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06.10.1995

Mobile Computing/Vielfach wirken sich nationale Grenzen noch hinderlich aus Nur langsam wird Mobilfunk fuer die Datenuebertragung attraktiv

Von Petra Adamik*

Mobiles Computing erlaubt dem Anwender auch von unterwegs die Kommunikation mit der Zentrale oder den Zugriff auf die firmeninterne Dateninfrastruktur mit ihren zahlreichen Datenpools. Es stehen unterschiedliche Datenwege zur Verfuegung.

Mobile Kommunikation kann schon auf einem grossen Firmenareal hilfreich sein. Hier kommen drahtlose LANs (wireless LANs) zum Einsatz, die in der Regel mit Infrarot oder Funk (Mikro- und Millimeterwellen) arbeiten. Drahtlose Netze bestehen aus mehreren Funkzellen, die einem mobilen Rechner von jedem Punkt eines Firmengelaendes aus oder innerhalb grosser Gebaeude den Zugriff auf den zentralen Netzwerk-Server ermoeglichen.

Fuer die Verbindung zwischen den mobilen Komponenten und dem Festnetz sorgen Hubs und Basisstationen, die innerhalb der Infrastruktur als Router oder Bridges fungieren. Ihre Reichweite soll die flaechendeckende Versorgung des Firmenareals mit entsprechenden Funkzellen und den dazugehoerenden Basisstationen gewaehrleisten. Diese Form der Datenkommunikation ist auch ueber digitale TK-Anlagen moeglich, die mit dem DECT-Standard (Digital European Cordless Telecommunication) arbeiten.

Ad-hoc-Installation ohne feste Infrastruktur

Das Frequenzband ist dabei in zehn Kanaele zu jeweils 24 Zeitschlitzen unterteilt. Pro Kanal und Zeitschlitz liegt die Nettodatenrate bei 32 Kbit/s. Durch eine entsprechende Kanalkombination sind Datenraten von mehreren 100 Kbit/s zu erzielen.

Drahtlose Netze lassen sich im Bedarfsfall an beliebiger Stelle auch als Ad-hoc-Installation ohne feste Infrastruktur aufbauen. Dabei koennen beliebige Stationen ueber entsprechende Adapter kurzfristig miteinander kommunizieren.

Lokale Infrarotnetze haben eine Reichweite von nur wenigen Metern, und ihre Signale sind nicht in der Lage, Waende zu durchdringen. Sie kommen ueberwiegend zum Einsatz, um mit einem mobilen Rechner innerhalb eines Raumes drahtlos auf andere Geraete wie etwa Drucker, die ueber eine Infrarot-Schnittstelle verfuegen, zuzugreifen.

Mittlerweile sind die ersten lokalen Funk-LAN-Systeme verfuegbar, deren Einsatzradius je nach Umgebung und gerichteter Ausstrahlung bei 100 bis maximal 200 Metern liegt. Sie arbeiten in speziellen Frequenzbaendern, den sogenannten Hiperlan- oder ISM-Baendern (ISM = Industrial, Scientific and Medicine). Anders als beim Mobilfunk, wo jeder Netzbetreiber eigens zugeteilte Frequenzen nutzt, teilen sich beim lokalen LAN alle Nutzer das bereitgestellte Frequenzband.

Wer die Grenzen seines lokalen Netzes verlassen will, um mobile Kommunikation zu betreiben, kann den Modacom-Dienst nutzen, der in nahezu allen Ballungsgebieten flaechendeckend zur Verfuegung steht. Bei Modacom, einer Abkuerzung von Mobile Data Communications, handelt es sich um ein zellulares Funksystem fuer die mobile Paketvermittlung von Daten. Dabei werden per Funkmodem Daten aus dem mobilen Rechner an die naechstgelegene Basisstation uebertragen, von wo aus sie ueber das Festnetz zum gewuenschten Endteilnehmer gelangen.

