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Mobile Payment - zweiter Versuch

02.06.2006
Die Funktechnik Near Field Communication (NFC) vereinfacht nicht nur den Fahrkartenkauf, sondern belebt das gesamte Thema Mobile Payment neu.

Seit Ostern ist das hessische Hanau um eine Sehenswürdigkeit reicher: Bei dem in den Bussen der Hanauer Straßenbahn AG (HSB) eingesetzten Handy-Ticketing-System handelt es sich um die weltweit erste kommerzielle Nutzung der Funktechnik Near Field Communication (NFC).

NFC auf dem Weg zur Marktreife

Projektsteckbrief

Projektart: Einführung eines NFC-basierenden Handy-Ticketing-Systems.

Branche: öffentlicher Personennahverkehr.

Ziel: komfortable Bezahllösung, Reduzierung des Bargeldverkehrs.

Produkte: Nokia 3220 mit modifizierter Rückwand, NFC-Chip von Philips mit JCOP-Anwendung von IBM; Java-basierende E-Ticketing-Anwendungssoftware von T-Systems mit Oracle-Datenbank

Stand heute: kommerzieller Einsatz.

Nächster Schritt: Evaluierung einer Einführung im gesamten RMV-Bereich.

Handy-Bezahlsysteme Reloaded

Nicht nur in Hanau versucht der RMV, dem nach missglückten WAP-Versuchen längst tot geglaubten Thema "Handy-Bezahlung" neues Leben einzuhauchen. In Franfurt am Main bietet der Verkehrsverbund in einem Pilottest Fahrgästen die Möglichkeit an, ihr Ticket nach vorangegangener Online-Registrierung über eine kleine Java-Applikation vor Fahrtantritt auf das Handy zu laden. Die Reisenden haben bei dem von der Fourth Project GmbH entwickelten Ticketsystem die Wahl zwischen Einzelfahrkarten und Ein- oder Mehrtageskarten in Frankfurt City mit oder ohne den Geltungsbereich Flughafen. Eine ähnliche Lösung von Siemens Business Services (SBS) wird ab Oktober in sieben deutschen Großstädten und einer Reihe kleinerer Kommunen für zwei Jahre getestet.

Auf eine SMS-Lösung setzen die Verkehrsbetriebe in Köln (KVB), Bonn (SWB) oder Gera. Voraussetzung für die Nutzung ist eine einmalige Registrierung, die über das Web-Portal www.myhandyticket.de von Xsmart erfolgt. Anschließend genügt die Wahl einer (Gratis-) Rufnummer - und den Fahrgästen wird ihr Fahrschein in Form einer SMS-Mitteilung zugesandt. Um Missbrauch zu vermeiden, enthält das elektronische Ticket dabei neben Tarif, Datum und Uhrzeit des Erwerbs auch eine spezielle Nummer und ein Sicherheits-Codewort.

Fahrgäste, die an dem Projekt teilnehmen, können dank NFC getrost ohne Fahrkarte in einen städtischen Bus einsteigen. Es genügt, wenn sie ihr Mobiltelefon jeweils vor dem Ein- und Ausstieg kurz an ein in der Nähe der Tür montiertes Lesegerät halten. Momentan unterstützt allerdings nur eine überschaubare Anzahl von Handys NFC. Projektpartner Philips, der die Technik zusammen mit Sony entwickelt hat, geht jedoch davon aus, dass bis 2010 bereits die Hälfte aller Handys via NFC kommunizieren können.

Integrierte Bonus-Card

In Fall Hanau wird ein Nokia-Handy vom Typ 3220 mit einer modifizierten Rückwand eingesetzt, das in teilnehmenden Vodafone-Läden gekauft werden kann. Das Gerät enthält einen Funkchip und einen Secure-Chip, auf welchem die Anwendungsdaten, also der Fahrschein und die zusätzlich angebotene Bonus-Card, gespeichert werden.

Ob die An- beziehungsweise Abmeldung bei dem Lesegerät erfolgreich war, kann der HSB-Fahrgast auf seinem Handy-Display überprüfen, wo sich auch die Daten zu den letzten fünf Fahrten einsehen lassen. Die Kontrolleure des Verkehrsverbunds wiederum sind mit einem speziellen Lesegerät ausgestattet, um ihrer Arbeit nachzugehen. Am Monatsende flattert den Fahrgästen die Abrechnung ins Haus. Sie enthält ähnlich wie eine Telefonrechnung eine detaillierte Auflistung der unternommenen Fahrten, wobei automatisch der günstigste Preis berechnet wird - entweder Einzel-, Tages-, Wochenkarten oder gar ein Monatsticket. Die zugrunde liegenden Daten werden jeden Abend, wenn die Busse parken, via WLAN-Verbindung von den eingebauten Lesegeräten geladen und in das zentrale Abrechnungssystem eingespeist. Optional ist auch eine Prepaid-Lösung möglich.

Bevor das neue Ticketing-System im Hanauer Stadtbusnetz für die Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde, testeten es knapp 200 Bürger in einem halbjährigen Feldversuch ausgiebig. Die Probanden bewerteten das Handy dabei fast unisono als gute Alternative zu den bereits bei der HSB als elektronisches Ticket verwendeten kontaktlosen Smartcards.

Mehr Komfort für Vielfahrer

Auch dem Betreiber RMV winken mit NFC gewisse Vorteile. Die Technik erleichtert es zum einen den Kunden, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, was laut Pressesprecher Peter Vollmer eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Außerdem lassen sich - wenn auch erst auf lange Sicht - vor allem Kosten im Vertrieb senken sowie die Aufwendungen, die mit der Verwendung von Fahrkartenautomaten (Bargeldtransport, Vandalismus) entstehen.

Bis der komplette Rhein-Main-Verkehrsverbund, zu dem auch die Hanauer Straßenbahn AG gehört, auf das NFC-System wechselt, wird jedoch noch etwas Zeit vergehen. Grund sind zum einen die 144 Millionen möglichen Verbindungen, die in einer Tarifmatrix abgelegt werden müssen. Zum anderen muss das System für bis zu zwei Millionen Fahrten am Tag ausgelegt sein. Vollmer sieht eine vollständige Implementierung im Rhein-Main-Gebiet nicht vor dem Jahr 2010. Angesichts der auf rund 100 Millionen Euro geschätzten Investition sei die Einführung nicht zuletzt auch von der Marktentwicklung abhängig.