Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.10.1995

Mobile Computing/Griffelcomputer haben sich in einigen Projekten bewaehrt

Vor der Aera der stiftbasierten Systeme mussten traditionelle Computer immer aussen vor bleiben, wenn hohe Mobilitaet beim Einsatz gefordert war. Zwar sind Notebooks oder Subnotebooks aeusserst "portabel", da man sie ohne weiteres stets mit sich fuehren kann, wirklich "mobil", also im Gehen oder Stehen, kann man mit ihnen jedoch nicht arbeiten. Das ist mit Pen-PCs allerdings moeglich.

Von Fereydun Khanide*

Auch in Umgebungen, wo Platz eine knappe Ressource und waagerechte Stellflaechen nicht immer verfuegbar sind, musste man bislang auf Computer verzichten. Seitdem Pen-PCs, oft auch als "Notepad", "Tablet" oder "Pentop" tituliert, Marktreife erlangt haben, setzen in rapide zunehmendem Masse Unternehmen und Organisation auf die mobilen Griffelzwerge. Einige der Einsatzgebiete und laufende Projekte in der Bundesrepublik werden im folgenden vorgestellt.

Der 1907 gegruendete UPS (United Parcel Service) ist mit jaehrlich knapp drei Milliarden befoerderte Sendungen das weltweit groesste Distributionsunternehmen. Allein die 14000 Mitarbeiter der Tochtergesellschaft UPS Deutschland bewaeltigen pro Jahr ueber 100 Millionen Auftraege. Im April 1994 hat das Unternehmen ein System zur elektronischen Sendungsverfolgung namens "Delivery Information Acquisition Device" (DIAD, Zustellinformations-Erfassungsgeraet) eingefuehrt.

Die elektronische Spur der Briefe und Pakete

Dieses besteht aus einem etwa DIN-A4-grossen Handcomputer, mit dem sich verschiedene Kundendaten mobil erfassen lassen. Die UPS- Zusteller notieren sich auf dem tablettartigen Geraet unter anderem Abhol-, Zustell- und Zeitkarteninformationen und lassen zum Quittieren des Sendungsempfangs den Adressaten auf einem speziellen Feld elektronisch unterschreiben.

Nach jeder Zustellung wird das Geraet in einen Fahrzeugadapter gesteckt, der die neu erfassten Informationen ausliest und per Funk an die UPS-Zentrale sendet. Damit sind Papierlisten obsolet, bei denen vorher penibel dafuer Sorge zu tragen war, dass sie nicht beschaedigt oder durch sonstige Einwirkungen unleserlich wurden.

Die Tests der eigens entwickelten DIAD-Geraete stellten sicher, dass diese selbst unter wuestenaehnlichen Bedingungen oder unter Wasser einwandfrei arbeiten. Die Sendungs- und Zustellinformationen stehen dem Kunden nun schneller und detaillierter als vorher zur Verfuegung. Nicht zuletzt profitieren die Zusteller selber von DIAD, da sie ihren Tagesabschluss in kuerzerer Zeit durchfuehren koennen.

Berichte auf Papier halten den Betrieb nur auf

Die Gesamtinvestition fuer Entwicklung und Inbetriebnahme des DIAD- Systems - allein in den USA und Kanada sind ueber 70000 dieser Geraete im Einsatz - beziffert UPS auf 100 bis 350 Millionen Dollar. Die Investition mache sich aber durchaus bezahlt, heisst es bei UPS.

Die Deutsche Lufthansa AG plant ebenfalls, mit stiftbasierten Computern die Effizienz von Arbeitsablaeufen zu erhoehen und Kosten zu reduzieren. Als Teil des millionenschweren Projektes "Bisam" wurde ein elektronisches "Fault Reporting Manual" (FRM) entwickelt, das eines Tages die aufwendige und zeitraubende Fehlerberichterstattung auf Papier abloesen koennte.

Bislang wird bei einem Flug jede Unregelmaessigkeit, die an einem der zahlreichen Aggregate eines Flugzeuges auftreten kann, in einem herkoemmlichen Logbuch notiert. Nach der Landung erhaelt dieses ein Wartungsmechaniker, der dafuer zustaendig ist, die defekten Instrumente zu reparieren oder auszutauschen.

Mit der Analyse des Fehlers, der Beschaffung des zur Reparatur notwendigen Werkzeuges oder der Bereitstellung von Ersatzteilen kann das Bodenpersonal natuerlich erst beginnen, wenn es das Logbuch vorliegen hat. Da lange Standzeiten einer Maschine zwischen zwei Fluegen enorme Kosten verursachen, bietet sich hier ein enormes Einsparpotential an.

In Kooperation mit weiteren Airlines und grossen Flugzeugherstellern sollen derzeit alle nur denkbaren Vorkommnisse waehrend eines Fluges in einem Schema erfasst und jeweils mit einem standardisierten achtstelligen Zahlencode versehen werden. Diese Zahlencodes lassen sich dann bereits vor der Landung per Funk an die Bodenstation uebermitteln.

