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17.05.1985

Mixed-Hardware: Wo Licht ist, gibt es auch Schatten

"Konkurrenz belebt das Geschäft." Von diesem Grundsatz, meint RZ-Leiter Herbert Boldt von der Schleswag Aktiengesellschaft, kann der Anwender auch im Mixed-Hardware-Markt profitieren. So sieht VDRZ-Geschäftsführer Wolfgang Stürwohld ebenfalls im Preisvorteil ein Hauptargument der "Kombinierer". Genaue Kenntnis des Marktes sowie ein gewisses Maß an Know-how und Erfahrung Im Einsatz der einzelnen Peripherie-Komponenten sieht der DV-Profi dabei als unerläßlich an. Zu einem ernsten Problem könne die ungenügende Abgrenzung der Wartungs- und Gewährleistungsvereinbarungen mit den einzelnen Lieferanten führen. Im schilmmsten Fall müsse der Kunde gar mit einem "Stelldichein der Wartungstechniker rechnen" Eine Lanze für die Mixed-Hardware bricht hingegen Norbert Heinemann vom Kommunalen Gebietsrechenzentrum (KGRZ) Starkenburg: "Es wäre angesichts der immer schwierigeren Haushaltslage ohne den Einsatz von Mixed-Hardware nicht möglich gewesen, die heutige Leistungsfähigkeit des KGRZ zu erreichen". kul

Herbert Boldt Leiter, Schleswag Aktiengesellschaft, Rendsburg

Als die Schleswag im Jahre 1938 anfing Datenverarbeitung zu betreiben, gab es das Problem Mixed-Hardware auch schon. Aber der Rechtsvorgänger des Marktführers löste das Problem eindeutig. Er sah für derartige "Vergehen" einen Grund zur Kündigung in seinen Verträgen vor.

Mit dem Einzug von Konkurrenzprodukten im Zubehörbereich und dem Rückzug des Marktführers aus diesem Sektor, war in unserem Hause der (.....)ndstein für Mixed-Hardware gelegt. In den 70er Jahren wurde von dem Hauptlieferanten besonders die Schnittstellenproblematik hervorgehoben, um die Kunden zu verunsichern. Verhandlungen und Gespräche nach Mixed-Hardware Entscheidungen waren sehr emotionsgeladen. Heute werden in der Regel alle Seiten - Kunde, Hauptlieferant und Mitbewerber - dieses Thema mit sehr viel mehr Gelassenheit und Sachverstand an.

Die Gründe, die uns zum "Mixen" anregten, waren in der Vergangenheit:

- technologisch-organisatorische Vorteile bei Mitbewerbern

Beispiel: Einsatz eines Datensammelsystems Anfang der 70er Jahre.

- günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis

Dieses Hauptargument der Mitbewerber gilt auch heute noch. Allerdings sind die möglichen Kostensenkungen vom Produkt und vom Hersteller abhängig.

- geringere Stellfläche

Bei uns werden Bandeinheiten und Drucker eingesetzt, die eine wesentlich geringere Stellfläche benötigen. Daß diese Geräte technologisch gleich gut oder besser sind und noch weniger kosten, macht die Entscheidung einfach.

- bessere Verfügbarkeit

Bei einem Produkt waren wir mit den Reaktionszeiten des technischen Außendienstes in einem Teil unseres Versorgungsgebietes nicht zufrieden. Um die Verfügbarkeit der Geräte zu erhöhen, setzten wir mit Erfolg Konkurrenzprodukte ein.

Was hindert uns noch mehr zu "Mixen"?

Bei jeder Entscheidung behalten wir den Sicherheitsaspekt im Auge. Wenn wir irgendwo ein Restrisiko erkennen, nehmen wir von einer solchen Lösung Abstand, Dieser Punkt ist sicher nicht nur für uns von entscheidender Bedeutung.

Schlechte Erfahrung mit der nicht ausreichenden Verfügbarkeit führte dazu, daß wir ein Produkt eines Mitbewerbers wieder durch Geräte des Marktführers ersetzten.

