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16.11.1984 - 

Auch im Lager zeichnet sich der papierlose Informationsfluß ab; Teil 1:

Mobile Terminals optimieren die Lagerhaltung

Alle sprechen vom papierlosen Büro und von der Revolution in der Büroorganisation. Was im Büro Tatsache werden soll, zeichnet sich papierlose Informationsfluß. Die mechanischen Automatisierungsmöglichkeiten im Lagerbereich haben bereits einen hohen Technisierungsgrad erreicht. Als nächste Rationalisierungswelle wird nun die Integration des Informationsflusses eingeleitet: mit einem Infrarot-Datenübertragungssystem für den drahtlosen Datenaustausch zwischen dem ortsfesten Rechner und den mobilen Terminals.

Bevor eine Systemunterteilung vorgenommen werden kann, muß eine Abgrenzung gegenüber dem normalen Kommissionierlager gemacht werden. Dabei ist ein

- Kommissionierlager ein sich rasch umschlagendes Pufferlager zwischen dem Vorratslager und der Auftragszusammenstellung. Die Artikel werden häufig zugegriffen Die Artikelgröße reicht von kleinen Teilen bis Kartonboxen;

- Kleinteilelager ein Vorratslager für viele Artikel mit kleinem und kleinstem Volumen. Die Artikel werden zum Teil nur selten zugegriffen, so daß pro Lagerzone (Lagergang) und Lagerbediengerät mehrere Tausend Artikel zugeordnet w erden können (bis zu 20 000 Artikel pro Gang) Die Auslagerung erfolgt in Teilmengen der Einlagerungen (Kommissionieren).

Zu einem Kleinteilelager gehören vier Systemelemente und ein übergeordnetes Identifikations- und Steuerungssystem. Die vier Systemelemente sind:

- eine Regalkonstruktion, normalerweise eine gebäudetragende oder gebäudeunabhängige Stahlkonstruktion zur Aufnahme von Lagereinheiten

- ein Regalbediengerät in den Varianten,

- handgesteuert,

- automatisch,

- ein Fördersystem für die Zuführung der einzulagernden Lagereinheiten respektive für die Auslagerung der Kommissionen,

- ein Ladeträger, der sowohl auf die gelagerten Artikel, das Fördersystem, das Regalbediengerät und die Regalkonstruktion abgestimmt sein muß.

Folgende Systemzuordnungen bezüglich der Bedienung sind angebracht

- handgesteuerte Geräte (Mensch zur Ware) wie flurfahrende oder schienengeführte Kommissioniergeräte für Regalhöhen von 4 bis 16 Meter,

- automatische Regalbediengeräte (RGB) in einem Kleinteilelager (KTL) oder kurz: "Automatisches Kleinteilelager".

Die Systemunterschiede bei den automatischen Kleinteilelager sind maschinentechnischer Art. Man unterscheidet bezüglich der Handhabung der Lagereinheiten Regalbediengeräte mit:

- Teleskopgabeln oder -tischen, für den Transport von gleichzeitig ein oder zwei Lagereinheiten,

- mechanischen Greifern,

- Greifer mit Vakuum-Saugnäpfen.

Wegen der Magnetisierbarkeit von Teilen können Magnetgreifer in der Regel nur selten eingesetzt werden.

Bezüglich der Lagerstrategie kann man zwei Typen unterscheiden nämlich:

- Lagereinheiten (Behälter, Tabletts) mit nur einem Lagerartikel,

- Lagereinheiten mit mehreren Artikeln (2 bis 20) auf einem Ladeträger.

Auch in bezug auf die Ladeträger lassen sich zwei Kategorien unterscheiden. Es sind dies Lager,

- deren Ladeträger auch außerhalb des Lagerbereiches benutzt werden (zum Beispiel allgemeine Transport- und Lagerbehälter in einer Fabrik).

- in denen der Ladeträger nur auf das Lager beschränkt bleibt (der Ladeträger bleibt innerhalb des Kreislaufes Lager-Kommissionierplatz).

Automatische Kleinteilelager und ihre Möglichkeiten sind in Europa noch gar nicht sehr stark verbreitet, stehen aber laut Stöckling AG doch Immer mehr im Mittelpunkt. Es fehlt heute vielfach noch eine Systematik zum Finden des bestgeeigneten Kommissioniersystems.

Die Kommissionierung ist andererseits ein wichtiges Bindeglied in einer Kette des Warenflusses von der Produktion bis zum Kunden. Künftig wird man dieser Komponente noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken haben, da die Anforderungen des Absatzes ständig zunehmen. Die Kundschaft selber will keine großen Lagerbestände halten und erwartet deshalb eine kurze Lieferbereitschaft. Somit muß eine große Artikelverfügbarkeit und eine hohe Flexibilität vorhanden sein.

Die technische Entwicklung in der Fördertechnik hat hier entsprechende Lösungsmöglichkeiten eröffnet.

Folgende Forderungen an die automatischen Kleinteilelager erhöhen die Entscheidungschancen für automatische Systeme:

- kurzfristige Bereitstellung der Teile in richtiger Reihenfolge,

- Wegfall vom Zwischenlager im Montagebereich, minimale Bereitstellflächen in der Montage,

- Realisierung von kurzen innerbetrieblichen Transportwegen zur Montage oder zum Versand,

- rationelle Lagertechnik,

- optimale Nutzung des Lagerraumes auch in der dritten Dimension,

- moderner Informationsfluß durch integrierte Datenverarbeitung,

- Betriebssicherheit, Diebstahlsicherheit,

- Flexibilität,

- Ordnung und Übersicht,

- hoher Raumfüllgrad,

- humanere Arbeitsplätze.

