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26.10.1979

Mixed Peripherie: Wirtschahliehkeit oder Sicherheit?

Mixed Peripierie: ja oder nein? Die Meinungen gehen kraß auseinander. Anwender von Mixed-Peripherie schwören auf die "eindeutig wirtschaftlichen Vorteile" die nie ein einzelner Hersteller, sondern nur mehrere Hardware-Häuser bieten können. Bei Benutzern, die CPU und Peripherie vom selben Anbieter fahren, herrscht nach wie vor das Schreckgespenst eventueller Service-Probleme bei der Fehlersuche. "lch kann das Risiko nicht eingehen, daß bei unserem zeitkritischen Online-System zwischen Zentraleinheit und Fremd-Peripherie Defekte auftreten", argumentiert Dietrich Feldhusen, DV-Chef bei Pharma Bauer in Neustadt. Rolf Gude, EDV-Leiter der Wiveda-Wigesa in Planegg, kontert: "lch glaube, das Serviceproblem wird immer nur als Argument der IBM benutzt - aber die haben auch keinen Universaltechniker, der alles kann." Bei der mit zunehmender Zahl der Anbieter immer interessanter werdenden Diskussion um den Mixed-Peripherie-Markt, scheint sich eine Frage henuszukristallisieren: Wirtschaftlichkeit oder ("Service"-)Sicherheit?

Klaus Hellwig, DV-Chef bei der Keiper GmbH in Remscheid, ist zwar entschlossen, CPU-seitig bei IBM zu bleiben, aber alles, was sich drumherum bewegt, das mixe er liebend gern."Ich lasse mich dabei nicht ausschließlich von Kostenersparnisgründen leiten", so Gude , "ich will einfach dem Marktführer nicht den gesamten Brocken zuschieben".

Fehlersuche: Einer schob es auf den anderen

Bei der Münchener Webasto GmbH machte man mit Mixed-Peripherie schlechte Erfahrungen. DV-Leiter Siegfried Mühlbauer klagt über Schwierigkeiten, sobald Hardware-Fehler auftreten. "Der eine schob es auf den anderen", berichtet er, "und es mußten einige Leute von den unterschiedlichsten Herstellern antanzen - die haben dann wochenlang gearbeitet, Kapazitäten heranzitiert, und jeder behauptete, daß seine Maschine läuft. Wir leben heute noch mit dem Fehler."

Rolf Gude hat ähnliches erlebt. Bei der Installierung eines Memorex-Speichers trat ein Fehler auf. "Jeder sagte natürlich sofort, das könne nur Memorex sein", erläutert er, "es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen ISM und den Memorex-Leuten, die bis zur Anklage führte - aber letztlich lag der Fehler doch bei den Stuttgartern." Unabhängig von dieser Erfahrung gab es bei Wiveda-Wigesa noch keine ernsthaften Probleme mit Mixed-Peripherie.

Eine politische Entscheidung

Für Dietrich Feldhusen kommt Mixen nicht in Frage. Durch sein zeitkritisches Online-System brauche er Techniker direkt im Unternehmen, die bei allen Schwierigkeiten sofort einspringen können. "Das ist eine politische Entscheidung", begründet Feldhusen, "keine wirtschaftliche." Er könne sich einfach die Zeit nicht leisten, die bei einem eventuellen Defekt verlorenginge. Durch seine beiden Serviceleute im Hause besitze er eine größere Verfügbarkeit. Diese schätzt der Neustädter höher ein als etwas niedrigere Anschaffungskosten.

Gerwig Hinrichs Probleme sind ähnlich gelagert. "Bei der Bereitschaft, die wir zeigen müssen", so der RZ-Leiter der DAK in Hamburg, "ist der Service bei uns fast nicht in Geld auszudrucken."

Hilfestellung auch beim Mixen?

Nach Meinung von Kurt Brühl, Leiter Org/EDV bei den Gebrüdern Knauf in Iphofen, waren die realen Preisvorteile beim Mixen in der Vergangenheit nicht allzu groß. Grundsätzlich sei er ein potentiell besserer Kunde, indem er alles von einem Hersteller beziehe: "Die strengen sich dann entsprechend mehr an."

Klaus Hellwig erlaubt sich hierüber zu schmunzeln. "Dadurch, daß wir mixen, ist natürlich jeder Anbieter bei uns besonders aktiv, um irgendwann einmal das "große" Geschäft zu machen - ich habe dadurch wiederum andere Vorteile."

Anwender kleinerer Systeme scheinen es jedoch beim Peripherie-Mix schwer zu haben. "Wir sind keine große Firma" erklärt Werner Menzel, EDV-Leiter bei der Baumhüter GmbH in Rheda-Wiedenbrück, "wir werden immer Unterstützung vom Hersteller benötigen." Berechtigt scheint auch Menzels Frage, ob er auch dann noch Hilfestellung erhält, wenn er seinem jetzigen Hersteller durch Mixed-Peripherie "vor den Kopf haut". Der DV-Chef befürchtet, daß er daraufhin "erheblich draufzahlen" muß. "Die entscheidende Frage ist für uns" so Menzel, "ob wir die gleichen Vorteile weiterhin kostenlos auf freundschaftlicher Basis von der IBM bekämen, wenn wir plötzlich drei oder vier Hefsteller im Hause hätten."

Gerhard Pitz, EDV-Leiter bei der B. Braun AG in Melsungen, bedauert, sich aufgrund seines Siemens-Systems nicht mit Mixed-Peripherie versorgen zu können. Er habe aufgrund fehlender Kompatibilität kaum die Möglichkeit, andere Hardware zu kaufen. "In dem Augenblick, wo für mich Mixen erkennbar wirtschaftlicher wäre", so Pitz, "würde ich auch die Schwierigkeiten, die bei Fehlersuche oder sonstigen Abstimmungen auftreten könnten, in Kauf nehmen."

Man sollte eigentlich viel mehr machen

Wilhelm Kässmann, DV-Leiter bei der Johann Rockinger OHG in München, ist mit seiner IBM 3/12 zufrieden und fährt auch die gesamte Peripherie vom Marktführer. Mixen kommt für ihn nicht in Frage: "Das liegt wohl mehr am Service", meint der Münchener, "oder, besser gesagt, an der Angst davor, daß der Service nicht funktionieren könnte."

Bei der Wiveda-Wigesa in Planegg ließ man sich bei der Entscheldung für Mixed-Peripherie ausschließlich durch wirtschaftliche Gesichtspunkte leiten. Rolf Gude, als eiserner Mixed-Verfechter, sieht hier allerdings auch Nachteile. Er sei bei Peripherie-Herstellern meistens auf Dreijahresverträge festgelegt. Bei seinem CPU-Anbieter (IBM) könne er auch Zweijahresverträge abschließen. Dafür eröffnen die Mixed-Hardware-Anbieter einen für ihn wichtigeren Vorteil: die Möglichkeit zum Leasing oder zur Miete. "Der Maßstab aller Dinge beim Mixen ist für mich der Preisvorteil", apostrophiert Rolf Gude, "man sollte eigentlich viel mehr machen."