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27.10.2000 - 

Thema der Woche

Mobilcom: Bald Liebling aller Content-Lieferanten?

Gerhard Schmid gilt als Hasardeur der hiesigen TK-Szene. Durch die Ankündigung, Mitte 2002 als erster Netzbetreiber in Deutschland mit UMTS-Mobilfunkdiensten zu starten, hat der Mobilcom-Chef seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht. Schnelligkeit ist Trumpf in einem Markt, der, wie der ehemalige Sixt-Manager im Gespräch mit CW-Redakteur Gerhard Holzwart betonte, erneut vor gravierenden Umbrüchen stehen dürfte.

CW: Mit Ihrer Ankündigung, in Deutschland als erster UMTS-Anbieter zu starten, erwecken Sie einmal mehr den Eindruck, es dem Wettbewerb so richtig zeigen zu wollen. Andererseits geben sich viele Experten skeptisch darüber, dass der Markt für UMTS-Dienste so schnell explodiert, wie Sie es sich erhoffen. Mancherorts wird das Zukunftsszenario vom Handy als Multimedia- und Internet-Endgerät sogar ganz in Zweifel gezogen. Fürchten Sie nicht, dass Ihnen die Kundschaft bei Ihrem Tempo nicht folgen kann?

Schmid: Warum sollte ich? Noch vor zehn Jahren hat jeder gesagt, Farbbildschirme und Icons sind Spielerei. Heute ist beides Standard. Gegenwärtig wiederum sehe ich viele Leute, die sich von unterwegs aus mit Notebooks in Intranets einloggen wollen und dafür eine einfache Plug-and-Play-Lösung mit hoher Bandbreite benötigen. Oder Millionen von Handy- und PDA-Nutzern, die ihren Terminkalender mit den Daten des Rechners ihrer Sekretärin abgleichen wollen. Wir könnten jetzt noch stundenlang über weitere Anwendungen reden, die mit UMTS überhaupt erst oder besser möglich sind.

CW: Angenommen, Sie haben Recht. Dann bleibt immer noch die Frage, ob diese Dienste auch bezahlbar sind. Schließlich müssen die Milliardeninvestitionen der Betreiber für Lizenzen und Netzaufbau wieder eingespielt werden.

Schmid: Den Sprung ins UMTS-Zeitalter hätte die deutsche Bevölkerung sicher preiswerter haben können, aber der Bundesfinanzminister war anderer Meinung. Deshalb werden wir auch die Frage der Rechtmäßigkeit des Lizenzverfahrens voraussichtlich gerichtlich überprüfen lassen. Alle Netzbetreiber müssen natürlich messerscharf kalkulieren. Und Sie werden es sich auf Dauer nicht leisten können, UMTS nicht kostendeckend anzubieten.

CW: Auf Ihre eingereichte Klage kommen wir gleich noch zu sprechen. Können Sie uns einen Anhaltspunkt dafür geben, was auf die Verbraucher beim Mobilfunk der neuen Generation an Gebühren zukommen wird?

Schmid: Ich habe nicht die Absicht, Ihnen heute unser Gebührentableau in allen Einzelheiten zu erläutern. Sie können aber davon ausgehen, dass wir mit unseren Preisen im Markt konkurrenzfähig sein werden. Wir kalkulieren in unserem Business-Plan monatlich durchschnittlich 83 Euro an Einnahmen pro Nutzer - eine Summe, die sich aus Gebühren, dem so genannten Incoming Traffic, also der Weiterleitung von Teilnehmern anderer Carrier in unser Netz, sowie aus Werbeeinnahmen zusammensetzt. Rund zwei Drittel dieser Summe sollen aber durch Gebühren erwirtschaftet werden, daraus können Sie erste Rückschlüsse ziehen. Allerdings sind das vorläufige Planungen. Bis zur Betriebsaufnahme kann erfahrungsgemäß noch viel passieren.

