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23.12.2004

Mobile Daten auf Trab gebracht

Roman Friedrich
Mit Hilfe der Systemintegratoren feilen die Netzbetreiber an bedarfsgerechten mobilen Anwendungen für die lukrative Klientel der Geschäftskunden.

Während Videotelefonie für Privatkunden als möglicher Nachfolger der Killerapplikationen SMS, Klingelton-Downloads und MMS gehandelt wird, stehen im Geschäftskundensegment andere Themen im Vordergrund. Mobile Anwendungen in Unternehmen sollen vor allem die Produktivität der Mitarbeiter steigern. Derzeit dient die UMTS-basierende Datenübertragung, die primär durch die Ausstattung von Notebooks mit UMTS-Datenkarten ermöglicht wird, bereits dazu, E-Mails mobil zu bearbeiten, Terminkalender und Kontaktdaten zu synchronisieren oder auf das Internet beziehungsweise Firmen-Intranet zuzugreifen. Genutzt wird das vor allem von Mitarbeitern, die viel auf Tour sind und dabei in ständigem E-Mail-Kontakt mit dem Unternehmen und Kunden stehen müssen.

Da UMTS inzwischen die geeigneten Bandbreiten zur Verfügung stellt, ist nun auch der zügige Download umfangreicher Dokumente an der Tagesordnung. Wie wichtig E-Mails und der Zugriff auf das Firmen-Intranet für Geschäftskunden sind, zeigt die starke Nutzung des E-Mail-Device "Blackberry". Das mobile Endgerät des kanadischen Herstellers RIM wird von mobilen Mitarbeitern genutzt, um überall E-Mails abzurufen und ständig Kontakt mit ihrem beruflichen Netzwerk halten zu können. Allein diese Anwendungsmöglichkeiten werden die Zahl der professionellen UMTS-Nutzer weiter in die Höhe treiben (siehe Grafik "Professionelle UMTS-Nutzer in Westeuropa").

Zusätzliches Wachstumspotenzial steckt in spezifischen Applikationen, die anders als in den schmalbandingen GPRS-Netzen mit UMTS nun auch mobil zu betreiben sind. Vor allem handelt es sich um mobile Flottensteuerung und Außendienstdisposition sowie Fernwartung und -überwachung. So überprüft die Stadt Wiesbaden beispielsweise per Mobilfunk die Funktionsfähigkeit ihrer Parkscheinautomaten, während Speditionen mit Hilfe der mobilen Datenübertragung permanent über die Positionen ihrer Fahrzeuge informiert sind und entsprechend planen können.

Per Software die beste Verbindung auswählen

Nachdem die ersten Datenkarten der Netzbetreiber lediglich die Übertragungsstandards UMTS und GPRS unterstützten, sind mittlerweile auch Adapter erhältlich, die zusätzlich eine WLAN-Funktionalität beinhalten. Mit Hilfe der von allen Anbietern mitgelieferten Software kann automatisch die bestmögliche Verbindung mit der höchsten Bandbreite ausgewählt werden. Die unterschiedlichen Geschwindigkeitsstufen haben allerdings zwei wesentliche Auswirkungen auf die Nutzung mobiler Anwendungen:

- Anwendungen müssen über alle Netze hinweg in zufrieden stellender Qualität verfügbar sein, um auf hinreichende Akzeptanz der Nutzer zu stoßen. So würde beispielsweise ein Außendienstmitarbeiter kaum auf mobile Anwendungen setzen, wenn er diese nur innerhalb der Städte mit UMTS in akzeptabler Qualität nutzen könnte.

- Die Kosten für die mobile Nutzung von Anwendungen müssen über verschiedene Netze hinweg gleich sein, da Kunden für die Anwendung zahlen, nicht jedoch für die zugrunde liegenden Übertragungstechniken. Im Idealfall sollten diese Verfahren nicht einmal wahrgenommen werden. Auf Netzbetreiberseite ist daher ein Umdenken gefordert: weg vom reinen Anbieten der Netztransportleistung hin zu mehrwertigen Dienstleistungen.