Daten kommen schneller runter

Dort haben die Mechaniker ausreichend Zeit, sich auf den Einsatz vorzubereiten und bei Landung des Flugzeuges schon mit saemtlichen Handbuechern, Ersatzteilen und Werkzeugen bereitzustehen.

Da sich natuerlich kein Pilot oder Copilot mehrere tausend Fehlercodes merken kann und papierene Nachschlagewerke aus Gruenden der Effizienz und Aktualisierbarkeit ausscheiden, setzt die deutsche Renommier-Airline auf Pen-PCs.

Diese sind klein genug, um im engen Cockpit Platz zu finden, bieten genuegend Rechenleistung und Speicherkapazitaet, um saemtliche Daten bereitzuhalten und garantieren gleichzeitig einfachste Bedienbarkeit: Das Cockpit ist grafisch dargestellt, und die Auswahl einer Teilansicht oder eines einzelnen Instruments erfolgt, indem die Piloten mit dem Stift darauf tippen. Aus einer dann erscheinenden Liste ist danach der entsprechende Fehler anzutippen.

Bei schnelleren und flexibleren Zugriffsmoeglichkeiten auf die relevanten Daten entlastet das elektronische FRM die Crew und die Bodenmechaniker von unnoetiger Papierarbeit. Projektleiter Christian Orlowski sieht - nicht zuletzt aufgrund des bisher fast ausschliesslich positiven Feedbacks der Testanwender - das FRM als zukunftsweisenden Schritt fuer eine Kostenreduzierung bei der Fluggesellschaft.

Auch in Rettungswagen koennten stiftbasierte Mobil-PCs bald zum Standardinventar gehoeren. In einem Pilotprojekt untersuchte das Klinikum der Universitaet Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Rettungszentrum Regensburg, einer Arbeitsgemeinschaft aus Aerzten, Feuerwehr und Polizei, wie sich die Kommunikation zwischen Notarzt, Rettungsleitstelle und Krankenhaus optimieren laesst.

Die effiziente Datenaufnahme am Patienten und deren schnellstmoegliche und fehlerfreie Kommunikation zwischen allen beteiligten Stellen ist Grundvoraussetzung fuer eine optimale Versorgung und Behandlung der Unfallopfer. Darueber hinaus spart ein ungestoerter Informationsfluss auch Kosten.

So koennen beispielsweise Fehltransporte vermieden werden, die derzeit bis zu 20 Prozent aller Fahrten ausmachen.

Beim Regensburger Pilotprojekt kamen DIN-A5-grosse Mobil-PCs zum Einsatz, auf denen die Bestandteile eines bundesweit genutzten Notfallprotokolls enthalten sind. Der Notarzt tippt die einzelnen Symbole des Protokolls lediglich mit Stift an und schickt die Daten ueber das Modacom-Netzwerk an die Rettungsleitstelle.

Von dieser erhaelt der Fahrer des Rettungswagens den optimalen Fahrtweg zum zustaendigen Krankenhaus mitgeteilt. Gleichzeitig werden die Daten des Verletzten an das Krankenhaus geleitet. Dort koennen die Aerzte bereits vor der Ankunft des Krankenwagens die entsprechenden Vorkehrungen zur Behandlung des Patienten treffen.

Neben einer verbesserten Information der Zielkliniken tragen Mobilcomputer dazu bei, dass Unfallopfer bis zu einer halben Stunde eher im Krankenhaus eintreffen koennen. Ausserdem lassen sich medizinische Massnahmen frueher einleiten. Minuten, die fuer die Kranken lebenswichtig sein koennen.

Auf der CeBIT 1995 sorgte die Firma Zenith Data Systems mit ihrem "Cruisepad" fuer Aufmerksamkeit. Dieses zirka 1400 Gramm wiegende Geraet stellt im wesentlichen ein stiftbedienbares VGA-Display dar. Die eigentliche Applikation und die Daten befinden sich auf einem unter Umstaenden mehrere hundert Meter entfernt aufgestellten PC, an den das Cruisepad per Funk angebunden ist. In einem Projekt, an dem Mitarbeiter mehrerer Krankenhaeuser beteiligt sind, wird das Geraet derzeit erprobt. Zum Einsatz kommt das Programmpaket "QS- Noso fuer Windows" der IBK GmbH aus Schwerte.

Laut Christian Kupka, Geschaeftsfuehrer von IBK, sterben jaehrlich mehrere zehntausend Patienten an Infektionen, die sie sich im Krankenhaus zuziehen. Aehnlich den Massnahmen zur Qualitaetssicherung in der Industrie ist diesem Umstand mit einem moeglichst ausgefeilten und effektiven Hygiene-Management entgegenzuwirken.

Mehr Wissen im Arztkittel

Hierzu hat IBK Frageboegen mit Angaben zur Therapie, dem Eingriff, zum Krankheitsverlauf und den Risikofaktoren bei den Patienten entwickelt. Der Arzt kann diese Frageboegen waehrend der Visite am Krankenbett auf dem Cruisepad ausfuellen.

Dabei wird der Mediziner in seiner sonstigen Arbeit kaum behindert, da er ausser dem Ankreuzen von Kontrollkaestchen nur ein Minimum an Daten eintragen muss. Ausserdem entspricht die Eingabe mit dem Stift der gewohnten Arbeitsweise, und die Funkanbindung schraenkt die Bewegungsfreiheit nicht ein.

