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18.08.2000 - 

Mobile Commerce/Insellösungen hemmen die Entwicklung

Mobile Commerce braucht eine offene Telematik-Infrastruktur

In der Transportbranche, in der die Beteiligten per definitionem permanent in Bewegung sind, drängen sich mobile IT-Lösungen geradezu auf. Telematik als Kombination von Diensten, Informationen, Mobilfunk und anderen drahtlosen Netzwerktechnologien findet hier ihr ideales Anwendungsfeld. Bodo Schnabel* beschreibt dieses klassische Marktsegment des Mobile Commerce.

Die Logistikdienstleister haben permanent einen hohen Bedarf an Optimierung. Bei immer engeren Margen, überfüllten Straßen, strengen Vorschriften bezüglich Ruhezeiten etc. können detaillierte Vorbereitung und die Möglichkeit, kurzfristig einzugreifen, die Effizienz der Transportprozesse enorm erhöhen. Zugleich lassen sich die Kosten senken, die Fahrer entlasten und der Kundenservice verbessern. Von Flotten-Management und Navigationshilfen über vielfältige Informationsdienste bis zu Überwachung und Unterstützung bei Diebstahl, Pannen und Unfällen reicht die Palette der Einsatzgebiete. Dies gilt sowohl für den Waren- als auch den Personentransport.

Für viele dieser Bereiche gibt es bereits Lösungen. Trotzdem ist die Gesamtsituation noch weit vom Idealzustand entfernt. Der Grund: Nur zu häufig handelt es sich um Insellösungen, implementiert auf proprietären Systemen, die keinerlei Synergie schaffen.

Nehmen wir beispielsweise Navigationssysteme. Meist handelt es sich gar nicht um richtige Telematikdienste, sondern um On-Board-Lösungen: Kartenmaterial wird in digitalisierter Form mitgeführt, die günstigste Route im Fahrzeug selbst berechnet, ohne dass aktuelle Verkehrsmeldungen dabei berücksichtigt werden. In anderen als den gespeicherten Regionen ist das System wertlos und nach einiger Zeit zwangsläufig veraltet.

Aber auch Online-Systeme, beispielsweise zum Flotten-Management, sind häufig Insellösungen. Fahrer und Zentrale kommunizieren eins zu eins auf Wireless-to-wireless-Basis. Der Anteil an teurer Sprachkommunikation ist zwangsläufig hoch. Anwendungen werden jeweils individuell programmiert und sind mit anderen Systemen nicht kombinierbar.

Die gleiche Problematik zeichnet Endgeräte aus. Sie sind häufig proprietär und an die jeweilige Anwendung gebunden. Die Konsequenz: Für verschiedene Dienste muss der Benutzer theoretisch verschiedene Geräte in seinem Fahrzeug installieren - ein Anachronismus.

So sind Telematikdienste vielfach eine wenig befriedigende Angelegenheit für einen kleinen Kreis von Profis. Um den Durchbruch zu einer wirklich effizienten Hilfe für Transportunternehmen, Fahrer und Kunden und damit zur massenhaften Nutzung zu erzielen, muss durchgängig eine offene, integrierte Telematik-Infrastruktur etabliert werden.

Eine solche Architektur basiert konsequent auf Standards. Durchgesetzt haben sich schon seit längerem GSM (Global System for Mobile Communication) und SMS (Short Message Service) für den Nachrichtentransport sowie GPS (Global Positioning System) zur permanenten Lokalisierung des Automobils über Satellit. Einen gewaltigen Schritt nach vorn stellt die Integration des TCP/IP-Protokolls in Telematiklösungen dar, womit jedes Fahrzeug potenziell seinen mobilen Internet-Anschluss besitzt.

Entsprechend wird die Standardisierung bei den Endgeräten vorangetrieben. Ziel sind multifunktionale Systeme, auf denen vielfältige Telematik- und Informationsdienste abgerufen werden können. Sie sollten auf gängigen Standards wie Windows 98, CE, Linux etc. basieren, so dass die Dienste über handelsübliche PCs oder Handheld-Computer zu erschwinglichen Preisen genutzt werden können. So können endlich Synergieeffekte erzielt werden, von denen in erster Linie der Anwender profitiert: Unterschiedliche Hardware- und Softwarehersteller entwickeln Komponenten, die im Fahrzeug integriert eingesetzt werden.

Fortgeführt wird diese Entwicklungslinie durch offene Telematikchips, die Kfz-Hersteller bereits ab Werk einbauen können. Beispielhaft ist hier eine gemeinsame Initiative von ARM (Prozessortechnologie), Comroad (Telematikportale), Hyundai Electronics (Chip), Lernout + Hauspie/Elan (Sprachausgabe/-steuerung) und Bosch (CAN-Fahrzeug-Schnittstelle) zu nennen, die noch in diesem Jahr einen solchen Chip auf Linux-Basis auf den Markt bringen will. Damit dürfte eine weitere entscheidende Voraussetzung für die Durchsetzung der Telematik in der Fläche geschaffen werden.

In einer solchen offenen Umgebung kann eine Client-Server-Architektur auf überregionaler Basis realisiert werden. In den Mittelpunkt rückt ein zentraler Server, der als Telematikportal alle Dienste für den Endanwender im Fahrzeug steuert. Zugleich bildet er ein Informationsportal, an dem über das Internet eine Vielzahl von Online-Informationsdiensten abgerufen werden können. In nächster Zeit werden sicherlich neue, auf diesen Einsatzzweck zugeschnittene Angebote von Internet-Service-Providern (ISP) entstehen. Auch Telekommunikationsanbieter können sich durch solche speziellen Zusatzdienste Alleinstellungsmerkmale verschaffen.

