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09.08.2002 - 

UMTS in Deutschland: Strategische Veränderungen sind überfällig

Mobilfunker in der Wertschöpfungsfalle

MÜNCHEN (CW) - Die Branche der Mobilfunker steht am Scheideweg: Zahlt sich das UMTS-Investment aus, oder handelt es sich um ein Fass ohne Boden? Experten gehen davon aus, dass Strategie und Positionierung der Carrier vor gravierenden Umwälzungen stehen.

Nicht erst der spektakuläre Rückzug des Neulings Quam hat Fragen zur Zukunft der in Deutschland tätigen Mobilfunkkonzerne aufgeworfen. Wie viele Carrier verträgt der Markt, wie entwickeln sich die durchschnittlichen Umsätze pro Kunde (Average Revenue Per User = Arpu), und welcher Anbieter hat das beste Marketing-Konzept für die neuen Datendienste? Im kommenden Jahr müssen die Netze der dritten Generation (3G) gemäß den Lizenzbedingungen an den Start gehen, und ein Fiasko wie einst beim Wireless Application Protocol (WAP) kann sich die Branche nicht mehr leisten.

Dabei sei eindeutig eine Nachfrage nach mobilen Datendiensten festzustellen, meint Roman Friedrich, Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton. Insofern gebe es "Hoffnung für die Mobilfunker", auch wenn seiner Einschätzung nach nicht jeder Carrier erfolgreich sein wird. Der Markt müsse erst erschlossen werden, und "die Technik ist kein Schlüssel zum Erfolg". Den Kunden kann es im Grunde genommen nämlich egal sein, ob sie ihre Daten gerade über ein UMTS-, ein GPRS- oder ein Wireless-LAN-Netz übertragen.

Zudem müssten die Anbieter mit Traditionen brechen und dürften sich nicht immer an der absoluten Höhe des Arpu orientieren. Viel wichtiger sei es laut Friedrich, den eigenen Anteil am durchschnittlichen Kundenumsatz innerhalb der Wertschöpfungskette zu bestimmen: "Die Erkenntnis, dass Teile des Arpu wegfallen könnten, setzt sich gerade durch", berichtet der Booz-Geschäftsführer. Statt die komplette Kette vom Content über den Transport bis zu den Kunden und Endgeräten abzudecken, würden sich einige Mobilfunker zunehmend auf einzelne Glieder konzentrieren. Den Carriern steht eine "Kulturrevolution" ins Haus, der sich niemand verschließen kann.

Ein drängendes Problem sind die Partnerschaften der Mobilfunker, etwa bei Inhalten, der Plattformentwicklung oder im Endgerätebereich. Die Allianzen könnten sich als zweischneidiges Schwert herausstellen: Einerseits beschleunigen sie den Aufbau des Gesamtsystems, andererseits sind sie eine Bedrohung der etablierten Carrier. Diese seien künftig nicht mehr "ungestört" in ihrem Markt, argumentiert Friedrich. Folglich nehmen die neuen Marktteilnehmer den traditionellen Anbietern einfach einen Teil des Kuchens weg: Die Frage ist nur, wie groß der Rest ist und ob er zum Überleben ausreicht.

Zudem hapert es laut Friedrich noch am Vertrieb der mobilen Datendienste: "Die Umstellung auf die neue Welt ist bei den Carriern noch nicht angekommen." So sei die Vermarktung dürftig, konkrete Nutzenversprechen würden nicht gegeben. Stattdessen liegt der Fokus der Vermarktung immer noch auf technischen Standards, ohne den Mehrwert der Dienste in den Vordergrund zu rücken. Negativ wirken sich auch Preismodelle aus, die sich am übertragenen Datenvolumen orientieren. Daher hält nach der Booz-Untersuchung die überwiegende Mehrheit der Befragten die Dienste schlicht für zu teuer. "Die Carrier müssen ihre Hausaufgaben machen", fordert Friedrich.

Auch wenn die Branche vor einer Umwälzung steht, scheint sich zumindest bei den Marktanteilen der Trend der vergangenen Monate gefestigt zu haben. Aus Unternehmenskreisen von T-Mobile verlautete vergangene Woche, Ende des zweiten Quartals habe man mehr als 23,2 Millionen Kunden gehabt. Zudem sei der Arpu leicht auf 23,20 Euro gestiegen. Auch Vodafones durchschnittlicher Umsatz pro Kunde kletterte auf 25,2 Euro. Trotzdem musste der Carrier melden, dass er im vergangenen Berichtszeitraum 90000 Nutzer verloren hat. Aktuell telefonieren in Deutschland 21,35 Millionen Menschen mit Vodafone. (ajf)

Vodafone: Probleme mit Bilanzierungsdetails?

Vergangene Woche verkündete Vodafone, mit knapp 104 Millionen Kunden der weltweit größte Mobilfunkanbieter, schlechte Nachrichten: Der Konzern räumte ein, seine Umsätze frisiert zu haben. So wurden in einigen Fällen die Erlöse aus drahtlosen Internet-Diensten als eigene Einnahmen verbucht, obwohl zumindest ein Teil davon an Content-Lieferanten abgegeben worden war. Dabei handele es sich um reguläre Bilanzierungspraktiken, hieß es aus der Konzernzentrale. Analysten kritisierten indes, dass der durchschnittliche Umsatz je Kunde (Arpu) dadurch nicht richtig wiedergegeben worden sei. Eigenen Angaben zufolge hat die Company ihre Gewinne stets korrekt ausgewiesen.

Abb: Mobilfunkumsätze in Deutschland

Der Anteil der mobilen Datenübertragung steigt kontinuierlich an, während sich das Volumen der Sprachdienste mittelfristig abschwächt. Quelle: CIT Publications/Booz Allen Hamilton