Die gewonnenen Daten fliessen in eine globale Infektionsstatistik ein. Sie erlauben damit zum Beispiel detaillierte Aussagen ueber Infektionsrisiken bei verschiedenen Eingriffen oder lassen Rueckschluesse auf gut oder weniger gut geeignete Operationstechniken zu.

Im Test ist das Cruisepad derzeit auch in einem anderen Bereich: Mitarbeiter der Firma B&S Computer GbR gingen soeben zwei Tage lang mit dem Motorschiff "Greifswald" auf Fahrt, um Reichweite und Qualitaet der Funkuebertragung des Zenith-Geraetes zu untersuchen.

Bei erfolgreichem Testverlauf koennte eine finanzielle Sorge der Schiffseigner entfallen: Laut Ingo Brosch von B&S kosten die Werftliegezeiten pro Tag mehrere tausend Mark. Dies waere bei Einsatz der Zenith-Loesung hinfaellig: Mit einem Cruisepad ausgestattet, koennte beispielsweise ein Mechaniker vom Maschinenraum bis zum Oberdeck das gesamte Schiff durchwandern, um Messgeraete abzulesen oder sonstige Daten zu erfassen.

Diese traegt er per Stift auf dem mobilen Display ein und speist sie ueber Funk in die werfteigene DV-Anlage ein. In der Werft koennten die Vorbereitungen fuer Reparaturen fruehzeitig beginnen, was die Liegezeiten reduzieren wuerde. Stiftbasierten Handheld- Computern vertraut auch die Ingolstaedter Audi AG. Ein von der Firma Micromotion entwickeltes Audit-System soll den Produktionsprozess der Fahrzeuge in Richtung Total Quality Management (TQM) optimieren. Das Paradigma lautet, Fehler erst gar nicht einschleichen zu lassen, anstatt bereits vorhandene Defekte aufzuspueren und hinterher zu beheben.

Auf Geraeten der Marke "Poqetpad Plus" von Fujitsu Personal Systems, Muenchen, sind Prueflisten mit bis zu 1500 Fragen installiert. Den logischen Aufbau dieser Listen kann der Benutzer selber gestalten oder vordefinierte Audits per PCMCIA-Karte in das Geraet laden. Die Prueflisten lassen sich auch grafisch aufbereiten, damit spezielle Pruefpunkte eines Autos visuell dargestellt werden koennen.

Beispielsweise gliedert sich das Bild der Vorderfront eines Modells in stiftsensitive Auswahlbereiche. Nach Tippen mit dem Stift auf einen Bereich wie "Stossstange vorne" koennen die entsprechenden Zahlenwerte, zum Beispiel fuer die Masstoleranzen, eingetragen werden.

Auf die Handschrifterkennung wird dabei weitestgehend verzichtet. Die Eingabe erfolgt in Analogien zur realen Welt beispielsweise ueber Messschieber. Zusaetzlich zu den vordefinierten Eingabefeldern bietet der Poqetpad Plus die Moeglichkeit, die Pruefliste um handschriftliche Eintragungen oder erlaeuternde Skizzen zu ergaenzen.

Wie sich der Einsatz von Pen-Computern auszahlen kann, zeigte sich hier besonders deutlich: Hochqualifizierte und entsprechend teuer bezahlte Ingenieure mussten nicht mehr bis zu 50, sondern nur noch etwa 20 Prozent ihrer Zeit in stupides Berichtswesen investieren. Das Aufdecken von Luecken im Pruefprozess hat die Audits verbessert. Gleichzeitig liess sich die Qualitaet der Enddaten steigern, was es moeglich machte, dem Management ohne hoeheren Aufwand aussagekraeftigere Berichte vorzulegen.

Wo machen sich Pen-Computer nuetzlich?

Verkaufsaussendienst: Nahezu alle groesseren Unternehmen erproben die Feldtauglichkeit von Pen-Computern oder setzen sie bereits ein. Vorteile: Handlichkeit, geringe Gewoehnungsbeduerftigkeit.

Kfz-Schadenserfassung: Zahlreiche Werkstaetten und Gutachter setzen bei der Schadensermittlung nach Unfaellen auf die Pen-PCs. Vorteile: Robustheit, Flexibilitaet, einfache Bedienung.

Vermessungswesen: Einige Loesungen bieten die Integration von Theodolyten und stiftbasierten Systemen an. Vorteile: grafische Anzeige, direkte Bearbeitung von Messwerten.

Krankenhaeuser: Bei der Aufnahme von Patientendaten, zum Beispiel in der Pflege, wird zunehmend auf Notepads gesetzt. Vorteile: hohe Mobilitaet, Funkanbindung.

Bestellerfassung: In der Textilbranche werden die Bestellungen der aktuellen Kollektion per Stiftcomputer aufgenommen. Vorteil: schnelle Datenerfassung, direkte Eingabe.

* Fereydun Khanide ist Geschaeftsfuehrer des Pen-Computing spezialisierten Muenchener Beratungsunternehmens Penplan Consulting.