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12.10.2001 - 

Präzision der Location-based Services ist noch zu optimieren

Mobile Dienste mit Lokalkolorit

Shopping in der High Street bietet ein neues Vergnügen. Wer über Londons Nobelmeile flaniert, bekommt aufs Handy geldwerte Einkaufstipps übertragen. WAP-Portale zeigen, was es wo zu welchem Preis gibt. Location-based Services machen es möglich. Von Eckhard Rahlenbeck*

Location-based Services (LCS), ein neuer Typ mobiler Datendienste, sollen dem Blinde-Kuh-Spiel in fremden Umgebungen ein Ende bereiten - nach dem Motto: "Mein Handy sagt mir, wo ich bin und was los ist." Als einer der ersten startete letztes Jahr der Mobilfunk-Provider Orange in Großbritannien solche ortsabhängigen Dienste. Mobile gelbe Seiten verweisen auf Gewünschtes in der Nähe, seien es Restaurants, Postämter oder Kinos. Ein "Cash Machine Finder" weiß, wo der nächste Bankautomat steht. Ein "Hotel Finder" nennt Herbergen in der Nähe und beschreibt ihren Komfort. Mobile Notdienste finden Hospitäler, Polizeistationen und den Abschleppdienst. Und schließlich halten die mobilen Wegweiser für die Nomaden des 21. Jahrhunderts stets auch Navigationshilfen zur Zielansteuerung bereit.

Kaum ein Mobilfunkanbieter wird künftig auf solche LCS-Angebote verzichten können. Angesichts der Finanzlast der teuren UMTS-Aufrüstung zur "dritten Mobilfunkgeneration", sollen Ortungsdienste dringend benötigte Umsätze bringen sowie Kunden gewinnen und halten helfen. "Carrier haben Milliarden in neue Technik investiert. Sie fragen sich zu Recht, ob sie den Return ihrer Investitionen durch überzeugende Anwendungen erreichen", sagt Rama Aysola, Gründer und CEO von Airflash.

Der amerikanische Application-Service-Provider für mobile Dienstleistungen hat Viag Interkom im Rahmen eines Kooperationsvertrages auf LCS getrimmt. Die Anwendung "Smartzone" von Airflash berechnet die Fahrzeit, die man braucht, um zu einem bestimmten Ziel zu gelangen. Das System bezieht die Streckenführung in die Routenberechnung mit ein. Es kennt Einbahnstraßen und Sackgassen und weiß, wann es über Berge und Flüsse geht. Mit dem Datenschutz haben sich die Anbieter noch auseinander zu setzen. Bekanntgabe der Positionierung nur nach Zustimmung, lautet zunächst das Motto. Sobald ein Kunde eine WAP-Seite mit ortsabhängigen Diensten aufruft, wird er per Textmeldung gefragt, ob ein Informationsanbieter seinen Aufenthaltsort erfahren soll.

Ortung ist im Mobilfunkgeschäft an sich nichts Neues. Denn ohne die Ermittlung der Position des Teilnehmers wäre noch nie ein Gespräch übers Handy zustande gekommen. Der Mobilfunkstandard GSM sowie die künftigen Übertragungsverfahren arbeiten gemäß der englischen Gattungsbezeichnung "Cellular Phones" mit Funkzellen. Die kleinen Sendebereiche überspannen das gesamte Verbreitungsgebiet und bilden die räumlichen Elemente in der Infrastruktur der Netzwerke. Jeder Carrier im mobilen Funkgeschäft wusste also schon immer, in welchen Zonen sich die Handys seiner Kunden jeweils befanden.

Zumindest in der Einführungsphase mobiler ortsbezogener Dienste müssen sich alle - Kunden, Carrier und Service-Provider - mit der Ortungsgenauigkeit zufrieden geben, welche die betreffende Funkzelle zu leisten im Stande ist. Da kleinräumigere Positionsmethoden noch in der Erprobung sind, gibt es derzeit keinen Anlass für allzu hochgeschraubte Erwartungen.

So muss man zurzeit mit einem "Handy-Cap" leben: Zelle ist nicht gleich Zelle. Die Flächen, die eine mit Sende- und Empfangstechnik ausgestattete Basisstation versorgt, sind alles andere als gleich groß. Bauten, Industrieanlagen und Geländeformen nehmen Einfluss auf die Mobilfunksignale. Bestenfalls erreichen Netzbereiche auf Basis moderner Pico-Zellen oder Homezones, wie sie zum Beispiel Viag Interkom verwendet, Genauigkeiten bis auf etwa 200 Meter. Solche Zellen sind aber nur dort anzutreffen, wo es technisch erforderlich ist und wirtschaftlich Sinn gibt, also in Ballungsbieten und entlang frequentierter Verkehrsadern. Im ungünstigsten Fall, in der Regel in ländlichen, schwach frequentierten Gebieten, können so genannte Macro-Zellen nur eine Positionsangabe auf vielleicht 30 Kilometer genau versprechen.