Das Volumen der zu lagernden Artikel bestimmt die Dimensionierung der Ladeträger und der Regalanlage.

Heute scheitert die Realisierung von automatischen Kleinteilelagern vielfach noch an den zu hohen Investitionskosten. Die Personaleinsparungen sind bei kleineren Anlagen noch zu gering, um eine gute Rentabilität auszuweisen. Die Standardisierung der Systemkomponenten insbesondere des Softwarebereiches verspricht aber eine weitere Kostensenkung, so daß die Einsatzmöglichkeiten zunehmen.

Je höher die Zuverlässigkeit der Anlagen steigt, desto mehr werden die übrigen Systemvorteile zum Tragen kommen. Nachdem schon eine Vielzahl von automatischen Anlagen zur Zufriedenheit der Kunden laufen, darf die Skepsis bezüglich Systemverfügbarkeiten in den Hintergrund treten.

Würde es gelingen, Teilbereiche der Kommissioniertätigkeit mit roboterähnlichen Handlingsgeräten auszuführen, so könnten die Chancen für das KTL noch verbessert werden.

Die Entwicklung moderner Kleinteilelager deutet eindeutig darauf hin, daß Arbeitspapiere durch elektronische Informationsmittel ersetzt werden, Lesen von Bezeichnungen und Zahlen werden abgelöst durch Direktübernahme der Daten ab Informationsträgern (Strichcode, Magnetisierstreifen). Die Prozeßsteuerung versorgt den Kommissionierer mit Ware in der richtigen Reihenfolge und zeigt ihm mit Lichtpunkten an, welcher Artikel zu greifen ist.

Papiere werden ausgedruckt, sobald elektronische Waagen die richtige Menge bestätig haben. Die komplette Unterstützung des Menschen durch Befehls- und Meldegeräte ist in Sicht - und doch, die Ablösung des Menschen als Kommissionierer ist noch Utopie. All die Informationssysteme helfen jedoch Kommissionierfehler vermeiden.

Natürlich bedingt diese Perfektionierung ein leistungsfähiges Computersystem mit hoher Verfügbarkeit und raschen Verarbeitungszeiten. Je höher die Kommissioniermenge und je großer die Positionenzahl pro Auftrag, desto eher rechtfertigen sich automatische Kleinteilelager mit integrierten, realtime-verarbeitenden Computersystemen. In den letzten Jahren sind diese Systeme entwickelt und erprobt worden. Dies mögen die Bilder von verschiedenen Anlagen beweisen.

Wie aber löst man die Datenverarbeitung, wenn sich ein automatisches Lager nicht rechtfertigt? Auch hier ist die Zeit der "Handverwaltung" des Lagers vorbei. Schon kleine Bestände sind auf den Computer zu führen und die Auslager-Auftragspapiere müssen so ausgedruckt werden, daß ein optimales Kommissionieren bezüglich Fahrweg und Auftragsfolge möglich ist. Die Computerprogramme müssen für diese Optimierungsaufgaben ausgerüstet werden.

Echte Rentabilitätsrechnungen lassen sich bekanntlich nur dann anstellen, wenn die verschiedenen Konzeptvarianten in all ihren Facetten durchgeplant und ihre Kosten in allen beeinflussenden Positionen erhoben werden.

Beim Vergleich von

- handbedienten Lagern,

- automatischen, zweistufig kommissionierten Lagern

- und automatisch, einstufig kommissionierten Lagern

sind bei der Erhebung der Investitionskosten folgende Kostenpositionen meistens markant unterschiedlich:

- Baukosten (Raumansprüche für die Lagerzone, den Kommissionierbereich sowie vor- und nachgeschaltete Verkehrs- und Handhabungsflächen sind unterschiedlich. Beleuchtungsinstallationen können in automatischen Lagern fehlen);

- Lagereinrichtungen (automatische Lager ermöglichen die chaotische Lagerordnung und dadurch bessere Nutzung des Volumens. Der Ladeträger beeinflußt die Regalkosten);

-Regalbediengeräte (automatische Geräte sind teurer, ermöglichen aber dank großer Leistung die Reduktion der Anzahl Lagergassen gegenüber Handgeräten).

- Förderanlagen (einstufige, automatische Kommissionierungen verlangen erhöhte Anlagenkomplexität. Der Abtransport aus dem Lager beziehungsweise vom Kommissionierplatz ist systemabhängig verschieden);

- Prozeßsteuerung, Lagerverwaltungssystem und Bedienungsterminals.

Die Betriebskostenunterschiede sind zu finden bei:

- Personalbestand (Kommissionierung, Auftragszusammenstellung, Arbeitsvorbereitung, Zu- und Abtransport von Waren und Leergebinde, Dispositionen, Fabrikatsplanung, Inventur, Reserven für Personalausfälle);

- Warenbevorratung (Reduktion des Lagerbestandes bei computergestützten, realtime-verarbeitenden Informatiksystemen);

- Energiekosten (automatisches Lager: keine Beleuchtung, niedrige Raumtemperaturen);

- Marketingkosten (eine schnelle fehlerfreie Normal- und Express-Auftragserledigung spart Reklamationsbehandlungen und verhilft zu treuen Kunden. Automatische Systeme sind schneller und betriebsunempfindlicher, wenn Expressaufträge ausgeführt werden müssen).