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22.07.1994

Mobile Kommunikation: Stau auf dem elektronischen Highway? Datenfunk funktioniert nur in der Phantasie der D-Netz-Betreiber

Von Eric Tierling und Ingo Lackerbauer*

Der lange und steinige Weg ins gelobte Land der mobilen Datenkommunikation scheint auch nach Monaten vollmundiger Ankuendigungen seitens der Diensteanbieter nicht kuerzer geworden zu sein. Auf die Einloesung eines Grossteils der gemachten Versprechungen warten die Anwender immer noch. Frustration statt Euphorie?

Fast taeglich werden neue Notebooks vorgestellt. Sinkende Preise haben dafuer gesorgt, dass Millionen Anwender bereits einen dieser tragbaren Reisebegleiter tagtaeglich mit sich fuehren. Die Verbindung mit der D-Netz-Technologie und die dadurch erreichte Unabhaengigkeit verleiht dem Begriff "Mobile Computing" neue Dimensionen: Faxen und Datenuebertragung aus dem fahrenden Zug, dem Flugzeug oder von der gruenen Wiese sind keine Traeumerei mehr, sondern technisch realisierbar.

In der Praxis kaempfen die Benutzer der Funknetze aber immer noch mit diversen Widrigkeiten. Da saemtliche europaeischen Funknetzsysteme weitgehend inkompatibel waren, wurde die SMG

(Special Mobile Group) ins Leben gerufen, die alle Hersteller und Betreiber aktiver GSM-Netze (Global System of Mobile Communication) vereint. Diese Organisation verabschiedete Standards fuer ein einheitliches digitales Mobilfunksystem.

Praktisch heisst dies fuer den Anwender: Wo auch immer ein GSM- kompatibles Telefonnetz existiert, ist er in der Lage, sein D- Netz-Telefon zu benutzen und grenzenlos zu telefonieren.

Leider ist der Sprachkanal in den GSM-Netzen fuer Datentransferaufgaben nur sehr eingeschraenkt zu gebrauchen. Um moeglichst viele Sprachinformationen bei hoher Qualitaet zu uebertragen, reduziert ein internes Verfahren im GSM-Netz die Informationen. Diese Methode ist dabei einzig auf sprachliche Signale optimiert. Toene, die von einem Modem stammen, lassen sich leider nicht entsprechend reduzieren. Die Folge: Die fuer eine akzeptable Datenuebertragung notwendige Geschwindigkeit wird nicht annaehernd erreicht.

Fuer dieses Problem gibt es zwei Loesungen. Speziell entwickelte Modemtypen passen ihre Uebertragungsbandbreite der des Sprachsignals an. Nachteil dieser Implementierung sind zum einem die um den Faktor zehn geringere Uebertragungsleistung, zum anderen die Anschaffung teurer, proprietaerer Spezialperipherie auf Sender- und Empfaengerseite.

Die zweite und wesentlich elegantere Moeglichkeit ist die Nutzung spezieller D-Netz-Datenkanaele zur Datenuebertragung. An diesem Verfahren arbeiten die beiden deutschen D-Netz-Betreiber, die Telekom-Tochter Detemobil (D1) und Mannesmann Mobilfunk (D2), schon seit einiger Zeit mit maessigem Erfolg: Ueber ein Teststadium sind beide bisher nicht hinausgekommen.

Detemobil beschraenkt sich bisher auf Pilotprojekte in den Grossraeumen Bonn/Koeln, Berlin und Stuttgart. Ferner ist die Uebertragungsgeschwindigkeit auf 2400 Bit/s limitiert. Auch Bernd Jaentsch von Detemobil ist klar,

"dass 2400 Bit/s fuer die Datenuebertragung relativ ungeeignet sind. Wir planen deshalb 9600 Bit/s bis Ende des Jahres zu implementieren", so das Versprechen des Detemobil-Mitarbeiters. Der generelle Startschuss zur Aufnahme des regulaeren, bundesweiten Betriebs soll Anfang naechsten Jahres fallen.

Mit aehnlichen Eckdaten wartet auch Mannesmann Mobilfunk auf. Getreu der Devise "Nicht kleckern, sondern klotzen" wollte der private Mobilfunkanbieter bereits kurz nach der diesjaehrigen CeBIT durchstarten. Doch hier waere wohl vornehme Zurueckhaltung eher angebracht gewesen. Christian Schwalow, von Mannesmann Mobilfunk, vertroestet die Anwender: "Im vierten Quartal dieses Jahres werden wir den Regelbetrieb mit der vollen Funktionalitaet aufnehmen." Zur Zeit steht ein nur eingeschraenkter Funktionsumfang zur Verfuegung, da Funktionen wie beispielsweise das Multi-Numbering noch nicht aktiviert sind. Somit koennen eingehende Daten nicht optimal verarbeitet werden.

Erste praktische Loesungen gibt es bereits seit der diesjaehrigen CeBit in Hannover. So bietet etwa Dr. Neuhaus die "Gypsi-Card" an. Eine PCMCIA-Karte wird mit dem D-Netz-Handy auf der einen Seite und dem Notebook auf der anderen Seite verbunden. Zur Zeit soll damit eine Kommunikation ueber das D-Netz in gut zwei Dritteln des bundesrepublikanischen Gebiets moeglich sein.

Unabhaengig davon, ob die GSM-Netzbetreiber Datenuebertragungsdienste verfuegbar haben oder nicht, eroeffnet sich fuer den Anwender ein ganz anderes Problem. Die D-Netz-Endgeraete und die dafuer entwickelten Modems sind untereinander inkompatibel. Gegenwaertig propagieren rund zehn verschiedene Unternehmen ebenso viele Spezialloesungen. So ist Dr. Neuhaus' Gipsy-Card nur mit wenigen D-Netz-Handys lauffaehig, deren Anzahl sich an einer Hand abzaehlen laesst (das beliebte "2110" von Nokia beispielsweise zaehlt nicht dazu).

Sollte nicht bald ein einheitliches Verfahren e la Centronics oder SCSI fuer die Schnittstelle gefunden werden, ueber die GSM-Modems an D-Netz-Endgeraete angeschlossen werden koennen, muss der potentielle Kunde bereits vor dem Kauf seines Handys ueberpruefen, ob der Hersteller auch ein dazu passendes Modem anbietet oder zumindest angekuendigt hat. Fuer vorsichtige User gilt erst einmal das Motto "Abwarten und sehen, was die Zukunft bringt".

In der Zwischenzeit nutzen andere die verfahrene Situation und stellen interessante Alternativen vor. So entwickelt beispielsweise der Berliner ISDN-Spezialist AVM gemeinsam mit Mannesmann Mobilfunk "Mobile ISDN". Bei diesem Verfahren werden die zu uebertragenden Daten mit Hilfe eines PCMCIA-ISDN-Adapters so aufbereitet, dass sie ueber das GSM-Netz gesendet und mit einer im ISDN-Festnetz verbundenen Gegenstelle ausgetauscht werden koennen. Da hierbei keine Umwandlung von digital nach analog und wieder nach digital stattfindet, sondern die Daten vom Sender unveraendert zum Empfaenger gelangen, ergibt sich die beachtliche Transferrate von rund 32 Kbit/s.

Der Startschuss fuer diese Loesung ist ebenfalls fuer das Jahresende geplant. Bis dahin werden sich alle Anwender, die im Vertrauen auf die diversen Aussagen von D-Netz-Betreibern und Geraeteherstellern datenuebertragungsfaehige D-Netz-Handies erworben haben, frustriert gedulden muessen.