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12.09.2006

Mobile Business: Potenzial und Probleme

Eine Untersuchung, die die "Erfolgsfaktoren des Mobile Business" ergründet hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Anwender bei der Implementierung solcher Lösungen eine Menge Fehler machen können.

Zahlreiche Unternehmen "unterschätzen die erfolgskritische Bedeutung einer gezielten strategischen und organisatorischen Einbettung des Mobile Business", sagt Christoph Wamser von der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung mbH (DGMF). Er ist Leiter und Autor der im Sommer 2006 zusammen mit der Knowledge Intelligence AG (KI AG) realisierten Studie.

Methode der Studie

Die Studie "Erfolgsfaktoren des Mobile Business" wurde von der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung mbH (DGMF) unter der Leitung von Christoph Wamser erstellt. Die DGMF kooperierte bei der Untersuchung mit der Knowledge Intelligence AG (KI AG) aus Köln und deren Gründer und Vorstand Dirk Buschmann.

• Die Befragung richtete sich an Mitglieder des Top- und Senior-Managements von Unternehmen (Vorstände, Geschäftsführer, Bereichs- und Abteilungsleiter).

• Insgesamt wurden 2300 Führungskräfte zum Thema Erfolgsfaktoren des Mobile Business befragt.

• An der Untersuchung beteiligten sich Vertreter aus insgesamt 116 Unternehmen. Zwölf davon stammten aus dem Dax-30-Kreis, weitere 41 aus Großunternehmen sowie 61 aus dem Mittelstand.

• Die Datenerhebung erfolgte schriftlich anhand eines standardisierten Fragebogens.

• Links:

DGMF = www.dgmf.org

KI AG = www.ki-ag.org

Befragungs- und Bewertungsmethode

Als Befragungsmethode wurde eine fünfstufige Ratingskala benutzt. Deren Pole reichten von 100 (= sehr gering) bis 500 (= sehr hoch).

Zudem fragten die Autoren ab, in welchem Umfang die Teilnehmer in ihren Unternehmen die jeweiligen Erfolgsfaktoren bereits selbst vollständig umgesetzt haben. Hieraus gewannen die Datenerheber einen prozentualen Wert.

Als beispielsweise nach der Bedeutung des Faktors "Involvierung des Topmanagements" in eine Mobile-Business-Strategie geforscht wurde, ergab die Untersuchung, dass die Befragten diesem Aspekt eine hohe Bedeutung (402) auf einer Ratingskala einräumten, die bis maximal 500 (= höchste Bedeutung) reicht.

Bei der Frage allerdings, ob das Topmanagement im Unternehmen des Befragten tatsächlich bereits umfassend in die Strategieplanung eingebunden ist, erbrachte die Summe der Antworten, dass dies in nur 40 Prozent der Konzerne der Fall ist.

Die ausführlichen Studienergebnisse ...

der Untersuchung "Mobile Business" können in der COMPUTERWOCHE-Sonderpublika- tion "Top100" nachgelesen werden. Diese wird der COMPUTERWOCHE-Ausgabe Nummer 39 vom 29. September 2006 beiliegen.

Die Skepsis des Wissenschaftlers scheint begründet: Viele Unternehmen, die Mobile-Business-Projekte angehen, sind informationstechnisch quasi auf einem Auge blind. Sie lassen wesentliche Voraussetzung zur erfolgreichen Vollendung entsprechender Projekte außer Acht.

Wirtschaftlicher Dilettantismus

Klar deshalb auch die Forderung des Studienautors: "Unternehmen müssen zügig prüfen, welche Ziele und Strategien sie mit Mobile Business (MB) verfolgen wollen, wie hoch der daraus resultierende Nutzen ist und welche Investitionen in Geld und Personaleinsatz sie zur Erfüllung der Erfolgsfaktoren leisten wollen." Keine Firma habe etwas davon, wenn sie "am Ende des Tages eine technisch funktionsfähige und sichere Lösung realisiert hat, die jegliche strategische Ausrichtung und organisatorische Einbettung vermissen lässt".

Von einer nicht zielgerichteten Let’s-try-it-Mentalität rät Wamser vehement ab: "Einfach nur in mobile Anwendungen zu investieren in der Hoffnung, dass hieraus etwas Gutes entsteht, ist nicht nur keine Strategie, sondern wirtschaftlicher Dilettantismus."

