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21.02.2005

Mobilfunk und Festnetz verschmelzen

Nach Jahren der euphorischen Versprechungen dominierte auf dem diesjährigen 3GSM World Congress wieder die Praxis - insbesondere in Form von gebrauchsfertigen Lösungen für mobile Unternehmensanwendungen.

Die Mobility-Branche strotzt wieder vor Selbstvertrauen in den Markt. Für diese Zuversicht gibt es zwei Erklärungen: Einerseits steigt bei den Netzbetreibern nach den mageren Jahren seit 2001 nun wieder die Bereitschaft zu investieren, andererseits wurden auf der diesjährigen 3GSM viele technische Versprechen der vergangenen Veranstaltungen endlich eingelöst. Oder wie es Intel-Manager Howard Bubb formulierte: "Wir reden nicht mehr nur über Bluetooth, WLAN, UMTS, mobile Grafikprozessoren und schnelle, energiesparende CPUs wie unseren X-Scale sowie integrierte Kameras. Jetzt bringt die Industrie die Geräte auf den Markt." Dank kleinerer Flash-Speicher, für Intels Vice President Darin Billerbeck sind die ersten Handys mit 5 GB Speicher in naher Zukunft vorstellbar, scheint auf den mobilen Endgeräten bald nahezu jede Applikation möglich zu sein. "Wir haben heute mobile Devices", verdeutlicht Bubb den Leistungssprung, "deren Performance einem Mittelklasse-PC vor rund 18 Monaten entspricht."

Zweiteilung des Marktes

Gleichzeitig zeichnet sich eine Zweiteilung des Marktes ab: Auf der einen Seite reine Consumer-Geräte, auf der anderen Produkte für den professionellen Einsatz. Auf der Consumer-Seite steht dabei vor allem die Integration der Videofähigkeit im Vordergrund, und mit DVB-H kann der Handy-Benutzer auch bald digital fernsehen. Über die angebotenen Inhalte kann man allerdings geteilter Meinung sein, denn neben Spielen und Klingeltönen folgt die Content-Industrie mit Services wie Video-Striptease dem alten Erfolgsrezept "Sex sells".

Auf der Business-Seite gehören dagegen mittlerweile vollwertige Tastaturen, mit denen sich E-Mails unterwegs bequem bearbeiten lassen, zum guten Ton. War diese Ausstattung bis vor kurzem ein Alleinstellungsmerkmal für die Blackberrys von RIM, so sind nun entsprechende Messaging-fähige Endgeräte auch bei Hewlett-Packard, Benq, Asus, Siemens, Qtek und anderen zu finden.

Überraschenderweise feiert im Rahmen der mobilen E-Mail-Verarbeitung neben den un- terschiedlichen Verteilungsverfahren (Push, Pull, angestoßen durch Shadow-SMS) die alte Voice-Mail ein Comeback. So setzt das schwedische Unternehmen Mobeon, das zu den Pionieren in Sachen Mobile E-Mail zählte, wieder auf diese Methode. Dank leistungsfähiger Text-to-Speech-Engines, wie sie Scansoft offeriert, kann sich der Benutzer der Mobeon-Lösung seine E-Mails unterwegs vorlesen lassen. Gleichzeitig kann er über ein Frontend durch die Verknüpfung von VoIP und XML einen Workflow für seine Mails definieren oder Antworten vorformulieren, die bestimmte Absender dann automatisch bekommen.

Instant Messaging

Mobeons Methode ist jedoch nur einer der Ansätze, mit denen die Hersteller das Thema Mobile Messaging angehen. So setzt das kanadische Unternehmen Oz neben der mobilen E-Mail-Bearbeitung auf die Instant-Messaging-Karte. Wie vom PC gewohnt, kann der Anwender hier auf dem Handy etwa die Instant-Messaging-Services von AOL oder Microsoft nutzen. Mit Alcatel haben die Kanadier bereits einen bekannten Handy-Hersteller als Partner gewonnen. Für das Oz-Management ist allerdings Instant Messaging nur ein erster Schritt in die mobile IP-Welt. Als nächstes soll Voice over IP (VoIP), also Sprachverbindungen auf Tastendruck wie beim Walkie-Talkie, auch mit dem Handy ermöglichen. Eine Einschätzung, die sich mit der Meinung von Joachim Permien, CEO der auf mobile Anwendungen spezialisierten Münchner Softwareschmiede Zesium Mobile, deckt. Für ihn hat Push to Talk over Cellular (POC) das Potenzial, sich in Unternehmen als Nachfolger des klassischen Betriebsfunks (Bündelfunk) zu etablieren, weil es auch Gruppenruf ermöglicht. Permien ist überzeugt, dass Mobilfunker noch in diesem Jahr erste Push-to-talk-Lösungen in Deutschland auf den Markt bringen.

