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26.11.1993

Mobile Datenuebertragung: Trends, Entwicklungen, Produkte Drahtlose Netze stecken noch immer in ihren Kinderschuhen

Drahtlose Datenkommunikation verspricht grenzenlose Freiheit. Diese, auf heute und vor allem kuenftig technisch realisierbare Applikationen gemuenzte Aussage gilt auch fuer die unuebersehbare Zahl an Produkten, Services und Standards. Freiheit, oder anders formuliert, die Qual der Wahl hat der Anwender also in jedem Fall beim Definieren eigener Anforderungen und Einsatzszenarien. Gerhard Kafka* versucht, einen Ueberblick zu geben.

Der US-amerikanische Markt fuer mobile Computer und drahtlose Kommunikation - mit den Hauptanwendungsgebieten Aussendienst und Kundendienst-Management - wird in den naechsten fuenf Jahren um mindestens 40 Prozent wachsen. Diese Prognose ist einer Studie der im US-Bundesstaat Massachusetts ansaessigen Venture Development Corp. zu entnehmen, die fuer dieses Marktsegment 1997 ein Volumen von rund zehn Milliarden Dollar erwartet.

Aehnliches gilt fuer den Absatz sogenannter persoenlicher digitaler Assistenten (PDAs), der sich nach Erhebungen der britischen Marktforscher von BIS Strategic Decision ab 1994 sehr stuermisch entwickeln soll. Gerade diese miteinander drahtlos kommunizierenden PDAs werden nach Auffassung vieler Experten kuenftig eine Art Schluesselsektor bilden, der allerdings von der weiteren Entwicklung mobiler Netzwerk-Infrastrukturen abhaengig ist.

Erfolg der PDAs haengt von den mobilen Netzwerken ab

Zur Situation in Europa: Der bidirektionale mobile Datenverkehr in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien wird bis 1998 rund 2,5 Millionen Teilnehmer registrieren - glaubt man der US- amerikanischen Consul-ting-Group EMCI. Eine Million Anwender werden dabei auf zellulare Netze fuer die mobile Datenuebertragung setzen, wobei Informationen ueberwiegend zu unregelmaessigen Zeiten uebertragen werden duerften. Die EMCI-Untersuchungen ergaben ferner folgende Aufschluesselung der einzelnen Marktsegmente fuer mobile Datendienste: Grosshandel und Wiederverkauf (22,8 Prozent), Transport (13,7 Prozent), Wirtschaftsdienste (12,1 Prozent) sowie Versicherungen (acht Prozent). Die meisten der befragten Firmen wuenschen sich uebrigens die Realisierung einer entsprechenden Loesung in weniger als einem Monat.

So viel zu den optimistischen Prognosen der Marktforscher. Sie aendern jedoch nichts daran, dass die mobile Datenuebertragung noch immer in den Kinderschuhen steckt. Nach zuerst in den USA und Kanada in Betrieb genommenen Sondernetzen sind nun auch in Europa drahtlose Datennetze in Deutschland, Finnland, Grossbritannien, Norwegen und Schweden installiert oder befinden sich zumindest im Aufbau (Frankreich und Niederlande). Weitere Netze gibt es derzeit noch in Australien und Hongkong. Nach Schaetzungen des schwedischen TK-Herstellers Ericsson bewegt sich heute die weltweite Anwenderzahl zwischen 60 000 und 70 000.

Zu den Pionieren bei der Entwicklung und Realisierung mobiler Datennetze gehoeren ohne Zweifel Ericsson und Motorola - zwei Anbieter, deren Systeme heute als De-facto-Standards anerkannt werden. Dies ist aber gleichzeitig die Crux der mobilen Datenkommunikation. International gueltige Standards fuer die mobile Datenuebertragung wurden in Europa erstmals vom European Telecommunica-tions Standards Institute (ETSI) fuer die GSM- Mobilfunk-Netze, dazu gehoeren das deutsche D1- und D2-Netz, erarbeitet und sind fuer den Anwender derzeit noch nicht verfuegbar.

In den beiden deutschen digitalen D-Netzen ist ihre Nutzung zur Datenuebertragung daher erst im naechsten Jahr moeglich.

