Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.09.1997 - 

Entwickeln mit Java/Die Verführung zur kopflosen Programmierlust

Modernste Technik für noch mehr Insellösungen?

Java beflügelt die Phantasie der Marketiers, Web-Designer und Entwickler. Die objektorientierte Internet-Programmiersprache ist verführerisch. Sie macht das World Wide Web lebendig; typische IT-Probleme der Vergangenheit sind damit scheinbar wie weggeblasen: Java-Applikationen sind per se portabel, in heterogenen IT-Landschaften einzusetzen und innerhalb kürzester Zeit weltweit im Intra- oder Internet zu verteilen.

Doch genau diese Vorteile können sich zusehends in Nachteile verwandeln - nämlich dann, wenn man Java-Lösungen unabhängig von bestehenden Systemen entwickelt und nicht auf Interoperabilität zwischen neuen und existierenden Komponenten der Architektur achtet. Schnell ist dann im Unternehmen ein Sammelsurium von Insellösungen entstanden, die zwar ihre Funktionen erfüllen, aber die Geschäftsprozesse insgesamt kaum unterstützen und das Potential der Sprache nicht optimal nutzen.

Bestell- und Adreßformulare sowie Animationen auf Java-Basis sind zwar im WWW häufig zu finden, doch meist ist die Anwendung der Sprache damit bereits wieder erschöpft. Oft endet der halbherzig geschaffene Datenweg aus solchen Java-Applets vor den Toren der bestehenden IT-Architekturen. Und in deren Festung gelangen die Daten im besten Fall über das Common Gateway Interface (CGI) oder mühsam über andere Schichten.

Am Ende existieren in den IT-Landschaften der Unternehmen mindestens zwei Welten nebeneinander, die nur über ein Nadelöhr miteinander kommunizieren können. Damit diese Teilung nicht entsteht beziehungsweise aufgehoben wird und sich zentrale Arbeitsprozesse besser unterstützen lassen, sollten Unternehmen frühzeitig umfassende Konzepte erarbeiten für den Einsatz von Java-Applikationen im Intranet, Extranet oder Internet.

Die Möglichkeiten, die Java bietet, um die eigenen Prozesse effizienter zu gestalten und Kunden auch über das Internet an sich zu binden, werden heute häufig gar nicht zu Ende gedacht und bei weitem nicht ausgereizt. Konsequent eingesetzt, ließen sich mit Java nicht nur die bestehenden Arbeits- und Kommunikationsabläufe effizienter, sondern ganze Wertschöpfungsketten neu gestalten, Produktionsprozesse noch enger verzahnen, Kunden individueller betreuen und Auslieferungszeiten verkürzen.

Es erfordert sicherlich Mut, Außenstehenden solchen Einfluß auf die internen Prozesse zu erlauben. Aber war es nicht das Ziel vieler mühsamer Projekte unter der Flagge Business Process Re-engineering, die eigenen Geschäftsabläufe so gut wie möglich auf den Kunden auszurichten, um ihn langfristig zu binden und die Wettbewerbsfähigkeit am Markt zu erhalten? Java schafft dafür die technischen Voraussetzungen - und wer den Einstieg frühzeitig und strategisch plant, kann den Wandel selber gestalten.

Trotz hochgesteckter Ziele empfiehlt es sich, beim Einstieg in eine neue Technologie pragmatisch vorzugehen: In Pilotprojekten lassen sich die Nutzbarkeit von Java in eigener Anschauung und Anwendung erarbeiten, Entwicklungswerkzeuge testen und Mitarbeiter nach und nach an die neue Technologie heranführen. Vorrangiges Ziel ist es, mit der Java-Technologie optimale IT-Lösungen für ein Unternehmen zu finden, die seine Position und Flexibilität am Markt verbessern und stärken.

Die Möglichkeiten zur Integration, Migration und effizienten Entwicklung unternehmenskritischer Java-Lösungen hängen in großem Maße vom eingesetzten Werkzeug ab. Gerade wer Java-Applikationen langfristig in die bestehende IT-Architektur integrieren und damit unternehmenskritische Geschäftsprozesse unterstützen will, sollte deshalb bei der Auswahl Sorgfalt walten lassen (siehe Textkasten auf Seite 58 "Der Weg zum passenden Java-Werkzeug"), zumal der boomende Markt relativ unübersichtlich ist.

Produktions- und Geschäftsabläufe werden immer komplexer, gleichwohl müssen sie dauernd auf neue Anforderungen reagieren. Das in entsprechende IT-Lösungen umzusetzen, braucht Zeit. Amerikanische Marktanalysten wie die Patricia Seybold Group empfehlen daher, die Arbeitsabläufe nicht hart in den IT-Lösungen zu kodieren, sondern das Modell der Geschäftsprozesse strikt von der Applikationslogik zu trennen. Ändern sich die Abläufe, läßt sich das Modell zunächst flexibel modifizieren, um diese Änderungen dann einfach in den Applikationen nachzuvollziehen.

Die Entscheidungsprozesse eines Unternehmens spiegeln sich in seinen Geschäftsregeln wieder. Aus ihnen lassen sich Modelle für die gesamte Organisation zusammensetzen und in Regelbibliotheken speichern. Sie stellen das operative Business-Know-how eines Unternehmens dar.

