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07.10.1979

Mobile Datenerfassung beschleunigt den Datenfluß

Mit Ulrich Siebe, Fachautor und MDE-Hersteller, sprach Jochen Ewe

- Hat die mobile Datenerfassung ausschließlich eine Ersatzfunktion - ich denke da an den handschriftlichen Urbeleg oder ähnliches - oder werden auch Daten erfaßt, die bislang unverwertet blieben?

Das Verfahren der Lesebelege ist heute - als Ingenieur sagt man - "auskonstruiert"; man kann keine wesentlichen Verbesserungen auf dem Gebiet der Lesebelege mehr erzielen. Viele sind der Meinung, daß die mobile Datenerfassung hier eine wesentliche Verbesserung des Datenflusses mit sich bringt. Für den zukünftigen Markt sind natürlich auch noch andere Einsatzfälle denkbar. Wir bearbeiten beispielsweise zwei Fälle, bei denen es darum geht, analoge Daten zu erfassen, die über Analog/Digital-Umsetzer digitalisiert und dann im mobilen Datenerfassungsgerät gespeichert werden. Ein dritter Punkt ist das Datenerfassungsgerät als mobiler Rechner für technische Service-Aufgaben. Ein Techniker geht beispielsweise mit seinem mobilen Erfassungsgerät zu einem defekten Bagger, schließt es dort an und kann nun testen und überprüfen.

- Also mobile Datenerfassungs-Terminals als Diagnose-Hilfe.

Sehr richtig.

- Welchen Stellenwert räumen Sie der Geschwindigkeit der Datenübermittlung ein?

In der Hauptzahl der Fälle spielt die Übermittlungsgeschwindigkeit keine große Rolle; denn Sie müssen ja davon ausgehen, daß die Datenmengen pro Tag und pro Gerät oder pro Mitarbeiter nicht sehr groß sind. Man rechnet beim Vertriebsbeauftragten beispielsweise, der am Tag acht bis zwölf Kunden besucht einen maximalen Speicherbedarf von 2 K Zeichen. Da ist es dann relativ unwichtig, ob Sie nun mit zehn Zeichen, 20 Zeichen oder 100 Zeichen pro Sekunde die Daten übertragen. Die Ausgabegeschwindigkeit aus dem Gerät spielt in den allerwenigsten Fällen eine überragende Rolle.

- Wie wollen die MDE-Anbieter angesichts sinkender Stückpreise auf ihre Kosten kommen, und für wie groß hält man den Markt?

Zunächst einmal eine Vorbemerkung. In der Bundesrepublik Deutschland existiert ja heute noch gar kein Markt für mobile Datenerfassungsgeräte. Ich glaube, das sollte man an den Anfang der Betrachtung stellen. Die Aufträge, die die einzelnen Anbieter erhalten, sind zwar unter Umständen recht beachtlich, aber es sind alles erste Tastschritte in einen sich abzeichnenden Markt. Die Hersteller, von wenigen Ausnahmen abgesehen, versprechen sich große Geschäfte mit sogenannten Low-Cost-Terminals. Ich persönlich halte das für eine ganz große Augenwischerei. Der Hintergrund: Es gibt in der Bundesrepublik große potentielle Anwender-Organisationen - ich will hier keine Namen nennen -, die ködern die einzelnen Anbieter mit ganz enormen Stückzahlen - 1000 Stück, 2000 Stück, 10000 Stück - und versuchen die Anbieter zu Preiszugeständnissen zu veranlassen; und die Anbieter machen da zum größten Teil mit. Aber die Stückzahlen, die wirklich verkauft werden, die kann man guten Gewissens mit Null oder doch nur ganz gering beziffern.

- Sie würden also sagen, es gibt keine Rechnungen, was die Marktgröße angeht, und man kann auch nicht von einem Preisverfall sprechen, wie er bei größeren Rechnern seit längerem zu beobachten ist.