Schmid: Nein, das ist eine völlige Fehlinterpretation. Bei dieser Initiative geht es um die Definition technischer Lösungen, mit deren Hilfe sich Inhalte ins Web bringen und von dort auch wieder abrufen lassen - etwa im Bereich Video-Downstreaming.

CW: Wäre es nicht eine gute Idee, als Content-Produzent das eigene Netz interessant zu machen und dadurch das Geschäft mit UMTS-basierten Anwendungen anzukurbeln?

Schmid: Das sehe ich nicht so. Ich glaube an die Arbeitsteilung der Wirtschaft. Ich glaube zum Beispiel, dass es für die Deutsche Lufthansa als größten Kerosin-Abnehmer in Deutschland keinen Sinn geben würde, eine Raffinerie zu bauen und zu betreiben. Umgekehrt halte ich es nicht für das Kerngeschäft von Mobilcom, CDs zu produzieren, Bücher schreiben zu lassen, Autoren zu beschäftigen oder einen Verlag zu gründen.

Etwas anders verhält es sich, wenn es darum geht, Inhalte zu vertreiben. Wenn ich davon ausgehe, dass es auch in Zukunft viele Spezialisten geben wird, die Content produzieren, sehe ich uns als einen Know-how-Träger, der diverse Inhalte so zu einem Paket schnürt, dass sie für den Handy-Benutzer interessant sind. Wenn uns das gelingt, sind wir der Liebling aller Content-Lieferanten und Rechteinhaber, weil wir ihnen das Geld bringen.

CW: Unterstellen wir noch einmal, dass Sie mit Ihren Prognosen zur Entwicklung des UMTS-Marktes richtig liegen. Dann könnte es aber noch ein anderes Problem geben: fehlende Endgeräte. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass im TK-Geschäft die Kunden und die Technik vorhanden wären, nicht aber die Telefone.

Schmid: Wir haben uns und unserem Ausrüster Termine gesetzt, und die werden auch eingehalten. Wenn es sich schlimmstenfalls um einige Wochen verzögert, geht die Welt nicht unter. Ich bin schon vor einigen Monaten im Zusammenhang mit der UMTS-Infrastruktur gefragt worden, ob ich denn angesichts von rund 70 Netzbetreibern in Europa, die in dieses Geschäft einsteigen wollen, keine Engpässe bei den Lieferanten befürchte. Ich habe damals klar zum Ausdruck gebracht, dass die Ericssons und Nokias dieser Welt schon wissen, worum es hier geht - nämlich um die komplette Ablösung der GSM-basierten Mobiltelefonie. Die Chance, von Beginn an in diesem gigantischen Wachstumsmarkt dabei zu sein, wird sich keiner dieser Anbieter entgehen lassen. Man wird dort also entsprechende Kapazitäten vorhalten.

CW: Kommen wir zurück zu Ihrer Klage gegen die UMTS-Lizenzgebühr. Fechten Sie diesen Streit mit der Regulierungsbehörde beziehungsweise dem Bundesfinanzminister nun aus oder nicht?

Schmid: Das wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Es liegt bekanntlich eine von uns erhobene Einspruchsklage vor, die innerhalb einer gewissen Frist ausführlich begründet werden muss. Wir haben hierzu, was auch kein Geheimnis ist, mehrere Rechtsgutachten eingeholt, die uns in unserer Auffassung bestärken. Wir können heute schon sagen, dass die These der Regulierungsbehörde, Mobilcom habe durch seine Teilnahme an der UMTS-Lizenzversteigerung und der fristgerechten Bezahlung der Lizenz die Bedingungen des Verfahrens akzeptiert, auf tönernen Füßen steht. Und wir wissen zum Beispiel auch, dass eine EU-Richtlinie zur UMTS-Lizenzversteigerung explizit davon spricht, dass von Beginn an breite Bevölkerungsschichten zu günstigen Tarifen an der neuen Technik partizipieren können müssen. Zumindest ob Letzteres der Fall sein wird, kann man ja wohl in Zweifel ziehen. Auch bei nur zehn Milliarden Mark Lizenzkosten hätte man sechs Wettbewerber haben können, aber andere Preise für die Verbraucher.

