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16.11.2001 - 

IT im Gesundheitswesen/PDAs stellen Laptops in den Schatten

Mobile IT macht Mediziner effizienter

Ob als Humanmediziner im Krankenhaus oder als Veterinär, fürs Erfassen wichtiger Informationen ist der Gang zum Arbeits-PC immer noch die Regel. Wenn aber der Schreibtisch weit weg ist, ist mobile IT schneller. Vieles spricht für PDAs. Von Oliver Fels*

Mobile IT-Geräte im medizinischen Umfeld können dafür sorgen, dass wichtige Daten an jedem Ort der ärztlichen Arbeit verfügbar sind. Wo auch immer das medizinische Personal sich gerade aufhält, es muss in der Lage sein, von dort Informationen wie beispielsweise Patientendaten, Medikamentenverzeichnisse oder Bestände abzurufen. Die Information muss einfach zu bekommen und klar strukturiert sein. Laptops sind für den ständigen mobilen Einsatz zu schwerfällig, schließlich benötigen sie nach wie vor eine Unterlage. Die Bedienung entsprechender Endgeräte muss aus der Hand heraus erfolgen können.

Insbesondere was die Handhabung angeht, stellen Personal Digital Assistants (PDAs) die optimale Plattform für mobile Anwendungen dar. Klein, leicht und mit dem Stift bedienbar, leisten diese Geräte vieles, was bisher größeren und teureren Laptops vorbehalten war. Die Anbindung an drahtlose Kommunikationsverfahren (WLAN, Bluetooth) prädestiniert sie für den Einsatz in Gebäuden wie beispielsweise Arztpraxen und Krankenhäuser. Mittels gängiger Mobilfunkstandards (GSM, GPRS und in Zukunft UTMS) können sie auch im Feldbetrieb eingesetzt werden.

Viele bisherige Arbeitsprozesse der Datenerfassung in der Medizin basieren auf manuellen Aufzeichnungen, die in einem späteren Vorgang von Hand in die zentrale DV eingepflegt werden müssen. Dieser Schritt könnte durch PDAs mit entsprechend implementierten Formularen entfallen: Die Daten werden nach dem Erfassen drahtlos auf einen zentralen Server übertragen, von dem sie jederzeit abrufbar sind. Barcodes vereinfachen diesen Vorgang zusätzlich. Ein im PDA integrierter Barcode-Scanner übernimmt hierbei die Erfassung, wie es beispielsweise im Northwestern Medical Center in St. Alban, Vermont (USA), mit Erfolg praktiziert wird.

Eine Vielzahl von Daten wird heute bereits elektronisch vorgehalten. Entsprechende Datenbanken hat jede Arztpraxis und jedes Krankenhaus installiert, jedoch ist der Zugriff vom Vorhandensein eines Desktop-PCs abhängig.

Mittels mobiler Endgeräte könnten diese Informationen aber auch von jedem Punkt des Arbeitsbereichs aus zugänglich gemacht werden. Dies ist beispielsweise der Ansatz, den das Cedars Sinai Center in Los Angeles verwendet - PDAs dienen hier als Schnittstellen zu verschiedenen Datenbank-Backends. Der Zugriff auf Laborberichte und Patientendaten wird von jedem Ort im Krankenhaus aus möglich, ebenso wie die Anforderung von Literatur aus der Kinikbibliothek.

Wichtige Rolle für die ZentralisierungMobile Technologie spielt auch bei der Zentralisierung von Information eine große Rolle. So wurde im Stadtgebiet der irischen Stadt Cork ein drahtloses Netz zwischen mehreren Krankenhäusern eingerichtet, um eine zentralisierte Datenhaltung medizinischer Information zu erhalten. Dass medizinisches Personal in jeder dieser Kliniken permanent auf diesen Informations-Pool unabhängig vom Standort zugreifen kann, zeigt, welches Potenzial in der Verwendung mobiler Technologien steckt.

Auch nichtstationären Patienten, die unter medizinischer Überwachung stehen, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Eine entsprechende Anwendung wird bereits erfolgreich am Princeton Department of Medical Homecare (USA) eingesetzt. Krankenschwestern führen ein mobiles Endgerät mit, es bietet den Zugriff auf alle Patientendaten und erlaubt die direkte Kommunikation mit dem Arzt.

Erweitert man dieses Prinzip, so lassen sich auch medizinische Meßgeräte schnell und unkompliziert bedienen beziehungsweise abfragen, um die entsprechenden Daten drahtlos zum Arzt übertragen zu können. So werden Ablesefehler vermeidbar, auch entfällt die Bindung des Patienten an einen Ort in der Nähe eines Telefons oder Computers.

