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02.10.2006

Mobilfunker vergessen die Firmenkunden

Die Vertreter des Telekomforums sparten beim CW-Roundtable "Mobile Business Applications" nicht mit Kritik an IT-Herstellern und Mobilfunkanbietern.

Neue Smartphones, PDAs mit Telefonfunktion sowie neue Ansätze zur Mobilisierung von E-Mails überschwemmen geradezu den Markt, so dass der Gedanke nahe liegt, das Thema "Mobile Business Application" reduziere sich derzeit auf Mobile E-Mail. Nach Ansicht der Vertreter des Telekomforums - der Anwendervereinigung der Geschäftskunden der Deutschen Telekom - ist dieser Eindruck jedoch falsch. Für die Experten, die sich in der Anwendervereinigung auch im Rahmen einer Fokusgruppe mit dem Thema befassten, sind mobile Geschäftsanwendungen ein gigantischer Markt, der weit über das Thema Mobile E-Mail hinausgeht.

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Das kritisieren Anwender

• keine SLAs im Mobilfunk;

• Anwendungen für Profis fehlen;

• zu schneller Modellwechsel bei Endgeräten;

• zu viel Features der mobile Devices;

• keine standardisierten Schnittstellen;

• es fehlen Lösungen aus einer Hand.

Projekt-Tipps

• Klären Sie, ob ein zentraler Ansatz oder eine Hybridlösung ihre Business-Prozesse besser abbildet;

• wägen Sie sorgfältig ab, ob sich die Übertragungskosten im Businesscase abbilden lassen;

• wählen Sie die zu übertragende Datenmenge mit Bedacht, dann muss es nicht UMTS sein;

• achten Sie darauf, dass sich nicht benötigte Funktionen bei Handys etc. deaktivieren lassen;

• prüfen Sie, ob ein Store-and-Forward-Prinzip möglich ist, um Übertragungskosten zu sparen.

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www.computerwoche.de

581616: Effektiver Arbeiten mit Dual-Mode-Handys;

581322: Der Mobility-Markt boomt;

581320: Mobiles Arbeiten verlangt Disziplin.

Geheimniskrämerei um Projekte

"Es passiert bereits heute viel, nur ist es noch nicht auf dem Radar der Öffentlichkeit als große Bewegung", meint Peter Sachsenmeier, Senior Partner bei der Information Management AG im Schweizer Schaffhausen und bei vielen Mobility-Projekten beratend tätig. Erschwerend kommt in seinen Augen hinzu, dass viele IT-Leiter nur ungern öffentlich machen, dass sie mobile Anwendungen einsetzen, "denn sonst müssten sie ja zugeben, dass sie sich eventuell Risiken aussetzen".

Keine Angst davor, sich zum Einsatz mobiler Anwendungen zu bekennen hat Werner Schmidt, Mitglied der Vorstände bei den LVM Versicherungen in Münster. Er stellte den Vertrieb seines Unternehmens 2003 auf eine Always-on-Lösung mit echter Dialogverarbeitung um. Dabei fing Schmidt mit GPRS an, das in seinen Augen von der Geschwindigkeit her ausreicht, wenn die Applikation entsprechend ausgelegt ist. "Eine Realisierung des Projekts wäre aus technischer Sicht ein Jahr vorher unmöglich gewesen", blickt der IT-Leiter zurück, "allerdings möchte ich das erste Halbjahr 2003 nicht wieder erleben." Schmidt hatte damals mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, da der Markt nicht auf Business-Kunden eingestellt war und ist. "Für die Mobilfunker zählen nur die verkauften SIM-Karten und dann ist Schluss", liest Sachsenmeier den Anbietern die Leviten.

Mobilfunker bieten keine SLAs

Die Netzbetreiber sollten, so der Konsens der Diskussionsrunde, nicht nur den Endkunden sehen, sondern auch den Business User. Der Preis als Differenzierungsmerkmal sei dabei nur ein Aspekt unter anderen. Im Business-Segment, so die Telekomforum-Mitglieder, rede man über Qualität und Verfügbarkeit. "Derzeit gibt es diesbezüglich keine sinnvollen Service Level Agreements (SLAs) auf Mobilfunkleistungen, und die Anbieter sind auf diesem Ohr ziemlich taub", zeigt sich Schmidt frustriert. Um zumindest intern für die Mitarbeiter eine gewisse Qualität sicherzustellen hat der IT-Leiter eigene Tools entwickelt, mit denen täglich die Performance der mobilen Verbindungen von 100 Usern überwacht wird.