CW: Das heißt, es wird definitiv zur Klage kommen, bei der Sie immerhin auch ein gewaltiges finanzielles Risiko tragen?

Schmid: Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge würde ich sagen: Wir ziehen das durch.

CW: Es gibt Fachleute, die sagen, das Ganze ist nur wieder ein Marketing-Trick von Gerhard Schmid. Erst recht, da Sie dem Bundesfinanzminister sehr pointiert das Recht absprechen, überhaupt so genannte Hoheitsrechte des Bundes zu versteigern. Das erscheint einigen Betrachtern fast schon unseriös.

Schmid: Unter den tatsächlichen Experten, also den Juristen, gibt es mehr als nur ein paar versprengte Zeitgenossen, die das genauso sehen. Wir haben uns das ja nicht einfach so ausgedacht. Wenn Sie das Thema Versteigerung von Hoheitsrechten konsequent zu Ende denken, könnte das irgendwann dazu führen, dass der Polizist an der Kreuzung sagt: Wer mehr bezahlt, hat Vorfahrt! Wir haben es also durchaus mit einer ernst zu nehmenden Frage im Rahmen der Finanzverfassung zu tun.

Was das Gerede um einen vermeintlichen Werbegag angeht, kann ich nur sagen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Dann nämlich, wenn wir mit der Klage Erfolg haben und unser Geld vom Staat zurückerhalten. Unsere Bemühungen in dieser Angelegenheit sind jedenfalls zielgerichtet, das Kostenrisiko halte ich für vertretbar. Ich betrachte dies, wenn wir es machen, als gute Investition für die Aktionäre - auch für mich als Großaktionär.

CW: Viel oder gar nichts zu lachen werden - je nach Ausgang dieser Geschichte - Ihre Wettbewerber haben, die sich der Klage nicht anschließen wollen und sich öffentlich sehr zurückhaltend äußerten. Nicht wenige Beobachter schließen daraus, dass der Gang des Rechtswegs ein Irrweg ist.

Schmid: Alle Insider, auf die es ankommt, wissen, was hinter den Kulissen gelaufen ist - und was nicht. Die einen konnten nicht, jedenfalls nicht so schnell, die anderen wurden anders beraten; ein Dritter - dreimal dürfen Sie raten, wer - durfte aus politischen Gründen nicht. Unsere Möglichkeiten, als alleiniger Kläger Erfolg zu haben, haben darunter jedoch alles andere als gelitten.

Schließlich ist es kaum vorstellbar, dass am Ende eines etwaigen Verfahrens der Bundesfinanzminister dazu verdonnert wird, die gesamten 100 Milliarden Mark an die Industrie zurückzuüberweisen.

CW: Unabhängig von der Klage haben die Kosten für den UMTS-Netzaufbau dramatische Auswirkungen auf Ihre Konzernbilanz. Ist es denn in Zeiten wie diesen, wo TK- und Internet-Aktien an der Börse regelrecht abgestraft werden, den Anlegern überhaupt zu vermitteln, dass man voraussichtlich bis 2005 rote Zahlen schreiben wird?

Schmid: Darauf muss man differenziert antworten. Erstens wird das Thema UMTS durch den Vertrag mit Ericsson billiger, als wir es ursprünglich kalkuliert haben. Ich weiß also nicht, ob die von uns genannten Zeiträume, in denen wir Verluste ausweisen müssen, so noch Gültigkeit haben. Zweitens könnte ich mich bei den Wachstumschancen im UMTS-Geschäft nur wiederholen. Wir sind mittelfristig und übrigens auch aktuell auf einem guten Weg. Unsere Umsatzentwicklung lag im zweiten und dritten Quartal über Plan; unser Marktanteil bewegt sich bei rund zehn Prozent. Drittens ist es eine grundsätzliche Frage, wie man sein Geschäft angeht. Wir haben uns für eine langfristig erfolgreiche Strategie entschieden. Man kann nicht den Anspruch erheben, in einigen Jahren eine 15-Milliarden-Company zu sein, und sich gleichzeitig in seiner alten Reseller-Nische verstecken.