Motorolas Erfahrungen stuetzen sich auf eine bereits 1983 begonnene Zusammenarbeit mit IBM in den USA, als es um den gemeinsamen Aufbau eines mobilen Datennetzes fuer IBM-Serviceingenieure ging. Das Projekt konnte 1990 unter dem Namen "Ardis" erfolgreich gestartet werden. Die dabei zum Einsatz kommende Motorola-Technik mit den speziellen Funkprotokollen MMP31 und MDC4800 (beide fuer eine Uebertragungsrate von 4800 Bit/s sowie RD-LAP (9600 und 19 200 Bit/s) ist heute auch Basis fuer entsprechende Netze in Grossbritannien und Hongkong (Betreiber: Hutchinson), USA (Ardis), Kanada (Bell Ardis) und Deutschland (Telekom/ DeTeMobil).

Das Mobitex-System von Ericsson wurde hingegen zusammen mit der schwedischen Post entwickelt. Es entstand ebenfalls in den fruehen achtziger Jahren, als die schwedische Post die Notwendigkeit eines tragbaren Alarmsystems fuer isoliert arbeitende Mitarbeiter erkannte. Zusaetzlich zum Alarmsystem wurde ein Standard fuer die alltaegliche Datenkommunikation entwickelt. Nach einem Pilotprojekt in Goeteborg nahm die schwedische Postverwaltung bereits 1986 das weltweit erste oeffentliche Mobitex-Netz in Betrieb. Dem Beispiel folgten kurz danach die Postverwaltungen in Finnland und Norwegen. Den Durchbruch schaffte Ericsson im Jahre 1989, als der kanadische Betreiber Cantel Mobitex in Nordamerika einfuehrte und RAM Mobile Data - ein Joint-venture zwischen RAM Broadcasting und Bell South - mit dem Aufbau von mobilen Datennetzen in den Vereinigten Staaten und Grossbritannien begann.

Vielleicht entscheidet sich 1994 auch der Gewinner der am 13. Oktober dieses Jahres vom Bundesminister fuer Post und Telekommunikation international ausgeschriebenen Lizenz fuer ein zweites Datenfunknetz in der Bundesrepublik fuer Mobitex. Der Lizenzgeber wird dem Lizenznehmer eine "Frequenzgrundausstattung" von 16 Duplex-Kanaelen aus den Frequenzbereichen 416 bis 417 Megahertz beziehungsweise 426 bis 427 Megahertz zuweisen. Weitere Kanaele koennen zu einem spaeteren Zeitpunkt noch zugeteilt werden, sofern sie verfueg- und koordinierbar sind. Insgesamt stehen in diesem Frequenzbereich 58 Duplex-Kanaele fuer den Datenfunk zur Verfuegung. Vier Jahre nach Erteilung der Lizenz muss eine funktechnische Versorgung von mindestens 60 Prozent der Bevoelkerung gewaehrleistet sein. Die Laufzeit der Lizenz betraegt 15 Jahre.

Mit der derzeit absehbaren dritten Generation (vgl. Abbildung 1) von mobilen Kommunikationssystemen ist erstmals eine europaweite und moeglicherweise sogar weltweite Standardisierung verbunden. Nach den jeweils unterschiedlichen analogen Technologien der ersten Generation - vier Einsatzgebiete: zellulare Mobilfunknetze, schnurlose Telefone, Funkrufsysteme (Paging) und Betriebsfunk - werden nun im Rahmen der sogenannten zweiten Generation europaweit einheitliche Standards verwendet.

Welche dieser mobilen Kommunikationssysteme sind nun fuer die Datenkommunikation geeignet? Von den Systemen der ersten Generation sind grundsaetzlich alle analogen zellularen Funknetze mittels spezieller Modems in der Lage, Daten mit Nettoraten bis zu 14,4 Kbit/s (CCITT-Empfehlung V.32bis) zu uebertragen. Der im "Cityruf" eingesetzte Pogsag-Standard ermoeglicht bekanntlich die Uebertragung alphanumerischer Nachrichten; bei den privaten mobilen Radiosystemen sind der Buendelfunk (MPT 1327), Mobitex und Modacom fuer die Datenuebertragung konzipiert. Drahtlose Datenkommunikation ist aber neben den genannten vier Einsatzgebieten auch noch in LANs und ueber Satellitensysteme moeglich (GSM, Dect, Ermes und Tetra). Fuer die Anwender in Deutschland bedeutet dies, dass heute beziehungsweise in absehbarer Zeit eine Reihe von oeffentlichen Systeme die Moeglichkeit bietet, eine standortunabhaengige und mobile Datenuebertragung zu realisieren (vgl. Abbildung 2).