Ist es im Peripheriebereich noch verhältnismäßig einfach sich zu entscheiden, so wird dieses im Bereich der Zentraleinheiten wesentlich schwieriger. Hier sind neben den Kosten auch die immer enger werdenden Vernetzungen von Hardware und Software zu berücksichtigen.

Grundsätzlich setzen wir bei entscheidend neuen Technologien erst einmal keine Produkte der Mitbewerber ein, da bei derartigen Änderungen Schwierigkeiten im Hardware- und Softwarebereich auftreten können.

Nach der Zeit der Prototypen gilt der Grundsatz "Konkurrenz belebt das Geschäft!" Dieses stimmt auch für die Datenverarbeitung. Allerdings sollte man für den Geschäftspartner so interessant bleiben daß auch in Zukunft Probleme gemeinsam gelöst werden können.

Die Anzahl der am "Mixen" beteiligten Anbieter muß beschränkt werden. Jeder Lieferant wird vertreten durch mindestens einen Techniker und einen Vertriebsbeauftragten. Die Techniker der einzelnen Unternehmen müssen koordiniert werden. Die Vertriebsbeauftragten möchten natürlich noch mehr verkaufen. Dieses alles kostet Zeit, und wer hat die schon?

Norbert Heinemann Abteilungsleiter Systemtechnik, Kommunales Gebietsrechenzentrum

Starkenburg (KGRZ), Darmstadt

In der Vergangenheit wurden die Worte "Datenverarbeitung" und "IBM" häufig als eine Einheit gebraucht. Dank der Anstrengungen der Anbieter von steckerkompatiblen Geräten wurde es leichter, ohne Risiko Hardwareprodukte dieser Hersteller in IBM-Umgebungen einzufügen.

Der Hessische Datenverarbeitungsverbund hat sich deshalb sehr früh mit der Problematik befaßt. Seit 1974 setzt das KGRZ Starkenburg Einheiten der Firma Memorex im Magnetplattenbereich ein. Der nächste Schritt war eine Erweiterung des Zentralrechners um einen Zusatzhauptspeicher, ebenfalls durch Memorex. Später wurden aufgrund der guten Erfahrungen die Papier- und Kartenmaschinen durch STC-Drucker beziehungsweise -Kartenleser ersetzt. Der wesentlichste Schritt in die Richtung von Mixed-Hardware war 1978 mit der Anschaffung einer Zentraleiheit AS 5/3 von der Firma Itel, heute NAS. Es gab im KGRZ Starkenburg eine große Anzahl kritischer Stimmen gegen Mixed-Hardware im zentralen Bereich, heute besteht ausschließlich Zustimmung. Zur Ausweitung der Datenfernverarbeitung war es weiterhin notwendig geworden, die Datenfernsteuereinheiten aufzurüsten: Hier wurden zwei Systeme Memorex 1270 ausgewählt. Aufgrund aller guten Erfahrungen war die Anschaffung der zur Disposition stehenden Magnetbandeinheiten bei Memorex zwangsläufig.

Heute sind im KGRZ Starkenburg folgende Anbieter vertreten: CPUs von NAS und IBM; Magnetband- und Platteneinheiten von Memorex; konventionelle Drucker von STC; Laserdrucker von Siemens.

Es ist selbstverständlich, daß in dem umfangreichen Datenfernverarbeitungsnetz mit mehr als 400 Arbeitsplätzen auch Mixed-Hardware-Systeme vorherrschen: unter anderem Telex, früher Raytheon, Olivetti und Codex. Es wäre angesichts der immer schwierigeren Haushaltslage ohne den Einsatz von Mixed-Hardware nicht möglich gewesen, die heutige Leistungsfähigkeit des KGRZ zu erreichen. Anfangs gab es bei den Mitarbeitern sehr viel Vorurteile zum Einsatz von Mixed-Hardware; man glaubte, auf das Prinzip "Alles aus einer Hand" nicht verzichten zu können und fürchtete Informationsverluste und Qualitätsminderungen des eigenen Wertes. Durch ruhige Vorgehensweise und erfolgreiche Nutzung wurde das Mißtrauen restlos beseitigt.