CW: Wie kommentieren Sie eigentlich den Kursverfall Ihrer Aktie und der Papiere vieler Ihrer Wettbewerber?

Schmid: Der Neue Markt ist out - aus gutem Grund. Mit dieser Bemerkung ist eigentlich alles gesagt. Da ist von Banken und Emissionsberatern viel Unheil angerichtet worden. Hinzu kommt, dass viele Anleger den Wettbewerb und den Investitionsbedarf in der TK-Branche als kritisch für ihr Investment erachten. Das muss man einfach zur Kenntniss nehmen. Viele institutionelle Anleger sind ausgestiegen und in Titel geflüchtet, die derzeit mehr Kursphantasie bieten - etwa im Biotechnik-Bereich. Ich bin mir aber sicher: Wenn es uns gelingt, mit UMTS-Diensten schnell und erfolgreich zu sein, wird die Mobilcom-Aktie wieder das Kursniveau erreichen, das ihr eigentlich zusteht.

CW: Welchen Marktanteil streben Sie mittelfristig in Deutschland an?

Schmid: Kurzfristig 15 Prozent, mittelfristig ist die Richterskala nach oben offen.

CW: Was macht Sie da so optimistisch? Die Konkurrenz wird doch dem UMTS-Senkrechtstarter Mobilcom nicht tatenlos zusehen.

Schmid: Ich weiß, dass jetzt wieder einige sagen werden: Der Schmid verbreitet nur heiße Luft. Aber schauen Sie sich im Wettbewerb um. Dann werden Sie sehr schnell feststellen, dass wir derzeit einen Zeitvorsprung von mindestens einem halben Jahr haben. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob Telefonica/Sonera in Deutschland überhaupt schon Mitarbeiter eingestellt haben.

CW: Wie beurteilen Sie generell die Wettbewerbsentwicklung in Deutschland? Viel ist ja von der Aufbruchstimmung im Zuge der Liberalisierung nicht erhalten geblieben.

Schmid: Nicht nur von der Stimmung, auch von den Wettbewerbern. Die Situation entbehrt auch nicht einer gewissen Komik. Zunächst hieß es, 13 Reseller sind - neben den großen Netzbetreibern - zu viel des Guten. Die Branche müsse sich konsolidieren. Jetzt hat sie sich konsolidiert, und man stellt mit Entsetzen fest: Oh, es ist ja fast keiner mehr übrig! Und das Lustigste ist, mit Verlaub gesagt, dass derjenige, der überlebt hat, ursprünglich der Kleinste war, dem keiner etwas zugetraut hat.

Ähnlich war es mit dem absehbaren Margenverfall im Festnetzgeschäft. Jeder hat es gewusst, und als die Situation eingetreten war, haben alle geschrien: Die Margen gehen in den Keller! Jetzt aber werden die Karten wieder neu gemischt. Der Transport von Sprache und Daten wird künftig nur noch ein Me-too-Produkt sein. Die Geister werden sich bei ganz anderen Dingen scheiden: Bei der technischen Realisierung und Komprimierung von Inhalten, der Kreierung attraktiver Internet-Angebote und vor allem beim Thema Kundenbindung.

CW: Heißt das, dass das Festnetz für Sie langfristig keine strategische Bedeutung mehr hat?

Schmid: So würde ich es nicht formulieren. Man wird auch in Zukunft nicht alles mobil bereitstellen können. Wir werden einen festnetzbasierten Hochgeschwindigkeits-Backbone vor allem auch für unsere Firmenkunden, etwa zur Anbindung von Fillialen, benötigen. Und wir investieren ja auch weiter in diese Technologie und arbeiten hier mit Partnern wie Cisco zusammen. Eines ist aber auch klar: Wir sind in absehbarer Zeit nicht mehr auf das Festnetz angewiesen, um Call-by-Call-Dienste oder analoge Telefonie für Lieschen Müller anbieten zu können.