Und hier gibt es, nimmt man die Ergebnisse der Studie als Grundlage, noch viel zu tun. Wamser: "Nur etwa ein Drittel der Unternehmen erfüllt die kritischen Erfolgsfaktoren des Mobile Business vollständig."

30 Faktoren für den Erfolg

Die Verfasser der Studie haben 30 Faktoren ausgemacht, die für einen erfolgreichen Einsatz von Mobile-Business-Lösungen wichtig sind. Diese Erfolgsfaktoren ordnen die Autoren nach folgenden sechs Herausforderungen, die es zu meistern gilt: Unternehmensstrategie, Organisation des Geschäftsmodells, technische Realisierung von mobilen Lösungen, Wahl der hierfür geeigneten Endgeräte, zu berücksichtigende Sicherheitsanforderungen und Implementierung der MB-Lösungen.

Die Befragung der Topmanager aus Vorstandsebene, Geschäftsführung und Abteilungsleitung ergab ein bemerkenswertes Ergebnis, das sich durch die komplette Untersuchung zieht: Zwischen der Bedeutung, die die befragten Manager einem der 30 Aspekte beimessen, und deren vollständiger Realisierung im eigenen Unternehmen klaffen oft große Lücken.

Ein Beispiel: Nur knapp jedes dritte Unternehmen hat tatsächlich im Vorfeld klare Ziele für ein Mobile-Business-Geschäftsmodell definiert - obwohl der Anspruch einer eindeutigen Zielsetzung bei den befragten Firmen durchweg vorhanden ist.

Auch in Sachen Organisation klaffen Anspruch und Wirklichkeit teils erheblich auseinander. Wohl sind die Befragten der Meinung, dass es wichtig sei, mobile Lösungen in bereits bestehende Prozesse einzubinden. Nicht einmal jede vierte Firma hat aber die als signifikant erkannte Integrationsarbeit schon geleistet.

Anspruch und Wirklichkeit

Bei keinem der Erfolgsfaktoren ist der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klarer als bei der Diskussion, welche Techniken für Mobile-Business-Projekte vonnöten sind.

Beispiel: Bei der Planung von MB-Lösungen gilt es auch, an deren spätere Skalierbarkeit zu denken. Den meisten ist die Bedeutung dieser Forderung klar. De facto hat aber nur jedes fünfte Unternehmen dieses Muss in seine Planungen einbezogen. Kommentar von KI-AG-Vorstand Dirk Buschmann: "Viele Mobile-Business-Projekte scheitern, weil sie zu groß oder zu klein und nicht skalierbar sind." Buschmann weiter: "Die Skalierbarkeit von MB-Projekten verhindert kleine Insellösungen."

Bei Sicherheitsaspekten und deren Auswirkungen auf Mobile-Business-Projekte sind deutsche IT-Verantwortliche allerdings sehr wach. Diesbezüglichen Fragen kommt absolute Priorität zu.

Ohne ein umfassendes Sicherheitskonzept, ohne Verschlüsselung der Datenübertragung und den Schutz der mobilen End- geräte etwa vor Viren und Würmern und ohne Vorkehrungen zur Datenverschlüsselung auf den Clients geht in Sachen Mobile Business nach Meinung der Befragten gar nichts. In der Theorie zumindest - wieder einmal.

In der Praxis sind die meisten Unternehmen weit davon entfernt, entsprechende Sicherheits-Features umgesetzt zu haben. Einzig bei der Verschlüsselung von Daten, die auf Reisen gehen, sieht es auch im wirklichen Leben schon recht gut aus. Fast die Hälfte aller Firmen hat diese Aufgabe bereits erledigt.

Schließlich fragten die Studienverfasser der DGMF und der KI AG noch, welchen Rang IT-Manager und Unternehmensverantwortliche Aspekten der Implementierung von Mobile-Business-Lösungen im engeren Sinn einräumen. Gefragt war hier unter anderem nach der Bedeutung, die Pilotprojekte und Machbarkeitstests besitzen, wenn MB-Systeme eingeführt werden sollen.

Wieder überraschend: Nur 26 Prozent aller befragten Firmen prüfen ein Mobile-Business-System vor der Live-Schaltung zunächst einmal auf Benutzerakzeptanz. Buschmann kommentiert diesen Punkt mit den Worten: "Die technische Funktionsfähigkeit der Anwendungen muss mit einer hohen subjektiv wahrgenommenen Nutzerfreundlichkeit gepaart sein." Nur jedes vierte Unternehmen beherzigt aber diesen Ratschlag.