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Kongreß des Fraunhofer-Instituts in Stuttgart

Mobile Informationstechnik als strategischer Tausendsassa

24.07.1992

Zum Thema "Mobile Computing" hielt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) kürzlich den ersten "europäischen Fachkongreß" ab. Als Sponsor trat der Augsburger Notepad-Hersteller NCR auf Eine kleine Ausstellung von etwa hundert Teilnehmern begleitete die Veranstaltung. Eine bunte Palette von vorwiegend deutschen Produkten war dort zu begutachten.

"Die harte internationale Wettbewerbssituation muß zum Wandel der Unternehmensstruktur führen" lautete die einführende Devise von Professor Hans-Jörg Bullinger vom IAO. Sein mit "Perspektiven und Zukunftsvisionen" untertitelter Vortrag stellte sich jedoch eher als akademische Positionsbestimmung der anbietenden deutscher Unternehmen im internationalen Vergleich dar. Immerhin konnte der Interessierte erfahren, daß hierzulande immer noch Unternehmensstrukturen vorherrschen, die von starker Arbeitsteilung durchdrungen und einem "Tayloristischen Massenproduktionsdenken" verhaftet sind, so daß die Kompetenz gut ausgebildeter Mitarbeiter häufig in Tätigkeiten ähnlich Fließbandarbeiten unausgeschöpft bleibt.

Japan ist wieder einmal der Welt voraus

Daraus resultiert die Forderung nach Verdrängung zentralistischer Organisationsmodelle und monofunktioneller Technik zugunsten einer besseren Unterstützung von Management und Außendienst mit Hilfe von unternehmensübergreifenden Kommunikationsmitteln. Ziel ist die Optimierung der Geschäftsprozesse und die Flexibilisierung der Organisationsformen.

Daß Japan wieder der übrigen Welt voraus ist, hat die "Lean Enterprise Diskussion" gezeigt. Ein fünfjähriges Forschungsprojekt am Massachusetts Institute of Technologie, das sich auf Untersuchungen der Automobilindustrie in USA, Europa und Japan stützte, konnte die Grundlagen der besseren japanischen Kooperationsfähigkeiten jedoch nicht wesentlich erhellen. Vor dem Hintergrund des Phänomens, daß seit einigen Jahren die Verkaufszahlen von tragbaren Systemen - insbesondere Notebooks - die größten Zuwachsraten innerhalb der Computerbranche haben, versuchten viele Vorträge des Kongresses Antworten zu geben auf Fragen wie "Was hat die Technik gebracht?" oder "Welche Perspektive bietet Mobile Computing?".

Vertreter des IAO arbeiteten heraus, daß Investitionen in mobile Computertechnologien strategische Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen darstellen. CAS-Systeme (computer aided selling) erhöhen in erster Linie die Kundenanbindung, während Verbesserungen der internen Logistik laut IAO primär zeit- und kostenreduzierend sind. Die Lösung kann jedoch nicht im zweigleisigen Einsatz von einerseits CIM-Systemen (computer integrated manufacturing) und andererseits CIO-Systemen (computer integrated office) liegen, sondern erfordert eine Gesamtintegration in Form eines Computer Integrated Business (CIB). Ein Durchbruch wird also erst gelingen, wenn der Einsatz der Computertechnologie infrastrukturellen Charakter hat, so daß synergetische Vorteile zum Tragen kommen.

Praktische Erfahrungen von Anwenderseite konnten Vertreter verschiedener Firmen vermitteln, die zum Teil schon seit im Außendienst mit Erfolg einsetzen. "Bei mehreren Millionen Kundenbesuchen pro Jahr wird das Firmenimage stark vom Auftreten unserer Außendienstvertreter geprägt", veranschaulichte Peter Fujimoto von der Mercedes Benz AG seine Sicht des verkaufsfördernden Einsatzes mobiler Computer. Sämtliche Nutzfahrzeugverkäufer sind mit über 1500 Systemen in Form von Kofferlösungen (vergleiche CW 27/92, Seite 23) und einem firmeneigenen Kundenberatungssystem ausgerüstet. Die anfänglich "zwangsbeglückten" Mitarbeiter haben offenbar zum überwiegenden Teil die Vorteile der papierlosen Beratung und Datenerfassung vor Ort innerhalb weniger Monate zu schätzen gelernt. Die höhere Beratungsqualität, die durch den Einsatz von "Mobile Computing" erreicht werden kann, hat bei den Kunden Begeisterung, aber auch höhere Ansprüche hervorgerufen. Die Vorreiterrolle soll Mercedes Benz einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil beschert haben. Die Konkurrenz rüstet bereits nach. Die aufwendige Aktualisierung und Verteilung der Daten an die Mitarbeiter kann, so Fujimoto, bei der Flut von täglichen Änderungen ohne ein derartiges System gar nicht mehr kurzfristig bewältigt werden.

Von ähnlich positiven Erfahrungen konnten auch Vertreter von Firmen anderer Branchen, wie beispielsweise Reemtsma in Hamburg mit etwa 280 Außendienstmitarbeitern, berichten. Dort wurde der größte Wert auf benutzerfreundliche Bedienoberflächen gelegt.

Kaum Anwendungen für Pen-Computer

Auffallend war jedoch, daß sich die auf dem Kongreß vorgestellten Anwendungen zumeist auf die bewährteren tastaturbetriebenen Hardware-Plattformen beschränkten.