CW: Highspeed-Zugänge könnten aber auch die Kunden Ihrer Internet-Tochter Freenet attraktiv finden. Glaubt man der "T-DSL"-Offensive der Deutschen Telekom, hat Mobilcom in diesem Bereich ausnahmsweise nicht die Nase vorn.

Schmid: Ich kenne die Vermarktungsaktivitäten des großen Wettbewerbers in Bonn, nicht aber dessen Freischaltungsoffensive. Wir bieten Vergleichbares in 20 deutschen Ballungszentren an und müssen uns vor niemandem verstecken.

CW: Bleiben wir noch kurz bei Freenet. Seit Wochen gibt es Gerüchte um einen Verkauf oder zumindest eine Mehrheitsbeteiligung eines ausländischen Partners. Gerhard Schmid braucht Geld, um das Abenteuer UMTS zu finanzieren, heißt es.

Schmid: Und seit Wochen sage ich hierzu: Quatsch! Wir haben lediglich Überlegungen angestellt, ob man mit einer wie auch immer gearteten Internationalisierungsstrategie den Börsenwert des Unternehmens verbessern kann, der im Vergleich zu Wettbewerbern wie Wanadoo, Tiscali und T-Online nicht unbedingt berauschend ist. Dieser Prozess ist bei weitem noch nicht abgeschlossen; wir sind offen für viele Planspiele, aber mit Sicherheit nicht für einen kompletten Verkauf, um schnell Kasse zu machen. Wir benötigen Freenet auch in Zukunft, allein schon als Marke für ein gemeinsames Portal für unsere Fixed-Line- und Mobile-Internet-Aktivitäten.

CW: Seit gut einem halben Jahr ist France Télécom mit 28,5 Prozent an Ihrem Unternehmen beteiligt. Ein starker und vor allem finanzkräftiger Partner, ohne den eine UMTS-Lizenz für Mobilcom vermutlich ein Traum geblieben wäre. Andererseits gibt es immer wieder Stimmen, die deutsch-französischen Firmenehen nur eine begrenzte Haltbarkeit nachsagen.

Schmid: Es gibt ja nicht nur die französische Firma und den französischen Beamten. Man muss sich schon überlegen, mit wem man zusammenarbeitet. Wir haben es bei France Télécom mit einer kleinen Truppe hochkarätiger, international denkender und ausgebildeter Spezialisten zu tun. Was übrigens auch für France-Télécom-Chef Michel Bon gilt. Unterschiedliche Mentalitäten und Kulturen sowie sonstige Weisheiten, die in diesem Zusammenhang immer wieder zum Besten gegeben werden, haben mit der Realität nichts zu tun.

CW: Telekom-Chef Ron Sommer gilt auch als Manager mit internationalem Hintergrund. Er konnte mit Michel Bon nicht.

Schmid: Das ist das Problem von Ron Sommer. Ich habe nicht vor, mich dazu in Details öffentlich zu äußern. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom hat selbst erklärt, dass er sich in einer Partnerschaft nur wohl fühlt, wenn er bestimmen kann. Mir und Michel Bon kommt es hingegen nicht darauf an, wie viel Prozente der eine oder andere hat, sondern dass das gemeinsame Projekt zum Erfolg geführt wird.