Das Problem der Gesamtsystemverantwortung wird dadurch gelöst, daß sich der Hersteller der PCM-Rechner verpflichtet, die Lokalisierung und Analyse eines aufgetretenen Fehlers kostenlos, das heißt, mit der Miete abgegolten, abzuwickeln. Die Lösung des Problems wird nach Zeit und Aufwand beziehungsweise durch einen Vertrag über örtliche Programmunterstützung abgedeckt, vorgenommen. Entscheidend hierbei ist die Bereitschaft der Analyse auch in Fremdprodukten.

Neben der Sorge um die Wartung der Betriebssysteme und der systemnahen Software wurde oft auch die Koordinierung zwischen den Technikern der beteiligten Anbieter überbewertet. Neben der Tatsache, daß die PCMs in der Regel über sehr gute Software-Spezialisten mit breitem Wissen verfügen, hat sich eine außerordentlich gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Technikern herausgebildet, die in den wenigen Fällen nicht sofort lokalisierbarer Fehler recht spontan erfolgreich ist.

Kein Problem ist heute für die Anbieter steckerkompatibler Geräte das Nachvollziehen von IBM-Ankündigungen. Im allgemeinen beträgt die Response-Zeit vier bis sechs Wochen. Beispielsweise kündigte IBM im Frühjahr 1984 die 308X-Serie an, die Antwort von NAS erfolgte sechs Wochen später mit der im Feld auf bestehenden Systemen aufrüstbaren 80x3-Familie. Ganz typisch sind auch die Neuankündigungen dieses Jahres. Am 11.2.1985 gab IBM die langerwartete Sierra mit den Modellen 3090/200 und 3090/ 400 sowie die Double-capacity-Platten 3380/AE und BE frei. NAS reagierte am 12.3.1985. Während die IBM beispielsweise die 3090/400 im zweiten Quartal 1987 liefern will, bietet NAS das zweite Quartal 1986 als Liefertermin an.

Ein weiterer, oft genug entscheidender Faktor ist die außerordentlich flexible Vertragsgestaltung, die ausnahmslos alle PCMs akzeptieren. Besonderen Situationen finanzieller Art wird ebenfalls in der Regel Rechnung getragen.

Insgesamt kann gesagt werden, daß heute - natürlich bei intensiver Prüfung des Gesamtangebotes - in der Nutzung von mixed-Hardware keinerlei Risiko liegt. Darüber hinaus bieten PCMs ein gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis, manchmal mit zum Beispiel Funktionen, die IBM garnicht zur Verfügung stellt; im CPU-Bereich Hochgeschwindigkeitsarithmetiken oder integrierte Vektorprozessoren.

Wolfgang Stürwohld Geschäftsführer, Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ), Bonn

Mixed-Hardware-Konfigurationen sind bei fast allen größeren Rechenzentren installiert. Der Mischungsgrad, wie ich es nennen möchte, ist allerdings recht unterschiedlich. Das richtet sich vor allem nach den jeweiligen Angeboten von PCM-Geräten und der Unterstützung durch den Hersteller der Zentraleinheit. So ist bekannt, daß nur sehr wenige Möglichkeiten bestehen, für die Siemens-Rechner PCM-Peripherie zu installieren, während der Markt bei IBM und anderen eine gewisse Angebotsvielfalt bietet.