Stiftbasierte Applikationen, die für Pen-Computer wie den NCR Notepad entwickelt wurden, tauchten eher am Rande auf, vermutlich ein Versäumnis der Veranstalter.

Lediglich in zwei Vorträgen wurde über konkrete Anwendungen für den Stift berichtet: Die Firma Padcom stellte eine Software-Lösung für die pharmazeutische Industrie auf der Basis des Betriebssystems Penpoint von Go vor, das im Rahmen eines Pilotprojekts auf Notepads für klinische Prüfungen, Monitoring und den Außendienst angeschafft wurde. Ferner entwickelten Mitarbeiter der IAO im Rahmen eines Industrieprojekts eine Demonstrations-Applikation für die deutsche Flugzeugbaufirma Dasa-MBB.

Das Informations- und Dokumenten-Management-System basiert auf Pen-Windows von Microsoft. Es unterstützt die Instandhaltung von Luftfahrzeugen. Formblätter, Zeichnungen, Servicepläne und ein wissensbasiertes Diagnosesystem zur Fehlerkennung und -behebung sind darin integriert.

Vertreter des Mitveranstalters NCR rückten in ihren Vorträgen selbstverständlich den NCR Notepad 3195 ins Rampenlicht. Sie zeigten bei dieser Gelegenheit das Potential von Pen-Computern auf: Das Schreiben als Aufzeichnungsverfahren erlebt eine Renaissance. Nimmt man die Möglichkeit der intuitiven Handhabung speziell gestalteter grafischer Oberflächen hinzu, (einfaches Antippen mit dem Stift steuert komplexe Programmabläufe) ergibt sich eine immer größere Nähe zu den Bedürfnissen der Anwender.

Unterstützung fanden diese Beiträge an den wenigen Ständen der begleitenden Ausstellung. Überall war der NCR Notepad neben einzelnen Konkurrenzprodukten (Gridpad von Grid und der "Handheld" Poqetpad von Poqet) zu finden.

Ergänzt wurde dieses Spektrum durch Spezialvorträge von Microsoft zu Entwicklungen unter Pen-Windows sowie Wortbeiträge von Intel. Diese Prozessorschmiede hat durch wesentliche Hardware-Komponenten, wie zum Beispiel mit einer neuen Prozessor und Speicherkarten-Technologie für tragbare, batteriebetriebene Rechner, auch zur Entwicklung des NCR Notepad beigetragen.

NCRs Preispolitik wird sich ändern

Von NCR war zu erfahren, daß sich die Preispolitik der Augsburger unter wachsendem Konkurrenzdruck ändern wird, so daß ihr Pen-Computer bis Ende des Jahres vermutlich zu einem Preis von zehn bis 15 Prozent über dem Preisniveau von "normalen" Notebooks zu haben sein wird.

Neue Kommunikationstechnologien, die bei tragbaren Rechnern verschiedener Couleur künftig eingesetzt werden sollen, wurden ausgiebig vorgeführt und diskutiert. Neben der Übertragung von Daten per Funk im Mikrowellenbereich, die noch Probleme bei der Zulassung bereiten, wurde von der Firma Infralink eine Infrarot-Technologie vorgestellt. Sie soll zur Kommunikation von bis zu 64 Sendern innerhalb eines Raumes mit hohen Durchsatzraten eingesetzt werden können.

In diesem Zusammenhang tauchten auch Informationen über bevorstehende Großanwendungen des "beschreibbaren" Portablen von NCR in den USA in der beachtlichen Größenordnung von 10 000 Geräten auf.

Auch Apple war auf der begleitenden Ausstellung vertreten, um eine Funk-Lösung mit Hilfe eines Modems von Motorola zu präsentieren. Wie zu erfahren war, funktioniert diese Konfiguration jedoch derzeit nur in den USA, da die vorgesehenen Frequenzen für Europa nicht erteilt werden

Modacom in der ersten Ausbaustufe

Die Telekom präsentierte ihr Mobilfunksystem Modacom, das bisher in der ersten Ausbaustufe im Ballungsgebiet um Rhein und Ruhr erprobt wird und demnächst bis zur Flächendeckung der Republik ausgebaut werden soll. Bisher scheint die vor kurzem aufgeflammte Diskussion über die allgemeine Strahlenbelastung durch Funkanlagen die Pläne der Telekom nicht zu beeinflussen. Dieter Schumacher von der Telekom sieht Modacom derzeit konkurrenzlos: "wir möchten endlich den Konkurrenten sehen, der die zweite Lizenz erhält, weil auf diese Weise der Markt besser aufzurollen ist". Nach seiner Meinung werden die Standardisierungs- und Genehmigungsverfahren für die D-Netze noch einige Jahre auf sich warten lassen, so daß sich für die Amortisierung des Modacom-Netzes, das zusammen mit dem Datex-P-Netz arbeitet, eine ausreichende Zeit-Marge ergibt.

Alles in allem hatte die Konferenz im Gegensatz zu amerikanischen Veranstaltungen ein eher konservatives Flair. Dem "Insider" wurde wenig wirklich Neues präsentiert. Die erstaunlicherweise etwas vernachlässigte Darstellung von Pen-Computeranwendungen wurde durch ein im Auftrag von NCR erstelltes Sonderheft zum Thema Notepad wettgemacht.