DEAL MIT ERICSSON

Eine Win-Win-SituationMobilcom-Chef Gerhard Schmid scheint hart verhandelt zu haben. Der schwedische TK-Ausrüster und Handy-Produzent Ericsson hat sich jedenfalls bei der norddeutschen Telefon-Company mit Zusagen weit aus dem Fenster gelehnt. Mitte 2002 soll bereits der UMTS-Netzstart erfolgen und damit den übrigen Wettbewerbern der Schneid abgekauft werden. 20 Prozent der Bevölkerung werden dann dem Vernehmen nach schon erreicht; die Flächendeckung insgesamt soll zügig ausgebaut werden - entsprechende Lieferung von Endgeräten inklusive. Die Schweden treten dabei nicht nur als Hardware- beziehungsweise Infrastruktur-Lieferant auf den Plan, sondern garantieren den schlüsselfertigen Aufbau des Netzes. Also Softwareentwicklung und Implementierung in den Basisstationen bis hin zur Standortsuche für die berühmten Antennen. Auch finanziell scheint Schmid einen guten Deal gemacht zu haben. Ericsson geht mit rund 1,6 Milliarden Euro ins Obligo, 30 Prozent weniger, als Mobilcom ursprünglich geplant hatte. Fällig in Raten wird das Ganze erst, wenn das Netz steht - oder auch nicht. Denn für den Fall von Verzögerungen drohen Ericsson saftige Vertragsstrafen. Schmid führt dies auch auf die "Einkaufsmacht" der France-Télécom-Gruppe zurück, die mit der Tochtergesellschaft Orange in Großbritannien und dem Heimatmarkt Frankreich noch weitere lukrative UMTS-Aufträge zu vergeben hat. Aus diesem Grund dürfte für Ericsson die Behandlung von Mobilcom als "Premium Kunde" nicht ohne Hintergedanken gewesen sein.

UMTS-KLAGE - EIN PROZESS OHNE ENDE?Klagt er, oder klagt er nicht? Mit dieser Frage sorgt Gerhard Schmid in der deutschen TK-Szene seit Wochen für Gesprächsstoff. Ein Umstand, der, wenn sich der Mobilcom-Chef tatsächlich vor Gericht traut, noch geraume Zeit anhalten dürfte. Experten rechnen mit einer rund fünfjährigen Dauer des Verfahrens. Geht Schmid aus dem Rechtsstreit als Sieger hervor, winken Milliardenbeträge in Form einer Rückerstattung der Lizenzkosten. Geht es schief, sind beim Weg durch alle Instanzen Prozesskosten von rund 700 Millionen Mark fällig. Bis Mitte November muss sich die Mobilcom AG entscheiden, ob sie den im September beim Verwaltungsgericht Köln eingelegten Einspruch gegen das UMTS-Lizenzversteigerungsverfahren zurückzieht oder in eine ausformulierte beziehungsweise begründete Klage umwandelt.

Die Erfolgsaussichten werden von Juristen unterschiedlich bewertet. Auch die Wettbewerber von Mobilcom reagierten ablehnend bis skeptisch. Ein in der vergangenen Woche veranstaltetes Hearing renommierter Rechtsprofessoren (Mobilcom gab insgesamt sechs Rechtsgutachten in Auftrag) habe ihn "sehr ermutigt", betont Schmid. Das Geflecht an Paragraphen und Verordnungen, wo Schmids Anwälte im Zweifel den Hebel ansetzen wollen, ist vielschichtig und für Laien nur bedingt nachvollziehbar. Im Kern (und unjuristisch formuliert) geht es um ein entscheidendes Kriterium der Finanzverfassung. Hat(te) Bundesfinanzminster Hans Eichel das Recht, knapp 100 Milliarden Mark an Lizenzgebühren einzusacken, die streng genommen keine Steuern und sonstigen Abgaben darstellen? Zweiter wesentlicher Stein des Anstoßes ist eine für die EU-Mitgliedsstaaten verbindliche Entscheidung des EU-Parlaments, wonach das UMTS-Auktionsverfahren in den jeweiligen Ländern eine zügige Marktöffnung durch schnellen Netzaufbau und für breite Kundenschichten erschwingliche Tarife sicherstellen muss. Zudem stößt sich Mobilcom daran, dass mit der Deutschen Telekom (T-Mobil) ein sich noch mehrheitlich im Staatsbesitz befindendes Unternehmen durch "Mitbieten" die UMTS-Lizenzkosten "zugunsten des Auktionators" mit in die Höhe getrieben hat.

Abb: Sinkflug: Auch die Mobilcom-Aktie kannte in den vergangenen Monaten nur eine Tendenz: Abwärts. Quelle: CW