Auch die EG-Kommission hat schon relativ frueh, naemlich 1987 im Zuge des Race-Programmes (Research and Development in Advanced Communications Technologies in Europe) begonnen, innovative Kommunika- tionsdienste finanziell zu foerdern.

Das vorrangige Ziel von Race liegt dabei in der Realisierung der integrierten Breitbandkommunikation (IBC). Zu diesem Zweck werden Netzbetreiber, Hersteller, Diensteanbieter und High-Tech-Anwender zusammengefuehrt, um innerhalb kleiner Gruppen an entsprechenden Projekten neue Technologien zu erproben. Fuer die dritte Race- Arbeitsperiode (1990 bis 1994) sind im Bereich der mobilen Kommunikation sechs Projekte genehmigt, die mit rund 50 Millionen ECU gefoerdert werden.

Mit diesen Initiativen sollen die Vorarbeiten fuer das zum Jahr 2000 vorgesehene UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) geleistet werden. Der Begriff UMTS wird vom ETSI verwendet, waehrend man bei ITU-RS (International Telecommunications Union Radiocommunication Sector) - dem frueheren CCIR - dafuer die inhaltlich identische Bezeichnung FPLMTS (Future Public Land Mobile Telecommunications Systems) benuetzt. Das System kombiniert die oeffentlichen Mobilfunk-Einrichtungen mit oeffentlichen und privaten schnurlosen Telefonen sowie leitungs- und paketvermittelten Datendiensten hoher Bitraten und schliesslich auch noch ISDN- und B-ISDN-Diensten.

Zu seiner Realisierung hat Race eine Reihe technischer Voraussetzungen definiert. So soll sich UMTS mit anderen oeffentlichen TK-Netzen verbinden lassen und mit Hilfe standardisierter Schnittstellen und Endgeraete eine Vielzahl von Diensten in verschiedenen Umgebungen bereitstellen. Die "Luft- Schnittstelle" wird eine Uebertragungsrate von maximal 2 Mbit/s gewaehrleisten. An Datenanwendungen sollen unterstuetzt werden: Telemetrie, Gueltigkeitserklaerungen von Kreditkarten, Datenbankzugang, Nachrichtenuebermittlung, E-Mail, elektronische Dokumentenuebertragung, Dateiuebertragung, Endgeraeteemulation, simultane Sprach- und Datenuebertragung, Telefax, Bewegtvideo, Schmalbandfernsehen und Multimedia.

Die typischen Anwender beziehungsweise Zielgruppen mobiler Datenuebertragung sind in erster Linie Aussen- und Kundendienstmitarbeiter in Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Diese erhalten unabhaengig vom jeweiligen Standort Zugriff auf zentrale Datenbanken und koennen so vor Ort Preise, Lieferzeiten, Kalkulationen, Lagerbestaende und andere wichtige Informationen abrufen. Speziell fuer den Einsatz standortunabhaengiger Endgeraete und den mobilen Datenaustausch mittels X.25-Paketvermittlung bietet beispielsweise die Deutsche Bundespost Telekom ihren Modacom-Dienst an. Mit ihm wird quasi eine mobile Datex-P-Schnittstelle fuer Uebertragungsraten bis 9600 Bit/s bereitgestellt.

Das Modacom-Netz ist ein speziell fuer die Anforderungen der mobilen Datenuebertragung konzipiertes Weitverkehrsnetz, in dem die Daten per Funk zwischen den Stationen und zu den einzelnen Datex- P-Teilnehmern uebertragen werden. Es basiert auf der Technik des weltweit anerkannten Protokolls RD-LAP (Radio Data Link Access Procedure), das Motorola fuer die Realisierung dezentraler Datenfunknetze entwickelt hat. Hersteller von Endgeraeten fuer oeffentliche RD-LAP-Netze erhalten eine gebuehrenfreie Lizenz, womit einer Forderung im Gruenbuch zur Telekommunikation der EG- Kommission fuer den freien Wettbewerb auf dem Geraetemarkt entsprochen wird.