Das ist richtig. Mit der Preisentwicklung bei den mobilen Datenerfassungsgeräten ist es ganz seltsam: Obwohl keine großen Stückzahlen verkauft werden, fängt man an, mit den Low-Cost-Geräten Preiskämpfe auszufechten. Und das ist mir völlig unerklärlich. Ich muß aus den Kundengesprächen, die ich habe, sagen, daß der Preis bei den Geräten praktisch keine Rolle spielt, wenn das Gerät die Bedingungen des Kunden voll erfüllt.

In der Branche wird behauptet, daß die Vorstellungen vieler deutscher Unternehmer über den Leistungsumfang mobiler Datenerfassungsgeräte überzogen und unrealistisch sind und Lieferaufträge dann an den hohen Kosten der verlangten Individual-Terminals scheitern. Diese Auffassung teilen Sie offenbar nicht.

Nein. Diese Auffassung ist meines Erachtens falsch. Wenn Sie die Entwicklungsgeschichte der amerikanischen MDE-Hersteller verfolgen, werden Sie immer wieder feststellen, die haben angefangen mit mobilen Datenerfassungsgeräten in der Auftrags- und Lagerbestandserfassung hauptsächlich von Cash & Carry- und Supermärkten. Und mit diesen Geräten ist man dann nach Deutschland gekommen und hat gemerkt, daß hier manches anders ist: Die deutschen Postnormen für die Datenübertragung sind ganz andere als die in Amerika. Der zweite Punkt ist der, daß deutsche Betriebsorganisationen sich grundlegend unterscheiden von amerikanischen. Schließlich muß man auch noch der Mentalität der amerikanischen und deutschen Anwender ins Kalkül ziehen. Ich will das mal ganz überspitzt ausdrücken: In Amerika ist es möglich, ein fest programmiertes Gerät einem Kunden zu verkaufen, auch wenn es nicht hundertprozentig seine Bedingungen erfüllt. Dann stellt der Anwender seine Organisation auf die Belange des Gerätes um. In Deutschland ist das völlig unmöglich.

- Sehen Sie für die Zukunft außer Magnetband, Halbleiter- und Blasenspeicher noch andere Möglichkeiten der Datenspeicherung?

Nein. Gehen wir die Medien der Reihe nach durch. Die Magnetband-Kassette wird in Zukunft keine großen Markt mehr haben. Einmal braucht man diese sehr große Speicherkapazität nicht, zum anderen sind die Laufwerke in Herstellung und Wartung sehr teuer. Das Hauptgewicht liegt heute bei fast allen Herstellern auf dem Sektor Halbleiter-Speicher, wobei die eine Gruppe mit dem dynamischen Halbleiter-Speicher, die andere mit dem statischen Speicher arbeitet. Der Magnet-Blasenspeicher wird ja nicht bei mobilen Geräten verwendet.

- Wird die Netzunabhängigkeit (und damit Batterie- oder Akku-Abhängigkeit) der meisten mobilen Datenerfassungsgeräte sich nicht gewissermaßen als natürliche Anwendungsbarriere erweisen?

Nein. Die Netzunabhängigkeit von mobilen Geräten ist für die Vielzahl der Anwendungen eine unabdingbare Forderung.

- Aber das Risiko, daß nämlich die Batterie dann, wenn sie gebraucht wird, nicht hält, was sie vorher versprach, läßt sich nicht aus der Welt schaffen.

Das ist ganz richtig, und das ist ein schwacher Punkt bei fast allen Anbietern. Ich sage bewußt "fast". Lassen Sie es mich so erläutern: Bei den mobilen Geräten haben Sie zwei große Stromverbraucher; der eine ist die Anzeige, und der andere ist der Lichtstift. Und da müssen Sie damit rechnen, daß diese Lichtquelle zwischen fünfzig und hundert Milliampere Strom benötigt. Deswegen finden sie auch bei Geräten mit Lichtstift unter Umständen sehr verschwommene Angaben über die Betriebszeit. Das ist natürlich ein ganz schwacher Punkt.