Die Übertragungstechnik spielt für den Preis keine Rolle mehr

Insbesondere den letzten Aspekt verfolgen die Netzbetreiber bereits konsequent. Sie haben Datentarife entwickelt, deren Preisstruktur unabhängig von der gewählten Übertragungstechnik ist. Auf diese Weise wird nur die Online-Zeit beziehungsweise das übertragene Datenvolumen abgerechnet (siehe Tabelle "UMTS-Tarifvergleich").

Da alle angebotenen Zusatzpakete Inklusivminuten oder -volumina beinhalten, die im Laufe eines Monats verbraucht werden können, ist eine hohe Transparenz und leichte Nachvollziehbarkeit der Kosten für die Kunden sichergestellt. Eine über die Limits des gewählten Tarifes hinausgehende Datenübertragung wird pro zusätzliche Zeiteinheit oder zusätzliches Übertragungsvolumen abgerechnet.

Systemintegratoren kennen die Anforderungen der Kunden

In Deutschland sind die großen Netzbetreiber außerdem Partnerschaften mit einer Vielzahl von Systemintegratoren eingegangen, um komplexe Lösungen für Geschäftskunden anbieten zu können. Da zwischen Systemintegrator und Kunde oftmals über Jahre gewachsene Geschäftsbeziehungen existieren, ermöglicht die Kenntnis der jeweiligen IT-Architektur eine schnelle und problemlose Anbindung mobiler Lösungen an die Backend-Systeme und eine gute Betreuung.

In den kommenden Jahren wird die mobile Datenübertragung kräftig wachsen. Die Netzbetreiber werden alle vorhandenen Übertragungstechniken wie GPRS, UMTS und WLAN sowie zukünftig auch Wimax und noch schnellere Netze anbieten, um den Kunden zu jeder Zeit und an jedem Ort die bestmögliche Übertragungsleistung zur Verfügung stellen zu können.

Die Zahl der Anwendungen entscheidet über den Erfolg

Voraussetzung für ein weiteres Wachstum der mobilen Datendienste wird jedoch die Verfügbarkeit von zusätzlichen attraktiven Anwendungen für Geschäftskunden sein, mit denen die Produktivität in den Unternehmen weiter gesteigert werden kann. Das Beispiel der erfolgreichen Einführung von "I-Mode", der vielfältigen Mobile-Data-Plattform des japanischen Netzbetreibers NTT Docomo, hat gezeigt, dass insbesondere eine konsequente Integration von externen Content- und Anwendungsentwicklern eine steigende Akzeptanz und Nachfrage zur Folge hat. Am Beispiel Japans wird deutlich, dass die immer wieder zu hörenden Unkenrufe über die Unsinnigkeit mobiler breitbandiger Datenübertragung nicht haltbar sind: Bei bedarfsgerechter Ausgestaltung der Anwendungen lässt sich dieser Markt erschließen und ausbauen.

Die Netzbetreiber dürfen und können sich jedoch nicht mit der Rolle des reinen Connectivity-Providers zufrieden geben. Ihr Ziel muss es sein, den größten Teil der Wertschöpfung selbst zu übernehmen beziehungsweise zu kontrollieren. Nur so werden die hohen Investitionen in teure Netze eine Rendite einbringen, die auch die Aktionäre zufrieden stellt. Nicht nur hilfreich, sondern notwendig wird es für die traditionellen Netzbetreiber sein, strategische Partnerschaften mit Anwendungsentwicklern einzugehen, um diese an sich zu binden und deren Know-how so zu nutzen, dass Applikationen exklusiv zur Verfügung gestellt werden können. Dadurch kann ein entscheidender Wettbewerbsvorteil erzielt werden: Nur wer sukzessive die Kompetenz im eigenen Unternehmen aufbaut, schreibt langfristig eine Erfolgsstory. (pg)