Was sich die professionellen Anwender weiterhin wünschen sind Mobilfunk-Services, die ihren Bedürfnissen gerecht werden. "Wenn die Mobilfunkanbieter nur auf Connectivity und Bandbreite setzen, dann geht der Schuss nach hinten los, denn bei Mobile Business Application geht es um Content und nicht nur um Bandbreite", konkretisiert Winfried Geutsch, Abteilungsleiter bei der VR Netze GmbH in Frankfurt und Sprecher der Fokusgruppe "Innovation und Qualität als Produktmehrwert" im Telekomforum.

Anwendungen für den Profi fehlen

So haben die Profis wenig Verständnis dafür, dass der User zwar Klingeltöne oder Jingles herunterladen kann, aber es für den professionellen Benutzer so triviale Anwendungen wie ein Backup der auf dem Handy gespeicherten Kontakte nicht gibt.

Dies ist allerdings nicht der einzige Punkt, der die Unternehmenskunden an der aktuellen Gerätesituation nervt. So stören die Diskutanten auch die schnellen Produktzyklen der Gerätehersteller, die keine Stabilität über einen längeren Zeitraum gewährleisten. "Die Modellwechsel sind für Unternehmen auch deshalb ein Kostenfaktor, weil sie ihre Mitarbeiter wegen der geänderten Software neu schulen müssen", schildert Sachsenmeier seine Erfahrungen aus der Praxis. Erschwerend komme hinzu, dass die unterschiedlichen Softwarestände der Handys - etwa bei den integrierten Adress-Büchern oder E-Mail-Programmen - durch die IT-Abteilungen kaum zu handhaben seien. Letztlich wünschen sich die Business-Kunden eine Produktkonstanz über 36 Monate verbunden mit einer Austauschgarantie. Weil dies aber bei den Smartphones nicht der Fall sei, sind Notebooks oft die erste Wahl. Hier könne die IT-Abteilung die eigene Software ohne Probleme aufspielen und damit über einen längeren Zeitraum die Anwendungsintegrität gewährleisten.

Wo sind die Business-Endgeräte?

LVM-Manager Schmidt macht zudem noch auf ein anderes Problem aufmerksam: "Aufgrund des Preis-Leistungsverhältnisses müssen wir heute Geräte aus der Consumer-Welt nutzen. Dann haben wir aber unsere Mühe und Not, den Funktionsumfang soweit herunterzustutzen, dass mit den Devices kein Blödsinn getrieben wird." Wenig Verständnis haben die Roundtable-Teilnehmer auch dafür, dass die Anbieter ihre Handies so vorkonfigurieren, dass die Nutzer auf ihre Online-Portale gelotst werden, den Geschäftskunden derlei Option aber nicht einräumen. Die Geräte lassen sich kaum an unternehmensspezifische Bedürfnisse anpassen. Dies könnte ein Nischenmarkt für neue Dienstleister sein, die "customizable" Mobiltelefone für Unternehmen vermarkten.

Auch ansonsten fühlen sich die Unternehmen von den Mobilfunkern im Stich gelassen. Während mit großem Marketingaufwand neueste Features für Privatkunden angepriesen würden, sei es kaum möglich, Angaben über so wichtige Dinge wie die Empfangsleistung zu bekommen. Diese entscheide aber darüber, ob ein Außendienstler beim Kunden im Wohnzimmer noch seine mobilen Anwendungen nutzen kann oder nicht. So erlitt Schmidt etwa vor Jahren mit Datenkarten für Notebooks Schiffbruch, weil die Antennen flach im Boden angebracht waren und damit in den meisten Zimmern keinen Empfang hatten. Seine Mitarbeiter wichen dann auf datenfähige Handys aus, die auf die Fensterbank gelegt und per Bluetooth mit dem Notebook gekoppelt wurden. Laut Schmidt hat sich diese Situation mittlerweile gebessert, seit die Carrier beim Netzausbau stärker auf die Inhouse-Abdeckung achten.