Die für mobile Lösungen notwendige Technologie ist bereits vorhanden. Auf der Anwenderseite sind eine Vielzahl leistungsfähiger Endgeräte namhafter Hersteller erhältlich, deren Rechenleistung guten Gewissens als ausreichend bezeichnet werden kann. Mobile LAN-Netzwerke, beispielsweise WLANs, sind bereits verfügbar und ermöglichen die drahtlose Kommunikation vieler Endgeräte in Ergänzung zum bereits vorhandenen lokalen Netzwerk. Das bedeutet, dass ein Zusammenspiel aller vorhandenen Geräte, ob mobil oder stationär, möglich wird.

Angebunden werden die mobilen Endgeräte im optimalen Fall über einen zusätzlichen Gateway-Server. Dieser empfängt ihre Daten, bindet diese als Router in das LAN ein und stellt Schnittstellen zur vorhandenen Server-Infrastruktur zur Verfügung - beispielsweise an Datenbanken und Kommunikationssysteme.

Die Anforderungen an dieses Gateway sind, technisch betrachtet, nicht sonderlich hoch. Komplexe Rechenoperationen sind nicht erforderlich, und ein hohes Datenaufkommen ist ebenfalls nicht zu erwarten. Aus diesem Grunde kann das Gateway auf einem bereits existierenden Rechner, beispielsweise einem Router, oder einem älteren Gerät betrieben werden.

E-Business-Komponenten einsetzbarSoftwareseitig können marktgängige Komponenten des E-Business Verwendung finden. Das Angebot an Web- und Applikations-Servern ist für diese Aufgabe mehr als ausreichend, so dass auf Seiten der Gateways der Aufwand an Softwareentwicklung auf die Schnittstellen zur vorhandenen Infrastruktur beschränkt wird.

Die Einhaltung hoher Sicherheitsstandards spielt im Bereich der medizinschen Anwendung eine herausragende Rolle. Da bei den oben skizzierten Einsätzen eine Reihe hochsensitiver Informationen übertragen wird, müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden:

- Daten dürfen nicht durch unberechtigte Dritte eingesehen werden;

- die Integrität der Information muss erhalten bleiben (Fälschungssicherheit);

- das System muss ausfallsicher sein.

Die auch als Man-in-the-Middle-Kriterien bezeichneten ersten beiden Faktoren lassen sich zum einen durch den Einsatz von Verschlüsselungstechnologien behandeln, wie sie zum Beispiel im gerade in der Entwicklung befindlichen Health Care Professionals Protocol (HCPP) beschrieben werden. Dies schließt unter Umständen die Einrichtung einer Certificate Authority ein, welche die Schlüsselverteilung überwacht und deren Integrität gewährleistet.

Zum anderen muss der Zugriff auf sensible Informationen durch Dritte, beispielsweise bei Verlust des Endgeräts, verhindert werden. Gerade an Orten, an denen viel Publikumsverkehr zu erwarten ist, wie in Arztpraxen oder Krankenhäusern, ist das Risiko eines Diebstahls hoch.

Absolut störungsfreier BetriebEin weiterer wichtiger Faktor ist die Gewährleistung eines absolut störungsfreien Betriebs empfindlicher medizinischer Geräte im Zusammenspiel mit drahtlosen Netzwerken. Hierbei müssen ähnliche Rahmenbedingungen beachtet werden wie beim Betrieb von Mobiltelefonen. Um in derartigen Fällen die volle Funktionalität zu gewährleisten, ist es möglich, auf alternative Kurzstreckenübertragungstechniken wie zum Beispiel Infrarotverbindungen zurückzugreifen.

Die Einführung mobiler Technologien sollte Teil der allgemeinen IT-Strategie sein. Zu groß ist das Risiko, dass ein nicht unerheblicher Teil der Belegschaft mit zueinander inkompatiblen und nur schwer wartbaren Kleinlösungen arbeitet. Mobile Technologien spielen ihre Stärken ausschließlich im kooperativen Verbund aus. Letztlich sind nur auf diese Weise messbare Verbesserungen möglich und positive Synergieeffekte zu erreichen. Hierbei stellt die Kombination aus stationären Desktop-PCs und Mobilgeräten die größt mögliche Effizienz her.

Dem stehen die zurzeit noch recht hohen Kosten der Endgeräte gegenüber. Da je nach Anwendung ein gewisses Leistungspotenzial des PDA vorausgesetzt werden muss, sind marktgängige Geräte ab der mittleren Preisklasse notwendig. Dazu kommen Aufwendungen für Soft- und weitere Hardware, so dass im Endeffekt die Investitionskosten nicht zu vernachlässigen sind.

Nach wie vor liegen die Kosten allerdings deutlich unter den gängigen Preisen entsprechender Laptops - bei wesentlich höherer Mobilität und größerer Effizienz in der Anwendung. (bi)

*Oliver Fels ist Consultant und Projektleiter bei der Innotek Systemberatung GmbH in Eriskirch am Bodensee.

Abb: PDAs im Einsatz

Mit Hilfe von gängigen Mobilfunkstandards wie GSM, GPRS und demnächst auch UMTS können PDAs fast überall eingesetzt werden. Quelle: Fels