Modacom ermoeglicht mobile Anbindung an Datex-P-Netz

Fuer den Anschluss von Endgeraeten an Modacom werden sogenannte Funkmodems benoetigt. Mit "Mobycom" hat beispielsweise die Dr. Neuhaus GmbH auf der diesjaehrigen CeBIT ein solches Betriebssystem-unabhaengiges Funkmodem fuer den Modacom-Dienst vorgestellt. Damit kann der mobile Anwender mit seinem tragbaren Geraet - etwa einem Notebook oder Organizer - Datenaustausch mit anderen mobilen Teilnehmern oder einer Zentrale ueber Datex-P betreiben. Darueber hinaus hat der Hamburger Modemspezialist auch ein Funkmodem fuer den Einbau in Toshiba-Notebooks konzipiert.

Auch Motorola bietet mit dem Funkmodem "MRM420" eine Zugangsmoeglichkeit zu Modacom. Die ergonomisch gestaltete Komplettloesung beinhaltet die gesamte Elektronik, Stromversorgung und Intelligenz fuer die bidirektionale Datenfunkverbindung mit einem Inhouse-System. Beim Einsatz des Funkmodems laesst sich so gut wie jeder Rechner, der ueber eine asynchrone Schnittstelle verfuegt, via Telefonmodem fuer den Datenfunkverkehr nutzen, wobei mit unterschiedlichen Uebertragungsprotokollen (zum Beispiel RD-LAP mit 9600 Bit/s oder MMP mit 4800 Bit/s) gearbeitet werden kann.

Ebenfalls zur CeBIT 93 hat die NCR GmbH eine Modacom-Loesung vorgestellt, mit der vom "Notepad 3130" aus Daten zu anderen Rechnern - natuerlich auch ueber das Datex-P-Netz - uebertragen werden koennen. So bietet die seit Mitte des Jahres verfuegbare Notebook-Familie "3150" mit einem PCMCIA-Einschub zusaetzliche Ausbaumoeglichkeiten fuer die mobile Kommunikation. Vorgesehen sind unter anderem entsprechende Faxmodem-, LAN- oder WAN-Karten, aber auch draht- lose Kommunikationsmoeglichkeiten wie die in den USA bereits freigegebene Wavelan-PCMCIA-Karte fuer die Anbindung an LANs.

Telefax und DFUe sind im D-Netz noch nicht moeglich

Anders als bei der Datenkommunikation ueber terrestrische Netze, wo die Endgeraete ueber standardisierte Schnittstellen mit dem jeweiligen Dienst verbunden sind, kommunizieren die mobilen Endgeraete zunaechst ueber eine Funkstrecke mit einer Feststation des jeweiligen Mobilfunk-Netzes (vgl. Abbildung 3). Eine flaechendeckende mobile Kommunikationsmoeglichkeit bieten bis dato nur die zellularen Funknetze - im Bereich der Bundesrepublik das analoge C-Netz und die beiden digitalen D-Netze.

In den digitalen D-Netzen kann man bisher ueberhaupt keine Daten und Faxnachrichten uebertragen, sondern lediglich telefonieren. Die Ursache hierfuer liegt in der langsamen Standardisierung und den von beiden Netzbetreibern nicht freigeschalteten Daten- Schnittstellen. ETSI hat nun aber die Standards fuer Telefax und DFUe in GSM-Netzen definiert, so dass mit entsprechenden Produkten bis spaetestens 1995 zu rechnen ist. Allerdings sieht der GSM- Standard einen "Short-Message"-Dienst vor, der die Uebertragung von kurzen Meldungen ueber den Signalisierungskanal ermoeglicht und heute mit geeigneten Endgeraeten schon moeglich ist.

