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Modem-Ausschreibungen berücksichtigen die Marktprodukte

15.09.1978

Mit Ministerialrat Jürgen Bohm vom Bundespostministerium sprach Dieter Eckbauer

þNachdem die Deutsche Bundespost in diesem Frühjahr neue Modem-Typen für 4800 und 9600 Bit/s eingeführt hat, wird ihr von den Modem-Herstellern erneut Verdrängungswettbewerb vorgeworfen. Kann man's der Industrie eigentlich verdenken?

Die Lücke bei Modem der Geschwindigkeitsklassen 4800 und 9600 haben wir doch besonders lange offen gehalten, so daß sich die Firmen über Jahre hinweg bewußt waren, daß das kommen wird Sie wußten aber auch, daß das macht so schnell kommt. Wir haben jetzt die Lücke mit guten Angeboten schließen können. Diejenigen Firmen, die hier heute am Markt sind, waren auch in den Ausschreibungen, so daß wir den Wettbewerb "spielen" lassen konnten. Wir haben keine Postversion und es stimmt auch nicht, was so oft gesagt wird, daß wir versuchen, den anderen unsere Vorstellungen aufzudrängen. Wir gehen von den CCITT-Standards aus und von dem, was die Teilnehmer sonst noch haben möchten. Wenn sie also Kanalaufteilung haben und das wird CClTT-mäßig erfaßt, dann ist das jetzt mit in unserem Angebot.

þHerr Bohm, Sie sagten, die Angebots-Lücke bei High-Speed-Modem wurde bewußt offen gehalten. Nun ist bekannt, daß sich die DBP mit ihrem Modem-Angebot an Bedarfsschätzungen orientiert. War jetzt der richtige Zeitpunkt erreicht - oder sprachen andere Gründe dafür, das Angebot zu erweitern?

Derartige Entscheidungen sind jeweils Ergebnisse von Wettbewerben, und diese Wettbewerben werden von uns losgrößenmäßig gemacht. Das Fernmeldetechnische Zentralamt in Darmstadt schätzt den Bedarf aufgrund von Teilnehmerplanungen und versucht, den Halbjahres- oder Einjahresbedarf abzudecken. Sie wissen ja, der Preis ist auch durch die Stückzahlen bestimmt. Da die Entwicklung auf dem Modemgebiet relativ rasch verläuft, kann man andererseits nicht zu hohe Stückzahlen nehmen, sonst sitzt man auf alten Scharteken rum, die vom Design oder von der Technologie her den Teilnehmer nicht ansprechen und nicht befriedigen, weil das Ding vielleicht zu groß ist oder sonst etwas. Zwischen diesen Faktoren versucht das FTZ abzuwägen, um auf entsprechende Stückzahlen zu kommen und schreibt dann diese Geräte aus - und zwar an alle Hersteller, die im deutschen Markt Geräte anbieten

þNun werden gerade die Ausschreibungs-Spielregeln als undurchsichtig kritisiert.

Den Ausschreibungen liegen Spezifikationen zugrunde, die so ausgeführt sind, daß sie alles. was auf dem deutschen Markt notwendig ist - VDI-Vorschriften und so weiter - bindend enthalten, aber ansonsten die Marktprodukte berücksichtigen.

þNach welchen Kriterien werden die Modem bewertet?

Welches Gerät genommen wird, wird nach einem vorher erarbeiteten Muster einfach, ich möchte sagen, errechnet Die Gerate müssen vorgestellt und einem Zuverlässigkeits- und einem Bedienbarkeitstest unterzogen werden. Das FTZ macht dann den Vorschlag und kauft ein.

þDann verstehe ich nicht, warum einige Anbieter lamentieren, sie würden durch das Vorgehen der Bundespost in ihrer Berufsausübung, dem Vertrieb von Modem, eingeengt?

Das ist etwas, was wir immer wieder in die Diskussion einführen: Das Bundesverfassungsgericht hat diese Frage im vorigen Jahr entschieden und die Praktiken der DBP für korrekt befunden. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht selbst noch einmal den Markt umrissen. Und der Markt ist eben einmal das, was die DBP einkauft Aber wir beschränken uns ja nur auf die öffentlichen Netze, dazwischen gibt es die Privatfernmeldeanlagen, da gibt es die Sondernetze, da gibt es den Export.

þWollen Sie damit sagen, daß es die Alternative gäbe, in diesem Fall andere

Modem-Typen zu nehmen? Ist das nicht Augenauswischerei?

Nun, dazu ist zunächst folgendes zu sagen: Der Anbieter, der zum Beispiel am Fernsprechnetz arbeitet, kann nur Geräte verwenden, die auch den CCITT-Standards - präziser, den sogenannten V-Empfehlungen - entsprechen. Nur diese Geräte werden auch zugelassen. Das ist die eine Aussage. Welche Konstruktion der Teilnehmer dann durchführt, um den Datenverkehr zu konzertieren, um von seinem Grundstück ins öffentliche Netz zu kommen, das ist seiner Planungsgeschicklichkeit überlassen. Das gleiche gilt natürlich im FD-Bereich, also da, wo feste Verbindungen sind. Wir haben ja die Geschwindigkeitsklassen 4800 und 9600 für den HFD-Bereich eingeführt- und hier waren bisher private Modem zugelassen.