Ein anderes VoIP-Szenario zeigte in Cannes Bridgeport Networks mit dem Roaming zwischen WLAN und Mobilfunknetz: Nähert sich der Besitzer eines WLAN-fähigen Endgerätes einem Access Point, so schaltet das Telefon automatisch vom teuren Mobilfunknetz auf das WLAN um, und der Benutzer telefoniert preiswert per VoIP. Neben den Kostenaspekten hat diese Lösung noch in anderer Hinsicht ihren Charme: Verlässt der Benutzer mit seinem Handy etwa das Büro und den Wirkungskreis des Access Point, werden alle Anrufe, auch die des Bürotelefons, automatisch auf das Handy weitergeleitet - ein Punkt, den gerade Unternehmen mit intensiven Kundenkontakten schätzen dürften.

Roaming zwischen Hotspots

Um diese Lösung sinnvoll nutzen zu können, müsste jedoch eine Grundbedingung endlich erfüllt sein: Das Roaming zwischen den WLAN-Hotspots unterschiedlicher Betreiber, denn kaum ein Benutzer will für jeden Hotspot eine extra Rubbelkarte mit Zugangsberechtigung kaufen. Eine technische Grundlage für die Hotspot-übergreifende Übergabe hat Intel mit dem International Roaming Access Protocol (Irap) gelegt, das in Hotspots die unterschiedlichsten Authentifizierungs- und Abrechnungsmechanismen unterstützt. Eine entsprechende Client-Software will Intel mit den Centrino-Chipsätzen der Sonoma-Generation ausliefern.

Obiges Szenario ist nur ein Beispiel dafür, wie auf der diesjährigen 3GSM unterschiedlichste Techniken ineinander greifen und so neue Lösungen ermöglichen. Ein anderer solcher Fall ist die "zweite UMTS-Generation", die mit HSDPA (High Speed Data Packet Access) auf den Plan tritt. Entsprechende Datenkarten, die mit Download-Raten von bis zu über einem Mbit/s aufwarten, will etwa Sierra Wireless spätestens im vierten Quartal 2005 auf den Markt bringen. Fast noch wichtiger als die höhere Download-Rate ist für professionelle Anwender ein anderer Gesichtspunkt: Bei HSDPA soll die Latenzzeit im Vergleich zu bisherigen UMTS-Datenkarten nur noch ein Viertel so lang sein. Das dürften vor allem Anwender begrüßen, die unterwegs auf zeitkritische Echtzeitapplikationen zugreifen müssen.

Kombiniert man HSDPA wiederum mit einem leistungsfähigeren Mobile-Browser als Microsofts "Internet Explorer", so eröffnet dies ein weites Feld an Web-fähigen Applikationen. Einen entsprechenden Browser offeriert etwa Access Co. Ltd. mit deutscher Niederlassung in Oberhausen für eine Vielzahl von mobilen Endgeräten. In der aktuellen Version 3.3 beherrscht "Netfront" nicht nur RSS-Feeds, sondern bietet auch ein PDF-Plugin und verfügt über eine vernünftige Smart-Rendering-Funktion, um Web-Seiten auf den kleinen Displays darzustellen.

Leistungsfähiger Mobil-Browser

Als einer von wenigen mobilen Browsern kommt er zudem mit der weit verbreiteten Unsitte, Frames auf Web-Seiten zu verwenden, zurecht und verarbeitet zudem Scripts sowie XML. Alles Features, die laut Claudia Höck, Managerin bei Access Deutschland, etliche Unternehmen mit SAP-Anwendungen zur Anschaffung des Browsers bewogen.

Neben der Möglichkeit eines Browser-gestützten Zugriffs auf Unternehmensinformation bieten Hersteller wie Intellisync und Extended Systems die Möglichkeit, Daten unterwegs zu synchronisieren. Interessant ist der Ansatz der französischen Ipracom SA. Ihre Software erlaubt den Server-gestützten Zugriff auf Unternehmensdaten, kann aber auch ohne Server von kleineren Büros zum Zugriff auf persönlichen Daten genutzt werden.

Dass in dieser mobilen Welt das Management der Endgeräte für den Administrator nicht zum Alptraum werden muss, zeigen Lösungen wie von HP oder Red Bend, die ein Over-the-Air-(OTA-) Update für Software und Firmware der mobilen Geräte erlauben. Primär für Mobilfunkbetreiber konzipiert, vermarkten allerdings auch etliche Anbieter ihre Lösungen an Enterprise-Kunden. Über OTA, so das Credo in Cannes, wird später auch der Schutz vor Viren erfolgen: Entweder übermitteln die Carrier aktuelle Virensignaturen an die Endgeräte, oder sie überprüfen selbst den Datenverkehr. Letzteres schon in eigenem Interesse, denn im Gegensatz zum normalen Internet, wo es noch genügend Bandbreite gibt, sind Mobilfunkbetreiber darum bemüht, dass die noch knappen Übertragungsressourcen nicht durch Viren aufgebraucht werden.