Als Zwischenloesung ist hier ein Zusatzmodem aehnlich wie fuer das C- Netz denkbar, mit dem dann Daten ueber den Sprachkanal uebertragen werden koennen. Entsprechend schnell auf diese Marktforderung hat etwa der Muenchner Modembauer TLK reagiert, der zur Systems '93 ein GSM-Modem in der Preislage um 2000 Mark vorstellte, das den digitalen Sprachkanal fuer die fehlerfreie Datenuebertragung von einem Mobiltelefon zu einer ortsfesten Basisstation und von dort zu anderen Teilnehmern im Festnetz verwendet.

Um den in GSM-Netzen sprachoptimierten Digitalisierungsverfahren gerecht zu werden, musste TLK ein spezielles Modulations- in Verbindung mit einem Fehlerkorrekturverfahren entwickeln. Wegen des sehr komplexen Uebertragungsweges lassen sich Daten mit dieser Loesung zunaechst nur mit maximal 900 Bit/s (etwa 100 Zeichen pro Sekunde) uebertragen. Sobald der Datenkanal (er muss beim Verbindungsaufbau dem Netz signalisiert werden, worauf dieses die Funktionen der Sprachdigitalisierung abschaltet) in den D-Netzen verfuegbar ist, kann die Uebertragungsrate auf 9600 Bit/s gesteigert werden. Ebenfalls zur Systems '93 hat Dr. Neuhaus ein GSM-Modem im PCMCIA-Format vorgestellt, das aber erst nach Freischaltung des Datenkanals durch die beiden D-Netzbetreiber eingesetzt werden kann. Mit dem Cityruf der Telekom lassen sich - auf der Basis geeigneter Endgeraete - alphanumerische Nachrichten nur in einer Richtung von einer Zentrale zum mobilen Empfaenger uebertragen. Als Mehrwertdienst setzt darauf der Service "Inforuf" auf, ueber den Boersennachrichten, Devisen- und Aktienkurse an geschlossene Benutzergruppen uebermittelt werden koennen. Ab Januar 1994 wird zudem mit "omniport" ein neuer Funkrufdienst den Betrieb aufnehmen, zunaechst als Numerik-Funkruf und spaeter auch fuer Textnachrichten. Betreiber ist die in Darmstadt ansaessige Detex Deutsche Textfunk GmbH.

Im Satellitenfunk bieten neben der Telekom in Deutschland 30 private Lizenznehmer ihre Dienstleistungen an.

Fuer die Datenuebertragung stehen grundsaetzlich feste oder gewaehlte Verbindungen sowie Verteildienste (VSAT) im nationalen und internationalen Bereich bereit. Eine weltweite Datenkommunikation ist ueber die internationale Betreiberorgansation Inmarsat moeglich. Dabei stehen unterschiedliche Services zur Verfuegung: Der sogenannte Standard A ermoeglicht Telex, Telefax, DFUe mit Modems bis 9600 Bit/s, Mailbox-Dienste und Bildschirmtext; Standard B gewaehrleistet digitale Fax- und Datenkommunikation ohne Modem bis 9600 Bit/s, Telex und einen High-speed-Datendienst mit 16 Kbit/s; Standard C steht fuer X.25-Datenuebermittlung bis 600 Bit/s, Telex und Netzuebergaenge zu Telefax, Btx und Mailbox; Standard-M-Services erlauben die Fax- und Datenkommunikation mit 2400 Bit/s.

Einige Herstellerkonsortien bereiten bereits die naechste Generation einer weltumspannenden TK-Maschinerie vor, die auf LEO- Systemen (Low Earth Orbit) basieren soll. Ziel dabei ist, nahezu die gesamte Weltbevoelkerung mit Kommunikationsdiensten zu versorgen. Allerdings werden dafuer ueber 800 Satelliten benoetigt, die in 700 Kilometer Hoehe die Erde umkreisen. Denkbar sind fixe und mobile Kommunikationsdienste mit Kanalraten bis zu 2 Mbit/s. Solch ein Netzwerk koennte bis zu zwei Millionen Duplex- Verbindungen gleichzeitig unterstuetzen und damit rund 20 Millionen Teilnehmer bedienen.

