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07.04.1978 - 

Probleme der medizinischen Datenverarbeitung:

"MlS"-Erfolg auch für KIS ?

Die meisten Berichte über medizinische Datenverarbeitung haben mit der "Verarbeitung medizinischer Daten" so gut wie nichts zu tun. Es sind Schilderungen, wo "Krankenhaus" genausogut gegen "Fertigungsbetrieb", Buchungsschalter" oder "Polizeidienststelle" ausgetauscht werden könnte. Es geht - wie beispielsweise bei Patientenaufnahmesystemen - um Datenerfassung von Verwaltungsdaten, Drucken entsprechender Aufkleber oder Stanzen von Adressierschablonen und allenfalls noch Führen einer Abrechnungsstatistik. Etwas näher an medizinische Datenverarbeitung kommen die Prozeßrechner-Anwendungen etwa im Labor, der Nuklearmedizin oder EKG-Analyse. Hier werden medizinische Daten aus abgegrenzten Teilgebieten tatsächlich "verarbeitet" oder zumindest wie im Labor, automatisch erfaßt, gespeichert, gedruckt (und dann meist vergessen). In ganz speziellen Bereichen der Medizin, etwa in der Schilddrüsen-Diagnostik, ist eine Integration von Daten mit medizinischer Aussagekraft in einem System gelungen.

Sicherlich ist das KIS (Krankenhaus-Informations-System) noch weiter als das MIS (Management-Informations-System) von der Aussicht auf Realisierung entfernt.

Da die EDV in die Medizin relativ spät und unter erheblichen Geburtswehen Einzug gehalten hat, verwundert es sicherlich keinen, daß zunächst dort computerisiert wurde, wo Erfahrungen aus den "klassischen" Bereichen vorlagen. Daneben gibt es eine Reihe anderer Gründe, weshalb sich die Entwicklung im medizinischen Bereich so schleppend vollzieht:

Industrielle Systemanalyse-Verfahren müssen abgewandelt werden, um den mehrfach parallelen hierarchischen und teilweise komplex verflochtenen Organisationsstrukturen eines Krankenhauses gerecht zu werden (Beispiel: Universitätskrankenhaus) .

EDV-Betreiber im medizinischen Bereich müssen neben Rationalisierungsaspekten auch so schwer faßbare Kategorien wie "Gesundheit" mitbetrachten. Kosten-Nutzen-Analysen müssen demnach neue bisher unbekannte Parameter miteinbeziehen.

Infolge der mangelnden Strukturiertheit eines medizinischen Betriebes und des "Medizinischen Lehrgebäudes" überhaupt mangelt es an Standardisierungen.

Medizinischen Daten (Laborwerte, Röntgen-Befunde und EKG etc.) stehen so vielfältig zueinander in Beziehung, daß zur medizinischen "Verarbeitung" ein Datenbank-Managementsystem zur Speicherung der Daten erfolderlich ist, das Komplexe Datenstrukturen zuläßt, die über eine genügend mächtige Manipulationssprache ansprechbar sind.

Ein Großteil medizinischer Befunde besteht aus variabel langem Text, dessen Verarbeitung in den meisten Maschinen die Grenzen des "Gewöhnlichen" überschreitet. Soll dieser Text indiziert werden, um beispielsweise in einem Text-Retrieval-System gespeichert zu werden, so entsteht wiederum das Problem der persönlichkeitbezogenen Bewertung von Ärzten unterschiedlicher "Schulen".

Um medizinisch sinnvolle Aussagen zur Diagnose einer Krankheit machen zu können oder um eine optimale Therapie bei chronisch Kranken zu finden, ist eine Langzeitspeicherung mit Möglichkeiten zur Ausgabe von zeitlichen Befundverläufen nötig. Im großen Rahmen angewendet, bedeutet das eine immense Direkt-Zugrifs-Speicher-Kapazität des Rechners.

Problematisch und von Arzt zu Arzt verschieden ist die Beurteilung, welche Daten wichtig für welche Krankheit sind.

Wenn es auch möglich ist, medizinischen Hilfspersonal die Benutzung der EDV vorzuschreiben, so lassen Ärzte diese "Bevormundung" nicht zu. Entsprechend muß das System so benutzerfreundlich konzipiert werden, daß es als Anreiz auf den Arzt wirkt. Das Gebiet der Benutzerpsychologie wird zwar vordringlich bearbeitet und ihre Wichtigkeit ist auch erkannt werden, doch zur Umsetzung in die Praxis fehlen Erfahrungen und geeignete Werkzeuge, selbst wen das entsprechende Bewußtsein vorhanden ist.

Das sind einige Antworten auf die Frage: Warum geht es so langsam voran? Dabei sind Vorbehalte und wirtschaftliche Betrachtungen von seiten der EDV-Hersteller nicht mit einbezogen.

Vorerst wird es also bei der Verarbeitung von vorwiegend Verwaltungsdaten bleiben. Bis zur wirklichen "medizinischen Datenverarbeitung" ist der Weg noch dornig und wird so manche Mullbinde und manche (finanzielles) Tro...pflästerchen kosten.