Modacom ist besonders zur Uebertragung von kleinen Datenpaketen ausgelegt. Typische Anwendungen sind die Uebermittlung von kurzen E-Mail-Nachrichten, wie sie beispielsweise Kurierdienste versenden, oder die Meldung von Messdaten einer Aussenstation an den zentralen Rechner. Die Abrechnung erfolgt anhand der Anzahl der verschickten Datenpakete.

Die DeTeMobil nutzt fuer den Modacom-Dienst entlang den deutschen Autobahnen die Sendemasten des D1-Netzes, die mit einer zusaetzlichen Antenne ausgestattet sind. Ueber das X.25-Netz koennen Modacom-Anwender auch mit dem Ausland Verbindung aufnehmen.

Marktanalysten raeumen dem mobilen Paketdienst allerdings nur noch als Nischenanwendung eine Chance ein. Denn der Massenmarkt wird eindeutig von der Datenuebertragung in den Mobilfunknetzen dominiert, die unter dem GSM-Standard (Global System for Mobile Communications) laufen. Ausserdem arbeitet das internationale Standardisierungsgremium ETSI bereits an einer Spezifikation fuer einen paketvermittelten Dienst unter GSM. Mit einem Regelbetrieb ist wohl nicht vor 1998 zu rechnen.

Kaum ein Bereich der IT-Branche kann auf ein so explosionsartiges Wachstum verweisen wie der Mobilfunk, auch wenn die Goldgraeberzeiten mittlerweile vorbei sind. Mit veraenderten Preiskonzepten und neuen Diensten wollen die drei Netzbetreiber neue Kunden locken und alte zur verstaerkten Nutzung der Dienste animieren.

Waehrend die beiden Grossanbieter DeTeMobil mit D1 und Mannesmann Mobilfunk mit D2 ihre jeweils mehr als eine Million Kunden bereits relativ flaechendeckend mit Netzkapazitaet versorgen koennen, tut sich der Dritte im Bunde, E-Plus, mit gerade 100000 Benutzern immer noch schwer. Die angepeilten 200000 Teilnehmer bis zum Ende des Jahres sind ein hohes Ziel, das sich gleichwohl gegenueber D1 und D2 bescheiden ausnimmt.

Denn trotz hoher Investitionen der Anteilseigner weist die Versorgungskarte der Duesseldorfer noch zu viele weisse Flecken auf, um fuer den professionellen Anwender, der den Dienst ausserhalb der Ballungsgebiete und nicht ueberwiegend in den neuen Bundeslaendern nutzen will, attraktiv zu sein. Wer als Mobiltelefonierer bundesweit erreichbar sein muss und auch grenzueberschreitend telefonieren will, geht daher lieber eine Partnerschaft mit einem der beiden Grossanbieter ein, obwohl auch die noch nicht die gesamte Republik mit Sendemasten versorgt haben.

Grund fuer die schleppende E-Plus-Versorgung ist die Tatsache, dass im E-Netz der DCS-1800-Standard zum Einsatz kommt, der etwa fuenfmal so viele Sendemasten benoetigt wie der GSM-Standard, mit dem D1 und D2 arbeiten. Allerdings ist durch die hoehere Dichte der Funkzellen die Leitungskapazitaet im E-Netz meist besser als bei den GSM-basierten Mobilfunknetzen.

Zur CeBIT 1994 begannen DeTeMobil und Mannesmann Mobilfunk ein Pilotprojekt, das seit Herbst 1994 in den Regelbetrieb ueberging und neben der Sprach- auch die mobile Datenkommunikation ermoeglicht. Ueber die Mobilfunknummern koennen mobile Rechner mit den Servern im Unternehmensnetz per E-Mail kommunizieren und Daten austauschen oder Faxe versenden und empfangen. Noch haelt sich die Begeisterung der Anwender fuer dieses Angebot allerdings in Grenzen: "1994 wurden in Deutschland fuer alle drei Netze weniger als 500 PCMCIA-Karten optimiert, die fuer die Datenkommunikation per Handy notwendig sind", berichtet Klaus Schmidt, Geschaeftsfuehrer der E-Plus Service GmbH in Potsdam.