þWeil wir gerade bei der Frage der Betriebssicherheit sind: Bleibt dem MDE-Anwender - sollte sein Terminal einmal defekt sein - nur der Griff nach Bleistift und Papier? Und gleich hinzugefügt: Wie lange wartet er im ungünstigsten Fall darauf, wieder "voll" arbeiten zu können?

Das hängt vom Gerät ab. Wenn Sie ein Gerät haben, das kein integriertes Netz-Ladegerät besitzt, und Sie haben den Lade-Zusatz zu Hause vergessen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als Papier und Bleistift zu nehmen. Wenn Sie aber ein Gerät haben, das ein integriertes Ladegerät besitzt, dann gehen Sie zur nächsten Steckdose und können wieder die Batterie aufladen. Wenn Sie eine Schnell-Lade-Elektronik haben, können Sie eine vollkommen entladene Batterie in etwa fünf bis sechs Stunden komplett aufladen.

- Und wenn ich Außendienstler im Bayerischen Wald bin und mein Gerät ist defekt, kann es sein, daß ich erst nach drei Tagen wie gewohnt weiterarbeiten kann?

Das ist natürlich ein Problem des Service; das haben Sie bei allen Geräten.

- Hier bliebe also noch eine Organisation aufzubauen, die für mehr Schnelligkeit sorgen müßte.

Wir lösen das so, daß wir den Kunden generell Reservegeräte zur Verfügung stellen und der Kunde dann diese Reservegeräte an den entsprechenden Punkt hin befordert, wo ein Gerät ausgetauscht werden muß.

- Welche Tendenzen in den verschiedenen Verfahren der Datenerfassung (Tastatur, OCR-Lesepistole, Lesestift) sind zu beobachten - auch in Relation zueinander?

Dazu ist zu sagen, die OCR-Lesepistole wird wahrscheinlich erst in naher Zukunft eine größere Rolle spielen. Das hängt damit zusammen, daß der elektronische Aufwand für die zweidimensionale Zeichenerkennung heute noch groß ist und auch programmtechnisch erhebliche Probleme existieren. Ich glaube die OCR-Lesepistole kann man in bezug auf MDE heute noch ausklammern. Es bleibt die Tastatur und der Barcode-Lesestift. Die eindeutige Tendenz geht weit weg vom reinen Tastaturgerät zum Tastatur-Lesestiftgerät, wobei Sie bei einer sehr großen Zahl von Anwendungen immer beide Medien brauchen. Sie brauchen den Bar-Code für die konstanten Daten, beispielsweise Artikelnummer und Kundennummer, und Sie brauchen die Tastatur für die variablen Daten, beispielsweise Stückzahlen, Rabattkennzahlen und so weiter. Das heißt, das zukünftige mobile Datenerfassungsgerät wird wahrscheinlich den Lesestift und die Tastatur haben. Ein Punkt, den wir genau untersucht haben, ist der Wechsel vom Lesestift zur fingerbedienten Tastatur. Er ist langsamer im Endeffekt als das Ausfüllen von Lesebelegen. Sie können etwa rechnen, daß sie 20 bis 30 Prozent mehr Zeit benötigen, die Daten zu erfassen, als wenn Sie die Daten handschriftlich in einen Lesebeleg eintragen. Deswegen haben wir die sogenannte Lichtstift-Tastatur entwickelt; das ist eine Tastatur, die mit dem Lesestift bedient wird.

- Welches ist die größte Panne, von der Sie im Zusammenhang mit MDE gehört haben?

Ich muß sagen, von Pannen habe ich noch nichts gehört. Es gibt natürlich immer wieder größere oder kleinere Fehler bei der mobilen Datenerfassung; deswegen empfehlen wir auch unseren Kunden, nicht gleich ins kalte Wasser zu springen, sondern zunächst mal eine Testinstallation über mehrere Monate lang zu prüfen und sich an den eigentlichen Einsatz der mobilen Datenerfassungsgeräte ranzutasten. Und wenn man das macht - das kostet natürlich Geld und Zeit und auch Nerven -, dann wird man bei der Einführung der mobilen Datenerfassung keine Panne erleben.