Standardisierung angestrebtDerartige Unschärfen bei der Positionierung finden vor der FCC, der amerikanischen Aufsichtsbehörde für Telekommunikation, keine Gnade. Verlangen doch die Wächter über Funk und Fernsehen in Amerika ultimativ, dass alle Handys, die seit dem 1. Oktober in den Vereinigten Staaten verkauft werden, im Falle eines Notrufs bis auf 125 Meter genau zu orten sind. In der EU ist diese Forderung ebenfalls in der Diskussion. Entsprechende Auflagen werden auch für Europa erwartet.

Die Netzwerkausrüster Ericsson, Siemens, Nokia oder Motorola liefern sich einen Wettlauf um mobile Ortung und Navigation. Offene Plattformen für mobiles Internet wie Omap (Open Multimedia Application Platform) sollen die Diensteentwicklung fördern. Der Einstieg erfolgt über Pre-Standards, da Normungsgremien wie die europaweit agierende ETSI noch an verbindlichen Regelungen arbeiten. Auf dem GSM-Weltkongress in Cannes präsentierte Siemens drei Servicepakete für Carrier und Diensteanbieter.

Satellitensystem ist zielsicherMit "Sie Finder" soll ortsbezogene Information und Werbung möglich werden. Regionale Wetteraussichten ließen sich dann etwa über eine landesweit einheitliche Rufnummer abfragen. Der Service "Sie Friend" schafft laut Anbieter neue Dimensionen in der Begegnung von Mensch zu Mensch: Verwandte, Freunde oder Kollegen, die sich die Zustimmung zur gegenseitigen Ortung gegeben haben, erhalten eine Nachricht, wenn sie sich in derselben Zone befinden. Beim Kongress- oder Messebesuch wäre somit zu erfahren, wer bereits am Zielort eingetroffen ist. Freunde können sich über eine SMS mit Ortsangabe zu spontanen Treffs verabreden. Die Führung von Fahrzeugen und Mitarbeitern im Außendienst organisiert das Servicepaket "Sie Fet". Weitere Wertschöpfung sollen Anwendungen mit ortsbezogener Rechnungsstellung und Abrechnung bringen.

Geht es um höhere Ortungsgenauigkeit, als es die Funkzelle erlaubt, stecken Netzausrüster und Lösungsanbieter in einem Dilemma. Da die Investitionslage der Carrier angespannt ist, müssen sie nach Wegen suchen, wie sich möglichst ohne große Umstellungen aus dem laufenden Betrieb Lokalisierungen ableiten lassen. Die Physik der Hochfrequenztechnik bietet da Hilfen. Entwicklungen gehen dahin, Entfernungs- und Raumdaten durch Vergleich der Signallaufzeiten wie der Abnahme der Signalstärken zwischen einem Endgerät und den Basisstationen der Umgebung zu berechnen.

So verspricht das E-OTD-Verfahren (Enhanced Observed Time Difference) in Ballungsgebieten eine auf 100 Meter genaue Positionierung. Die höchste Präzision liefern aber nach wie vor Satellitensysteme. Früher exklusiv den Militärs vorbehalten, sind sie jetzt für jedermann in voller Genauigkeit freigeschaltet. Das mit 24 Satelliten arbeitende Global Positioning System (GPS) zeigt bis auf fünf Meter genau die Position an - wenn über dem Endgerät freier Himmel ist. In Wäldern, Tunneln oder Parkhäusern müssten alternative Ortungsverfahren als Backup herhalten.

In einem gemeinsamen Versuch haben Siemens und der Telematikspezialist Gap AG 50 Familien mit einem neuen GPS-fähigen Gerät ausgestattet. Eltern haben damit zum Beispiel einen punktgenauen Überblick, wo sich die Kinder herumtreiben, und können jederzeit mit ihnen sprechen. Projektleiterin Susanne Müller-Zantop kommen Erfahrungen als allein erziehende Mutter zugute: "Ich habe gesehen, dass eine ähnliche Technik als Schutz gegen Fahrzeugdiebstahl dient. Vielleicht bedurfte es einer Frau, um zu sehen, wie sich die Technik auch zum Schutz von Kindern sinnvoll einsetzen lässt."

*Eckhard Rahlenbeck ist freier Journalist in Neckartenzlingen.

Ortsbezogene SMSViag Interkom bietet seit kurzem ortsbezogene Dienste per Short Message Service (SMS) an. Kunden können sich per Kurznachricht zum Beispiel über die nächstgelegenen Geldautomaten, Hotels, Postämter, Tankstellen, Restaurants und Taxistände informieren. Der Aufenthaltsort wird dabei automatisch berücksichtigt. Der Netzbetreiber spricht mit diesem Service Teilnehmer an, die entweder über kein WAP-Handy verfügen oder das derzeit noch langsame und bedienerunfreundliche Wireless Application Protocol noch nicht wollen.