Einen zukuenftigen Massenmarkt Mobile Computing prognostiziert dagegen eine Studie des Instituts fuer angewandte Vertriebsforschung in Mainz. Laut dieser will allein die deutsche Wirtschaft bis 1998 rund zehn Milliarden Mark in Loesungen fuer das mobile Computing investieren.

Basis fuer die mobile Datenuebertragung bei den beiden "Grossen" ist der GSM-Standard, den weltweit inzwischen mehr als 20 Staaten einsetzen. Zahlreiche Teilnehmerstaaten haben untereinander sogenannte Roaming-Abkommen getroffen, die es ermoeglichen, mit einem mobilen Endgeraet grenzueberschreitend zu kommunizieren. Dabei sind die technischen Modalitaeten ebenso festgelegt wie die Bedingungen fuer die Abrechnung.

Die DeTeMobil hat bislang Roaming-Abkommen mit 26 Laendern auf vier Kontinenten geschlossen. Noch vor Ablauf dieses Jahres soll auch die Sprach- und Datenkommunikation mit mobilen US- und kanadischen Netzen moeglich sein.

Im europaeischen Konsortium ETSI haben sich die beteiligten Netzbetreiber auf sogenannte Essentials fuer die Datenfernuebertragung geeinigt, die jeder von ihnen fuer die mobile Kommunikation erfuellen muss. Dabei handelt es sich um nichts anderes als um unterschiedliche Uebertragungsgeschwindigkeiten, die ein Betreiber zu ermoeglichen hat.

Bei der DeTeMobil und Mannesmann Mobilfunk liegt das Angebot derzeit zwischen 2400 Bit/s und 9600 Bit/s. Jeder Anwender, der bei seinem Netzbetreiber den Datendienst abonniert, erhaelt zur Zeit sowohl fuer die Fax- als auch fuer die Datenuebertragung jeweils eigene Nummern, die nicht mit der Mobilfunknummer fuer den Sprachverkehr identisch sind. In der Praxis wird man sich in der Regel bei der Datenuebertragung auf eine Geschwindigkeit festlegen, so dass man mit zwei Nummern fuer DFUE und Fax auskommt.

Diese Nummernbuendel, im Fachjargon Multi-numbering genannt, sind heute noch notwendig, weil die Huerde der Umsetzer (Codec), die in den Vermittlungsstellen der GSM-Funknetze die menschliche Sprache digitalisieren und dedigitalisieren, sich bislang technisch noch nicht nehmen laesst. Dadurch sind die GSM-Netze nicht in der Lage, automatisch zu erkennen, welchen Dienst der Anrufer ansprechen moechte.

Die flaechendeckende Versorgung mit ISDN verspricht einen Silberstreif am Horizont, denn im digitalen Netz werden die jeweiligen Dienstesignale automatisch erkannt. Fuer diese Uebergaenge aus den GSM-Netzen in das ISDN-Netz bietet beispielsweise das auf TK-Produkte spezialisierte Hamburger Unternehmen Dr. Neuhaus fuer rund 1000 Mark ein PCMCIA-Modem mit einem umfangreichen Softwarepaket an.

Mit einem einfachen Kommunikationsprogramm will die DeTeMobil ihren Kunden den Einstieg in die mobile Datenkommunikation erleichtern. Zusammen mit dem Modacom-Spezialisten Kratzer hat das Unternehmen "Winmobil" entwickelt, das den Datenaustausch mit Endgeraeten ermoeglicht, auf denen das Softwarepaket ebenfalls installiert ist.