Der entscheidende Vorteil von Mixed-Hardware gegenüber einer Installation "aus einer Hand" liegt in dem durchweg preislich unter dem Original liegenden Angebot an PCM-Geräten, denn nur mit einer attraktiven Preisstellung sind die PCM-Anbieter in der Lage, erfolgreich auf dem Markt zu agieren. Auch hier belebt die Konkurrenz das Geschäft. Darüber hinaus ist die Auswahl des auf den jeweiligen Bedarf optimal zugeschnittenen Plattenlaufwerks, Terminals oder Druckers naturgemäß bei einem größeren Angebot eher möglich. Wichtige Voraussetzung hierfür ist allerdings die genaue Beobachtung und Kenntnis des Marktes sowie ein gewisses Maß an Know-how und Erfahrung im Einsatz der einzelnen Peripherie-Komponenten. Wenn möglich, sollte daher die Parallele Testinstallation von mehreren in Frage kommenden Geräten der endgültigen Entscheidung vorangehen. Nur so läßt sich auch die Qualitätsfrage einigermaßen zufriedenstellend beantworten. Hier, wie überall, gilt: Das Billigste muß nicht immer das beste und das Teuerste nicht zwangsläufig das schlechteste Angebot sein. Kurzfristige Wirtschaftlichkeitsüberlegungen bilden nur in den seltensten Fällen eine geeignete Grundlage für die Entscheidung über Kauf, Miete oder Leasing sowie für den jeweiligen Lieferanten.

Der mit dem ersten Punkt eng zusammenhängende zweite wichtige Vorteil liegt in der Gestaltung eines für den Anwender günstigen Wartungsvertrages. Im Einzelfall läßt sich durch intensive Verhandlungen gerade hier der entscheidende finanzielle Vorteil erzielen. Fast alle PCM-Anbieter zeigen sich bei der Gestaltung des Wartungsvertrages flexibler als die Mainframe-Hersteller. Der Gefahr einer durch steigende Wartungskosten "zwangsverschrotteten" Anlage kann so unter Umständen wirkungsvoll entgegengetreten werden.

Ein dritter, nicht zu unterschätzender Vorteil liegt in der gelegentlich zu beobachtenden Tatsache, daß der jeweilige CPU-Lieferant versucht, den Mixed-Hardware-Betreiber als Kunden für die eigenen Peripheriegeräte zurückzugewinnen. Dies kann sich zum Beispiel bei einer geplanten Auswechselung beziehungsweise Aufrüstung der Anlage durchaus positiv auf den Verlauf der Verkaufsgespräche auswirken. Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, daß eine CPU-Erweiterung durch PCM-Bauteile nur in Ausnahmefällen Vorteile bringt, da die Gewährleistungsansprüche bei auftretenden Schwierigkeiten nur sehr schwach durchsetzbar sein werden.

Wo Licht ist, gibt es naturgemäß auch Schatten! Zu den Nachteilen, die sich aus dem Betrieb einer Mixed-Hardware ergeben können, zählt beispielsweise die zu erwartende zeitliche Verzögerung bei der Einführung eines neuen Releases des Betriebssystems durch den CPU-Lieferanten, da die PCMer zur Anpassung ihrer Geräte eine gewisse Reaktionszeit benötigen. Durch eine im Liefervertrag enthaltene Klausel, die für diesen Fall den PCM-Lieferanten an eine gewisse Frist bindet, kann das Risiko allerdings deutlich begrenzt werden.

Zu einem weiteren Problem kann die ungenügende Abgrenzung der Wartungs- und Gewährleistungsvereinbarungen mit den einzelnen Lieferfirmen führen. Falls sich darüberhinaus die Ursache einzelner Betriebsstörungen nicht genau lokalisieren lassen, ist

mit einem Stelldichein der jeweiligen Wartungsstruktur zu rechnen. Kompetenzgerangel, zeitliche Verzögerung sowie Berechnung der wegen mangelnder Zuständigkeit zu zahlenden Technikerstunden nebst Fahrtkosten sind die zu erwartenden Folgen. Bei der Entscheidung für einen "Exoten" als PCMer kann das höhere Risiko der Ersatzteilbeschaffung und der Wartung durch ein dünneres Vertriebsnetz oder gar durch ein kurzfristiges Ausscheiden des Anbieters auf dem Markt nur selten durch günstige Vertragskonditionen ausgeglichen werden. In diesem Fall kann ein vermeintlicher finanzieller Vorteil sehr schnell zu einem erheblichen Nachteil umschlagen, wenn ein erforderlicher schneller Umstieg auf einen anderen Lieferanten eine ausgewogene Entscheidung unmöglich macht und schließlich zu einer wesentlich teureren Lösung führt.