Von der Zukunftsmusik zurueck zur Realitaet. Vorhaben wie "Iridium" von Motorola oder "Projekt 21" von Inmarsat sollen ihren Betrieb bis zum Jahr 2000 aufnehmen. Iridium wird 1994 einen Pilotversuch mit drei Satelliten durchfuehren, der Endausbau sieht eine Gesamtzahl von 66 Satelliten vor. Entsprechende Endgeraete wurden von Motorola auf der CeBIT '93 vorgestellt, mit denen ein dualer Betrieb entweder in GSM- oder Satellitennetzen moeglich sein wird. Gleichzeitig verfuegen die Handies auch ueber eine V.24- Schnittstelle zum Anschluss von Faxgeraeten oder PCs.

Nicht zu vergessen sind innerhalb des Produkt- und Dienstespektrums in puncto drahtloser Kommunikation aber auch sogenannte Wireless-LANs - insbesondere bei Anwendungsszenarien mit niedrigen Uebertragungsraten, wo oft eine Kopplung ueber Infrarotmodule ausreicht. Hierfuer bietet beispielsweise Andromeda in Puchheim bei Muenchen mit "Androdat" eine Komplettloesung an, die Datenraten bis 19 200 Bit/s unterstuetzt. Auf Infrarottechnik setzt man auch bei Infralink, wo man davon ueberzeugt ist, dieses Verfahren auch fuer Uebertragungsraten bis in den Mbit/s-Bereich weiterentwickeln zu koennen. Voraussetzung fuer den Einsatz von Infrarottechniken ist und bleibt aber immer eine Sichtverbindung zwischen den zu vernetzenden Komponenten.

Motorola bietet eigenen Angaben zufolge mit "Altair Plus" eine auf der WIN-Technologie (Wireless In-Building Network) basierende flexible Konfiguration von Computernetzen an. Das System beruht auf dem IEEE-802.3-Standard und arbeitet mit einer Datenrate von 10 Mbit/s.

Eine Funkzelle bedient bis zu 50 Teilnehmer

Der Einsatz in Deutschland ist durch Einzelgenehmigungen vom BAPT gesichert. Mit Altair Plus lassen sich einzelne Arbeitsplaetze oder auch Fileserver problemlos und ohne Verkabelung in existierende Ethernet-Netze integrieren. Da das Drahtlos-LAN im Frequenzbereich von 18 Gigahertz arbeitet, lassen sich damit auch Mauern und andere Hindernisse ueberbruecken. Die Reichweite einer Funkzelle betraegt rund 30 Meter, dabei koennen in einer Zelle bis zu 50 Teilnehmer bedient werden.

Eine allgemeine Zulassung des BZT fuer den Einsatz in privaten Netzen hat kuerzlich Olivetti fuer sein drahtloses "LAN NET3" erhalten. Es basiert auf dem europaeischen Dect-Standard (Digital European Cordless Telecommunications) und ist vor allem fuer Client-Server-Architekturen konzipiert. Das Release 1.0 unterstuetzt die Netzwerk-Betriebssysteme MS LAN Manager 2.0 und Netware 3.11. Dabei gewaehrleistet es eine Uebertragungsrate von 1 Mbit/s und ueberbrueckt Entfernungen von 30 bis 80 Metern.

Ein komplettes drahtloses LAN hat auch RDC Communications, einer Tochter der israelischen RAD-Gruppe, vorgestellt. "PortLAN" arbeitet im Frequenzbereich zwischen 2,4 und 2,5 Gigahertz und kann in einer Zelle mit bis zu 300 Metern Radius maximal 64 Stationen versorgen. Auch "Meshnet 2" von der Deutschen Aerospace verbindet drahtlos verschiedene PCs. Fuer den Betrieb werden eine spezielle PC-Einsteckkarte, eine Funkantenne sowie eine angepasste Software benoetigt; die Datenuebertragung erfolgt nach dem Ethernet- Standard mit 1 Mbit/s.