Zusammen mit Dr. Neuhaus und Siemens wurde diese Loesung auf einer PCMCIA-Karte fuer die Mobiltelefone S3 und S4 von Siemens entwickelt. Bis zum Ende des Jahres soll die Anwendung auch mit den Handys anderer Hersteller laufen, so ein Telekom-Sprecher. Bei der DeTeMobil hat der Kunde die Wahl zwischen Zugaengen fuer 2400 Bit/s und 9600 Bit/s. Mannesmann Mobilfunk bietet zusaetzlich einen 4800 Bit/s-Zugang an.

Die Switches von Mannesmann Mobilfunk verfuegen darueber hinaus ueber direkte Zugaenge zum ISDN-Netz. Dazu werden in den Switches der Vermittlungsstellen die Mobilfunkdaten komprimiert und mit der entsprechenden Geschwindigkeit in das ISDN-Festnetz uebertragen. Diese Loesung basiert auf einer PCMCIA-Karte, die Mannesmann zusammen mit dem Berliner ISDN-Spezialisten AVM entwickelt hat.

Trotz des bislang noch maessigen Zuspruchs setzt langfristig auch E- Plus auf die Daten- und Faxuebertragung. "Der zunehmende Wettbewerb und das Verlangen nach Flexibilitaet wird in Zukunft zum Motor fuer Mobile Computing, besonders dort, wo die Versorgung mit Telefonkabeln nicht oder nur unzureichend gegeben ist", prognostiziert E-Plus-Chef Schmidt.

Ein Pluspunkt fuer den David unter den Mobilfunkanbietern sei es, dass Multi-numbering bei E-Plus kein Thema ist, meint Schmidt. E- Plus-Nutzer sind fuer alle Dienste unter einer einzigen Nummer erreichbar. Lediglich in den Switches des Netzbetreibers sind im Hintergrund fuer jedes Anwendergeraet zwei Nummern fuer die Sprach- und Datendienste hinterlegt.

Datenuebertragung kostet extra

Ob es sich bei der eingehenden Mitteilung um ein Gespraech oder ein Fax beziehungsweise um eine Datenuebertragung handelt, erkennt die Software auf der PCMCIA-Karte des Mobiltelefons automatisch. Schon heute habe man mit den fuehrenden Anbietern von Mobiltelefonen entsprechende Loesungen realisiert, versichert Schmid.

Wer im E-Netz allerdings die Landesgrenzen ueberschreiten will, stoesst auf Hindernisse. In Deutschland schreitet der Ausbau des kleinzelligen Netzes zwar kontinuierlich voran, aber im europaeischen Ausland konzentrieren sich die Betreiber weiterhin eher auf GSM. Lediglich in Grossbritannien ist laut Schmidt ein funktionsfaehiges DCS-1800-basiertes Mobilfunknetz vorhanden. In der Schweiz sind in einigen Ballungsraeumen kleinzellige Testnetze geplant, und auch in Oesterreich denke man ueber die kurzfristige Vergabe einer DCS-1800-Lizenz nach. Ansonsten verhalten sich die europaeischen Nachbarn zunaechst noch abwartend, auch wenn E-Plus schon fuer die kommenden Monate die ersten Lizenzvergaben prognostiziert.

Wer Fax oder DFUE in den Mobilfunknetzen einsetzen will, wird als Geschaeftskunde kraeftig zur Kasse gebeten. Ausser E-Plus erheben alle Netzbetreiber eine Durchschaltgebuehr fuer die Datennummern sowie eine zusaetzliche Grundgebuehr fuer das Dienste-Angebot.

Zusaetzlich schlagen die Uebertragungsgebuehren, die nach Sendeminuten berechnet werden, zu Buche. Auch bei den Datendiensten sollte ein Geschaeftskunde daher die Angebote der Mobilfunkbetreiber und der Service-Provider genau abwaegen, bevor er sich vertraglich an einen Partner bindet.

* Petra Adamik ist freie Journalistin in Muenchen.