen. Anfänglich von IBM-Vertriebsbeauftragten belächelt; später mit massiver Verunsicherungstechnik auf der obersten Führungsebene der Anwender bekämpft, wurde unter dem sicheren Preisschirm der IBM das Mixware-Angebot ein Gemisch aus technischem Know How und naßforscher Unbekümmertheit.

Der Riese schlug zurück

Was ist heute daraus geworden? Hat die Avantgarde der Emanzipation vom Hersteller Schiffbruch erlitten? Oder haben die Argumente des Riesen, auf die fachliche Inkompetenz der obersten Leitung des Anwenderbetriebs ausgerichtet, letztlich doch keinen Erfolg gehabt? Weder noch! Der Kampf um Stellfläche im Rechenzentrum, oder besser dem Anteil am monatlichen Budget, ist nur verfeinert worden. Prozessoren und Direktbeschlüsse anstelle von Kanälen - damit versuchte es IBM und setzte Technologie anstelle von Psychologie in der Auseinandersetzung mit dem Mixed-Hardware-Anbieter. Außerdem wurden vertragstechnisch verbrämte Rabatte und ein tatsächlich verbessertes Preis-Leistungs-Verhältnis für periphere Speicher dem Arsenal der Waffen gegen die PCM-Anbieter hinzugefügt. Ergebnis: Es stellte sich heraus, daß man einen Riesen nicht ungestraft ärgert. Telex, Ampex, AMS, Memorex und Potter haben neben anderen erfahren, wie schwer es ist, neue Interessenten zu überzeugen, wenn man nicht nur pünktlich liefern und warten muß, sondern einem technologisch und ökonomisch langsam die Felle wegschwimmen.

Ersparnisse realisiert und Innovation erzwungen

Ein weiteres Hindernis bei der zum Nutzen des Anwenders ausgetragenen Neuauflage von David und Goliath ist die vergleichsweise schwache finanzielle Basis und Uneinigkeit bei den Davids. Jeder Mixed-Hardware-Anbieter kocht für sich allein einen Zweifronten-Krieg gegen Goliath und dem zwischen Sparzwang und Risiko-Scheu hin und her gerissenen Anwender.

Wer die letzten zwei Jahre aufmerksam die Hardware-Szenerie verfolgt hat, kann folgendes feststellen:

1. PCM-Anbieter haben eine technologische Innovation und ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis erzwungen.

2. Mit dem Mut zu kontrolliertem Risiko war zunächst verblüffend viel, heute immer noch beachtlich viel Geld zu sparen.

Motivationsgrenze verschoben

Dennoch, die Kostendifferenz bei gleicher Leistung zwischen David und Goliath ist ganz wesentlich geringer geworden, und damit wird eine mögliche Entwicklung zum Nachteil der Anwender deutlich. Die PCM-Anbieter werden in dem Tempo wieder das Feld räumen müssen, in dem sich der preisliche Abstand zur "totalen" Sicherheit am Rockzipfel des DV-Giganten unter die Motivationsgrenze verringert.

Ist er also ausgeträumt, der Traum von mehr Wettbewerb zugunsten aller? War alles nur ein kurzer Wahn, bei dem ein paar risikobewußte, kühle Rechner kurzzeitig wirklich sparen konnten? Erfreulicherweise nicht. Als den PCM-Anbietern der Atem beinahe ausging, kam ein neuer Partner auf den Plan. Die latente Finanzklemme der PCM-Anbieter bei der Refinanzierung erteilter Aufträge kann mit Hilfe der modernen monetären Zauberer, den Leasing-Gesellschaften, überwunden werden. Die Konsequenzen für den Anwender: Wer sparen will, kann - es macht nur mehr Arbeit.

Leasing schafft Abhilfe

Leasing-Firmen bieten Konditionen die - richtig gegeneinander abgewogen - wieder den alten Kostenabstand zu den IBM-Mieten ermöglichen. Der Anwender muß jetzt allerdings zweimal verhandeln: Mit den Hardware-Lieferanten wegen des Kaufpreises mit den Leasing-Gesellschaften wegen der günstigsten Konditionen. Interessenten sei gesagt, daß der Vergleich von Leasing-Angeboten leichter ist als der von Versicherungspolicen. Ob 55 Monate mit Rücktrittsmöglichkeiten nach 24 Monaten oder 36 Monate mit 20prozentigem Restwert oder Full Payout, das ist natürlich vom Einzelfall abhängig. Sicher ist jedenfalls, daß, der Kunde es wieder in der Hand hat, König zu bleiben. Die auf den ersten Blick ungewohnten längeren Bindungen sind nur scheinbare Nachteile.

Neues Dreiecksverhältnis

Bisher gab es zwei Partner, nämlich Hersteller und Anwender. Wer wirklich Geld sparen will oder muß, darf sich ruhig auf ein Dreiecksverhältnis einlassen. Hersteller, Finanzier und Anwender stellen schon deshalb ein ausgewogenes Miteinander, weil Erpressungs-Preisdiktat durch eine Monopolstellung ausgeschlossen wird.

Mixed Hardware plus Leasing kann jedenfalls zum Ausweg für jeden werden, dem beim Grübeln über seinen Budget-Problemen auffällt, daß etwas mehr Wettbewerb bei der Groß-EDV ihm Kopfzerbrechen ersparen könnte. Nur wer heute das Aussterben der Mixed Hardware- zu verhindern mithilft, hat dazu beigetragen, den (...) ausweichlichen Terror der Future Systems zu mildern.

* Justus Wierzewski ist Geschäftsführer des Service-Rechenzentrums Infodat GmbH, Hamburg.