Was ist an weiteren Entwicklungen absehbar? Motorola und Microsoft haben kuerzlich eine Kooperation im Bereich der drahtlosen Datenkommunikation bekanntgegeben. Das Abkommen sieht vor, dass Motorola die neue Architektur "Microsoft At Work" (MAW) mit entsprechender Funktechnologie unterstuetzt. Ziel der Zusammenarbeit ist die Anbindung von tragbaren Computern an Netze, um sie auf diese Weise in die Informationsstrukturen eines Unternehmens einzubeziehen.

MNIT soll die drahtlosen Netze weltweit verknuepfen

Zur weltweiten transparenten Verknuepfung unterschiedlicher drahtloser und leitungsgebundener Datennetze hat Motorola darueber hinaus den Entwurf eines Integrationsstandards vorgestellt, die sogenannte "Mobile Networks Integration Technology" (MNIT). Aehnlich wie im internationalen Telefonsystem soll hier der Adressat einer Dateninformation ueber eine einzige Teilnehmernummer ueberall erreichbar sein. Ihre Unterstuetzung beziehungsweise Mitarbeit haben bereits folgende Netzbetreiber, Systemintegratoren und Computerhersteller zugesagt: Alliance Systems, Ardis, Bell Ardis, BT North America, Complex Architectures, General Magic, Mobile Telecommunications Technologies Corp. (MTEL), Psion, Radio Frequency Data Network Systems, RAM Mobile Data, Systemhouse und Tandem Computers.

Hinter General Magic verbirgt sich eine Allianz von Apple, AT&T, Matsushita, Motorola, Philips und Sony, die gemeinsame Standards fuer den Personal Intelligent Communicator (PIC) forciert. PICs sind tragbare Computer mit integrierten Datenfunkkapazitaeten, die in Netzen wie Ardis in den USA oder Modacom in Deutschland eingesetzt werden koennen.

Ende August 1993 haben sich ferner zehn Anbieter zu einem Cellular-Digital-Packet-Data-Konsortium (CDPD) zusammengeschlossen. CDPD basiert auf der Celluplan-Technik von IBM und ermoeglicht die paketvermittelte Datenuebertragung ueber bereits existierende Funktelefonnetze wie etwa AMPS in den USA und GSM in Europa. Damit stellt CDPD eine Alternative fuer den Aufbau eigener Datenfunknetze wie etwa Modacom dar. Dem Konsortium gehoeren neben IBM die Netzbetreiber Ameritech Mobile Communications, Bell Atlantic Mobile Systems, Contel Cellular, GTE Mobile Communications, McCaw Cellular Communications, Nynex Mobile Communications, Pactel Cellular und Southwestern Bell Mobile Systems sowie Retix Inc. an.

Die McCaw Cellular Communications Inc., groesster Betreiber von Funktelefonnetzen in den USA und derzeit heftig umworbener (und umstrittener) Uebernahmekandidat von AT&T, hat Retix mittlerweile einen Auftrag zur Lieferung der gesamten Router-Infrastruktur fuer sein neues CDPD-Netz erteilt. Die CDPD-Spezifikationen, die sich an den entsprechenden ISO- und CCITT-Standards orientieren, definieren ein paketvermitteltes Datennetz, das aehnlich wie ein leitungsgebundenes X.25-Netz arbeitet, jedoch als eine Art Overlay-System ueber diverse Funknetze konzipiert ist. Dabei werden die Sprechpausen beim Telefonieren fuer die Datenuebertragung verwendet.

Mitte September 1993 haben 40 Hardware- und Softwarehersteller - darunter AT&T, Apple, Hewlett-Packard, IBM und Microsoft - die "Infrared Data Association" (IRDA) ins Leben gerufen und sich bereits in der ersten Sitzung auf ein einheitliches Infrarotprotokoll geeinigt. Als Basis wurde unter anderem HPs "Serial Infrared Communication Technology" mit einer Transferrate von 115 Kbit/s gewaehlt. Zielsetzung der IRDA ist die weitere Entwicklung der drahtlosen Kommunikation zwischen PCs und sonstigen Peripheriegeraeten. So sollen noch vor Jahresende eine Reihe von Personal Digital Assistants (PDAs) und andere Mobilrechner vorgestellt werden. HP und Apple benutzen die Infrarottechnik bereits in ihren Produkten. Von Microsoft wird die Lieferung von Mobile Windows noch 1993 erwartet.