þUnd die Deutsche Bundespost geht davon aus, daß es - auf lange Sicht gesehen - nur noch Geräte mit dem Postadler geben wird?

Wir haben mit der Industrie und den Anwendern Übergangsvorschriften oder

Regelungen erarbeitet, die eine langjährige Weiter- und Wiederverwendung von Modem vorsehen.

þWie sollte das funktionieren wenn die öffentlichen Netze von analog auf digital umgestellt werden? Dann werden doch die heutigen Modem nach einer gewissen Zelt nicht mehr gebraucht.

Wir können unsere Einrichtungen, die wir zu den Teilnehmern gestellt haben, dann immer noch in Gebiete bringen, in denen noch alles analog ist . . .

þ. . . der Teilnehmer selbst kann das nicht . . .

. . . der sitzt auf seinen Geräten rum und wirft uns vor, wie kommt die Deutsche Bundespost dazu, das Netz umzustellen?

þAlso ist es mit den Übergangsvorschriften nicht weit her, weil Modem-Herstellern und Teilnehmern der tiefere Einblick in die Planungen der Post fehlt?

Wir bemühen uns seit 1974, zusammen mit aussagefähigen und vor allem aussagewilligen Kräften - ganz gleich, ob es Einzelpersonen, Firmen oder Verbände sind - erst mal die Landschaft zu erkennen und zu gestalten. Das Erkennen war zuerst der schwierigste Vorgang, denn hier spielen viele Akquisitions-Gesichtspunkte mit hinein: Weder Hersteller noch Consultants erzählen gerne, was sie jetzt oder in der nächsten Zeit am Markt machen werden. Aber die Gespräche im Arbeitsausschuß für Fragen der Datenfernverarbeitung haben dann doch zu einer Analyse der Landschaft geführt und Aussagen gebracht wie es sich entwickeln wird, um Empfehlungen geben zu können, wie sich die Bundespost verhalten oder sich nicht verhalten soll.

þHerr Bohm, Ihre Darstellung hört sich ein bißchen wie eine Wahlrede an. Geht es im Ausschuß wirklich so zahm zu?

Es ist ein Gespräch, in dem der Anwender sagt, also das ist beim Hersteller

Mumpitz und der Hersteller sagt, da spinnt der Anwender oder die Bundespost spinnt am meisten. Man kann also sehr offen miteinander reden, da reden auch die Konkurrenten über gemeinsame Probleme am Markt.

þWelche Rolle spielt dabei das Bundespostministerium ?

Wir sind lediglich Gast und nehmen an den Sitzungen einfach als Informanten teil. Wir geben und nehmen Informationen, so daß wir, wenn die schriftlichen Empfehlungen kommen, sie sehr schnell umsetzen können.

þNun bilden sich durch die Einführung neuer Technologien in der Datenfernverarbeitung ständig neue Trends. Das erleichtert sicher nicht gerade die Arbeit des Ausschusses. Oder glauben Sie, daß sich die Dinge jetzt stabilisieren?

Nein, das glaube ich noch nicht. Wenn Sie sich eine Kurve vorstellen, die mit einer leichten Steigung anfängt und dann immer steiler nach oben steigt, dann sind wir noch im unteren Bereich. Wir glauben, daß die Steigung der Kurve eher noch zunimmt.

þBezieht sich das jetzt auf die Technologie oder auf das Datenübertragungsvolumen ?

Auf das Datenübertragungsvolumen, auf die Zahl der Terminals, auf die Zahl der Modem - auf alles. Wir haben ja immer erklärt, daß wir unser Dienstleistungsangeboten den Marktanforderungen unter Beachtung der internationalen Normen anpassen, auch unter Beachtung dessen, was internationaler Verkehr ist. Da gibt es andere Meinungen, die sagen, der Datenverkehr ist vornehmlich national, da sollte man, wenn sich das als fester Trend herausbildet, etwas tun. Dann könnten nämlich billigere Einrichtungen geschaffen werden. Im internationalen Verkehr sind erblich stärkere Auflagen fernmeldetechnischer Art zu erfüllen - die Einrichtungen sind dann teurer. Unsere Einrichtungen sind heute

auf den internationalen Verkehr ausgerichtet.

þAm Beispiel "nationaler und internationaler Datenverkehr" es ist, Prognosen für die Entwicklung der Datenfernverarbeitung zu stellen.

Das ist in der Tat eine zusätzliche Erschwerung: Man macht heute Prognosen zum Beispiel aus dem engeren EDV-Bereich, aber es laut nur enorm schwer voraussagen, was der Textverarbeitungsbereich und der Bildschirmtext bringen werden und ob wir unsere Entwicklungsziele, also etwa fünf Mark pro Modem, erreichen können.

þDie Post will Nachfrage nach den neuen Diensten sehen - ist nicht der Anwender sagen die immer wieder, ach Kinder, könnt ihr nicht ein bißchen langsamer machen? Wir hüpfen jetzt gerade in das Datexnetz und das bedeutet eine vollständige Umplanung des organisatorischen EDV-Konzepts. Wenn die DBP erst Bildschirmtext und Textverarbeitung bringt, wie sollen wir das alles nachvollziehen?