So kann mit offenen Standards eine modulare Telematik-Infrastruktur aufgebaut werden. Sie bildet die Plattform für eine Gemeinschaft von Anbietern, deren Produkte sich im Fahrzeug nicht gegenseitig ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen. Zugleich wird der Benutzer von regionalen Grenzen befreit, da er in jedem Land, in dem ein Mobilfunknetz existiert, die Dienste ohne weitere technische Anpassung oder Aufrüstung in Anspruch nehmen kann.

Auf dieser Grundlage kann eine Vielzahl von Diensten angeboten werden. Der Flottenbetreiber kann über den Server mit dem Fahrzeug bidirektional Daten austauschen und spezifische Anwendungen wie Ortung, dynamische Off-Board-Navigationshilfe und -Routenplanung einsetzen. Beispielsweise sendet der Fahrer via SMS sein Ziel sowie seine durch GPS ermittelte Position an den Server, der auf Basis von digitalisiertem Kartenmaterial die günstigste Fahrtroute berechnet - wo immer sich der Wagen gerade befindet. Falls geocodierte Informationen über die aktuelle Verkehrslage vorliegen, können diese bei der Planung berücksichtigt werden. In Deutschland ist dies nur auf einigen Autobahnabschnitten via Sensoren der Fall, doch wird die Verbreitung von Telematik-Diensten dazu führen, dass "friendly user" die Verkehrslage automatisch in die Telematikzentrale melden ("floating-car-data").

Auch eine Vielzahl von Diensten zur Überwachung der Sicherheit und zur "Road Assistance", etwa Remote-Diagnostic-Funktionen und Pannenhilfen, lassen sich so realisieren. Sensoren im Wagen registrieren automatisch wichtige Parameter zum Zustand des Fahrzeugs und senden sie an den Server. Bei einem Unfall oder Diebstahl kann automatisch Kontakt zur Zentrale hergestellt werden, die entsprechende Maßnahmen einleitet, etwa Pannendienst, Krankenwagen oder Polizei verständigt, aber auch unbemerkte Geräusche aus dem Wageninnern abhört oder einen Fehlalarm aufhebt.

Entscheidenden Mehrwert schaffen integrierte Telematikdienste im gesamten Bereich der Logistik. Die Optimierung des Prozesses "Transport" ist wesentlicher Bestandteil des Supply Chain Managements. Die mobile Betriebseinheit "Fahrzeug" wird so weit wie möglich in die Datenverarbeitung und Ablaufsteuerung integriert. So können etwa unterschiedlichste Dokumente wie Lieferscheine, Rechnungen, Bestellungen, Reparaturscheine, Abrechnungen etc. per Lesegerät vor Ort erfasst und direkt in die Dokumentenverwaltung übernommen werden. Auch elektronische Unterschriften, Belegdruck etc. können eingebunden werden. Darüber hinaus sind wichtige Logistikdaten wie der jeweilige Aufenthaltsort des Fahrzeugs, Standzeiten, Distanzen, Geschwindigkeiten etc. in der Zentrale aktuell verfügbar.

So lässt sich zum einen der Fahrzeugeinsatz optimieren, indem Umwege vermieden werden, Lastwagen nach Belieferung erster Kunden nicht mit Leerflächen weiterfahren, sondern zwischenzeitlich neue Ladung aufnehmen etc. Zum zweiten kann der Kundenservice deutlich verbessert werden - etwa wenn Bestandsänderungen eines Lagers direkt an die Zentrale des Transportunternehmens gemeldet und Fahrzeuge kurzfristig umdirigiert werden. Und nicht zuletzt wird der gesamte Transportprozess durch mobile Datenübertragung und Schnittstellen zu den betriebswirtschaftlichen Systemen aktuell abgebildet.

Darüber hinaus sind auf dem Server vielfältige Internet-Dienste abgelegt und können je nach Bedarf online abgerufen werden: aktuelle Informationen über das Wetter, den Verkehr, Übernachtungsmöglichkeiten, Adressen, Nachrichten und vieles mehr. Damit lässt sich zugleich die teure Sprachkommunikation minimieren. So rückt mit integrierten, standardbasierenden Telematik-diensten letztendlich das "mobile Büro auf der Straße" in greifbare Nähe.

Ein Test für den KonsumentenmarktDer Transportsektor dient auch als Test für den Konsumentenmarkt - was sich hier bewährt, hat große Chancen, sich dort durchzusetzen. Vor allem Standard-Endgeräte, insbesondere auf Linux-Basis, dürften diesem Massenmarkt die Tore öffnen. Neue Übertragungsprotokolle wie WAP (Wireles Application Protocol) und GPRS (General Packet Radio System) schafft die Basis für deutlich höhere Bandbreiten bei der mobilen Datenübermittlung. Damit wird eine neue Generation von Diensten in Fahrzeugen möglich, etwa Infotainment-Anwendungen wie MPEG-Videos und MP3-Audio oder E-Commerce. Kfz-Hersteller dürften diese Endgeräte und Dienste nutzen, um die Wertigkeit ihrer Fahrzeuge zu steigern.

Marktuntersuchungen gehen denn auch von einer Explosion des Verkehrstelematik-Marktes aus. So prognostiziert eine Studie von Roland Berger & Partner für Europa im Jahr 2003 einen Umsatz von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar, der bis 2010 auf 42,4 Milliarden Dollar wachsen soll. 32 Prozent entfallen allein auf Deutschland. Der Anteil des Privatsektors soll 2005 bereits 50 Prozent, 2010 gar 75 Prozent betragen. Das steigende Bedürfnis nach Mobilität und Komfort dürfte diese Entwicklung eher noch beschleunigen.

* Bodo Schnabel ist Geschäftsführer der Comroad AG in Unterschleißheim bei München.