"Unter dem Strich stehen wir heute vor dem Dilemma, dass ich als Geschäftskunde Leistungen auf gehobenen Level benötige, die viele Anbieter nicht darstellen können", fasst Manfred Schlottke, Vorstandsvorsitzender des Telekomforums, die aktuelle Situation zusammen.

Chancen für Systemhäuser

Erschwerend komme hinzu, dass der Geschäftskunde mobile Anwendungen, Netzleistung und Endgeräte nicht aus einer Hand beziehen könne und so bei Problemen von Pontius zu Pilatus geschickt werde. "Gerade bei schwierigen Projekten", so ist Schlottke überzeugt, "wäre ein Systemhaus hier das richtige Forum." Aus nahe liegenden Gründen hoffen die Mitglieder des Telekomforums hier auf die T-Systems. Warum es entsprechende Komplettleistungen bislang auf dem deutschen Markt noch nicht gibt, ist den Teilnehmern ein Rätsel. In ihren Augen würde ein Systemhaus von einem solchen Angebot durchaus profitieren, da es so eine längere Kundenbeziehung generieren könne.

Die Probleme rund um die technische Infrastruktur sind jedoch nur eine Seite, die im Zusammenhang mit Mobile-Business-Projekten zu beachten ist. Mindestens genau so wichtig sei es, dass die Unternehmen erst einmal ihre internen Hausaufgaben erledigen. "Und dies ist ein Kraftakt, der strategisch und emotional mehr Kräfte erfordert als mancher glaubt", weiß Schmidt aus Erfahrung. Deshalb sei es wichtig, dass man die Anwender hinter sich habe.

Der zentralistische Ansatz

Der Kraftakt beginnt bereits mit der Frage, ob bestehende Anwendungen lediglich mobilisiert oder wirklich Mobile Business Applications neu entwickelt werden. Was auf den ersten Blick trivial klingt, hat in der Praxis Auswirkungen auf die strategische Positionierung der gesamten IT: Wird sie zentral betrieben oder dezentral mit Client-Server-Strukturen? Schmidt hat sich beispielsweise für den zentralen Ansatz entschieden, "so dass wir ganz radikal keine Anwendungen vor Ort auf den mobilen Endgeräten fahren". Für den zentralen Ansatz spricht laut Schlottke auch der Sicherheitsaspekt, wenn keine Daten auf den Endgeräten vorgehalten werden. "Letztlich werden wir mit den Mobile Business Applications eine Renaissance der Zentralsysteme erleben", ist der Vorsitzende des Telekomforums überzeugt.

Eine Meinung, die allerdings nicht alle Teilnehmer am CW-Roundtable teilten. So haben für Sachsenmeier und Geutsch auch Hybridlösungen, bei denen die Anwendung auf dem mobilen Endgerät läuft, durchaus ihre Daseinberechtigung. So hat Sachsenmeier mit einem Logistikkonzern ein Projekt realisiert, bei dem der Content einmal am Tag bereitgestellt und auf die Endgeräte herunter geladen wird. "Das hat den Vorteil, dass die Verbindung auch einmal abreißen darf", erklärt Sachenmeier. Zudem sei der Anwender damit in der Lage, wie Geutsch ergänzt, das jeweils günstigste Übertragungsverfahren zu nutzen. "Denn bei aller Euphorie sollte nicht vergessen werden, dass sich die jeweiligen Übertragungskosten im Business-Case abbilden lassen sollten", warnt Geutsch, "und ein DSL-Datenpaket kostet nur ein Hundertstel im Vergleich zu UMTS". Entscheiden sich Unternehmen für ein solche Architektur, dann sollten sie jedoch genau überprüfen, welche Store-and-Forward-Intervalle ihre Geschäftsprozesse erfordern - also wie lange Daten auf dem Endgerät vorgehalten werden können, bevor sie zentral synchronisiert werden müssen.