Regelbibliothekenfür "schlaue" Applets

Regelbasierte Systeme eignen sich besonders gut zur Modellierung von Geschäftsabläufen, weil sie dazu konzipiert sind, komplexe Sachverhalte wie Ursache-Wirkungs-Prinzipien, Was-ist-wenn-Analysen, Randbedingungen oder Ausnahmen darzustellen. Mit diesen Mechanismen lassen sich - natürlich grafisch unterstützt - für Unternehmen komplette Regelbibliotheken aufbauen, die die Geschäftsabläufe differenziert beschreiben: Allgemeine Regelklassen, die zum Beispiel für alle Hotels einer weltweiten Kette gültig sind, werden dann durch Subklassen spezifiziert, die unterschiedliche regionale und saisonale Gegebenheiten berücksichtigen.

Setzt man diese Technologie gemeinsam mit Java ein, lassen sich Java-Applikationen "schlau" machen, aus Applets werden sogenannte Smartlets.

Aktuelle Java-Applikationen können so zentral gehalten und weiterentwickelt werden, aber differenzierte Regelbasen sorgen dafür, daß lokales Business-Know-how auch vor Ort zur Verfügung steht.

Ohne großen Aufwand kann etwa die Hotelkette unterschiedliche Angebote und Geschäftsbedingungen für Norwegen und die Türkei entwerfen und in den Java-Applikationen nachvollziehen: Der Web-Server in der IT-Zentrale der Kette stellt dann spezifische Applets für die Hotels in Norwegen und der Türkei zur Verfügung, die Subklassen ihrer Standardbedingungen sein können.

Die Regelbasis läßt sich aber nicht nur zentral vorhalten und mit den Applets über das Intranet laden. Für individuelle Angebote eines Hotels (etwa zusammen mit einem lokalen Reiseveranstalter) kann auch eine lokale Regelbasis bestehen, die mit den im Applet arbeitenden zentralen Regeln interagiert. So lassen sich die Geschäftsprozesse einer Hotelkette flexibel modellieren und in unzählbaren Varianten individuell ohne großen Aufwand tagesaktuell umsetzen.

"Mit Java können Unternehmen die Möglichkeiten des Web für ihre Applikationen optimal nutzen ", so Wolfgang Martin, mit dem Bereich Application Development Strategies Europe betrauter Vice President der Meta Group, zu dieser Technologie. "Wenn Java-Applikationen mit einer Regelkomponente verbunden sind, können Applikationen schneller und flexibler gebaut werden. Änderungen in den Geschäftsprozessen lassen sich so ohne großen Aufwand in den Informationssystemen nachziehen. Die Dynamik des Unternehmens am Markt wird nicht mehr durch unzureichende Softwaretechnik gebremst.

Auswahl von Tools

Die Möglichkeiten zur Integra- tion, Migration und effizienten Entwicklung von Java-Lösungen hängen in großem Maße vom eingesetzten Werkzeug ab. Gerade wer Java-Applikationen langfristig in die bestehende IT-Architektur integrieren und damit unternehmenskritische Geschäftsprozesse unterstützen will, sollte sich deshalb für einen offenen Anbieter entscheiden. So hat er jederzeit die Wahl, Java-Applikationen seinen Anforderungen entsprechend mit anderen IT-Komponenten - Werkzeugen und vorhandenen Lösungen - zu kombinieren.

Der Anbieter sollte eine umfassende und langjährige Erfahrung mit Software-Entwicklungswerkzeugen (Client-Server, Objektorientierung, verteiltes Computing etc.) besitzen sowie über Werkzeuge verfügen, die sich bereits mit anderen Programmiersprachen für unternehmenskritische Applikationen bewährt haben.

Das Entwicklungswerkzeug sollte:

- komponentenbasiert und flexibel einsetzbar sein,- leistungsfähige Integrations-Mechanismen mit sich bringen, die entwickelte Java-Applikationen mit bestehenden Systemen interoperabel machen,- Migrationsmechanismen besitzen, mit deren Hilfe sich bestehende Applikationen mittelfristig nach Java konvertieren lassen,- leistungsfähige Widgets zur effizienten Java-GUI-Programmierung haben,- über eine Regelkomponente verfügen, mit der Geschäftsprozesse separat modelliert und in Applikationen nachvollzogen werden können,- grundsätzlich offen angelegt sein,- die parallele Entwicklung von Applikationen unterstützen (etwa sowohl in C++ als auch in Java),- und natürlich vollständig in Java geschrieben sein, Java umfassend und unterschiedliche Foundation Classes wie AFC, JFC oder AWT unterstützen.

Angeklickt

Plattformunabhängigkeit und Geschlossenheit, die Vorteile der Internet-Programmiersprache Java, bergen gleichzeitig ihre größte Gefahr: Sie verführen dazu, mit ihr Lösungen unabhängig von der bestehenden IT-Landschaft zu entwickeln. Wer hier nicht bewußt für Integration sorgt, klagt bald über ein Sammelsurium von Insellösungen, die nicht mit der umgebenden Architektur zusammenarbeiten. Worauf es beim Java-Einsatz ankommt und mit welchen Konzepten sich unternehmenskritische Applikationen auch in verteilten Unternehmen unterstützen und flexibel weiterentwickeln lassen, zeigt dieser Beitrag.

*Stephan Weiland ist Director Strategic Business Development bei der Neuron Data GmbH in Neu-Isenburg.